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Was ist neu?

Bär Tig


Pro Mitglied, Im Todesstern am Rhein

Fight Club: Dinge, die ich zurück lasse

Was ich zurück lasse wenn ich im Sommer 2014 nach insgesamt rund 14 Jahren in Alabama wieder zurück nach Deutschland gehe ... eine kleine Auswahl (von oben links nach unten rechts):

Das bemerkenswerte am Waffle House (in dem es auch Burger und Steak gibt ...) ist, dass keine Schlösser an den Türen sind. Wozu auch, denn der Laden hat 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag geöffnet. Sobald ein neues Waffle House fertig gebaut ist (und es gibt inzwischen über 1700 davon im Süden der USA) und das Licht zum ersten Mal eingeschaltet wird, bleibt es an bis der Laden abgerissen wird. Das Waffle House ist eine Ikone der Südstaaten und wenn man das Leben hier begreifen will geht man Sonnabends zwei Stunden vor Sonnenaufgang dort hin - es ist bis zum Anschlag voll mit Leuten, die vor der Jagd oder dem Angeltrip dort frühstücken.

Die Südstaaten sind mit einer ganz eigenen Art von Menschen bevölkert - freundlich, offen, herzlich, hilfsbereit, immer ein bisschen neben der Spur, humorvoll und loyal. Dass man an der Supermarktkasse von der Verkäuferin als "Sweetie" tituliert wird ist eines der Dinge, die wirklich vermissen werde .... :)

Der leichte Zugang zu Sportveranstaltungen ist einfach phänomenal. Immer sind genügend Parkplätze vorhanden, man muss keine Angst haben von gegnerischen Fans eins auf die Fresse zu bekommen, man kann seine Kinder mit nehmen, in den meisten Sportarten gibt es professionelle Teams in der Gegend (trägt sehr zur Qualität bei ...), die Eintrittspreise sind relativ preiswert und natürlich ist die USA das Mekka für Baseball und American Football.

Es gibt gut 380 Kirchen in Madison County (Einwohnerzahl: 340.000). Wenn man sich hier jemand neuem vorstellt ist eine der ersten Fragen die man gestellt bekommt "In welche Kirche gehst Du?". Kirche gehört hier mit zum Leben wie in Deutschland der Sportverein. Es ist primär eine Begegnungsstätte, in der auch gebetet wird. Religion, so wie wir Europäer sie verstehen, spielt da eine eher untergeordnete Rolle und Theologie kommt so gut wie gar nicht vor. Die Kirchen bilden eigene Gemeinschaften innerhalb der Nachbarschaften und Ortschaften in denen sie liegen.

In Madison County findet man ungefähr 570 Restaurants - von der Burger Bude bis hin zum Nobel-Steak House. Darunter sind auch gut 40 BBQ Places. Dort wird slow smoked meat serviert - Schwein, Hühnchen und Rind, das zwischen 8 und 14 Stunden über indirektem Holzfeuer gegart wurde. Das gibt es in ganz Europa nicht, wenn man Google glauben darf. Aber ich nehme einen kleinen Smoker von hier mit ...

Baumwollfelder regieren hier immer noch die Landschaft - obwohl in den letzten Jahren der Maisanbau (Stichwort: Ethanol zur Benzinbeimischung) massiv an Boden gewonnen hat. So wie in Deutschland die Weizenfelder gehören hier die Baumwollfelder einfach zu Landschaft - und zur Kultur.

Ein wesentlicher Bestandteil jeder Kultur ist ihre Musik. Und davon gibt es hier jede Menge - Bluegrass, Blues, Folk, Jazz, Southern Rock, Country. Und es gibt unzählige Menschen, die ein Instrument spielen. Es kommt nicht von ungefähr, das die USA der Nabel der Musikwelt sind - nicht, dass andere Kulturen nicht genauso talentierte Musiker hätten; aber der Stellenwert von Musik ist hier einfach anders. Es ist einfach nichts besonderes, jeder tut es. Dementsprechend gibt es auch unzählige Veranstaltungen im Laufe des Jahres, bei denen die Amateurmusiker auftreten. Und natürlich auch viele Konzerte von Profimusikern, zu denen man hingehen kann. Und da Nashville nur zwei Stunden von Huntsville entfernt ist, hat man hier eine der Quellen der Südstaatenmusik praktisch vor der Haustür.

Der Sonntagmorgen, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang und eine halbe Stunde danach, gehört mir. Dann bin ich auf Foto-Streifzug durch die Gegend. Das Licht ist normalerweise besonders und man ist relativ ungestört. Und da es in und um Huntsville herum so vieles zu fotografieren gibt brauche ich auch gar nicht so furchtbar früh aufstehen, um erst lange irgendwo hin zu fahren ... :)

Immer mal wieder werden hier die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Dann weiß man, dass irgendwo eine zweistellige Zahl von Menschen gewaltsam ums Leben gekommen ist. Die Halbmastflaggen in dieser Woche waren für die Schießerei im Washington Navy Yard, bei der zwölf Menschen getötet wurden. Das ist nun keine so besonders hohe Zahl, es waren auch keine Kinder dabei und einen terroristischen Hintergrund hat es auch nicht gehabt, also ist das hier auch kein Diskussionsthema gewesen. Man hängt halt reflexartig die Flaggen etwas tiefer und geht zur Tagesordnung über. No big deal, happens all the time.


Diese Collage besteht aus acht alten und einem neuen Bild. Ging nicht anders, denn die Dinge die gezeigt werden passieren nun mal nicht alle innerhalb von zwei Wochen, sondern über das Jahr verteilt.

Mehr zum Thema hier:

Kommentare 20

  • Joachim Irelandeddie 3. Oktober 2015, 11:14

    Eine sehr interessante Collage und ein noch interessanterer Text dazu. Der könnte einem das Land ja schon fast sympatisch machen. Aber gerade das Thema Musik finde ich interessant, denn auch in Irland - wo ich mich ja sehr häufig aufhalte - ist die Musik auch sehr verbreitet. Da hat man auch das Gefühl das hier jeder ein Instrument spielt oder zumindest gut singen kann! Wie gesagt, eine sehr interessante Kombination von Bildern und Text!

    lg eddie
  • innocent 25. September 2013, 12:29

    das Leben besteht aus verschiedenen Abschnitten...
    lg, inn
  • Prost Marlies 24. September 2013, 22:51

    Die Zusammenstellung der Collage mit Deinen persönlichen Erinnerungen finde ich ganz besonders passend.
    Man lässt Dinge zurück, wie Du passend geschrieben hast , aber die Erinnerungen bleiben..
    LG Marlies
  • Ilona Heinrich 24. September 2013, 13:46

    danke für diese interessante arbeit zum thema...

    super gelungen... wunderbare impressionen...

    alles gute für dich...

    lg loni
  • bliXXa 24. September 2013, 12:59

    wie jetzt? demnächst gibts keine
    usa bilder mehr von dir?

    da geht mir aber was verloren.
    wenn ich auch nicht alles kommentiere,
    so geht keins deiner bilder ungesehen und ungelesen an mir vorbei.

    ausgezeichnette reportagefotografie.
    das wird mir echt fehlen.
  • -bk- 22. September 2013, 22:54

    Es fiel mir nicht ansatzweise schwer den Text zu lesen, ich sehe jedes Bild mit anderen Augen;-)
    Und die Regeln hast Du gelesen - ist ein neues Bild dabei;-))))
    LG Bernd
  • R. Kretschmer 22. September 2013, 19:44

    Sehr schön umgesetzt. Was mir besonders gefällt ist dein persönlicher Bezug. Die Collage wirkt sehr stimmig.
    Klasse.
    LG René
  • Marizoom 22. September 2013, 19:27

    ohhhhh seufz,
    Danke für diesen langen Text,
    Danke, das wir soviel in Dein leben schauen konnten....
    denn nur so konnt ich verstehen, was Du nächstes Jahr zurücklassen musst ^.^
    LG zoomii
  • Kawachi 22. September 2013, 17:46

    Schmunzel ;-) Ich hab mir die Sektion mal angesehen, das muss man sich mal geben, du bist tatsächlich der ungekrönte König!
  • panoRAL Foto 22. September 2013, 17:39

    Deine Bilder ohne Text, wären wie ein halbes Bild.
    So aber mein Lieber, mit diesen Tex hast du dir die Norm versaut und ich hoffe ab jetzt ist der Text immer so lang!! :-)

    Feine Collage von Mr. Sektion Alabama.
  • Kitty Goerner 22. September 2013, 15:48

    das ist ein toller, erklärender Text zu einem persönlichen Thema und persönlichen Bild, das sich erst bei genauerer Betrachtung erschließt (finde ich).

    Dann wünsche ich dir auf jeden Fall einen guten Start in Deutschland!
    Liebe Grüße
    Kitty
  • Drea - H 22. September 2013, 15:35

    Man spürt die Liebe zu deiner "Wahlheimat" und auch eine leichte Wehmut, die Collage packt mich richtig - auch ein Danke, ganz besonders für den Text dazu.
    LG Andrea
  • Kawachi 22. September 2013, 15:09

    Ich sag mal: danke für den langen Text, das ist sehr informativ und spannend und daher einfach klasse!
    Ein wundervoller und bestens präsentierter Einblick in diesen, deinen Lebensabschnitt.
    LG Peter
  • Bea Dietrich-Gromotka 22. September 2013, 10:29

    Ich fühle mich gut unterhalten von dir;-))

    Eine sehr stimmungsvolle Collage…Gut!
  • Fiona Hirschmann 22. September 2013, 9:38

    Wow, ein ganz toller, beeindruckender Text. Persönlich und informativ.

    Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute, dass Du bei Deiner Rückkehr vielleicht auch irgendwo mit 'Sweetie' oder ähnlich begrüßt wirst und Du Dich gleich heimisch fühlst :-).

    Ich bin gespannt, in Deinen Fotos dann Deinen Blick auf Deutschland zu entdecken.

    LG aus Berlin, Fi
  • s y 22. September 2013, 6:17

    Ganz feine Zusammenstellung der Bilder, finde ich. Und der persönliche Text gefällt mir sehr.
    HG Sylvia
  • Bär Tig 22. September 2013, 1:42

    Nee, der Themenvorschlag stammt nicht von mir, aber ich habe dafür gevotet ... :).
  • Fotomama 22. September 2013, 0:34

    Ein sehr persönlicher Beitrag von dir. Danke schön. Stammt der Themenvorschlag von dir? Ich habe das Gefühl, das Thema ist dir gerade auf den Leib geschneidert. Wenn ich das so sehe, packt mich die Versuchung, doch nochmal die Kamera zu schnappen und das zu fotografieren, was ich nach 3 Jahren hinter mir lasse...
    Man merkt dem Bild an, dass du dir Mühe mit der Auswahl gegeben hast.
    Gruß, Fotomama
  • -Z-W-I-E-L-I-C-H-T- 22. September 2013, 0:09

    Sehr viel Text, aber die Zeit beim lesen vergeht wie im Flug, wie bei einem guten Buch. Sehr emotional
    wie ich finde. 14 Jahre, das ist eine verdammt lange Zeit und ich möchte nicht wissen wie klein die Bilder deiner Collage geworden
    wären, wenn du die Menschen abgelichtet hättest die du zurück lassen musst die dir fehlen werden ;-)
    Ganz großes Kino wie ich finde .

    LG
    Thorsten
  • restlicht 22. September 2013, 0:05

    das ist sehr eindrucksvoll...
    ein lebensabschnitt,
    der dich sicher nachhaltig geprägt hat !