Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Was ist neu?

Rupert Joseph


Complete Mitglied, Wien

Fes Palasttor

Der Name soll auf Fas (Fès), „Hacke“ auf Arabisch, den Fund oder die Benutzung dieses Gerätes bei der Stadtgründung hindeuten.

Die Stadt „Medinat Fas“ wurde durch Idris I. im Jahre 789 am Platz des heutigen Viertels der Andalusier gegründet. 809 gründete Idris II. „al-Aliya“ am anderen (linken) Ufer des Wadi Fes. Al Aliya entwickelte sich rasch zu einer richtigen Stadt mit Moschee, Palast und Kisariya (Markthalle). Die lebenswichtigen Wasserquellen um Fès, die schon früh berühmt und besungen wurden, waren bestimmt ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Standortes für die zukünftige Metropole.

Die weitere Entwicklung der Stadt ist zwei Einwanderungswellen zu verdanken: Ab 817–818 lassen sich 8.000 andalusische, von den Umayyaden von Córdoba aus Spanien vertriebene Familien in der Stadt nieder. Kurz danach kommen 2.000 verbannte Familien aus Kairouan (Tunesien) hinzu, die sich im gegenüberliegenden Stadtteil ansiedeln.

Die Neuankömmlinge bringen sowohl großes technisches und handwerkliches Können als auch Erfahrung mit Städten und städtischem Leben mit und tragen wesentlich dazu bei, dass sich Fès zum kulturellen Zentrum und zum religiösen Herzen Marokkos entwickelt.

Die 859 von der reichen Kaufmannstochter Fatima el-Fihrya gegründete Universitätsmoschee „al-Qairawiyin“ wird zu einem der wichtigsten Zentren der Geistlichkeit und der Kultur im Islam. Ihre Ausstrahlung hat über die Schulen des islamischen Spanien bis nach Europa Auswirkungen. Auch der arabische Geschichtsschreiber Ibn Khaldoun lehrte hier.

Die günstige Lage von Fès an der Kreuzung wichtiger Handelswege inmitten einer großzügigen natürlichen Region mit wichtigen Rohstoffen für das Handwerk (Stein, Holz, Ton) spielte gewiss eine entscheidende Rolle in dem raschen Aufschwung der neuen Stadt. Besonders wichtig waren die Karawanenstraßen zwischen dem Atlantik und dem zentralen und östlichen Maghreb, und zwischen dem Mittelmeer und Schwarzafrika über die große Handelsstadt Sijilmassa (seit dem 17. Jahrhundert verschwunden) im Tafilalt (heute Region von Rissani/Erfoud).

Die zwei Stadtteile wurden im Mittelalter vereinigt, wobei die trennende Mauer durchbrochen wurde. Die Rolle einer Hauptstadt verlor Fès nach der almoravidischen Gründung von Marrakesch im 11. Jahrhundert und gewann sie wieder nach ihrer Einnahme durch die Meriniden im Jahre 1250.

1276 wurde unter der Herrschaft der Meriniden die neue Stadt El Medinet El-Beida („die weiße Stadt“) gegründet, und gleich mit Umfassungsmauer, Palästen und Gärten ausgestattet. Sie wurde bald unter der Bezeichnung Fès Djedid („das neue Fès“) bekannt, im Gegensatz zu Fès el-Bali, der alten Stadt. Die jüdische Bevölkerung von Fès el-Bali wurde um 1325 zwangsweise in die Nähe der neuen Palastanlage umgesiedelt. Die Mellah (einem Ghetto vergleichbar, in dem die Juden unter dem Schutz des Sultans leben, siehe auch Dhimmi) entstand an der Stelle eines früheren Garnisonsviertels für syrische Bogenschützen.

Am Anfang des 14. Jahrhundert (Höhepunkt der hispano-maurischen Kunst) erlebte die Stadt einen großen Aufschwung. Die Universität von Fès (Qairawin) war in dieser Zeit weltberühmt. Über eine Karawanenpiste mit dem Hafen von Badis am Rifgebirge verbunden, stand Fès ununterbrochen mit dem islamischen Spanien und Europa in Kontakt. 1471 fiel die Stadt in die Hände der Dynastie der Wattasiden.

Nach einer im Jahre 1522 durch ein Erdbeben verursachten Teilzerstörung der Stadt wurden viele Bauwerke restauriert oder durch neue ersetzt.

Die Saadier, eine arabische Familie, die sich in Südmarokko im Draa-Tal niedergelassen hatte und von da aus im 16. Jahrhundert das Land eroberte, nahmen 1554 die Stadt ein, machten aber Marrakesch zu ihrer Hauptstadt. 1626 verloren die Saadier die Stadt an die Dila-Bruderschaft.

Am Anfang der Alawiten-Dynastie (Ende des 17. Jahrhunderts) richtete Mulai Ismail seine neue Hauptstadt in Meknes ein. Er siedelte in Fès einen Teil der Sippe der Udaia an, die ihm in seinem Machtkampf geholfen hatte. Nach seinem Tod (1727) revoltierten die Udaia, sie wurden aber erst 1833 durch Abd er Rahman aus der Stadt vertrieben. Mulai Abdallah, Nachfolger von Mulai Ismail, machte Fès zu seiner Residenz und ließ Moscheen, Madrasas, Brücken und Straßen erneuern beziehungsweise neu bauen, die Straßen von Fès Djedid wurden gepflastert.

Im 19. Jahrhundert wurden die beiden alten Stadtteile durch Neubauten wie den Palast Boujeloud verbunden. Bis zum Anfang des Protektorats im Jahre 1912 blieb Fès die Hauptstadt Marokkos. Rabat wurde von einem französischen General zum Verwaltungssitz bestimmt. Trotzdem residierte der König weiterhin in Fès und hält sich bis heute häufig im dortigen Palast auf. Rabat wurde zur offiziellen marokkanischen Hauptstadt erklärt. Fès bleibt eine wichtige königliche Residenz und ein Zentrum der Kultur, des Handwerkes und des Handels.

Stadtbild [Bearbeiten]Die Altstadt, Musterbeispiel der orientalischen Stadt, steht seit 1981 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Dabei soll es sich im Hinblick auf die Fläche um die weltweit größte mittelalterliche Altstadt handeln. Das tiefe Blau der Keramik gilt als Wahrzeichen von Fès, neben den grünen Dächern der Sakralbauten, die das Bild der Stadt aus der Vogelperspektive prägen.

Fes besteht heute aus drei Stadtteilen, die jeweils einer Epoche der Standgeschichte zugeordnet werden können.

Kommentare 1