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Was ist neu?
Familienfoto etwas anderer Art

Familienfoto etwas anderer Art

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Thekla A


Free Mitglied, Amsterdam

Familienfoto etwas anderer Art

er ist nicht sein vater
sie ist nicht seine frau
er ist ihr sohn
sie aber nicht ihr hund

und tja, die füße sind auch nich ganz drauf

aber sonst ein familienportrait wie ichs mir schon immer gewünscht hab




„Heute beginnt der Rest des Lebens!“

Only Bargteheide? Ein Aufbruch in ein neues Leben.

Vier Monate, eine Woche und zwei Tage ist Luis nun alt. Und es ist Sommer.
„Ich muss hier weg, weg bevor der Winter kommt,“ sagt Jutta und ihre dunklen Augen leuchten.
Sie packt die Windeln in ihren großen Rucksack, das Schafsfell, den kleinen Sandmann den Luis so gerne mag.
Jutta ist 28 Jahre alt, seit wenigen Monaten Mutter und auf der Suche nach einem Neuanfang. Sie ist auf dem Weg nach Oldenburg, eine Freundin auf einem Bauwagenplatz besuchen. Hier möchte sie vielleicht gerne die nächsten Jahre verbringen. Sich in einem alten Wagen neu einrichten, eine Ausbildung anfangen.
Jutta lebt selbst seit fast sechs Jahren in einem Bauwagen auf verschiedenen Plätzen in Hamburgs Umgebung. Das bunte Leben gefällt ihr.
Jutta‘s letzter Winter aber war dunkel.Zu schwierig. Zu einsam.
Ihre Beziehung ging kaputt als sie schwanger wurde. Die Schwangerschaft war eine schwere Zeit. So manche Hoffnung, dass es doch noch was wird mit ihrem Freund. Und immer wieder Streit, Enttäuschung,Ungewissheit.
Mit Luis Geburt veränderte sich ihr Leben noch einmal komplett .
Jutta lebt wieder alleine und hat das Wagenleben vorerst aufgegeben.Nicht aber vergessen.
"Du weisst nicht, was mit einem Kind alles auf dich zukommt. Gerade in den ersten Monaten wollte ich einen festen Platz haben,Sicherheit für Luis."
Seit Luis auf der Welt ist, bewohnt sie ein kleines Zimmer in einem Hausprojekt in Bargteheide. Obwohl die Menschen drumherum sehr nett und hilfsbereit sind, hat sich Jutta bis jetzt nie ganz einleben können. „Ich versuche es mir so gemütlich wie möglich zu machen, trotzdem bleibt das Wohnen in einem Zimmer eine vorrübergehende Lösung für mich. Es ist irgendwie einengend. Trist.“
Fast jeden Tag geht Jutta zu ihrem alten Wagen.Gelb-türkis gestrichen, gemütliche...(muss ich noch mal nachfragen)....quadratmeter klein steht er geschützt mit zwei weiteren Wagen auf einem Bauernhof am Rande von Bargteheide. Jutta geniesst die Zeit bei ihrem Wagen.Wenn Luis auf dem Weg dorthin im Kinderwagen eingeschlafen ist, nutzt Jutta die kurze Pause oft und bastelt mit Hilfe von Freunden ein wenig an einem anderen Wagen . „Das schönste ist, am eigenen Wagen rumzubauen. Sich sein eigenes kleines zu Hause schaffen.Den eigenen Platz kreiren.Da nehme ich meine Kraft her, das tut mir gut.“
Wenn sie von ihren Plänen für einen neuen Bauwagen erzählt, spürt man diese Kraft wachsen.
Sie möchte so gerne Gardienen nähen. Regale anbringen, für Luis eine Schlaf- und Spielecke einrichten. Eigene Fenster bauen, kleine Fensterbrette anbringen. Das Wagenleben ist für Jutta ein Lebensgefühl.
"Drinnen habe ich alles was ich brauche. Ich mache die Tür auf und bin sofort draussen.“ Ihr gefällt das Leben in der Gemeinschaft. „Ich habe Menschen um mich rum und kann mich doch zurückziehen. Jeder hilft jedem. Die Atmosphäre da draussen ist einfach ganz anders."
Bei ihrer Freundin angekommen verbringt Jutta den Abend mit ein paar anderen Platz-Bewohnern am Lagerfeuer. Luis schläft friedlich im Bauwagen nebenan. Sie schaut in den sternenklaren Himmel. "Solche Abende sind das Tollste.Das habe ich echt vermisst.“ Der Wagenplatz macht sie glücklich.
Und trotzdem möchte sie sich erst noch auf die Reise begeben.
„Im Wagen leben heisst für mich auch,mobil zu sein. Auf jeden Fall immer die Möglichkeit offen haben, weiterzuziehen, den Trecker nehmen zu können und los zu fahren.“
Auch mit Kind möchte sich Jutta diese Möglichkeit bewahren.
„Ich habe zuerst gedacht, ich müsste meine ganzen Träume aufgeben. Ich wollte schon immer mit dem Trecker und einem Wagen durch die Welt ziehen.“
Dann kam Luis. Und mit ihm eine ganz andere Lebenssituation. Eine ganz neue Rolle für Jutta. Unbekannter Stress, neue Aufgaben. Aber auch neues Glück.
„In mein Leben mit Luis kommt jetzt langsam eine Routine. Ich bin den Menschen dankbar, die mich immer wieder unterstützen und mir helfen." Jetzt geniesst sie ihr verändertes Leben. Und gibt ihre Träume nicht auf,fasst neuen Mut.
Ihren alten Bauwagen verkauft sie. Ein ausgebauter LKW soll sie stattdessen ihren nächsten Zielen ein klein wenig näher bringen. „Statt Trecker und Wagen ziehe ich halt mit meinem Elli los." Wenn alles klappt, wird Jutta in Spanien überwintern, bevor sie sich am liebsten wieder in Oldenburg ans Lagerfeuer setzen möchte.
Der Aufbruch aus Bargteheide ist nicht leicht, tut aber gut.
„Ich möchte hier weg, weg von meiner Vergangenheit, den ganzen Erinnerungen.Ja, ich werde hier weg. Weg und wieder ganz neu anfangen.
Mit Luis, in einem Wagen. Mit neuen Träumen und realistischen Plänen. Heute beginnt der Rest des Lebens!“


Thekla A

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