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sortie | de | camions


Free Mitglied, lauter Sehsucht

Kommentare 23

  • Fernando O.M. 6. Juni 2005, 9:10

    @Dyk, da hast du vollkommen recht.
    Aber 'Rahmen' muss man auch symbolisch verstehen. Ein Kunstwerk muss sich immer von der Rest der Gebrauchsgegenständen abheben. Egal wie. Wenn das nicht geschieht, dann handelt es sich vielleicht um ein kunstvoller Gegenstand, aber nicht um Kunst. Das betrifft moderne Kunst, Aktionen oder Performancen sowie Denkmalen auch, Dadaismus und natürlich auch Romantik (Ruinen und Lansschaften haben ein ästethisches Wert, sind aber keine Kunstwerken). Ein Kunstwerk muss auch als solches erkannt werden und ausgestellt werden können. Wenn das nicht so ist, dann ist die Sache sehr problematisch. Dieses 'sich-aufheben-können' wollen wir 'symbolischen Rahmen' nennen.
    Ich habe selbst Sachen von Beuys in den Händen gehabt. Das waren teilweise ganz normale Gebrauchsgegenstände, die durch einfachen Manipulationen (z.B. Lackauftragung) aus den Geflecht der Instrumentalität (oder wie Heideggger sagen würde, der 'Zeughaftigkeit') herausgerissen worden und in den Bereich der `freien`Kunst hochgehoben worden waren. Als solche stehen sie dann da, und werden betrachtet als würde es sich um etwas ganz anderes handeln. Es gibt dann zwar keinen physikalischen Rahmen, aber doch wohl einen Symbolischen.
    Bei modernen Kunst ist die Lage auch komplex, weil viele Künstler sich darum bemüht haben und auch bemühen, Neues zu schaffen, und dabei versuchen sie selbst (meist aus Ahnungslosigkeit) diesen Charakter der Freiheit von der Instrumentalität zu unterminieren. Aktionskünstler wie Biski provozieren, weil sie unseres Musealen Kunstvertändnis in Frage stellen. Das ist aber keine Widerlegung, sondern eher eine Bestätigung.
    Es handelt sich also um etwas, woran man feshalten kann.
    Im Grunde genommen haben m.E. Simmels Aufführungen mit diesen Zusammenhang zu tun, obwohl sie, wie du richtig bemerkst, auf eine sehr klazisistische Art und Weise dargelegt worden sind.

    PS. Nächstes Mal, wenn du so spät antwortest, schicke mir auch eine Fotomail, damit ich es auch lesen kann :)
    Ich habe deine Anmerkung gerade eben entdeckt :)
  • P I C O 1. Juni 2005, 10:45

    Hmmm, Fernando, was ist mit Beuys Eichen in Kassel, einem plötzlich in der Fußgängerzone erscheinendem Aktionskünstler, den Graffitis und Pochoirs?

    Über den Rahmen als Bedingung für ein ästhetisches Erscheinen habe ich mir schon viele Gedanken gemacht - was Mich ja nicht so sehr schätzt, da für ihn ja alles irgendwie in allem ist -, habe aber gerade für die Moderne Kunst und ihren ausgesprochenen Impuls, ganz im alltag aufgehen zu wollen, große Schwierigkeiten damit.
    Vielleicht hilfst Du mir weiter. Immerhin hat Simmel seinen Essay geschrieben, als der Rahmen zum Problem wurde (seien es nun die kolorierten Rahmen Seurats oder die plötzlichen Aktionen der Dadaisten). Um noch ein stärkers, historisch approbierteres Beispiel zu erwähnen: was ist mit dem Denkmal? Es kommt gänzlich ohne Rahmen aus.
    Entgegen der Rahmenthese bin ich der Meinung, dass ein Kunstwerk sich auch durch seine spezifische Form als solches zu erkennen geben muss.

    P.S. Wir haben hier ein kleines Kunstwerk in einer Straße, das als solches in den einschlägigen Kunstführern der Stadt erwähnt ist, aber von niemandem mehr erkannt wird.

    P.P.S.: Was ist denn mit der romantischen Ästhetik, deren Ausweis die Ruine ist, der Torso, das Fragment. Hier greift ja Natur schöpferisch in das Kunstwerk ein. Die Geschichte erst sorgt für das Finish eines Kunstwerks. Der Rahmen ist also nicht nur semipermeable für Kunst in Richtung Alltag sondern auch umgekehrt, permeabel für die Welt, die in das Kunstwerk eindringt.

    Simmels Sentenzen:

    "Das Wesen des Kunstwerkes aber ist, ein Ganzes für sich zu sein, keiner Beziehung zu einem Draußen bedürftig, jeden seiner Fäden wieder in seinen Mittelpunkt zurückspinnend.

    Indem das Kunstwerk ist, was sonst nur die Welt als ganze oder die Seele sein kann: eine Einheit aus Einzelheiten - schließt es Sich, als eine Welt für sich, gegen alles ihm Äußere ab."

    sind mir dann doch zu klassizistisch.
  • sortie | de | camions 31. Mai 2005, 0:23

    @alle - lieben Dank! das Pferdchen wohnt in Hasselbach (Westerwald). dort lebt der Künstler Erwin Wortelkamp im alten Schulhaus. er hat den Bauern 60.000 qm² Boden abgehandelt, meist unbrauchbare, feuchte Wiesen, auch einen bewaldeten Hügel; auf diesem Areal gründete er 1986 mit befreundeten Künstlern das Projekt "Skulpturen im Tal". inzwischen bevölkern das Gebiet, eingepasst in die unterschiedlichen Landschaftsformen, etwa 20 größere und kleinere Skulpturen. eine sehr lebendige, 'unmuseale' Art, Kunst zu präsentieren; lohnenswert ist auch eine Wanderung durch die wunderschöne Wiesenlandschaft.
    @Fernando - danke für den Hinweis! Simmel kenne ich nur noch vage aus dem Studium, eine schöne Gelegenheit, ihn nach langer Zeit mal wieder zu lesen.
  • Fernando O.M. 30. Mai 2005, 23:20

    Sehr interessante Aufnahme zum Wesen des Bildes. Eine fundamentale Änderung im Wesen der Kunst wurde da getan, wo man anfing, die Kunstwerke durch einen Rahmen von den übrigen Welt zu trennen. Damit wurde zum Ausdruck gebracht, dass innerhalb dieses Rahmens ein kleines Universum mit eigenen Gesetzen vorhanden ist. Der Rahmen ist eben die Grenze, die das Kunstwerk als eine kleine Welt mit einer eigenen Gesetzmässigkeit von der übrigen grossen Welt absondert.
    Da muss ich immer an die interessanten Ausführungen von Geog Simmel zu diesem Thema denken:

    Der Bildrahmen.
    Ein ästhetischer Versuch
    http://209.130.85.137/sim/bil02.htm.

    Gruß
    Fernando
  • die Maike 30. Mai 2005, 22:22

    wie verdutzt es guckt! "Huch, wie bin ich denn hier rein geraten, das war doch eben noch nicht da..."

    @ DD: Doch doch, erzähl doch mal, das interessiert mich brennend :-)
  • Esti Cs. 30. Mai 2005, 16:20

    gibt mir das gefühl von einsamkeit. sehr feine komposition.
  • sortie | de | camions 30. Mai 2005, 13:05

    wer nicht allzu sehr analysiert, also seziert, sieht eigentlich in der digitalen wie in der analogen Welt immer das Ganze... ;-) :-)
  • P I C O 30. Mai 2005, 13:02

    @ Mich: Du hast mir zu einer profunden Erkenntnis zu Bildern in der digitalen welt verholfen. Danke Dir!!! Der Rahmen gehört in der Tat mit zum Bild. Man kann es nicht wie in der analogen Welt herausnehmen und den Rahmen wechseln. Die EBV nimmt den Rahmen als Bestandteil des Bildes und so wird es in der Fc auch dargestellt. mmmm - das ist interessant ...
  • sortie | de | camions 30. Mai 2005, 12:57

    nein, der Rahmen ist das Fenster, durch das ich euch sehen lasse, gleichzeitig gehört er aber zum Bild, das ohne den Rahmen als Gestaltungsmittel ganz anders wirken würde... ;-)
  • P I C O 30. Mai 2005, 12:42

    Dann ist der Rahmen ein Fenster, durch das Du fotografiert hast, wenn der Rahmen zum Bild gehört? Allerdings wäre dann Dein Bild ohne Rahmen, weil der Rahmen teil des Bildes ist. Hmmmm *grübel*
  • sortie | de | camions 30. Mai 2005, 12:39

    exakt, Ronald, der Glaskasten ist Teil der Skulptur. und zu meinem Bild gehört auch der Rahmen. man könnte den Rahmen des Bildes aber auch als Vitrine betrachten. in diesem Fall wäre es dann aber nicht unter freiem Himmel, denn der Himmel wäre ja in der Vitrine... :-)
  • P I C O 30. Mai 2005, 12:33

    Ich bestreite, dass die Skulptur unter freiem Himmel steht.

    Hmmm, bei Deinem hartnäckigen Widerwort frage ich mich allerdings, ob der Glaskasten Teil der Skulptur ist oder Vitrine? Gehört der Rahmen des Bildes dann nicht auch eher zum Bild? Oder ist der Rahmen rahmen, wie die Vitrine Vitrine? Wäre es allerdings ein umhüllender Glaskasten, dann stünde die Plastik aber nicht unter freiem Himmel.

    Ich bin verwirrt, Mich, hilf mir weiter!!
  • sortie | de | camions 30. Mai 2005, 11:18

    @Ina . - na, so 'n verrückter Künstler halt... :-)
    @Christian - ein trojanisches Pferd für die Phantasie, ganz sicher.
    @Ronald - wieso? es ist unbestreitbar eine Skulptur, und ebenso unbestreitbar unter freiem Himmel... ;-)
    @Jürgen - wenn nur ein kleiner Teil deiner Phantasien bei dir selbst umgesetzt worden wär... - oder sind sie etwa... ich wage nicht weiterzudenken... d:-)
    @Tiresias - vielleicht sind wir ja auch alle wandelnde Skulpturen in einem Dauerhappening, an dem irgendjemand großen Spaß hat...
  • kirsten t 30. Mai 2005, 9:25

    zum staunen :-)
    die zwei kästen sind klasse ....!
  • elvisfirewolf 30. Mai 2005, 9:23

    top-arbeit! :)))