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"Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund..."

"Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund..."

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Juliane84


Free Mitglied

"Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund..."

Kumpel Barney dient meiner Mutter als Wärmflasche.

Ja, die Flasche IST ein Hund.

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Reinhard Mey: Es gibt Tage, da wünscht' ich, ich wär mein Hund


Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein Hund.
Ich läg‘ faul auf meinem Kissen und säh‘ mir mitleidig zu,
wie mich wilde Hektik packt zur Morgenstund‘,
und verdrossen von dem Schauspiel, legt‘ ich mich zurück zur Ruh‘.
Denn ich hätte zwei Int‘ressen:
Erstens Schlafen, zweitens Fressen.
Und was sonst schöngeistige Dinge angeht,
wäre ausschließlich Verdauung
der Kern meiner Weltanschauung.
Und der Knochen, um den diese Welt sich dreht,
wär‘ allein meiner Meditationen Grund:
Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein Hund.

Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein Hund.
Und ich hätte seine keilförmige Nase, dann erschien‘
mir die Umwelt vor ganz neuem Hintergrund.
Und ich ordnete sie ein in ganz andre Kategorien:
Die, die aufrecht geh‘n, die kriechen,
die, die wohl, die übel riechen.
Und den Typen, die mir stinken, könnt‘ ich dann
Hose oder Rock zerreißen
und sie in den Hintern beißen,
was ich heut‘ nur in extremen Fällen kann,
denn ich kenn‘ meinen zahnärztlichen Befund:
Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein Hund.

Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein Hund.
Und dann kümmerte mich kein Besuch, kein Klatsch, keine Affär‘n,
Redete mir nicht mehr Fusseln an den Mund,
um irgendwelchen Strohköpfen irgendetwas zu erklär‘n.
Denn anstatt zu diskutieren,
legte ich mich stumm auf ihren Schoß,
und sie kraulten mir zwangsläufig den Bauch.
Und sollt‘s an der Haustür schellen,
würd‘ ich hingeh‘n, würde bellen,
froh, daß ich niemanden reinzulassen brauch‘.
Und ich sagte: „Tut mir leid, aber zur Stund“
ist der Boß nicht da, und ich bin nur der Hund.“

Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein Hund.
Denn mir scheint, daß ich als er beträchtliche Vorteile hätt‘,
denn ich lebte, wie ich leb‘, weiter im Grund.
Äße zwar unter dem Tisch, doch schlief‘ ich noch in meinem Bett,
sparte aber ungeheuer,
zahlte nur noch Hundesteuer,
Nur in einem bin ich als Mensch besser dran.
Darum mag er mich beneiden,
denn ich bin der von uns beiden,
der die Kühlschranktür allein aufmachen kann.
Und das sind Momente, die genieße ich,
denn ich weiß, dann wünscht‘ mein Hund, er wäre ich.

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