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Was ist neu?

Ulrich Kirschbaum


Basic Mitglied, Mittelhessen

Epiplaste Flechte

Um noch einmal zu unterstreichen, dass Flechten ihr Substrat nur zum Aufsitzen - nicht aber um Stoffe daraus zu beziehen - benutzen, zeige ich hier ein Bild von unserem Wintergartendach (Doppelstegplatten). Ich kann somit eine neue Gruppe von Flechten kreieren: Neben den Epigäen (wachsen auf der Erde - griechisch Gäa), den Epipetren (wachsen auf Fels - gr. petra), den Epiphyten (wachsen auf Pflanzen - gr. phyton) und den Epiphyllen (wachsen auf Blättern - gr. phyllon) gibt es also nun auch noch die Epiplasten (wachsen auf Plastik - gr. plas (bilden, formen)).

Kommentare 24

  • Reinhard Wirtz 16. Januar 2011, 0:54

    Ein meditatives Tafelbild - hält auch langer Betrachtung stand. Ästhetisch und technisch überzeugend.
    Grüße
    Reinhard
  • Ulrich Kirschbaum 27. November 2010, 11:54

    @Maria: Wenn es den Flechten gut geht, geht es auch den Wäldern (und den Menschen) gut - viele Flechten zeigen ja gute lufthygienische Bedingungen an (saubere, kühle feuchte Luft).
    Mit dem Hinweis auf Fensterrosetten bringst Du mich ins Grübeln. Vielleicht kommt der Name daher, dass die Blüte der Rosengewächse radiärsymmetrisch (rosettig ist.
    mfg Ulrich
  • Maria J. 27. November 2010, 11:21

    @ Ulrich,
    ja, der Saure Regen war mir dazu auch schon eingefallen...und nun bekomme ich auch schon
    die Antwort... ;-))
    Dann kann man wohl tatsächlich davon ausgehen,
    dass die Wälder, in denen viele Flechten wachsen,
    noch ziemlich gesund sind!?
    @ Frank,
    Halt den Ulrich nicht von seinen Vorlesungen ab!
    Ich finde sie spannend - auch wenn du sicher alles schon mal gehört hast ;-)
    Eigentlich hatte ich dich ja auf der warmen Ofenbank vermutet - aber statt dessen entdeckst du hier heimlich Kerosinpilze!
    Findet man die auch schon in Diesel-Autos?
    Muß ich meine Reisen jetzt immer mit dem Fahrrad planen?
    Keine Lust zu antworten?
    Na dann eben nicht... ;-)

    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
    Beste Grüsse! Maria

    Kleiner Nachtrag zum Advent!
    Im Verschaubild muß ich bei dieser Flechte immer an mittelalterliche Kirchenfenster denken!
    Ich weiß gar nicht, wieso man sie mit Rosen vergleicht
    - sie sehen doch viel mehr nach Flechten aus :-))

    http://www.google.de/imgres?imgurl=http://kunst.gymszbad.de/architektur/arch-gotik/gotik/rosetten/bilder/rouen/suedmasswerk-01-klein.jpg&imgrefurl=http://kunst.gymszbad.de/architektur/arch-gotik/gotik/rosetten/rosetten.htm&usg=__3eQVqHsKNzDQiWu467xoXLSOgUQ=&h=200&w=234&sz=10&hl=de&start=16&zoom=1&um=1&itbs=1&tbnid=QN7-EgfQ0wJrHM:&tbnh=93&tbnw=109&prev=/images%3Fq%3Dfensterrose%2Bgotik%26um%3D1%26hl%3Dde%26tbs%3Disch:1




  • Ulrich Kirschbaum 27. November 2010, 9:26

    @Frank: Entschuldige bitte, wenn immer wieder einmal der Pädagoge mit mir durchgeht (zu meiner Entschuldigung kann ich nur anführen, dass ich in diesem Fall von Maria gefragt worden bin).
    Danke für den Link zum Dieselfresser. Nach der Lektüre hat man gar nicht mehr so rechte Lust, in ein Flugzeug zu steigen...
    mfg Ulrich
  • Frank Moser 26. November 2010, 21:56

    @Ulrich: Alle Achtung - das ist wie eine Vorlesung! Danke. Da ich im Moment nicht so die richtige Lust zum Lernen habe, ist das Bild zu meinen Favoriten gewandert - da kann ich dann nach Belieben lesen!
    Der Pilz ist keine Benzinschwindling, sondern es ist der Kerosin- oder Dieselpilz. Hier findest Du mehr:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kerosinpilz
    Toll - oder? :-)

    Einen schönen 1. Advent
    Frank.
  • Ulrich Kirschbaum 26. November 2010, 18:59

    @Maria: Das hast Du alles richtig gesehen. Was ich natürlich noch nicht gesagt habe: Selbstverständlich gibt es auch kalk"liebende" Arten, die sich bei saurem Regen schütteln.
    mfg Ulrich
  • Maria J. 26. November 2010, 18:28

    @ Hallo Ulrich!
    Erst einmal vielen Dank für die große Mühe, die du dir hier machst, um einer unwissenden Laiin das komplizierte Leben der Flechten zu verdeutlichen ;-)
    Hängengeblieben ist nun bei mir,
    dass Flechten wahre Feinschmecker sind
    auch wenn sie die Nährstoffe, die sie brauchen,
    nur durchs Regenwasser serviert bekommen ;-)...
    und nicht selbst in den gefüllten Topf greifen können.
    So können sie also ihren Untergrund auch nicht zerstören, sondern sind mit dem zufrieden,
    was der Regen ihnen herauswäscht!
    Das kann sauer oder basisch sein,
    je nach Art der Flechte.
    Der pH-Wert scheint also eine entscheidende Rolle zu spielen!
    Wird es irgendwo zu sauer, „springt“ sie einfach auf einen andere Baum, der ihr bessere Bedingungen verschaffen kann ;-)
    Ist ein Kalkwerk in der Nähe,
    weiß sie auch das für sich zu nutzen
    – sie wechselt einfach das Bäumchen..!
    Sie scheinen recht intelligent zu sein...
    diese Flechten ;-)
    Das ist schon ein spannendes Feld, dass du da beackerst, und ich kann da eigentlich nur staunen...!
    Die blumenkohlartig emporstehenden Sorale sind also Teile dieser Flechte und keine Eindringlinge,
    die an ihr schmarotzen wollen –
    da bin ich jetzt also auch beruhigt ;-)
    Bin gespannt, was du uns hier noch so präsentieren wirst! Spannend ist es allemal!!
    Nochmals herzlichen Dank
    und auch für dich einen schönen Start
    in die Adventszeit!
    Mit besten Grüßen,
    Maria
  • Ulfert k 26. November 2010, 13:09

    Wunderschön gezeigt,tolle Schärfe .
    Da kann man mal sehen wie genügsam sie sind.
    lg
    ulfert k
  • Ulrich Kirschbaum 26. November 2010, 12:48

    Euch allen vielen Dank für die freundlichen Anmerkungen (man merkt doch, dass Weihnachten naht -:))
    @Werner: Das Dach ist nicht der Flechten wegen erneuert worden, sondern wegen der vielen Hagellöcher, die sich im Lauf der Jahrzehnte gebildet hatten.
    @Maria: Deine Frage ist kaum kurz zu beantworten: Die meisten Flechten haben sehr spezifische Ansprüche an u.a. Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse, Staubanflug und pH-Wert (Säuregehalt) ihres Wuchsortes. Daher ist es den meisten Arten nicht egal, worauf sie sich setzen (Beispiel: Wächst ein Subneutrophyt (z.B. die Sulcatflechte; bevorzugt leicht saure pH-Werte) auf einer Rinde mit subneutralem pH-Wert (z.B. Esche) und die Eschenrinde wird von kalkhaltigem Staub bedeckt (z.B. Zementwerk in der Nähe), so wird die Art auf Esche absterben, dafür aber - unter diesen Bedingungen - auf der an sich sauren Eichenrinde wachsen können. Das erklärt sich folgendermaßen: Rinnt Regenwasser an der Eschenrinde herab, nimmt es deren pH-Wert an, so dass die Flechte den für sie optimalen pH-Wert hat. Ist die Rinde aber mit Kalkstaub bedeckt, so wird das über die Flechte herabrinnende Regenwasser basisch - und das verträgt diese Flechte nicht. Weicht sie unter den Kalkbedingungen aber auf die saurere Eichenrinde aus, so wird dort der (an sich für die Sulcatflechte zu saure pH-Wert des Regenwassers durch den Kalk erhöht und ist damit optimal für die Flechte). Zu kompliziert? Hier noch ein Beispiel: Die in meinem Bild gezeigte Flechte, kommt normalerweise auf nährstoffreichem Gestein - v.a. auf Vogelsitzplätzen - vor (sie profitiert dort von den aus dem Gestein ausgewaschenen Nährstoffionen bzw. dem Vogelschiss). Nachdem auf unserem Wintergartendach die Plastikoberfläche im Laufe der Jahrzehnte rau und rissig geworden ist, konnte sich dort der nährstoffreiche Staub festhalten und wurde nur durch Regen wieder mobilisiert. Da hat sich dann die Schwielenflechte offenbar gesagt: "Hier bekommst du das gleiche Nährstoffangebot wie auf den Steinen, also lasse Dich dort auch nieder." Inzwischen findet man sie sogar an stark bestaubten Baumrinden. Der Flechtenname bleibt natürlich bei einem solchen Substratwechsel der gleiche.
    Das dahinter stehende ökologische Gesetz lautet: Es ist den Organismen egal, auf welche Weise ihre Existenzbedürfnisse befriedigt werden.
    Epikannibalen: Das gibt es bei Flechten auch (werde in Kürze einmal eine zeigen); aber was Du da siehst, sind die blumenkohlartig emporstehenden Sorale (im trockenen Zustand sind sie blaugrau). Vielleicht meinst Du aber auch die etwas ind die Höhe gewachsenen, zentralen Lappen (?).
    @Jörg: Ja, ja ich kann auch äußerst nett sein -:))
    @Roswitha: Flechten sehen für den Laien oft sehr ähnlich aus; wahrscheinlich verwechselst Du sie mit anderen Arten, die wesentlich häufiger vorkommen.
    @Frank: Da habe ich nun wieder etwas hinzu gelernt: Handelt es sich dabei im den sogenannten Benzinschwindling???

    Allen wünsche ich einen schönen und geruhsamen 1. Advent.
    mfg Ulrich
  • Frank Moser 26. November 2010, 8:29

    Also wenn Pilze sogar in Kerosin leben können (natürlich keine Steinis, Pfiffis usw.!), dann ist es eigentlich nur logisch, dass Flechten auch auf Plastik wachsen. Trotz dieser Logik ist es schon erstaunlich, wenn man es in natura - oder im Bild wie hier - sehen kann. Man lernst nie aus.
    Dein Bild gefällt mir - tadellose Schärfe, flaches, modellierendes Seitenlicht und sehr gut erkennbar das Stoffliche des Substrates.

    Ein schönes Wochenende und einen einen schönen 1. Advent wünscht Dir und Deiner Familie
    Frank.
  • Agapy 26. November 2010, 7:46

    neben dieser hochinteressanten und fantastisch fotografierten Flechte mit allen Details, gibt es bei Dir ja auch noch altgriechisch Unterricht:-). Diese Art der Flechte sieht man bei uns sehr oft, wie ich meine.
    LG Roswitha
  • Jörg Ossenbühl 26. November 2010, 3:57

    Das ist aber nett von Dir Ulrich, das Du mal keinen Hungerhaken zeigst ;-)

    die Qualität des Fotos ist schon beeindruckend

    lg jörg
  • Maria J. 26. November 2010, 0:28

    Flechten scheinen also beim Aufsitzen sehr wählerisch zu sein, obwohl sie keinerlei Stoffe aus dem Untergrund zum Überleben brauchen.
    Dann wäre es doch eigentlich egal, worauf sie sich setzen! Wer auf Plastikstühlen sitzen kann,
    wird doch auch vom Fels nicht herunterfallen ;-)
    Was macht sie denn so eigenwillig?
    Wachsen denn Epigäen z.B. ausschließlich auf
    Erde...oder wechseln sie auch mal aufs Plastikdach
    und nehmen dann einfach einen anderen Namen an ;-)
    Das Foto ist so scharf, dass ich Flechten zu erkennen glaube, die auf Flechten wachsen!
    Sind das nun Epikannibalen?
    Beste Grüße, Maria

  • Werner Bartsch 25. November 2010, 22:20

    die patina auf dem wintergartendach ist sicher so nicht gewünscht - gehe ich einmal davon aus. selbst bei dir:-)
    wahrscheinlich haben ( hatten) die unter ihm lebenden topfpflanzen vorrang....
    bei mir wachsen diese flechten , bzw. krustenflechten, auf meinen pflanztrögen - eine wirkliche bereicherung und auch verschönerung dieser gefäße!
    lg. werner
  • Ulrich Kirschbaum 25. November 2010, 22:05

    @Lothar: Die meisten Blatt- und Krustenflechten wachsen rosettenförmig vom Jugendstadium in alle Richtungen gleichmäßig - sofern sie das Substrat durch Unebenheiten etc. nicht daran hindert. Auf der völlig planen Doppelstegplatte waren unzählig viele Rosetten zu sehen.
    mfg Ulrich