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dersiebtesohn


Free Mitglied, Sinsheim

Entwurzelte Umarmungen

Entwurzelte Umarmungen

Vor ein paar Bildern "schenkte" mir das Fräulein Einauge unter einem meiner Fotos den Begriff "entwurzelte Umarmungen". Irgendwann würde die Zeit kommen, so schrieb ich ihr, in der mir etwas dazu einfiele. Letzte Woche nun war die Zeit gekommen.


Ich weiss nicht was meinen Vater im hohen Alter noch dazu veranlasst hat, auf einem unserer Baumstücke (auf dem Land besitzen alle Alteingessenen Grund- und Baumstücke) eine Holzhütte hinzustellen. Im Grunde war ihm diese Art der Romantik ja gar nicht zuzutrauen und ich erkläre mir das nur so, dass er eine Möglichkeit gesucht hat, den Krempel der sich auf dem Speicher angesammelt hatte, in der Hauptsache bestehend aus Geschenken mit denen er nichts anzufangen wusste, loszuwerden, bzw. endzulagern.
Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Vater nach der Fertigstellung der Hütte jemals eine Stunde in ihr verbracht hat. Letzte Woche bin ich mal wieder dort gewesen. Man betritt sie über den Grabstein meiner Grosstante, der sozusagen als Fussabtreter dient. Dabei hat die Frau doch so schon einiges in ihrem Leben mitgemacht. Darüber vielleicht ein andermal.
Jetzt, wo die Hütte verfällt und sich ganz der Zeit hingibt, erlangt sie zumindest in meinen Augen so etwas wie Charme. Lächelnd stand ich in dem, von den Jahren und der Witterung gezeichneten, Raum, erinnerte mich wie ich damals meinen Vater während seiner "Bauarbeiten" hier aufsuchte um ihn ein bißchen aufzuziehen. Und als ich nun so in diesem grotesken Raum stand, empfand ich die entwurzelten Umarmungen einer vergangenen Zeit. Und vielleicht hatte er ja, ohne es zu wissen, diese Hütte genau für mich und diesen Moment gebaut, dachte ich dann.

Kommentare 18

  • Fräulein Einauge 12. April 2014, 0:30

    *
  • Pierre Vau 3. April 2014, 10:34

    Ich möchte den Subskriptionspreis in Anspruch nehmen. :)
  • Rheinhexe 2. April 2014, 19:06

    Verlass dich drauf....und erinnere mich bitte :-)
  • dersiebtesohn 2. April 2014, 16:38

    Hallo Sylvia,
    die Zusammenarbeit mit einigen, die wirklich gut schreiben können, hat bereits begonnen. Das Buch wird den Titel tragen "Ein Bilderbuch mit fast vielen Bildern". Wenn alles gutgeht, wird es dieses Jahr im Sept./ Okt. in kleiner Auflage erscheinen. Wenn es Dich also interessiert, darfst du mich gerne mal im Herbst danach fragen.

    Grüsse
    Willi
  • Rheinhexe 2. April 2014, 16:31

    Einfach wunderbar zum Lesen und Schauen.
    Von diesem Schreibstil würde ich gern ein ganzes Buch lesen.

    LG Sylvia
  • Barbara Homolka 2. April 2014, 8:28

    eindeutig ein Gesicht.
    ein trauriges.
  • Andreas Beier 1. April 2014, 17:42

    klasse
  • Pierre Vau 1. April 2014, 1:52

    Aber man sieht ja daran, wie schnell es so kommen kann, wenn aufhört, sich anzustrengen.
  • dersiebtesohn 31. März 2014, 23:30

    Wir sind ja Gottseidank keine Knechte, aber noch besser, wir sind ja viel zu hellsichtig um auch der Knechte Herren sein zu wollen, Pierre.
    Gruss
    Willi
  • Pierre Vau 31. März 2014, 23:26

    "I was headed for a fall
    Then I saw the writing on the wall"

    …..Die Knechtenschar saß kalt durchgraut,
    Und saß gar still, gab keinen Laut.

    Die Magier kamen, doch keiner verstand
    Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
  • Elsemarie 31. März 2014, 18:44

    Was für ein schönes Stillleben ;o)

    LG,Ellen
  • dersiebtesohn 31. März 2014, 17:51

    Lleizar S., ja an der Botschaft an den Wänden mag schon was dran sein. Was Du da geschrieben hast, erinnert mich ganz arg an eine Textstelle in dem folgenden Lied:

    I was headed for a fall
    Then I saw the writing on the wall

    http://www.youtube.com/watch?v=sO3ZeE9d_IM


    Man kann ja immer nur so viel entziffern wie man herauslesen kann


    Gruss
    Willi
  • Lleizar S. 31. März 2014, 17:38

    ... und vielleicht sind das ja keine Wasserflecken in der Tapete, vielleicht sind es geheime Botschaften für dich.
    Hast du nicht auch als Kind Geheimschriften mit Zitronensaft oder verdünntem Eiklar geschrieben, die erst beim Erhitzen über einer Kerzenflamme sichtbar wurden?
    Bild und Text sind so wunderbar "open minded" :-)
  • Udo Ludo 31. März 2014, 15:36

    Vom Wasser haben wir's gelernt...
  • Pierre Vau 31. März 2014, 13:33

    "vielleicht hatte er ja, ohne es zu wissen, diese Hütte genau für mich und diesen Moment gebaut,"
    Ich bin ganz sicher, dass es so gewesen sein muss. Jetzt stehst du da und allmählich schleicht sich die Erinnerung über den Grabstein in die Hütte hinein und füllt sie aus. Für dich.
  • Th. Maess 31. März 2014, 12:25

    Es ist schön, Deinen Text und auch die Anmerkung von Gelbhaar zu lesen. Es entsteht eine sehr angenehme, fast intime Atmosphäre. Mit schweren Lidern heute zaubern wir das Lächeln der Väter wie einen eigenen Abschied ins Herz. Wie ein Windstoß durch unser Bewußtsein flattern solche Bilder unerwartet in unsere Zeit heute und man mag sich glücklich schätzen, wenn man den Windstoß auf der Haut spüren kann.
    Lg so lange wie breite... Th
  • uhunachdemwaldbrand 31. März 2014, 12:14

    wunderbarer einblick in ein leben, es ist eine

    seelenoffenbahrung für den moment der dann in die

    ewigkeit führt

    chapeau willi !

    lg

    christian
  • gelbhaarduisburg 31. März 2014, 11:54

    Die vollkommene Text-Bild-Harmonie! Alles ist so klar, dass es einen gaaanz ruhig macht. Und mich sofort an die Dinge denken läßt, die mein Großvater hinterließ (Vater kannte ich kaum). Das schönste Stück ist ein winziges Büchlein von 1921. Es heißt "Seemanns Liedertafel" und enthält Texte (ohne Noten!) von Volks- und Arbeitsliedern (Shanties). Opa hat die Lieder als junger Mann auf dem Akkordeon gespielt während seiner Ausbildung zum Schiffsführer in der Binnenschifffahrt. Das Bild auf dem Buchdeckel - ein singender Seemann mit Akkordeon auf einer Dreimastbark - ist völlig zerschunden und wurde von mir als Dreijährigem mit Kuli verschmiert. Aber wenn man das Buch aufklappt, ist da ein kleiner roter Aufkleber mit dem Namen und der Adresse der Buchhandlung, wo Opa es zu Beginn der 1920er Jahre gekauft hat, und die Adresse lautet tatsächlich: "Hamburg, Reeperbahn 101".

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