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Tore Straubhaar


Pro Mitglied, Höxter

eisländisch...

Radtour Island, September 2013

80% Wolle, 20% Polyamid lese ich, dazu ein dicker molliger Griff. Ich befinde mich in der DickeSockenAbteilung im besten Kaufhaus am Platz in Egilstaðir. Den für die Socken bestimmten Einsatzzweck habe ich schon fest vor Augen, dazu genügt ein Blick aus dem Fenster. Am Abend werden sie mir in Seydisfjörður meine tief gefrorenen Füße wärmen müssen. Meine Füße sind ohnehin seit 2 Wochen mehr oder weniger kalt, da ich meine Socken zu Hause vergessen habe. Und so entscheide ich, dass ich das Kaufhaus mit einem gemütlichen Paar warmer Socken verlassen werde. Kuchen kaufe ich auch ein, zum Sofortverzehr, aber das versteht sich von selbst.

Vor dem Kaufhaus treffe ich Philipp und Sascha, zwei Radfahrer aus Norddeutschland, die wie ich, Island per Rad erkundet haben. Wir alle müssen nach Seydisfjördur, wo unsere Fähre am nächsten Tag zurück nach Dänemark auslaufen wird. Es ist unsere letzte (Fahrrad-)Etappe des Urlaubs und selbstverständlich hat das Wetter ein weiteres Sahnebonbon für uns parat. Wir beschließen gemeinsam im Convoi durch Stürmchen und Schnee nach Seydisfjörður zu radeln.

Schon nach einigen Höhenmetern verschwinden wir hinauf in den Schnee, um den Pass Richtung Hafen am Fjord zu überwinden. Es weht stark. Weiter oben liegt schon gut ein halber Meter Schnee, und hier und da haben sich recht ansehnliche Schneeverwehungen auf der Straße gebildet.

Ich mag den Winter, ein wenig ungewöhnlich nur, dass er im Sommer stattfindet. Aber in Island ist das normal, ich habe mich während des Urlaubs daran gewöhnt. Meine Mitstreiter auf dieser Etappe und ich spüren den Winter hautnah, aber im Vergleich zu den Vortagen gibt sich diese Schneetappe regelrecht harmlos. Die LKW´s sind mittlerweile mit Schneeketten unterwegs, einige Autofahrer scheint der Anblick von Radfahrern im Schnee recht zu verwirren.

Viele, auch schwere Fahrzeuge, landen an diesem, wie am folgenden Tag, auf dieser Bergstrecke irgendwo abseits der Straße. Jedoch führt kein Weg daran vorbei, wir alle müssen zum Hafen.
Wir lassen auf unseren Rädern Vorsicht walten, sind auf solche Witterungsverhältnisse auch gut vorbereitet (bis auf die fehlenden Socken), und so erreichen wir schon bald Seydisfjörður, wo vor 15 Tagen alles begann...

Meine neue Errungenschaft, die dicken Wollsocken, erweisen sich als hochgemütlich. In der äusserst schönen und gemütlichen Jugendherberge von Seydisfjörður denke ich mit einem sehr flauen Magengefühl an die Herfahrt. Die erste große Bewährungsprobe galt es bereits dort mit dem Fährschiff der Smyrilline zu bewältigen. Ich war so naiv zu glauben, ich könne darauf etwas relaxen und sanft in den Urlaub gleiten... ;-). Jedoch bin ich offensichtlich für die Seekrankheit sehr empfänglich. Mir war soooooo übel, drei Tage lang!
Das Abenteuer Fähre war aus meiner Sicht der Dinge das reinste Himmelfahrtskommando ...

Färöer
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