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Was ist neu?

Patrick Rehn


Pro Mitglied, Bebra-Lüdersdorf

Eine meiner Lieblings-185

Was lange Zeit bei den Eisenbahnen im In- wie Ausland zum „Standard“ gehörte waren sogenannte Vorauslokomotiven, oder auch hin und wieder „Prototypen“ genannt. Bei den Drehstromloks der Deutschen Bahn gab es bei den Baureihen 101, 145, 152, 185 und 189 jeweils eine kleine Serie von drei bis vier dieser Maschinen die durch den Hersteller und ihren Auftraggeber auf „Herz und Nieren“ geprüft wurden. Zu den meist umfangreichen Tests gehörten verschiedene Versuchsfahrten im In- und Ausland mit den unterschiedlichsten Zügen und auf den unterschiedlichsten Strecken. Mitunter auch auf solchen, auf welchen die Baureihen später nie wieder zum Einsatz kommen sollten (hier sei an die Tests der Baureihe 189 auf der Rübelandbahn oder in Skandinavien erinnert).

In der Regel wiesen die Prototypen einige abweichende Bauteilanordnungen, aber auch durchaus einige technische Eigenschaften auf, die später bei den „Serienloks“ modifiziert oder weggelassen wurden. Meist wechselten die Vorausloks später in den regulären Betriebsbestand des jeweiligen Auftraggebers. Ausnahme sind hier lediglich die 189 001 bis 003 in Erstbesetzung, welche durch den Hersteller Siemens übernommen wurden und in dessen damals eigenen Siemens Dispolok-Pool wechselten, die Deutsche Bahn erhielt drei „neue“ Lokomotiven.

Was die drei Vorauslokomotiven der Baureihe 185 mit den Ordnungsnummern 001 bis 003 über eine lange Zeit bereits optisch vom "Rest" ihrer Schwestern abhob war eine Werbebeklebung: Schräg etwa in der Lokmitte stand in weißen Buchstaben der Schriftzug „Bombardier TRAXX“, links davon stand in schwarzer Schrift „The new name für reliability“, rechts „The locomotive family“.

Die TRAXX genießen einen durchwachsenen Ruf: Während sich die Betreiber der Lokomotiven in den meisten Fällen über eine sehr hohe Verfügbarkeit, einen moderaten Energieverbrauch und einen im Verhältnis zu den meisten Siemens-Lokomotiven günstigeren Preis freuen sind die meisten Lokführer anderer Meinung. Während bei den Siemens-Loks die Antriebssteuerung „achsweise“ erfolgt (bei einer schleudernden Achse übernehmen die anderen Fahrmotoren mitunter die von der schleudernden Achse angeforderte Zugkraft) ist diese bei ADtranz bzw. Bombardier drehgestellweise ausgelegt. Was von vielen Lokführern ebenfalls als störend empfunden wird ist die Tatsache, das die Baureihe 185 einen selbst auf kleine Störungen mit der obligatorischen Sprachausgabe hinweist - unabhängig von der Tatsache, ob man nun reagieren müsste oder ob es sich um eine Störung zweiten oder dritten Ranges handelt. Eine 152er, welche bei den meisten DB Schenker-Lokführern hoch im Kurs steht macht das zwar nicht, „behält“ aber auch Vieles für sich was dann durchaus schon relevant sein könnte (z.B. Ausfall eines Temperaturfühlers für ein Fahrmotorlager - selbst schon gehabt).

Warum die 185 002, genau wie die 001 und die 003, nun zu meinen Lieblings-185ern zählt hat zwei Gründe: Da ist zum einen die höhere Leistung der elektrischen Widerstandsbremse in den Bremsstellungen G und P (150 kN, bei den Serienlokomotiven und den meisten anderen Drehstromlokomotiven auf 125 kN begrenzt, bei den 185 der zweiten Bauserie sogar nur 100 kN) die es einem ermöglicht einen schweren Zug über eine längere Gefällstrecke besser in der „Beharrung“ zu halten und somit auf den Einsatz der indirekten durchgehenden Bremse zu verzichten. Positiver Nebeneffekt: Weniger bis gar kein Bremssohlenabrieb (kein ferritistischer Staub).

Der zweite Grund ist die Wegstreckenerfassung über den Sifa-Taster im Zugkraftsteller: Zweimaliges kurzes Bedienen und im Maschinentechnischen Display wird in einem kleinen gelben Feld die Zuglänge "runtergezählt" - besonders in anschließenden Weichenbereichen oder bei Stellen bis zu denen eine bestimmte Geschwindigkeit eingehalten werden muss ein hilfreiches „Zubehör“.

Mit GC 60801 von Hamburg-Hohe Schaar nach Bebra (leere Selbstentladewagen für die Kaliindustrie im hessisch-thüringischen Kalirevier) konnte 185 002-3 unmittelbar nach Passieren der Leinebrücke bei Nordstemmen abgelichtet werden.

Aufnahmedatum: Donnerstag, 24. Oktober 2013 - 13:17 Uhr || Aufnahmeort: bei Nordstemmen [Nord-Süd-Strecke / KBS 350 / VzG 1732]

Noch mehr Bilder von der Baureihe 185 mit dem ein oder anderen „Exoten“ - ausnahmslos alle im Dienst entstanden



Mehr über das Kalirevier

Kommentare 4

  • Christoph Fritsche 8. November 2013, 17:40

    Da hast du Dir aber einen schönen unfreiwilligen Fotohalt ausgesucht!

    Ich hab da auch so eine Spinnerei, nur das wäre ein Sechser im Lotto....

    Nämlich genau da eine Nachtaufnahme zaubern, wenn im Hintergrund die Marienburg blau angestrahlt wird! Das könnte aber nur am Wochenende klappen, denn über der Woche ist diese nicht beleuchtet...

    Viele Grüße
  • makna 8. November 2013, 13:13

    Hervorragend ins Bild gesetzt - toll mit der Brücke !!!
    Und sehr anschauliche Hintergrund-Informationen !!!
    Das gefällt mir !!!
    BG Manfred
  • Haidhauser 8. November 2013, 10:08

    Interessante Story und sehr schönes Motiv!!
    LG Bernhard
  • Ralf Fickenscher (2) 8. November 2013, 9:03

    Wunderbar passt fabelhaft im Bildaufbau.

    Vg.Ralf

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Kategorie Motive
Ordner Eisenbahn
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Kamera NIKON D5100
Objektiv 18-105mm f/3.5-5.6 G VR
Blende 9
Belichtungszeit 1/800
Brennweite 42.0 mm
ISO 320