Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Was ist neu?

Ralf Göhl


Pro Mitglied

Eine heruntergekommene Diva gibt sich zu erkennen ( 3 )

Nur ein Kreuzkopf und noch etwas drum herum ( 1 )
Nur ein Kreuzkopf und noch etwas drum herum ( 1 )
Ralf Göhl

Wie eine schöne Diva zur häßlichen Schlampe wird  ( 2 )
Wie eine schöne Diva zur häßlichen Schlampe wird ( 2 )
Ralf Göhl

Sahen wir am Anfang nur Teile einer heruntergekommenen Lok ohne Gesicht und Namen, so stelle ich euch die vernachlässigte heute etwas näher vor, sozusagen von der „Heizerbreitseite“.

Es handelt sich um die am 11. April 1980 in Saalfeld gestrandete 01 514, die aus Stendal kam, wo sie bereits zu Heizzwecken entwürdigt wurde.

Technische Einzelheiten lasse ich bewußt weg, darüber kann man bei Interesse in der Fachliteratur nachlesen; Nur soviel: Auf die Welt kam unsere Lok als schöne Altbau-01 208 bei Krupp in Essen. Ihr zweites Leben begann sie nach dem Umbau durch das Raw Meiningen in eine Reko
01.5 am 30. Juni 1963, danach wurde sie als 01 514 im schweren Interzonenverkehr vom Bw Erfurt P eingesetzt.

Weil mich der Zufall bzw. die Anregung von Anja dazu brachte, mal zu versuchen, mit einen Detailfoto die Nerven der "FC" Freunde zu kitzeln, zäume ich das Pferd quasi von mittendrin auf und erzähle heute und an den nächsten Freitagen von ihrem glücklosen Leben voller Erniedrigungen in meinem Heimat-Bw Saalfeld.

Mittendrin ein gutes Stichwort, stehen wir doch mit der verkommenen und entwürdigten Schnellzuglok mitten im Bww Saalfeld, um für die Arbeiter dort Wärme zu erzeugen. Koste es was es wolle, keiner sagt uns wie, auf jeden Fall mit dem, was da auf unseren Tender massenhaft herumlag.
Wie wir „das Kind schaukelten“, dazu später mehr.

Sehen wir uns die Lok in aller Ruhe an: Wenn wir ehrlich sind, läßt allein schon die einprägsame, elegante Linienführung der 01.5 das Auge wohltuend an der Maschine verweilen. Aufgewertet wird das Gesamtbild zusätzlich durch die Morgensonne, die der Lok an diesem kühlen Morgen einen ins Goldbraun gehenden, warmen Farbton verleiht und die verblichene Schönheit richtiggehend leuchten läßt.

Das Original-„Gesicht“ einer 01.5 mit der zu ihr passenden spitzen Rauchkammertür wurde der 514 schon vor längerer Zeit geraubt. Ersetzt wurde sie durch eine schnöde Einheits-Rauchkammertür, die dafür aber immerhin den Luxus eines angepaßten dritten Spitzenlichtes
aufweist.
Aber selbst dieses Gesicht wurde geschändet: Keiner weiß, wer ihr Nummernschild gestohlen hat daher habe ich ihr damals mit Kreide wieder eine Identität gegeben.

Zum Foto vom letzten Freitag schrieb ich
vom „Dampf ‚zaubern‘ mit der Blumenerde auf unseren
Tender“. Doch den Schwarzen, denen fällt immer was ein, wenn die Arbeit zu schwer wird und so war schon ein klein wenig Flunkerei dabei, als ich aufzählte, wie wir uns gequält haben in der Heizlok-Sonderschicht.
Es hätte ja durchaus seien können.

Nix mit verschlackten Feuer, ein bißchen Kraftanstrengung aber schon.
Den Kennern der Materie könnte unser Abdampf verraten, was gespielt wird. Am Schornstein vorn ist nämlich nichts zu sehen von Kunstdampf-Erzeugung durch schmirgeln mit dem Bläser. Ganz sachte entweicht dort ohne großen Qualm etwas Abdampf gen Himmel.

Was war da im Gange, vielleicht könnte es ja ein Blick nach rechts aufdecken?
Ja, da liegt Holz herum, für Ordnung sind wir immer zu haben. Mitunter liegen da recht lange Bretter, die für eine Feuerbüchse der 01.5 zu lang sind. Macht nichts, rein damit wenn sie abgebrannt sind, wird nachgeschoben, später wieder nachgeladen. Und um nicht ins Schwitzen zu kommen, hin und wieder eine Schippe von dem, was Kohle sein soll aus dem Tender darüber gestreut.

Wie ein Indianer die Rauchzeichen deuten kann, so ist es auch hier möglich, eine Schlußfolgerung zu ziehen ob und mit was gefeuert wird.

Ralf

Fortsetzung folgt!

Kommentare 6

  • Bernd Kauschmann 3. November 2007, 14:27

    Hier noch ein Nachtrag aus meinem schlecht sortierten Depot aus besseren Zeiten der schwarzen Lady
    Die Rostgefeuerten (Berlin-Dresden)
    Die Rostgefeuerten (Berlin-Dresden)
    Bernd Kauschmann

    LG Bernd
  • Hans Niemann 2. November 2007, 20:43

    Zum Schluß wurden alle degradiert zu solchen Diensten. Schade um die stolzen Maschinen.
    Die 01 514 war ja immer gut gepflegt wie sie noch in Berlin Osb lief.
    LG Hans
  • Bernd Kauschmann 2. November 2007, 16:56

    Also ganz so krass kenne ich es nicht und unsere letzte Lok hat auch ohne Meininger Kur dann tapfer die Gurkenzüge gezogen und ist nach Reinsberg gedampft.
    Wahrscheinlich wart ihr nicht richtig nett zum Kohlelader, weil ihr ja ehedem nur Öl gebunkert habt.
    Manchmal war aber wirklich nur noch Dreck da und man hatte nach der nächtlichen Pause allerhand zu tun und zu rühren um es sich morgens nicht mit allen zu verderben.Trotzdem fand ich meinen Winter auf der Heizlok ganz nett, es war auf alle Fälle pünktlich Feierabend und bei mir oben war's immer warm.
    LG Bernd
  • Achim-Kübo 2. November 2007, 14:50

    Zunächst zur Anmerkung von Koinon (Heiko). Das er am 01.09. die 01 509 in Stassfurt gesehen haben will, grenzt an ein Wunder. Ich habe die Lok am gleichen Tag in Meiningen gesichtet.
    Nun zu Ralf's Bild. Dieses Schicksal traf nicht nur die Reko-01, viel häufiger ging es den 50ern an den Kragen, bzw. an den Kessel. Auch, weil sie zahlenmäßig stärker bei der DR existierten. Das es trotzdem wieder aufwärts gehen konnte, beweist 01 533 die jetzt bei der ÖGEG ihre neue Heimat gefunden hat uuuund betriebsfähig ist! Die stand zuletzt in Pößneck (Hallo Ralf), es war nix mehr an ihr dran. Dank Meinigen ist sie wieder in alter Schönheit entstanden.

    LG
    Achim
  • Klaus Kieslich 2. November 2007, 12:59

    Steffen hat es auf den Punkt gebracht !
    Gruß Klaus
  • Steffen°Conrad 2. November 2007, 11:46

    Ein wenig sieht man noch von alten Charme der Dame...
    Der Rest ist der realsozialistische Alltag,
    aus zwei Stück Sch... einen goldenen Ring zu formen...
    Umwelt war Bockwurst, Wärme mußte irgenwie sein, damit das schaffende Volk saubere Hände bekam und die Büros der Schreibtischtäter mollige Wärme-egal wie...
    Und wenn wie auf unserm Hof alte Sitzkissen oder gar Gummistiefel in die Sandtrockenöfen flogen...
    Das sind immer die Bilder auf der Rückseite der strahlenden Kulisse Dampflokzeit-
    aber nicht minder wichtig und heute kann man sie getrost zeigen, ohne wegen Verächtlichmachung der DDR eine Reise nach Bautzen im Gefängniswaggon zu bekommen...
    VG und schönes WE
    Steffen