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Phi Nale


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Ein Irrtum

+++
+++ WER NICHT EINSAM IST +++
+++
+++ HAT SELBER SCHULD +++
+++

Kommentare 9

  • Gabriele K. 20. Oktober 2004, 11:04

    Ich hatte vor einiger Zeit eine Diskussion über das Alleinsein können, denn leider können das viele Menschen nicht und fühlen sich ohne soziale Geräusche einsam, ohne die Chancen die man allein mit sich selbst hat, erkennen und nutzen zu können.
    Ganz wie ich da bin, läßt Goethe seinen Wilhelm Meister sagen...aber das ist in Gesellschaft nicht zu haben. Ich bin davon überzeugt, dass es für die meisten Menschen ein Abenteuer wäre, mit sich allein zu sein.

    Und es sind schon viele und richtige und auch poetische Worte über das Alleinsein gesagt worden:


    Wer allein ist
    Wer allein ist, ist auch im Geheimnis,
    immer steht er in der Bilder Flut,
    ihrer Zeugung, ihrer Keimnis,
    selbst die Schatten tragen ihre Glut.
    Trächtig ist er jeder Schichtung
    denkerisch erfüllt und aufgespart,
    mächtig ist er der Vernichtung
    allem Menschlichen, das nährt und paart.
    Ohne Rührung sieht er, wie die Erde
    eine andere ward, als ihm begann.
    nicht mehr Stirb und nicht mehr Werde:
    formstill sieht ihn die Vollendung an.

    Gottfried Benn



    Friedrich Nietzsche spricht vom Ich-Verlust durch ein Übermaß an
    unangemessener Kommunikation.
    Er schreibt in -Menschliches, Allzumenschliches-: Warum haben wir nach
    gewöhnlichen Gesellschaften Gewissensbisse? Weil wir wichtige Dinge leicht
    genommen haben, weil wir bei der Besprechung von Personen nicht mit voller
    Treue gesprochen oder weil wir geschwiegen haben, wo wir reden sollten, weil
    wir gelegentlich nicht aufgesprungen und fortgelaufen sind, kurz, weil wir
    uns in der Gesellschaft benahmen, als ob wir zu ihr gehörten..



    "Da hörte er Mann und Frau reden hinter sich. Zwei Junge, die sich kaum
    kannten. Es schienen nur zwei zu sein, aber wie viele waren es wirklich? So
    wie sie redeten, hörte man den ganzen Markt tönen. Sie sprachen eigentlich
    nicht, sie schalteten sich ein in die laufende Sprache. Sie sprachen nicht ,
    sie tauschten Schibbolethe (=Losungsworte) der Befindlichkeit, Panikfloskeln
    und fastfeel-Emphase. 'Irgendwie finde ich das schizophren.' Sie sandten
    sich Zeitzeichen. 'Was mir Madonna gibt, kann mir Klaus Hoffmann gar nicht
    geben.' Sie wollten voneinander nicht wissen, wer sie sind, sondern wann sie
    sind. 'Ich finde irgendwie, dass er ein Chaot ist.' Sie sprachen nicht, ihre
    Stimmen wurden bewegt wie Puppen an den Schnüren einer Zentralrede.
    Gleichsam als bestünde Sprache nur noch als volksweite Absprache darüber,
    was verständlich und sagbar wäre. Sie sprachen nicht, sie streiften durch
    die verlassene Öde des ausgesprochenen Sprechens. Einsam und allgemein, zwei
    aussichtslos sich ansehende Irgendwie, und zwischen ihnen ein soziales
    Geräusch, durch das sie sich nicht näherkamen. Und manchmal, kaum
    bemerklich, ein Versuch, ein Drang - doch die Sprache, wenn sie sie wirklich
    brauchten, wich zurück wie das Wasser unter dem Kinn des Tantalos."
    Botho Strauss: Niemand anders, 1990

  • Phi Nale 17. August 2004, 11:59

    Schön, Vera, deine 'Zusammenfassung' - so habe ich es etwa gemeint, mit folgender Ergänzung:
    Jürgens' "Mittelpunkt" ist für mich zumindest nicht jener Mittelpunkt, den manche beanspruchen und dann versuchen, alle anderen als Statisten um sich herum zu drapieren. Es ist vielmehr DER Mittelpunkt IN mir, von dem aus ich gestalte ... mich selber ... meine 'zentralen' Anlagen quasi.

    Ich kenne sehr viele Leute, die pausenlos und in schnell wechselnder Folge irgendwelchen "Interessen" und Hobbies nachgehen ... möglichst solchen, die 'in' sind, ausgefallen, spektakulär, prestigeträchtig usw. Der Hobbybüchermarkt brummt ungebremst.
    Davon hat man auf Dauer (!!!) m. E. eigentlich doch nichts ... außer Zeitvertreib und kurzfristige Aufmerksamkeit. Dinge aber, die ich aus einem inneren Antrieb und Interesse mache ... nur für mich ... brauchen keine Statisten. Du kannst es auch hier in der fc gut beobachten, wie z. T. geradezu krampfhaft versucht wird, sich interessant zu machen durch shows irgendwelcher Art und z. T. zeitaufwendigst "Statisten" gesucht und gesammelt werden, zum Zwecke von "Ahhh ... Ohhh ... Hui ... WOW ... LOL ...". Das ist der eine Punkt, die INTENSITÄT und die (Überein-) STIMMIGKEIT mit mir selbst. Ein weiterer wäre die NACHHALTIGKEIT.

    Ich selbst versuche, meine Interessen/Fertigkeiten/Fähigkeiten/Möglichkeiten möglichst breit gefächert mir zu erhalten. Ich weiß, das widerspricht evtl. der Forderung nach Intensität. Ich strebe aber an, dass nach dem Wegfall einer Ausrichtung nicht gleich alles hin ist. Baue ich mein sinnvolles Dasein z. B. nur auf Reisen auf, was mache ich, wenn ich das nicht mehr kann, auf Freunde, wenn sie mir weglaufen usw. ? - Erinnerungen konsumieren etwa?

    mlg phi+++
  • Vera Boldt 17. August 2004, 9:44

    @ Phi
    Nochmal kurze Zusammenfassung, hast du es SO gemeint?
    Der Satz von Jürgen drückt m.E kurz aus, was ich auch meine. Wer in der Lage ist sich ausgefüllt mit seinem Inneren beschäftigen kann, also sich nicht von äußeren Dingen abhängig macht kann sich eigentlich nicht einsam fühlen. Wie du das in der Marktplatzszene gut beschreibt....Ein wohltuenedes zusammensein mit sich selber.
    Wenn ich z.B alleine lebe (z.B. räumlich ohne Partner usw.) und damit NICHT ferig werde, entsteht wohl daß, was allgemein unter Einsamkeit verstanden. Nämlich das Verlassenheitsgefühl, das Gefühl der Ausgrenzung usw. So ist es sicherlich bei vielen Menschen, die sich an irgendwas binden, auf etwas bauen was von außen kommt. Fällt das aus irgendwelchen Gründen weg ...bleibt nichts mehr übrig oder wird krampfhaft versucht durch was anderes zu ersetzen. Manchmal mag es ja sogar bis ins Alter gelingen.
    Noch ein Beispiel..wer z.B. seine Kinder als einzigen Lebensinhalt sieht der wird sich wahrscheinlich , wenn sie erwachsen sind und ausziehen , einsam fühlen.
    Nur und das ist der Haken dabei.... ich denke in unserer Gesellschaft haben wir das Alleine mit sich selber sein verlernt bzw. es gar nicht gelernt und dadurch sind diese vielen Einsamkeitsprobleme entstanden.
    MLG
    Vera
  • Phi Nale 16. August 2004, 12:53

    Zunächst allgemein vorneweg: Ich sehe diesen (wie auch alle anderen) nicht als "philosophasterei", sondern sehr konkret und lebensnah ... selbst erlebt und erprobt ... und inspiriert durch eine Altenheimserie von Monika Gebhard-Cosler.

    Zum Bildaufbau, den gut folgende Schilderung erklärt:

    Vom Marktplatz (außerhalb der Bücherecke) des Alltagsgetriebes (Kontakte=Brief,Handy) nach Hause (Bücherecke/Zimmer) gehend, erlebt Sokrates eine Art von Alleinsein mit sich, das ihm ein seltsames Phänomen offenbart:
    'Allein mit mir bin ich zu zweit.'
    Und er empfand es als sehr intensives Beisammensein. Man kann sich nicht ausweichen, muss seinen Fragen Rede und Antwort stehen. Der Mensch, insofern er ein denkendes Wesen ist, ist sozusagen doppelt, Ich und Du. Es ist sozusagen ein Zwiegespräch zwischen mir und mir und das bedeutet, man richtet den Blick auf sich selbst, hält sich einen Spiegel vor.

    Das kommt leider nicht von allein. Die Bücher repräsentieren also nicht nur Wissen, sondern auch (gelernte) Fertigkeiten, (ausgearbeitete) Fähigkeiten, Lebenserfahrung, um gleich dem bekannten Vorwurf zu begegnen, dass Bücher kein Ersatz für Freunde und persönliche Begegnungen sind.

    Zu euren bisherigen Anmerkungen:

    Richtig, Silvie, der Titel ist hier wichtig. Der "Irrtum" liegt nicht im NICHT des Untertitels, sondern ist sehr verbreitet: ALLEIN SEIN = EINSAM SEIN.
    Dazu eine Definition:
    "Einsamkeit ist ein psychisches Phänomen, das im Unterschied zum wohltuenden Alleinsein das Empfinden von Verlassenheit und Isolation als eines quälenden seelischen Mangels beinhaltet. Dabei unterscheidet man zwei Arten:
    - Emotionale Einsamkeit = Fehlen eines intimen Partners und
    - Soziale Einsamkeit = Mangel an sozialer Unterstützung
    Beide können führen zu Verzweiflung, Depression, Langeweile, Selbstherabsetzung

    Der hier stark pervertierte Satz des Untertitels müsste verständlicher lauten: "Wer nicht alleine sein kann ist selber Schuld" ... und genau SO sehe ich das.

    @ Silvie, aus dem Alleinsein resultierende Einsamkeit ist für mich eben KEIN "aufgedrückter" Zustand, auch kein "selbstgewählter" (s.o.), sondern ein selbstverSCHULDETER. Wenn ich rechtzeitig (!) damit anfange, etwas aus mir zu machen, weitläufig die zwangsläufige Entwicklung (z.B. Alter) erkenne und danach handele, bin ich vorbereitet und habe zumindest weniger Probleme.

    @Vera, wenn du dich frei entscheiden kannst, ob du unter Menschenansammlungen gehst oder nicht, weil du auch ohne gut oder besser leben kannst, bist du ja schon bestens vorbereitet. Eine freie Entscheidung wird einem ja nicht aufgedrückt. Allerdings stellt sich auch die Frage nach der Kontakt-/Kommunikationsfähigkeit, wenn man sich unter Menschen unwohl fühlt. Vielleicht ist es aber auch nur ein Hinweis auf besondere Individualität.

    Meine These lautet jedenfalls: Wer sich auf sich selbst verlässt, etwas aus sich und seinen Fähigkeiten macht, kann kaum Probleme mit dem Alleinsein und der Einsamkeit haben. Wer sich hingegen immer nur auf andere verlässt bzgl. Geselligkeit, Unterhaltung etc. wird oder muss irgendwann Probleme bekommen.

    mlg phi+++
  • Silvie K. 16. August 2004, 11:57

    komisch....mir fällt erst jetzt der titel auf.
    bei deinen bildern achte ich immer nur aufs bild und auf den untertitel.
    du hältst also deinen untertitel (bzw. dessen aussage) für einen irrtum?
  • Vera Boldt 16. August 2004, 11:35

    Für mich ist alleine sein ein äußerer Zustand, sich irgendwo alleine befinden, Einsamkeit ein durchaus (nicht immer ) negativer innerer Zustand. Einsamkeitsgefühle, habe ich glaube ich schon mal geschrieben, empfinde ich meistens unter Menschenansammlungen, da habe ich das Gefühl, sie verstehen mich nicht und ich sie nicht .Fühle mich dann ausgegrenzt , hilflos und einsam. Meistens allerdings mehr oder weniger freiwillig . Wenn ich dann mit mir alleine bin, fühle ich mich weder alleine (eben nur räumlich) und auch nicht einsam. Fühle mich mit mir alleine meistens gut. Und wenn ich mich gut fühle, eben auch nicht einsam
    LG
    Vera
  • Silvie K. 16. August 2004, 11:17

    aaaahhhh.....ein händy!!
    sorry....ich hab noch ein händy-vorkriegsmodell ;-) deshalb habsch das nich erkannt *g
    - was mit dem alleinsein ist?
    hm...also ganz platt gesagt: ich bin sehr gerne allein, aber nicht gerne einsam. weil, wie gesagt, einsamkeit für mich ein aufgedrückter zustand ist, den ich nicht selbstgewählt habe...
  • Phi Nale 16. August 2004, 10:59

    Ja, Jürgen, unbedingt ... !!! ... so wie Silvie es definiert (1.Zeile) ...
    und, Silvie, was ist denn mit dem "alleinsein" ?
    mlg phi+++
    PS Was du nicht erkennst: ein Brief und ein Handy.
  • Silvie K. 16. August 2004, 10:35

    sich selbst sehen (und klar erkennen), als den mittelpunkt seines lebens?
    (oder gehts hier nur um äusserlichkeiten? - nach außen hin SO, doch nach innen ganz anders?)
    das einzige input (stellvertretend für alle andren medien, vermute ich) durch bücher?
    und alles was sich außerhalb dieser beiden sachen befindet, sieht man nicht? höchstens schemenhaft?
    was liegt da im vordergrund? kanns leider nicht erkennen....
    hm, ja. einsamkeit könnte wohl so aussehen. wenn es ein selbstgewählter zustand ist, ist er erwünscht und hiermit wohl auch errreicht.
    reicht das?
    meiner ansicht nach nicht. aber da die menschen verschieden sind, könnte es wohl auch welche geben, die hierin den sinn ihres lebens sehen.
    dazu kommt, dass für mich der begriff der einsamkeit eher negativ besetzt ist. für mich ein zustand, den man sich nicht selbst aussucht.der einem aufgedrängt wird gegen seinen willen. anders wäre es mit dem alleinsein.
    schwieriges bild.

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