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Dreifaltigkeit mit Frau - oder?

Dreifaltigkeit mit Frau - oder?

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Ursula Elise


Pro Mitglied, Hamburg

Dreifaltigkeit mit Frau - oder?

Eine Malerei in dem Kirchlein von Urschalling am Chiemsee aus dem Ende des 14. Jahrhunderts.

Die Christen haben in ihrer ausgefeilten Dogmatik eine Trinität des göttlichen Wesens erfunden, Gott Vater, Sohn, Hl. Geist. Einen Geist darzustellen ist natürlich schwierig. Dafür steht meistens eine Taube. Hier aber ist der Geist weiblich, und das erinnert an die Schechina-Vorstellung der jüdischen und besonders der kabbalistischen Gotteslehre (etwa: Herrlichkeit) oder die Sophia (Weisheit).
Die Weiblichkeit der mittleren Figur wird durch eine deutliche Darstellung ihres Schoßes markiert, die trickreich aus den Falten der Gewänder von Vater und Sohn gebildet wird.
Und: Dann habe ich nochmal (nach vielen Malen) hingesehen: sind da nicht auch die männlichen Geschlechtsmerkmale - und geradezu überdeutlich - zu sehen??
Das war dann wohl der Grund, diese Malerei zu übertünchen, eine Ketzerei natürlich, und so blieb es jahrhundertelang.

Hier hängen viele Fragen dran. Mich interessiert so etwas sehr.

Kommentare 8

  • seefan 10. Januar 2015, 9:33

    dann wird dich das sicher auch interessieren:
    heilige Dreifaltigkeit
    heilige Dreifaltigkeit
    seefan

    vg.gisela
  • Franca F. 13. Februar 2014, 17:36

    Eine äußerst interessante und mutige Darstellung der Dreifaltigkeit. Das sehr gut aufgenommene Bild
    regt zum weiteren Nachdenken an.
    LG Franca
  • Ursula Elise 12. Februar 2014, 15:56

    @Holger: erst wollte ich nur schreiben: reiner Geist ist nicht androgyn, er ist ja eben - Geist. Nur etwas Materielles, also ein menschlicher Körper oder menschliche Gesichtszüge, kann/können androgyn sein. (Gut zu sehen in der Verfilmung von Th. Manns "Tod in Venedig": der Knabe Tadzio.)
    Dann habe ich nochmal (nach vielen Malen) hingesehen: sind da nicht auch die männlichen Geschlechtsmerkmale - und geradezu überdeutlich - zu sehen?? Dann wäre der Frevel noch viel größer, und androgyn stimmte!
    Gruß Ursula
  • Holger X. 12. Februar 2014, 7:49


    Interessantes Detail, sieht man in der Tat nicht alle Tage - "reiner Geist" ist ohnehin androgyn, die Unterscheidung nach Männlein und Weiblein ist nur auf der materiellen Ebene interessant (und zur Erhaltung der Art notwendig).

    Lesenswert finde ich folgenden Abschnitt auf der WikiPedia-Seite über den Begriff "androgyn" :

    http://de.wikipedia.org/wiki/Androgynie#Mythen

    L. G. - Holger
  • smokeonthewater 12. Februar 2014, 0:31

    Madonna, die Pop-Ikone, hat sich ja vielleicht nur aus dem Grund der Weiblichkeit der Kabbala zugewandt.
    LG Dieter
  • Friedrich Cremer 11. Februar 2014, 19:59

    einen weiblichen "Heiligen Geist" hab ich noch nie gesehen Vielleicht hatte der Künstler den Auftrag, die Himmelfahrt Mariens darzustellen .......
  • Hans Mentzschel 11. Februar 2014, 19:04

    Dennoch, um den Johann Wolfgang wieder zu zitieren:

    "Der kleine Gott der Welt
    Bleibt stets vom gleichen Schlage
    Und ist so wunderlich
    Als wie am ersten Tage.."

    Der Hl. Geist als Schoßkindchen ist schon wirklich
    bezaubernd...
    Feines Foto, feine Erklärung! LG Hans Me.
    .
  • Andreas Boeckh 11. Februar 2014, 18:24

    Deine Erklärung ist ebenso spannend wie das Bild. Erstaunlich nur, dass die damalige Obrigkeit das Bild zunächst akzeptiert hat.
    Andreas