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Dennis Klefker


World Mitglied, Westerstede

Der Plytenberg

Unter der Erde wohnten vorzeiten die Eerdmanntjes. Im Plytenberg bei Leer hausten sie mit ihrem König. In den Nächten, wo das Mondsilber vom Himmel fiel, sah man oft auf dem Hammrich ihre Wäsche bleichen. Und die Schiffer hörten in strengen Wintern manchmal an stillen Abenden ein geheimnisvolles Knacken des Eises; dann wußten sie, daß die Eerdmanntjes Schlittschuh liefen.
Es war einmal an einem sternlosen Abend, da glaubte der Fährmann von Leerort ein Rufen zu hören. Er ging der Stimme nach, und am Ufer bewegte sich ein graues Männlein, das rief: "Fahr over! Fahr over!" Der Fährmann brummte zwar, daß er für einen so kleinen Gast fahren sollte, aber er schickte sich doch an, das Boot loszumachen. Doch das Eerdmanntje bat ihn, die große Pünte zu nehmen, denn es wären ihrer viele, die mit wollten. Der Fährmann tat ihm den Willen, und das Manntje stieg ein, aber sonst war niemand zu sehen. Als der Fährmann vom Ufer abstoßen wollte, sagte es: "Wacht, noch neet!" Und es wurde ein Wispern vernehmbar, wie wenn der Wind durchs Schiff strich, aber sichtbar wurde keiner. Nur die Pünte sank tiefer und tiefer, als wenn sie Lasten trüge, und endlich sagte das Eerdmanntje: "Fahr over!"
Als der Fährmann am andern Ufer anlegte, fragte das Manntje, was er dafür haben müßte. "Een Stüver de Mann", sagte er. Da füllte das Eerdmanntje ihm die Mütze, und langsam hob sich die Pünte wieder. Das leise Wispern aber schwoll an zu einem dumpfen Klagen: "Unse König is doot! Unse König is doot! Nu mutten wi all to`t Land herut!" und verlor sich dann in der dunklen Weite.
Als der Fährmann zu Hause ankam, war seine Mütze voller Goldstücke. Die Eerdmanntjes aber blieben seitdem verschwunden.

-Ostfriesische Sagen, neu erzählt von Wilhelmine Siefkes

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Kamera <KENOX S730 / Samsung S730>
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Brennweite 5.8 mm
ISO 80