Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Was ist neu?
Das Kehlsteinhaus

Das Kehlsteinhaus

973 0

DJCarl


World Mitglied, Dachau

Das Kehlsteinhaus

Das Kehlsteinhaus ist ein Berggasthaus über Berchtesgaden, das 1937 bis 1938 von der NSDAP als Repräsentationsgebäude erbaut wurde. Es wurde knapp unterhalb des Kehlsteingipfels auf einem Bergsporn (1820 m) errichtet. Der Kehlstein selbst ist 1834 m hoch. Er liegt in den Berchtesgadener Alpen im Landkreis Berchtesgadener Land, Bayern (Deutschland), und ist dem Hauptmassiv des Gölls als einer seiner Nebengipfel nach Westen hin vorgelagert. Das Areal gehört zum Markt Berchtesgaden, Gemarkung Eck und grenzt im Nordosten an das gemeindefreie Gebiet Eck und im Südwesten an die Berchtesgadener Gemarkung Salzberg.

Geschichte
Ab 1934 wurden auf dem Obersalzberg von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei systematisch Grundstücke gekauft bzw. enteignet, um am Ende über ein in sich geschlossenes, sieben Quadratkilometer großes Areal zu verfügen, das sich von der Tallage Berchtesgadens bis zum Kehlsteingipfel erstreckt hat. Dieses Areal wurde mit den darauf der NS-Politprominenz zur Verfügung gestellten Privathäusern und Bunkersystemen zum Führersperrgebiet erhoben und war bis Kriegsende für die Bevölkerung nicht mehr ohne Weiteres zugänglich. (Siehe hierzu: Umgestaltung des Obersalzbergs)

Zu einem der aufwendigsten Bauprojekte innerhalb des Führersperrgebiets wurde das Kehlsteinhaus, mit dessen Planung und Errichtung Martin Bormann den Architekten Roderich Fick beauftragt hatte. Im Sommer 1938 nach 13-monatiger Bauzeit fertiggestellt, wurde es im Namen der NSDAP Adolf Hitler zu seinem 50. Geburtstag am 20. April 1939 geschenkt. Hitler selbst suchte es dann jedoch nur etwa zehn Mal auf (die Zahlen schwanken zwischen fünf und dreizehn Mal), weil ihm die Ausflüge dorthin zu zeitaufwendig und riskant gewesen sein sollen. Vor allem soll er kritisiert haben, dass der Aufzugsschacht nicht sicher gegen Blitzeinschläge sei und man einem Überraschungsangriff der Alliierten und ihren Bombern schutzlos ausgeliefert wäre.

Nicht mehr eindeutig zu belegen sind weitere Bezeichnungen für das Kehlsteinhaus, das damals auch Teehaus (2. Teehaus), D-Haus (Diplomatenhaus) oder T-Haus (Haus T) genannt worden sein soll. Ein französischer Diplomat soll ihm noch während der NS-Zeit den Spitznamen Eagle’s Nest (dt. ‚Adlerhorst‘) gegeben haben, der spätestens seit Kriegsende in der ganzen englisch-sprachigen Welt zum stehenden Begriff für dieses Haus wurde und übersetzt auch in anderen Sprachen Einzug gefunden hat.[1]

Am 25. April 1945 war das Kehlsteinhaus beim Fliegerangriff der britischen Lancaster-Bomber auf den Obersalzberg zwar eines ihrer Hauptziele, wurde jedoch nicht getroffen – vermutlich weil es samt dem schmalen Gipfelplateau für die damals abgeworfenen, nicht lenkbaren Bomben eine zu geringe Zielgröße hatte.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde am 4. Mai 1945 das Führersperrgebiet von amerikanischen und französischen Truppen besetzt.[3] Die Amerikaner erklärten es wiederum zum militärischen Sperrgebiet. Das Kehlsteinhaus wurde beschlagnahmt und am 1. April 1946 förmlich unter Kontrolle genommen (Aktenzeichen Y Co-1255-77). Am 17. Februar 1949 ging das Kehlsteinhaus an den Freistaat Bayern über (Übertragungsurkunde Nr. 1259/V, Kontrollratsdirektive Nr. 50). Rückwirkend zum 20. Juni 1948 wurde es am 18. Juli 1949 der Bayerischen Allgemeinen Finanzverwaltung, vertreten durch das Finanzamt Berchtesgaden, übertragen, blieb aber noch bis 1951 unter der Kontrolle der Amerikaner.

Im Frühjahr 1951 gingen die Kehlsteinstraße und die Dalsenwinkelstraße in die Zuständigkeit der bayerischen Verwaltung über und am 12. Juni 1951 erhielt der Landkreis Berchtesgaden das Alleinbenutzungsrecht an diesen Straßen. Der Landkreis verpflichtete sich zur Einrichtung eines Linienverkehrs auf der Kehlsteinstraße und zur Übernahme der Instandsetzungskosten und des laufenden Unterhalts. Der Betrieb der Buslinie wurde zunächst der Deutschen Bundespost übertragen, am 19. Januar 1956 dann dem damaligen Fremdenverkehrsverband des Berchtesgadener Landes.

Der Landkreis hatte zwischenzeitlich die vom bayerischen Kabinett geplante Sprengung des Kehlsteinhauses abgewehrt. Der damalige, nicht zuletzt auf den wachsenden Fremdenverkehr bedachte Landrat Karl Theodor Jacob handelte aus, dass lediglich die Ruinen, die noch von den Bombardements und den ersten Sprengungen übrig geblieben waren, weggesprengt werden, das Kehlsteinhaus aber erhalten bleibt. Er meinte, dass „die Sensation am Berg das Kehlsteinhaus“ sei und gegen den „Nazitourismus“ wusste er ein eigenes Mittel: „Ich habe immer wieder gesagt, da schenken wir Münchner Hofbräubier aus, und da kommt schon keine weihevolle Stimmung auf.“ Noch heute wird im Eva Braun-Zimmer des Kehlsteinhauses nicht nur Bier ausgeschenkt, sondern auch Essen serviert.

Im Februar 1952 verpachtete der Freistaat Bayern das Kehlsteinhaus mit Einverständnis der Amerikaner an die Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins. Ebenfalls auf Initiative des Landrats Jacob und anlässlich der 150-jährigen Zugehörigkeit der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden zu Bayern brachte im Jahr 1960 der Freistaat den Nießbrauch an den Kehlsteinbetrieben in die Berchtesgadener Landesstiftung ein, auch Kehlsteinstiftung genannt. Deren Erlöse kommen gemeinnützigen Zwecken im Landkreis Berchtesgadener Land zugute.

Bis zur Eröffnung der Dokumentation Obersalzberg beschränkte sich das Literatur- und Andenkenangebot im Umfeld des Kehlsteinhauses weitgehend auf Hochglanzbroschüren mit einstigen Propagandafotos vom Obersalzberg, womit die NS-Zeit verklärt wurde, wie auch die Andenken nicht selten mit idyllischen NS-Motiven versehen waren.[5] Seit einigen Jahren befindet sich auch im Kehlsteinhaus selbst eine kleine Ausstellung zu dessen Geschichte.

2009 wurde bekannt, dass die Bayerischen Staatsforsten vorhaben, das mit Schwarzdecken versehene historische Wegenetz im Kehlsteingebiet durch für 40 Tonnen schwere Transportmaschinen befahrbare Schotterwege zu ersetzen. Dies stößt u. a. auf Widerspruch der regionalen SPD. Sie stuft die Bausubstanz aus der NS-Zeit ebenso wie das Obersalzberg Institut als Denkmal nach Maßgabe des Denkmalschutzes ein und fordert daher weniger radikale Lösungen. Betont wird aber auch die touristische Bedeutung der familien- und behindertengerechten Wege, die gerne von Radfahrern und Wanderern genutzt werden.

Kommentare 0

Informationen

Sektion
Ordner Architektur
Klicks 973
Veröffentlicht
Sprache
Lizenz

Exif

Kamera D7100
Objektiv ---
Blende 6.3
Belichtungszeit 1/800
Brennweite 250.0 mm
ISO 100