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Was ist neu?
Brücken bauen anders

Brücken bauen anders

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Anja v. Knobelsdorff


Basic Mitglied, Wissen, wie es sich anfühlt

Brücken bauen anders

Da kennt sich jemand aus.








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"... PHILOSOPHUS MANSISSES."





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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 18-12-2006, 16:37:

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Es ist ein Weg in die Freiheit. Das glaubst Du nicht? Doch, so ist es.
...
Das Gewicht ging durch Diäten immer mal wieder runter, dann aber wieder rauf, ein ewiges Auf und Ab, gleichzeitig kam und ging das Gefühl von Stärke und Disziplin einerseits (beim Abnehmen), das Gefühl von Selbsthass und Verzweiflung auf der anderen (beim Zunehmen). Das Zunehmen war immer am schlimmsten, wie der Abgrund auf der Achterbahn, aus dem es kein Entrinnen gibt. Es geht bergab und man kann nicht abspringen. Dem Fressen gegenüber hilflos, machtlos. Aber glaub mir, es gibt einen Ausweg. Der Weg ist mühsam, doch er lohnt sich, Du wirst dafür mit dem Leben belohnt. Die Lösung liegt bereits in Dir, als Same eingepflanzt in die Tiefe Deiner Seele, und wartet darauf, endlich hinaus ins Licht zu können, die Last abzuschütteln, atmen zu dürfen, die Freiheit zu leben. Es gibt keine Patentlösung. Das ist das Abenteuer, das Du bestehen musst. Für jeden sieht der Weg anders aus. Aber genau das ist das Schöne daran. Es ist DEIN ureigener Weg, der so besonders ist wie Du selbst es bist. So besonders wie Deine Seele es ist. Die Seele ist es, die von uns gefunden werden will. Irgendetwas ist passiert, irgendwann, und dann hat die Seele beschlossen, sich ganz klein in uns zusammenzurollen, sich vor uns zu verstecken. Wir sind zurückgeblieben, mit dem dumpfen Gefühl, dass uns etwas unsagbar Wertvolles verloren gegangen ist. Wir können es nicht benennen, aber wir wollen es wiederfinden. Unbedingt. Es ist ein Brennen im Herzen, ein ewiger stechender Schmerz. Und um diesen Schmerz nicht in aller Härte fühlen zu müssen, haben wir das Essen entdeckt. Essen oder Nicht-Essen. Ein Trost, der uns über den Verlust hinweghilft. Uns hilft, zumindest zeitweise zu vergessen, zu übertünchen. Den eigentlichen Schmerz haben wir durch einen anderen ersetzt, einen greifbaren. Der sich festmachen lässt am Zeiger auf der Waage oder daran, ob wir wieder oder nicht mehr in eine bestimmte Hose passen oder oder oder... Erst wenn es nicht mehr weitergeht, kann es weitergehen. Du kannst so nicht mehr leben, willst so nicht mehr leben? Sehr gut! Jetzt kann Dein Weg beginnen, der Dich wieder zu Dir selbst führt. Der Dich wieder zu Deiner Seele führt und Deine Seele hin zu Dir. Du wirst wieder eins sein, ganz, heil. Und frei. Es wird geschehen, ganz bestimmt, glaube daran. Warte nicht so lange wie ich gewartet habe. Wenn Du willst, fang heute noch an. Fang vielleicht damit an, Dir den nächsten Fressanfall bewusst zu erlauben. Deine wunderschöne besondere Seele, die sich so klein zusammenrollen musste, braucht Trost. Gönn es ihr. Gönn es Dir! Zelebriere die nächste Tafel Schokolade. Iss ganz langsam, lass die Stücke auf der Zunge zergehen und koste den herrlichen Geschmack bis zuletzt aus. Ist es nicht ein Geschenk, so schmecken zu dürfen? Gönn es Dir, mit allen Sinnen zu genießen. Und übernimm dafür die Verantwortung. Kotz es nicht raus. Wenn Du wirklich kotzen willst, dann kotz die Gefühle aus Dir heraus, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Essen zu tun haben. Schluck die Gefühle auch nicht mit dem Essen hinunter, sondern frage Dich: Was fühlst Du? Was ist die Wahrheit? Wer lügt? Wer übernimmt Verantwortung? Wer übernimmt NICHT die Verantwortung, sondern lädt Dir seine Verantwortung auf? Für wen musst Du stark sein? Wofür musst Du stark sein? Musst Du überhaupt stark sein? NEIN, MUSST DU NICHT! Gar nichts musst Du. Der wirklich starke Mensch ist der, der sich erlaubt, Schwäche zu zeigen. Erlaube Dir Deine Schwäche. Lass Dich fallen, und das Leben wird Dich wiederfinden. Sei zärtlich zu Dir selbst, Du hast es verdient. Du hast all das Gute verdient, das Wahre, das Schöne. Und die Liebe. Alles kommt wieder, ganz bestimmt. Mut ist der Anfang. Mut zur Wahrheit. Mut zu Deiner Wahrheit. Mut dazu, unbequem zu werden und Dich dem zu widersetzen, was Du nicht mehr willst. Wenn Du mutig wirst, dann wirst Du wahrhaftig. Wenn Du wahrhaftig wirst, bist Du Deiner Seele ganz nah. Trau Dich, sei mutig, sei wahrhaftig, und Deine Seele wird sich Dir wieder zeigen. Du wirst wieder, wer Du immer warst und immer sein wirst. Ganz bestimmt. Glaube daran.



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(Mitglied # 4526) on 18-12-2006, 22:23:

Danke für den schönen Text! Der Text hat mich ziemlich berührt und gibt mir Mut für die Zeit in der Klinik die vor mir liegt. Werd mich in dunklen Stunden daran erinnern, was du geschrieben hast. Danke dafür.

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(Mitglied # 4713) on 19-12-2006, 14:45:

Liebe Freiheitsliebe,
Mich hat der Text auch sehr sehr berührt. Die Tränen liefen nur so runter.. aber warum kann ich gar nicht genau sagen zum einen natürlich weil mich dein Text einfach wahnsinnig berührt hat aber dann noch, diese verzweiflung werd ich jemals aus dem Teufelskreis rauskommen? Wie lange dauert das usw? Und dann dieses innere aufgeben. Und irgendwie die unsicherheit...denn ich will noch mehr abnehmen.
Das ist alles so schwierig. Aber trotzdem vielen dank für deine worte.
Auch ich werde mir deinen text in schwierigen stunden immer wieder durchlesen.


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(Mitglied # 4573) on 19-12-2006, 16:35:

hallo,
vielen lieben dank für diesen text..er ist so schön.ich wünsche mir von herzen das ich irgendwann mal genauso denken und danach handeln kann.dafür lohnt es sich eigentlich zu kämpfen ,gerade um die tafel schokolade so zu geniessen..ich freu mich schon drauf und hoffe das es nich mehr allzu lange dauert.


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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 19-12-2006, 19:18:

Liebe Seelengefährten,

Danke für Eure Zeilen. Wenn wir das Leben und uns selbst in diesem Leben wieder spüren wollen, sollten wir uns klarmachen, dass der Körper unser Freund ist. Er wurde uns geschenkt, damit wir die Welt in all ihren Farben erleben dürfen, auf allen Ebenen des Seins, mit allen Sinnen. Was meint Ihr, wie unsere Schutzengel uns um unseren Körper beneiden?! Es ist der Ort, in dem unsere Seele wohnt, und deshalb sollen wir ihn gut behandeln. Was er braucht,sagt er uns, nur haben wir irgendwie verlernt, darauf zu hören. Beim Abnehmen kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo wir nicht nur Gewicht, sondern immer mehr die Fähigkeit verlieren, die Welt fühlend wahrzunehmen. Gerade auch, weil die Gedanken eben ewig ums Essen oder Nicht-Essen kreisen. Dadurch schließen wir uns selbst vom Leben aus. Ich wollte immer abnehmen, weil ich besonders sein wollte. Wollte wahrgenommen werden, bewundert werden. Ich merkte aber nicht, dass die Macht und Kontrolle, die ich dabei über mich gewann, mich immer mehr vom Leben abschnitt. Vielleicht wollte ich mich so sehr unter Kontrolle halten, weil andere Dinge in meinem Leben eben so unkontrollierbar waren. Letztlich war es wohl auch eine große Angst, nicht geliebt zu werden. Nur ist eines ganz klar: Mehr Liebe von aussen bekommt man durchs Abnehmen nicht. Bewunderung ist keine Liebe. Aber wenn wir anfangen, das Leben wieder zu lieben, wird das Leben auch uns wieder lieben. Als erstes sollen wir lernen, uns selbst zu lieben. Ich weiss, das ist schwer, wenn man mitten drin steckt in einer Phase des Selbsthasses. Mach Dir klar: Wenn Du nicht vom Leben und der Welt geliebt wärst, dann wärst Du gar nicht auf der Erde. Es hat einen Sinn, dass Du hier bist, gerade zu dieser Zeit, im Kreise Deiner Familie, so wie sie ist, und im Kreise Deiner Freunde, so wie sie sind. Alles was Du denkst, sagst oder tust, wirkt sich in irgendeiner Form auf die Welt und die Menschen um Dich herum aus. Beim Denken fängt alles an, denn aus dem Denken entspringen unsere Worte und aus den Worten unsere Taten. Deshalb ist es wichtig, dass wir bewusst auf unser Denken achten! Habt Ihr den Film "What the bleep do we (k)now?" gesehen (gibt`s jetzt auf DVD)? Da wird eindrucksvoll beschrieben, welchen Einfluss unsere Gedanken auf unseren Körper haben. Stellt Euch vor: Durch die Kraft der Gedanken werden ganze Hormonsysteme in uns in Gang gesetzt! Oder eben zum Stillstand gebracht. Aber wie sollen wir die ganze Macht unserer Gedanken nützen, wenn wir immer nur ans Essen denken?!? Wir schneiden uns von unserer wirklichen ureigenen menschlichen Kraft ab, wenn wir immer nur ans Essen denken. Es ist hilfreich, wenn wir uns fragen, was wir in diesem Leben eigentlich wirklich buchstäblich zum Kotzen finden. Und das ist bestimmt nicht die Schokolade (die einfach so herrlich schmeckt...)! Das Faszinierende, was ich herausgefunden habe, ist: Wenn wir uns das, was wir gefühlsmäßig nicht mehr ertragen können, wirklich anschauen, d.h. ganz intensiv hineinfühlen, und zwar nicht nur in unser eigenes Verhalten, sondern auch in das Verhalten unserer Mitmenschen, dann löst sich das Unerträgliche auf. Das was wir herausfinden, kann immer noch zum Kotzen sein, aber dadurch dass wir es herausfinden und ihm einen Namen geben, gewinnen wir die Kontrolle darüber. Wenn ich weiss, wie ich das, was ich fühle, benennen kann, ist eine Art von Bann gebrochen. Wir sind dann nicht mehr ausgeliefert, sondern wissend! Unsere Gefühle haben die Wahrheit, unsere Wahrheit erkannt und müssen sich nicht in den Teufelskreis und die Verzweiflung flüchten. Das ist der Anfang des Abenteuers! Es ist ein Prozess, der Zeit braucht und in dem wir uns mehr und mehr üben. Übung macht den Meister! Die Übung hört auch nie auf, es ist eine immerwährende Herausforderung. Und es ist das Geheimnis unserer Seele. DAS macht uns besonders! Wie wir fühlend unsere Welt erkennen, darin unsere Wahrheit finden und ihr dann Ausdruck verleihen. Und zwar nicht durchs Abnehmen, sondern durchs Benennen-Können. Wenn unsere Seele merkt, dass wir sie wieder ernst nehmen (und das geschieht, wenn wir unsere Gefühle bewusst wahrnehmen), dann traut sie sich hervor aus ihrem Versteck und beginnt, uns wieder durchs Leben zu tragen. Und dann fühlt sie sich auch in unserem Körper wieder wohl. Und dann können wahre Wunder geschehen! Ich hab`s selbst erlebt. Fressanfälle verschwinden, wenn wir uns mit dem Wesentlichen beschäftigen. Hey, wir sollen unsere Energie und Kraft nicht verschwenden in einem sinnlosen Kampf. Lasst uns gemeinsam für das Leben kämpfen!
Mit allen guten Wünschen und lieben Grüßen,
Eure Freiheitsliebe

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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 20-12-2006, 02:02:

Liebe Seelengefährtin,
ich habe mich sehr über Deine Antwort gefreut, vielen Dank. Dass Du auch extra noch mal aufgestanden bist. Ich kenne das: Man liegt im Bett und kommt nicht zur Ruhe. Und merkt dann, dass man schreiben muss, um die Dinge für sich zu ordnen. Das Schreiben selbst hilft schon, klarer zu werden, selbst wenn man dabei (noch) keine Lösung findet. Es hat bei mir sehr lange gedauert, die Gründe und Mechanismen meiner Krankheit zu verstehen. Mein Weg führte von (einer nicht diagnostizierten) Magersucht über Esssucht hinein in schwere Depressionen, die ich gar nicht mehr mit den Ursachen meiner Essprobleme in Verbindung brachte. Erst im nachhinein habe ich die Zusammenhänge verstanden. In Therapie ging ich erst sehr spät, wegen der Depressionen. Nach aussen hin verlief mein Leben relativ normal und erfolgreich, die Hölle in meinem Kopf kannte zuletzt nur noch meine beste Freundin. Denn selbst vor meinen Eltern und meiner Schwester hatte ich die immer schlimmer werdende Verzweiflung verborgen. Ich wollte sie schonen, sie sollten sich keine Sorgen um mich machen. Als ich merkte, dass ich am absoluten Endpunkt angekommen war und mich endlich traute, dazu zu stehen und um Hilfe zu bitten, geschahen wie durch ein Wunder viele Dinge auf einmal, die in kurzer Zeit das ganze Puzzle vor meinem inneren Auge zusammensetzten. Mein bisheriges Leben brach komplett zusammen, aber ich erhielt dafür ein neues, in dem ich mich wieder als Mensch wahrnehme, mit all meinen Gefühlen, die ich mir früher verboten habe. Ich habe monatelang über den Sinn dieser meiner Geschichte nachgedacht. Und dann irgendwann gespürt, dass ich meine Erfahrungen gerne weitergeben möchte. Um anderen zu helfen, schneller aus dem Teufelskreis herauszukommen als ich. Es ist so viel Zeit damit vergeudet worden. Andererseits hatte diese Zeit auch ihren Sinn, denn nur so konnte sich mein Verständnis entwickeln und ich die Freiheit schätzen lernen. Ich denke, dass wir mit dem Essen oder Nicht-Essen FÜHLEN wollen, was wir in anderen Lebensbereichen nicht fühlen dürfen. Vielleicht, weil wir Angst haben, andere mit unseren Gefühlen zu verletzen. Und dabei gar nicht merken, wie die anderen uns mit IHREN Gefühlen verletzen. Das meinte ich mit „Verantwortung übernehmen“. Im nachhinein habe ich erkannt, dass ich mich oft für die Gefühle anderer verantwortlich gefühlt habe. Ich dachte, wenn ich brav und angepasst bin, kann ich anderen ihre Sorgen abnehmen. Auf diese Weise habe ich mir mehr Sorgen um die anderen gemacht als um mich selbst. Und als Ausgleich dann den Krieg mit dem Essen „erfunden“. Denn es ist eine Erfindung. Klar, wir alle wollen das Beste aus uns machen, uns hübsch machen, um uns und den anderen zu gefallen. Das ist menschlich und normal. Unmenschlich dagegen ist die Selbstzerstörung, die sich äussert in Form von übermäßigem Abnehmen, Zunehmen, selbstzerstörerischen Gedanken, Wunsch nach Krankheit etc.. Wenn ich sage, dass alles wiederkommt, meine ich nicht, dass das Leben wieder so werden soll wie früher. Ich meine, dass Du irgendwann zu einem Zustand zurückfinden wirst, wo Du Dich nicht mehr als Fremd-Körper (im wahrsten Sinne!) in Deinem eigenen Leben betrachtest, sondern Dich wieder als Hauptperson siehst, die das Recht hat, frei zu leben und das Leben zu genießen. Denn das ist Dein Recht von Geburt an. Wir sind hier, um das Leben zu genießen und nicht, um zu leiden und ständig ein schlechtes Gewissen zu haben. Wir brauchen uns auch nicht verpflichtet fühlen, mit anderen mitzuleiden. Woher weißt Du eigentlich, dass Du die anderen verletzt? Sagen sie Dir das? Oder glaubst Du, dass Du sie verletzt? Und wenn sie es Dir sagen, woher weißt Du dann, dass das auch stimmt? Es ist wie im Krimi! Komm dem Geheimnis auf die Spur, werde zum Sherlock Holmes Deines Lebens. Bitte denke nicht, dass ich Witze mache, es ist mir ernst. Bei mir kam eines Tages der Zeitpunkt, wo ich mich und mein Leben, meine Umgebung und meine Mitmenschen wie in einem Fernseher gesehen habe, von ganz weit weg. Und da erkannte ich plötzlich Dinge, die ich, als ich mittendrin im Geschehen war, gar nicht sehen konnte. Es war der richtige Zeitpunkt für den Durchblick. Du brauchst diesen Zeitpunkt nicht zu erzwingen, er kommt von ganz alleine, wenn die Zeit reif dafür ist. Vertrau darauf. Du kannst aber anfangen, ein bisschen zu üben, Deine Wahrnehmung zu schärfen. Vielleicht fängst Du an, sozusagen ein Spiel mit Dir zu spielen, eine Art von Generalprobe, ein Test. Gelingt es Dir, einen Tag lang Deinen Körper nicht im Spiegel zu betrachten? Und stattdessen in DICH hineinzuschauen, in Deine Seele? Ich weiss, das tun wir ja ständig im Selbsthass...Nein, ich meine ein anderes Hineinschauen, tiefer. Da, wo die Angst sitzt und der Kummer. Dass Du weinen kannst, finde ich übrigens ganz wunderbar. Mit den Tränen steht Dir noch ein Ausweg zur Verfügung, um Deinen Gefühlen Luft zu machen. Halte die Tränen nicht zurück, sondern lass alles aus Dir herausfließen. Erlaube Dir, so lange zu weinen, bis nichts mehr kommt. Ganz zum Schluss, wenn nur noch Leere da ist, ist vielleicht wieder Platz für ein anderes Gefühl. Und dann schau mal: Was ist das für ein Gefühl? Bewerte nicht, was Du da fühlst, d. h. gib dem Gefühl nicht die Bedeutung „positiv“ oder „negativ“. Lass es einfach zu, schau es Dir gleichsam an. So als wärst Du nur ein Beobachter irgendeines Gefühls, mit einem Fernglas in der Hand. Es hört sich komisch an, aber bei mir war es so, dass ich dann zwar einen sehr großen Schmerz wahrgenommen habe, mich aber gleichzeitig irgendwie davon lösen konnte. Ich habe mich dann entschieden für den Gedanken, dass mein wirklicher wahrer innerer Kern von diesem Gefühl nicht zerstört werden kann. Es braucht Übung, mal gelingt es besser, mal weniger gut. Aber mit der Zeit verliert man so die Angst vor den eigenen Gefühlen und den Abgründen. Oh, fast 4 Uhr, jetzt muss ich aber wirklich ins Bett!
Bis bald, alles Liebe!!!


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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 04-01-2007, 14:09:

Liebe Seelengefährtin,
danke für Deine Antwort und Deine guten Wünsche. Auch ich wünsche Dir für dieses Jahr alles Liebe und Gute, vor allem Mut und Zuversicht für eine glückliche Zukunft. Ich habe in den letzten zwei Wochen oft an Dich gedacht und bin froh, dass wir uns jetzt wieder schreiben können. Ich kann Dich so gut verstehen. Auch wenn die Phase, die Du jetzt durchmachst, schon eine Weile hinter mir liegt, weiss ich doch noch sehr genau, wie sich alles angefühlt hat. Geht es Dir auch so, dass Du das Gefühl hast, Dich einfach in Luft auflösen zu wollen? Dass Du Dir wünschst, ganz leicht zu werden, schwerelos, und einfach so davonzufliegen? Heraus aus all den Problemen und all dem Druck? Dass Du einfach nur in Ruhe gelassen werden willst von all den wohlmeinenden Ratschlägen von Familie und Freunden? Und dass Du mit dem Nicht-Essen einen Weg suchst, etwas zu haben, das nur Dir ganz allein gehört? Worüber nur Du bestimmst und sonst keiner? Wenn es so ist, dann hast Du Recht. Dir allein steht es zu, über Dein Leben zu bestimmen. Kein anderer darf sich einmischen in Dinge, die nur Dich und Dein Innerstes betreffen! Und niemand hat das Recht, Dir Angst zu machen oder Druck auf Dich auszuüben. Mach Dir das als allererstes klar!
Der Weg, den Du Dir bzw. Deine Seele sich ausgesucht hast, ist kein leichter. Aber nur, weil Deine Seele im tiefsten Inneren weiss, dass sie die Kraft hat, diesen Weg zu gehen, hat sie ihn sich ausgesucht. Das klingt ein bisschen verrückt, aber daran können wir glauben. Diese Prüfung, oder besser: dieses Abenteuer, in das Du Dich begeben hast, wird Dir dazu verhelfen, Dir Deiner ureigenen wirklichen Stärke bewusst zu werden und eines Tages wie ein wunderschöner Schmetterling in Deine wahre Freiheit zu fliegen. Und das wird eine Freiheit sein, die Dir kein Mensch jemals wieder wegnehmen kann. Weil Du jetzt so eine schwere Zeit erleben musst, wirst Du Dein richtiges freies Leben später ganz anders wahrnehmen können. So ist es mir auch gegangen. Erst wenn wir die Dunkelheit gesehen haben, wissen wir, wie wunderbar es ist, wieder im Licht zu gehen! Und das wirst Du ganz bestimmt, bewahre Dir diese Hoffnung!
Wer hat denn Deine Therapeutin ausgesucht? Warst Du das? Oder war das Deine Mama? Wie fühlt sich für Dich der Gedanke an, eine Weile von zuhause wegzugehen und eine Therapie in einer Klinik zu machen? Weißt Du, ich glaube, dass mir das damals am ehesten geholfen hätte. Denn inzwischen weiss ich, wie gut es tut, an einem fernen Ort wieder zu sich zu kommen, ohne Einmischung von nahe stehenden Menschen. Nächste Woche werde ich ein Praktikum in einer Klinik machen, in der Menschen wie Du und ich behandelt werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf und werde Dir anschließend bestimmt viel zu erzählen haben. Auch bei mir ist es so, dass das Essen noch immer ein Symbol darstellt. Es gibt Zeiten, in denen ich mich überfordert oder unter Druck gesetzt fühle, und dann sagt meine Seele: „Hey, ich brauche ein bisschen Kraft und Unterstützung, gib mir Schokolade!“ Es bleibt dann auch nicht bei einer einzigen Tafel... Diese Phasen dauern mal länger, mal weniger lang, und es ist manchmal auch nicht so einfach, wieder einen Schlusspunkt zu setzen. Aber wir alle tragen die Kraft in uns, Schlusspunkte zu setzen, wenn wir es wirklich wollen. Wichtig ist, dass wir uns nicht selbst verurteilen für unsere Schwächen. Sind sie doch meist unsere wertvollsten Ratgeber! Denn eigentlich braucht meine Seele, wenn sie (vermeintlich) nach Schokolade schreit, etwas anderes, und sei es nur, dass der Druck aufhört...
Ich freue mich schon sehr, bald wieder von Dir zu hören. Alles Liebe!

Deine Freiheitsliebe


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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 04-01-2007, 21:27:

Du Liebe,

ich habe nocheinmal nachgedacht über das, was Du mir geschrieben hast, und es sind mir noch ein paar Dinge dazu eingefallen. Du sagst, Du hättest Dir so viel vorgenommen und bist jetzt traurig, dass das nicht so klappt wie Du es Dir vorgestellt hast. Wer erwartet denn von Dir, dass Du Dir etwas vornimmst? Bist Du selbst es oder sind es die anderen, Deine Familie und Freunde? Oft sind es gar nicht unsere eigenen Erwartungen, die wir erfüllen wollen, sondern sozusagen „Fremderwartungen“, die nicht dem entsprechen, was wir eigentlich wollen und brauchen. Wenn unsere Seele merkt, dass sie auf eine Weise funktionieren soll, die nicht ihrem wirklichen Wesen gemäß ist, dann rebelliert sie. Und dann sehen wir uns Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen. Irgendetwas hat unserer Seele die Freiheit genommen, und das lässt sie sich vielleicht eine Weile gefallen, doch irgendwann geht es nicht mehr weiter. In den schlimmsten Zeiten meiner Depression hatte ich das Gefühl, nur noch eine leere Hülle zu sein, die wie tot durchs Leben läuft. Durch ein Leben, das nicht mehr mein Leben war. Ich sah all die anderen Leute IHR Leben leben, und fühlte, dass meines es nicht mehr wert war, „Leben“ genannt zu werden. Es war eher ein Begrabensein bei lebendigem Leib. Die Depression war das Zeichen meiner Seele, dass sie gefangen war in einem Leben, das ihr nicht entsprach und das ihren Wünschen, Sehnsüchten, Träumen und Hoffnungen keinen Platz einräumte. Und was ist unser Leben ohne das? Wir alle brauchen doch Träume und die Hoffnung darauf, dass sie sich eines Tages erfüllen. Du Liebe, was sind Deine Träume? Erinnerst Du Dich noch an sie? Mach sie Dir wieder lebendig, lass sie vor Deinem inneren Auge wieder auferstehen. Und glaube daran, dass Du sie verwirklichen kannst, wenn Du wieder zu Kräften gekommen bist.
Ausserdem möchte ich Dich fragen, ob Du ganz sicher bist, dass Deine Mama wegen Dir weint. Auch meine Mama war sehr oft traurig, und auch ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich ihren Kummer lindern könnte. Komischerweise habe ich mich nie gefragt, ob ihre Tränen wirklich damit zusammenhingen, dass ich nicht essen wollte. Nicht immer klären uns die uns nahe stehenden Menschen darüber auf, worüber sie eigentlich traurig sind. Ich kann und darf mich an dieser Stelle nicht in Deine Familie einmischen. Doch möchte ich Dich zu dem Gedanken ermutigen, dass nicht unbedingt DU es sein musst, über die Deine Mutter weint. Unsere Mütter haben ihr eigenes Leben, und da ist allemal Platz für Kummer, der mit uns gar nichts zu tun hat. Du brauchst Dich nur für Deine eigenen Gefühle verantwortlich fühlen, nicht für die der anderen, das ist sehr wichtig. Es geht jetzt ausschließlich um Dich und Dein Leben. DU sollst Dich wieder wohlfühlen dürfen in diesem Leben und in diesem Körper, der bestimmt nicht fett ist. Wie oft gehst Du denn zum Tanzen? Das ist so ein tolles Hobby! Ich war früher auch im Jazztanz, das hat immer sehr viel Spaß gemacht. Halte Dich an diesen schönen Dingen des Lebens fest, in denen sich Deine Seele aufgehoben fühlt.
Bis bald und viele liebe Grüße!



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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 05-01-2007, 18:50:

Hallo meine Liebe,

mir ging es wie Dir, ich konnte nicht einschlafen und kalt war mir auch. Ne Stunde nach Mitternacht bin ich noch mal aufgestanden, auch weil ich Hunger bekommen hatte. Ich habe Dir gestern abend, kurz bevor Du mir geschrieben hast, eine zweite Antwort geschickt. Blättere noch einmal hoch, Du wirst sie dort finden (sonst sag Bescheid, dann schick ich sie noch einmal, es ist mir wichtig, dass Du`s liest). Ich hätte Dir so viel zu sagen, ich glaube ich könnte ein ganzes Buch damit füllen. Na ja, wir müssen es halt Schritt für Schritt angehen, wie im richtigen Leben... Du fragst nach meinem Essverhalten. Ich habe ein sehr bewusstes Verhältnis zu meinem Körper und meinem Essen entwickelt. Das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu essen ist mir ganz wichtig geworden, und ich denke viel darüber nach, doch nicht auf eine selbstzerstörerische Art. Der Akt des Essens hat für mich etwas Heiliges und jede Mahlzeit wird zelebriert, selbst wenn es nur ein Apfel ist. Zumindest versuche ich das und fühle mich gleich unwohl, wenn es nicht so klappt oder wenn ich beim Essen gestört werde. Ich gehe auch nicht mehr ans Telefon, wenn ich esse. Ein gutes Körpergefühl ist entscheidend für meine Lebenqualität. Mein Körper ist weit davon entfernt, makellos zu sein. Der jahrelange Raubbau hat Spuren und Narben hinterlassen. Aber ich kann das akzeptieren. Ich ehre meinen Körper und achte so gut wie möglich auf seine Bedürfnisse, mache Yoga und gehe viel spazieren. Auch wenn kein Zwang dahinter steckt, brauche ich diese Bewegung regelrecht. Meistens kommen mir beim Spazierengehen auch die besten Gedanken. Wenn Du willst, kann ich Dir ein anderes Mal noch mehr zu diesem Thema erzählen.
Dein Erlebnis mit dem Auto hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es zeigt, dass ein Teil von Dir tatsächlich sterben will. In meiner ganz schlimmen Zeit habe ich mir gewünscht, eine schreckliche Krankheit zu bekommen, das ist so ähnlich. Es ist eindeutig eine Warnung, dass wir so wie bisher nicht weitermachen können. Unser Leben entspricht nicht mehr dem, was in unserer Seele angelegt ist und was wir wie eine Art Erinnerung in uns tragen. Weißt Du, Du hast tatsächlich die Freiheit, freiwillig aus dieser Welt zu scheiden. Wenn Du das wirklich willst, wird kein Mensch Dich davon abhalten können. Aber ich glaube nicht, dass Du das wirklich willst. Denn schon die Tatsache, dass Du Mitglied dieses Forums bist, zeigt, dass Du leben willst! Deine Seele will leben und sich auf dieser Erde verwirklichen in einer Weise, die ihr gerecht wird. Das in Dir, das sterben möchte, ist das, was nicht wirklich zu Dir und Deinem Leben dazugehört. Also müssen wir herausfinden, was das ist, um es anschließend loslassen zu können. Weißt Du, wer oder was uns dabei am besten behilflich sein kann? Es ist die Stimme Deines Herzens. Sie weiss genau, was am besten für Dich ist. Sie ist Dein zuverlässigster Führer. Wenn wir es schaffen, wieder auf diese unsere innere Stimme zu hören und ihr gemäß zu handeln, sind wir gerettet. Ich werde jetzt ein bisschen ins Philosophieren geraten und bitte Dich, von meinen Worten nur das aufzunehmen, was Du bereitwillig akzeptieren kannst. Wenn ich nun von „Dir“ bzw. „Wir“ und „Uns“ spreche, dann brauchst Du das nicht wörtlich zu nehmen. Ich schließe damit all die Menschen ein, die sich angesprochen fühlen möchten, O.K.?! Jeder von uns hat seine eigene Geschichte, jeder darf seinen eigenen Weg gehen. Dennoch gibt es vielleicht Parallelen, die es wert sind, betrachtet zu werden. Was ich erlebt habe, ist bestimmt ganz anders als das, was Du erlebt hast bzw. erlebst. Bilde Dir einfach Deine eigene Meinung, bitte.

Das, was die Stimme unseres Herzens zum Verstummen bringt, ist, wenn wir eine Rolle spielen. Wir mögen uns noch so sehr bemühen, diese Rolle gut zu spielen, unsere Seele kennt die Wahrheit. Sie lässt sich auf Dauer nicht verleugnen. Doch wie kann es so weit kommen? Was bringt uns dazu, unseren eigentlichen innersten Wesenskern zu ignorieren und damit nicht unserer Wahrheit entsprechend zu handeln und zu leben? Einer der möglichen Gründe kann sein, dass wir jemanden schützen möchten, den wir sehr lieb haben. Jemand, der uns so sehr am Herzen liegt, dass wir lieber uns selbst verleugnen als diesem Menschen Schaden zuzufügen. Es ist diese unsere Fähigkeit, bedingungslos zu lieben, die unsere größte Stärke und gleichzeitig unsere größte Schwäche ist. Warum Schwäche? Weil bedingungslose Liebe uns sehr verletzbar macht. Sie macht uns anfällig für Manipulationen verschiedenster Art, d. h. Beeinflussungen von aussen. Besonders kann das dann passieren, wenn wir noch nicht die Zeit hatten, die nötige Stärke zu entwickeln, um uns selbst schützen zu können. Wir lieben so sehr und merken nicht mehr, wann diese unsere Liebe „zweckentfremdet“ und für eigene egoistische Motive eingesetzt wird. Doch wer macht so etwas? Wer geht so weit, unsere Liebe und unser Mitgefühl zu benutzen? Es sind die Menschen, die wir am meisten lieben und denen wir am meisten vertrauen. Und von denen wir glauben, dass auch sie uns am meisten lieben und immer lieben werden. Diese von uns geliebten Menschen tun das nicht mit Absicht. Sie handeln aus bestem Wissen und Gewissen, sind sich aber der Konsequenzen ihres Tuns nicht bewusst. Denn sonst wüssten sie, dass sie unseren kleinen Seelen ein Gefängnis bauen, dessen Mauern so schwer zu durchbrechen sind. In dem Glauben, dass wir schon groß und stark genug sind, lassen sie uns teilhaben an Dingen, die wir vielleicht noch nicht tragen können, oder erzählen uns Sachen, die wir gar nicht hören wollen. Und so wird die Last auf unseren Schultern immer schwerer. In unserem Bedürfnis, mitzufühlen mit denen, die wir am meisten lieben, gehen wir so weit, irgendwann nicht mehr unser eigenes Leben zu leben, sondern deren Leben. Ohne es bewusst als solches wahrzunehmen, übernehmen und leben wir Gefühle, die gar nicht unsere eigenen sind. So kommt es zu dem Gefühl, eine Fremde im eigenen Leben zu sein. Meine Magersucht damals war ein Versuch, eine Grenze zu ziehen. Ein Zeichen zu setzen, dass mir alles zu viel wurde. Mich abzugrenzen gegenüber einer Verantwortung, die ich nicht tragen konnte. Erst sehr viel später erkannte ich diese Wahrheit, und erst dann war mein Weg in die Freiheit geebnet. Die Wahrheit offenbart sich nicht immer auf den ersten Blick, sondern manchmal erst auf den zweiten oder dritten.
Jetzt aber wieder zu DIR ganz persönlich! Wie lange willst Du denn noch die schwere Last auf Deinen zarten Schultern tragen? Hast Du überhaupt die Kraft, bald Deinen Abschluss zu machen? Und Schülersprecherin bist Du auch noch... So wie Du Deinen Zustand schilderst, brauchst Du erst einmal eine sehr lange Auszeit. Um wieder zu Dir zu finden und um Kraft zu schöpfen. Die gleiche Stärke, den gleichen Willen und den gleichen Mut, den Du an mir bewunderst, hast auch Du! Du hast es nur vergessen. Jetzt ist die Zeit, Dich daran zu erinnern. Wach auf! Tu das, was Deinem Gefühl nach das Beste für Dich ist. DEINEM Gefühl nach! Nicht dem Gefühl Deiner Familie, Deiner Mama, Deiner Therapeutin oder Deiner Mädels. Um Dich geht es, nur um Dich. Und schau, was passiert, wenn Du anfängst, auf die Stimme Deines Herzens zu hören und mit lauter Stimme sagst, was Du wirklich möchtest. Schau genau hin. Es kann Dir nichts passieren. Dein Schutzengel steht neben Dir und hält schützend seine Hand über Dich. Du bist geborgen, wenn Du anfängst, Dir selber wieder treu zu sein. Erst dann nämlich, wenn Du Dich von den Erwartungen der anderen löst, wird Deine Lebensquelle wieder zu sprudeln beginnen und Du wirst zurückgewinnen, was Du so lange vermisst hast. Es ist der Schritt ins Unbekannte, der sich auf mannigfache Weise bezahlt machen wird. Du wirst Dich Deiner Stärke erinnern, die Dein göttliches Erbe ist. Denn schon bevor Du geboren warst, hat Dein Licht gestrahlt, und es wird immer strahlen, bis in alle Ewigkeit. Dieses Licht ist Dein kostbarster Schatz, grab ihn wieder aus. Du bist geliebt für all das, was Du bist. Du musst nichts dafür tun. Erlaube Dir einfach nur, zu sein.
Bis bald, alles Liebe !


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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 06-01-2007, 09:46:

Guten Morgen meine Liebe,
hoffentlich konntest Du Dich in dieser Nacht doch noch etwas erholen. Das mit dem Nicht-Schlafen-Können ist echt nervig... Aber es zeigt, dass etwas in Dir arbeitet, und das ist grundsätzlich gut. Ich denke auf jeden Fall sehr viel an Dich und drück Dich auch ganz doll!
Gestern bin ich Dir noch eine Antwort schuldig geblieben. Du hast mich gefragt, ob ich ab und zu zurückfalle in die dunklen Zeiten. Ja, das tue ich. Aber ich nenne es nicht mehr „Dunkelheit“, sondern „Schattenphasen“. „Schatten“, weil er mich begleitet, auch wenn ich im Licht laufe. „Phase“, weil dies nicht von Dauer ist. Wir brauchen vor unserem Schatten nicht davonzulaufen, er bleibt sowieso an unserer Seite. Aber wir brauchen auch keine Angst vor ihm zu haben. Er ist nämlich ein ganz wichtiger und wertvoller Bestandteil unseres Lebens. Und als solcher möchte er auch von uns wahrgenommen werden. Er ist nicht unser Feind, sondern unser Freund. Weißt Du, wann ich diesen meinen Schatten spüre, wann er mächtiger zu werden scheint als das Licht? Immer dann, wenn ich nicht so lebe wie es sich meine Seele eigentlich wünscht. Immer dann, wenn ich stark sein muss, obwohl ich schwach sein will...Immer dann, wenn ich sprechen will, aber nicht sagen darf, was mir wirklich im Herzen brennt...Immer dann, wenn ich meiner Wahrheit nicht die Treue halte. Dies ist die tiefere Bedeutung des Schattens. Heissen wir ihn also willkommen in unserem Leben und betrachten ihn als den wertvollsten Ratgeber unserer Seele!
Freue mich, bald wieder von Dir zu hören! Alles Liebe!

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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 06-01-2007, 22:21:

Liebe Freundin,
vielen Dank für Deine Briefe. Ich nehme mir die Zeit für Dich sehr gerne, Du bist mir wichtig. Weißt Du, ich hätte damals auch jemanden gebraucht, mit dem ich mich hätte austauschen können oder der mir ab und zu eine Unterstützung gegeben hätte. Wenn ich Dir auch nur ein ganz klein bisschen helfen kann, dann macht mich das schon froh und zeigt mir, dass meine Krankheit einen Sinn gehabt hat. Während meiner Depressionen ging es mir wie Dir: Ich merkte, dass die Therapie mir nicht half. Das, was ich entdecken musste, um gesund zu werden, kam erst im Moment der größten Instabilität und Verletzbarkeit ans Tageslicht. Manchmal ist das so: Wir müssen uns gedulden und die Angst, den Kummer und den Schmerz aushalten. Und darauf vertrauen, dass es eine Macht gibt, die uns beschützt. Du bist in Deinem Schmerz nicht allein. Sie wacht über Dich, diese Macht, und sie spricht auch zu Dir, aber im Augenblick kannst Du sie nicht hören. Du kannst sie nicht hören, weil Dein Gedankenkarussell sich so schnell dreht. All diese Gedanken, die uns nicht gut tun und uns hin und her beuteln und denen wir uns so ausgeliefert fühlen... Was wäre eigentlich, wenn es nicht DU wärst, die krank ist, sondern wenn die eigentlich Kranken die anderen wären?! Hast Du Dir das mal überlegt? Versuchen wir doch noch einmal ein kleines Experiment: Stell Dir vor, Du bist eine Schauspielerin. Und Dein Zuhause ist Deine Bühne. Und die Mitglieder Deiner Familie sind ebenfalls Schauspieler. Da ist die Bühne, da bist Du und dort sind die anderen. Du bist aber nicht nur Schauspielerin, sondern zugleich auch Zuschauerin. Stell Dir das mal vor: Du sitzt hoch oben auf einer Tribüne und siehst Dich da unten Deine Rolle spielen und siehst auch all die anderen ihre Rolle spielen. Gefällt Dir das Spiel? Ist es so, wie Du es Dir vorgestellt hast? Fühlt sich alles richtig an? Oder fühlt sich etwas falsch? Wenn ja, WAS fühlt sich falsch an? Ist es vielleicht die Rolle, die Dir nicht gefällt? Oder ist es etwas anderes?
Du sollst tief hineingehen in diesen Prozess. Und ihn immer wieder durchlaufen. Wichtig ist, dass Du vorher ganz ruhig wirst. Dass Du versuchst, die Gedankenflut in Deinem Kopf eine Weile auszuschalten, um ganz aufmerksam im Betrachten verweilen zu können. Still werden, zur Ruhe kommen, bei Dir selbst verweilen, einfach zuschauen. Nicht denken, nur zuschauen. Warum möchtest Du abnehmen? WIE willst Du werden, wenn Du abnimmst? WER willst Du werden, wenn Du abnimmst? Wer willst Du NICHT werden dadurch, dass Du abnimmst?
Warum eigentlich sagst Du, dass Deine Mama ein schlimmes Leben hat? Und was ist mit Deinem Papa? Wie geht er mit der Situation um?
Ich möchte Dich nicht quälen mit diesen Fragen. Wenn Du Dich von mir bedrängt fühlst, dann sag es mir bitte, ich werde solche Fragen dann nicht mehr stellen. Aber ich glaube, dass es wichtig für Dich ist, sie Dir zu stellen. Und dass wir eine Antwort darauf finden. Das muss nicht gleich sein. Gib Dir Zeit für diesen Prozess. Gib Deiner Seele Zeit. Die Antworten, die Dich weiterbringen, werden eines Tages aus Deinem Inneren heraus emporsteigen und Dein Herz erreichen. Die Stimme des Herzens ist die, die sich für uns RICHTIG anfühlt. Deren Wahrheit wir annehmen können, auch wenn es vielleicht eine unbequeme Wahrheit ist. Oft gibt es Momente, in denen wir viele verschiedene Stimmen hören und gar nicht richtig sagen können, welche nun die richtige ist. Dann ist es gut, loszulassen, still zu werden, zur Ruhe zu kommen. Aus den vielen Stimmen wird sich mit der Zeit die herauskristallisieren, die für Dich stimmig ist, mit der Du Dich wohlfühlst, die Du als Deine Wahrheit akzeptieren kannst.
...
Sie steht schon vor Dir, in greifbarer Nähe, und breitet die Arme aus, um Dich in Empfang zu nehmen. Es ist eine kluge und wunderschöne Frau, die lachend durch ihr Leben tanzt. Und diese Frau bist Du, und Du wirst tanzen wann Du willst und mit wem Du willst! Ganz bestimmt! Ich stehe Dir auf Deinem Weg zur Seite! Drück Dich ganz fest, alles Liebe, Deine Freiheitsliebe.

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Erstellt von Freiheitsliebe (Mitglied # 4757) on 07-01-2007, 11:13:

Guten Morgen Du Liebe,
hab' noch ein bisschen Zeit vor der Abreise, also schnell noch ein kleines Brieflein an Dich! In die Klinik gehe ich wegen des Praktikums und wegen eines Lehrgangs, der dort am nächsten Wochenende stattfindet. Vielleicht kann ich von meinem Aufenthalt ein paar Anregungen für Dich mitbringen, zumindest hoffe ich das. Ich möchte Dir aber noch etwas anderes sagen. Das, was Du bist in dieser Welt, ist ungleich größer als Dein Körper. Die Zeit, die wir hier auf Erden in unserem Körper verbringen, ist ein winziger Teil der Ewigkeit, die unser Ursprung ist und in die wir eines Tages zurückkehren. Die Zeit auf Erden ist eine Zeit, die unsere Seele sich ausgesucht hat, um bestimmte Erfahrungen zu machen. Diese Erfahrungen lassen unsere Seele wachsen und reifen. Aus jeder Erfahrung ergibt sich für uns eine Art von Lehre, eine neue Weisheit, die wir aufnehmen und im weiteren Verlauf unseres Lebens beherzigen können. An jedem Tag dürfen wir ein neues Kapitel dieses unseren Lebens aufschlagen. Wie ich Dir und all unseren Freunden hier im Forum erzählt habe, war ich vor gar nicht allzu langer Zeit an einem Punkt meines Lebens angelangt, an dem ich keine Hoffnung mehr hatte. Der absolute Nullpunkt. Ende. Schluss. Kein Mut, keine Hoffnung, nur Auswegslosigkeit. Ich war IN dieser Situation, gleichzeitig aber auch Beobachterin meiner selbst. Sah mich, wie ich mich abgekapselt, quasi ferngesteuert in dieser Welt bewegte. Und erkannte es an. Ja, das war kein Leben mehr. In dieses Nicht-mehr-Sein , in diese Leere hinein formte sich auf einmal ein kaum spürbares Gefühl. Es war so klein, dass es fast nicht wahrzunehmen war. Dieses Gefühl wandelte sich in einen Gedanken. Es war der Gedanke, einen Brief zu schreiben. Einen Brief an einen Menschen, von dem ich glaubte dass er mir vielleicht helfen könnte. Ein einziges kleines Gefühl, ein einziger kleiner Gedanke, ein einziger Brief. Ein einziger Brief veränderte mein Leben. Mit diesem Brief kamen die Dinge ins Rollen, kam Bewegung in die festgefahrene Situation. Ich erhielt Hilfe. Hilfe, an die ich nicht mehr geglaubt hatte. Alles änderte sich, das Wunder geschah. Mein Geist, mein Körper, meine Seele, eine Wiedergeburt. Bloß, weil ich einem einzigen Gefühl gefolgt war. Dieses klitzekleine Gefühl am Ende eines Lebens bedeutete den Anfang eines neuen Lebens. Die Hilfe erhielt ich nicht nur von dem Menschen, dem ich geschrieben hatte. Die wirkliche Hilfe kam von woanders. Die wirkliche Hilfe ist die, die mich hineingetragen hat in ein neues Leben und die mich bis heute trägt. Diese wirkliche Hilfe ist Gott. Das winzig kleine Gefühl zu Beginn, das war die Stimme Gottes. Erst, als es ganz leer und ganz still in mir war, konnte ich sie hören. Gott hat sich meines Lebens wieder angenommen, als ich bereit dazu war, ihn wieder zu hören. Dies war das Wunder, das für uns alle bereitgehalten wird. Dass wir unseren Glauben daran wiederfinden, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht in Worte fassen können. Dinge, die so ungleich größer sind als wir kleine Erdenmenschen, dass wir sie nicht begreifen können mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Das ist Gott. Das ist das Wunder, das auf jeden von uns wartet und an das wir uns erinnern sollen. Und Gottes Stimme, das ist die Stimme des Herzens. Deines Herzens. Dieses Wunder wartet auf Dich!
Bis bald, Alles Liebe.


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Anja v. Knobelsdorff, gestern um 16:37 Uhr:

Beseelte Psychotherapie???





"Geh und lern Dein Handwerkszeug!"

(Zitat Dorothea Galuska, Akademie Heiligenfeld, Januar 2007)


...


http://seelenklempnerei.wordpress.com/2014/08/05/perspektivenwechsel-in-der-therapie/comment-page-1/#comment-74

Kommentare 9

  • Rüdiger Kautz 2. November 2016, 12:24

    Respekt für alle, die den Text lesen und verstehen.
    G RK
  • Anja v. Knobelsdorff 2. November 2016, 12:10

    Lieber Holger,

    vielen Dank für Deine Worte und den aufschlussreichen Link. Ja, es ist Skorpion-Zeit, die Zeit des Wandels und des Fließens. Und es ist 11 Jahre her, dass ein Prozess begonnen hat, der mein Leben transformieren sollte. In diesem Jahr, zu dieser Zeit - heute, hier und jetzt - spüre ich, dass ich wieder eine Andere werden soll. Deswegen war es mir ein Bedürfnis, die alten Texte noch einmal hervorzukramen. Denn:
    " Wer das Alte ganz wegwirft, wird das Neue nicht lange behalten."

    Aus China
  • Holger X. 2. November 2016, 6:55

    Wird wohl so sein, liebe Anja - gerade lese ich auf einer astrologischen Webseite :
    » Die in die Skorpion-Zeit fallenden Bräuche wie Allerheiligen und Allerseelen, aber auch Halloween und Samhain zeigen, dass in dieser Jahreszeit die Auseinandersetzung mit Tod, Wiedergeburt und den Welten jenseits des Sichtbaren zentrale Themen sind « ( Zitat Ende )
    Mit all den genannten Festen hab' ich allerdings so gut wie nichts im Sinn und mit Tod, Wiedergeburt und den Welten jenseits des Sichtbaren setze ich mich eh das ganze Jahr über hinreichend auseinander, ansonsten bin ich inzwischen Gottlob soweit, dass mich die Vergangenheit, die auch bei mir nicht ganz witzig war, kaum noch anficht und ich getreu dem, was ich geschrieben habe, mehr oder weniger im Hier und Jetzt leben kann, (denn auch über die Zukunft mache ich mir inzwischen nicht mehr Gedanken als eben nötig) ...
    Zitat aus http://www.ruthsiegenthaler.ch/publikationen/zeitqu_aktuell.htm
    Liebe Grüße - Holger
  • Anja v. Knobelsdorff 1. November 2016, 10:24

    Ist Allerheiligen nicht immer gut für eine Erinnerung, Holger?
  • Holger X. 1. November 2016, 8:07

    18-12-2006 bis 07-01-2007 ?
    Sollte man das nicht langsam mal ad Acta legen ? Kennst Du Eckhart Tolle ? "Leben im Jetzt" ist angesagt - meine Meinung !
    P. S. : zum Titel "Stirb und werde" : ICH BIN bereits, und wenn ich sterbe, BIN ICH immer noch - darauf setze ich zumindest meine Hoffnung !
    Liebe Grüße - Holger
  • Anja v. Knobelsdorff 1. November 2016, 6:28

    Guten Morgen, Rüdiger.

    Es wurde schon gelesen.
  • Rüdiger Kautz 1. November 2016, 6:11

    Hoffnung, dass es jemand liest?
    G RK
  • Anja v. Knobelsdorff 14. September 2014, 13:15

    Wie es ist, sich die Seele aus dem Leib zu schrei(b)en.
  • Anja v. Knobelsdorff 14. September 2014, 13:14

    Oder:

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