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Roland . Krüger


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Bardowicker Windmühle

Sie hat nicht die Berühmtheit der Mühle von Sanssouci und ihr fehlt das Flair eines adligen Namens, wie er ihre westfälischen Schwestern, die Königsmühlen im Kreise Minden-Lübbecke ziert, doch wird auch der Lebensweg der Bardowicker Windmühle von bedeutenden historischen Ereignissen geprägt.

1812 / 13 – Franzosenzeit in Bardowick

Als das nordöstliche Niedersachsen und damit auch Bardowick infolge napoleonischer Kontinentalpolitik direkt der französischen Regierungsgewalt in Paris unterstellt ist (1810 – 1814), schlägt die Geburtsstunde der Bardowicker Mühle. Johann Friedrich Meyer kann mit Hilfe des liberalen französischen Gewerberechts den jahrhundertelangen Widerstand Lüneburgs gegen den Bau einer Windmühle überwinden und errichtet am Westrand Bardowicks eine holländische Windmühle.
Im Spätsommer 1812 beginnt er mit den Bauarbeiten.
Er baut sie als einstöckigen Galerieholländer mit Segelflügeln,
Steert und zwei Mahlgängen: Als Turm- und Kappeneindeckung
wählt er das Reet.
Als kurze Zeit später französische Soldaten nach dem verlorenen Gefecht in der Göhrde an der Mühle vorbei über den alten Bardowicker Heerweg westwärts ziehen, kündigt sich das Ende der „Franzosenzeit“ an. Als das alte hannoversche Recht wieder um sich greift, bleibt die junge Bardowicker Windmühle gegen den aufkeimenden Protest aus Lüneburg standhaft. J. F. Meyer erhält 1814 die Konzession und damit das Lebensrecht der Mühle.

In wechselhaften Jahrzehnten erlebt die Windmühle viele Besitzerhände.

Im Jahre 1823 verkauft J. F. Meyer die Mühle an Johann Friedrich Härtel.
Insgesamt 8 x wird die Mühle in wechselhaften Jahren bis 1907 den Besitzer wechseln.
Durch die schweren finanziellen Belastungen infolge der napoleonischen Kriege befindet sich das Land Hannover in einer wirtschaftlichen Krise. Dies schlägt sich auch auf Kleinbauern, der unterbäuerlichen Schicht und der kleinen Handwerker nieder. Infolge der Verarmung werden statt Brot, Fleisch und tierischen Fetten nun Kartoffel und pflanzliche Öle ihre Ernährungsgrundlage. Dadurch sinkt trotz starkem Bevölkerungswachstum zwangsläufig der Bedarf an Mehl, Back- und Futterschrot. In Berichten aus dieser Zeit sind Verschuldung, Pfändung und Zwangsversteigerungen an der Tagesordnung.

Als die Bardowicker Mühle 1831 in Konkurs geht wird folgendes Inventar aufgeführt.

Die Mühlen – Brinksitzerstelle besteht aus:

1. einem Wohnhaus von Fachwerk mit Steinwänden und Steindach, 70 Fuß lang und 36 Fuß breit, mit vier heizbaren Stuben, sieben Kammern, Küche, Keller und Speisekammer, Kornboden nebst zwei Kammern
2. einer Scheune mit Steinwänden, 60 Fuß lang und 30 Fuß breit, wovon die Hälfte zu drei Häuslingswohnungen eingerichtet sind, jede eine Stube und eine Kammer enthaltend
3. eine Fachwerkscheune mit Steinwänden, 72 Fuß lang und 21 Fuß breit, mit zwei Pferdeställen, einer Wagenremise, zwei Hächselkammern, einem Kuhstall, drei Schweinekoben und einem bretternen Boden
4. einem kleinem Fachwerk-Nebengebäude mit Steinwänden, drei Federviehställe enthaltend
5. einer holländischen Windmühle mit einem Rohrdach, einem Zwickgestell und zwei Mahlgängen
6. einem Brunnen aus runden Sandsteinplatten, einem steinernen Geländer nebst Pfahl, Wippe und Eimer
7. einem Garten beim Hause von 1,5 Calenberger Morgen mit ca. 60 Obstbäumen, auch Staket, Zaun und Heckenbefriedung
8. ca. 5 Morgen Ackerland im Huder Felde

um 1865 erfolgt eine grundlegende Modernisierung der Windmühle

1862 wird ein Antrag auf Errichtung einer Dampfmaschine gestellt um auch bei Windstille mahlen zu können. – Aufgrund eines Einspruchs der Stadt Lüneburg (sie befürchtet eine zu starke Konkurrenz für ihre drei Wassermühlen) wird der Antrag abgelehnt.
Ersetzt werden aber die Segelflügel durch Flügel mit Jalousieklappen. Weiter bekommen Mühlenturm und –haube eine Eindeckung aus Naturschiefer und eine Windrose übernimmt nun die automatische Vordrehung der Flügel in den Wind.
Besitzer wird der Handorfer Müllersohn Georg Meyer

Am 07. September 1907 erwirbt Georg Meyer (Sohn des Mühlenbesitzers aus Handorf) die Mühle.
Der neue Besitzer führt nach und nach zeitgemäße Verbesserungen ein, so verbindet er zwei Jahre später die Mühle mit einer Drescherei.
Bedingt durch Versorgungsmängel während des ersten Weltkrieges sind die zum Betrieb erforderlichen Kohlen von einer derart schlechten Beschaffenheit , dass der Müller morgens immer erst vier Stunden vorheizen muss, um dann zwei Stunden mahlen zu können. Daraufhin nimmt Georg Meyer die Lokomobile im Jahre 1915 heraus und baut einen Sauggasmotor ein.
1928 folgt eine moderne Mehlmühle, bestehend aus einem Walzenstuhl, einem Mahlgang und einer Zentrifugalsichtmaschine. 1930 werden zwei neue Schrotgänge eingebaut.
Georg Meyer junior übernimmt das Ruder

Am 01. Juli 1936 übernimmt sein ältester Sohn Georg die Mühle. Er lässt 1938 eine Getreidereinigung einbauen und ersetzt 1939 die Zentrifugalsichtmaschine durch einen Plansichter, welcher von nun an die Trennung von Schale und Mehlkern übernimmt.
Während des zweiten Weltkrieges, der Junior ist eingezogen, wird der Betrieb zunächst vom Senior weitergeführt, dann aber stillgelegt.
Aus britischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt nimmt Georg Meyer junior die Mühle am 08. Januar 1947 wieder in Betrieb.
Die Mühle ist in keinem guten Zustand. Zunächst kann er nur mit Windkraft und einem Schrotgang arbeiten - es muss viel repariert und improvisiert werden. Aber eine umfassende Grunderneuerung kann jedoch nicht finanziert werden. Im Jahre 1952 wurden Flügelkreuz, Kappe, Windrose und die Königswelle ausgebaut. Die Mühle erhält ein Spitzdach und die Maschinen werden auf elektrischen Antrieb umgerüstet.
Aber Georg trotz den strukturellen Veränderungen (viele Kleinmühlen geben in dieser Zeit auf) und macht weiter. Ab Herbst 1962 übernimmt ein Lkw den Lastentransport, welcher zuvor, Generation für Generation durch Pferd und Wagen bewerkstelligt wurde.
Die 3. Generation – Manfred Meyer ist nun Müller

Im Jahre 1967 übernimmt Georg`s Sohn Manfred die Mühle. Der strukturelle Wandel ist noch in vollem Gange. Es geben immer mehr Bauern und Bäckereien auf, die eigentliche Kundschaft. Zunächst intensiviert Manfred den Gemüseanbau, um die zurückgehenden Umsätze im Mühlengeschäft zu kompensieren. Zudem werden einige Getreidesilos errichtet um die in der Ernte angelieferten Getreidemengen einlagern zu können. 1988/1989 werden die Anbauten der Mühle erneuert und ein Verkaufsladen eingerichtet und es wird überlegt ob die Rekonstruktion des Windantriebes nicht doch realisierbar ist.
Im Frühjahr 1990 stellt Manfred einen Antrag auf öffentliche Zuschüsse für die Wiederherstellung des Windantriebes.
Anfang 1994 steht die Entscheidung – der Windantrieb wird wieder hergestellt. Im Juli 1994 ist Baubeginn und, nach nur 3 Monaten Bauzeit, werden am 19. November die Flügel in Betrieb genommen. Das neue Flügelsystem ist eine Entwicklung aus Holland „Ten-Have-Klappen mit Fokken“, welches einen guten Wirkungsgrad hat und einfach zu handhaben ist. Von nun an kann das Getreide wieder mit Windkraft gemahlen werden, oder bei Windstille auch elektrisch.
Am 01. Januar 1996 übernimmt Eckhard Meyer den Mühlenbetrieb

Noch 1996 erfolgt der Bau einer Lagerhalle. 1997 wird der Mühlenhof gepflastert. Kontinuierlich wird der Verkaufsladen erweitert. So dass heute auf ca. 200 m² Naturkostprodukte, Futtermittel und Gartenbedarf angeboten werden können. 2005 erfolgt Bau eines Backhauses mit Holzbackofen, in dem unser „Mühlenbrot“ und leckerer Butterkuchen gebacken werden.
1/3 des zu vermahlenden Getreides wird mit Windkraft auf unseren Mahlsteinen verarbeitet, so dass die Bardowicker Windmühle als produzierendes technisches Denkmal heute eine der wenigen Mühlen ist, welche gewerblich mit Windkraft mahlt.

Müllerfamilie seit über 150 Jahren &
über 100 Jahre Meyer`s Windmühle in Bardowick

Im Jahre 1854 begann unsere Familie in Schneverdingen (in mitten der Lüneburger Heide) mit der Müllerei. Der Weg führte uns über Handorf nach Bardowick wo wir jetzt in der 6 ´ten Generation als Windmüller tätig sind.



Aus der Mühle schaut der Müller,
der so gerne mahlen will,
stiller wird der Wind und stiller,
und die Mühle stehet still,

so geht’s immer wie ich finde,
ruft der Müller voller Zorn,
hat man Korn so fehlt`s am Winde,
hat man Wind so fehlt´s am Korn.

Wilhelm Busch



Textquelle :http://www.meyers-windmuehle.de

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