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Sabine Kuhn


Pro Mitglied, Herne

. . . aus ihrem schoss mir zum geleite . . .

Nordfriedhof Düsseldorf /
Detailaufnahme dieser Skulptur



PHANTA'S SCHLOSS
Die Augenlider schlag ich auf.
Ich hab so groß und schön geträumt,
dass noch mein Blick in seinem Lauf
als wie ein müder Wandrer säumt.
Schon werden fern im gelben Ost
die Sonnenrosse aufgezäumt.
Von ihren Mähnen fließen Feuer,
und Feuer stiebt von ihrem Huf.
Hinab zur Ebne kriecht der Frost.
Und von der Berge Hochgemäuer
ertönt der Aare Morgenruf.

Nun wach ich ganz. Vor meiner Schau
erwölbt azurn sich ein Palast.
Es bleicht der Felsenfliesen Grau
und lädt den Purpur sich zu Gast.
Des Quellgeäders dumpfes Blau
verblitzt in heitren Silberglast.
Und langsam taucht aus fahler Nacht
der Ebnen bunte Teppichpracht.

All dies mein Lehn aus Phanta's Hand!
Ein König ich ob Meer und Land,
ob Wolkenraum, ob Firmament!
Ein Gott, des Reich nicht Grenze kennt.
Dies alles mein! Wohin ich schreite,
begrüßt mich dienend die Natur:
ein Nymphenheer gebiert die Flur
aus ihrem Schoß mir zum Geleite;
und Götter steigen aus der Weite
des Alls herab auf meine Spur.

Das mächtigste, das feinste Klingen
entlauscht dem Erdenrund mein Ohr.
Es hört die Meere donnernd springen
den felsgekränzten Strand empor,
es hört der Menschenstimmen Chor
und hört der Vögel helles Singen,
der Quellen schüchternen Tenor,
der Wälder Baß, der Glocken Schwingen.

Das ist das große Tafellied
in Phanta's Schloß, die Mittagsweise.
Vom Fugenwerk der Sphären-Kreise
zwar freilich nur ein kleinstes Glied.

Erst wenn mit breiten Nebelstreifen
des Abends Hand die Welt verhängt
und meiner Sinne maßlos Schweifen
in engere Bezirke zwängt –
wenn sich die Dämmerungen schürzen
zum wallenden Gewand der Nacht
und aus der Himmel Kraterschacht
Legionen Strahlenströme stürzen –
wenn die Gefilde heilig stumm,
und alles Sein ein tiefer Friede –
dann erst erbebt vom Weltenliede,
vom Sphärenklang mein Heiligtum.

Auf Silberwellen kommt gegangen
unsagbar süße Harmonie,
in eine Weise eingefangen,
unendlichfache Melodie.
Dem scheidet irdisches Verlangen,
der solcher Schönheit bog das Knie.
Ein Tänzer, wiegt sich, ohne Bangen,
sein Geist in seliger Eurythmie.

Oh seltsam Schloß! bald kuppelprächtig
gewölbt aus klarem Ätherblau;
bald ein aus Quadern, nebelnächtig,
um Bergeshaupt getürmter Bau;
bald ein von Silberampeldämmer
des Monds durchwobnes Schlafgemach;
und bald ein Dom, von dessen Dach
durch bleiche Weihrauch-Wolkenlämmer
Sternmuster funkeln, tausendfach!

Das stille Haupt in Phanta's Schoße,
erwart ich träumend Mitternacht: –
da hat der Sturm mit rauhem Stoße
die Kuppelfenster zugekracht.
Kristallner Hagel glitzert nieder,
die Wolken falten sich zum Zelt.
Und Geisterhand entrückt mich wieder
hinüber in des Schlummers Welt.

CHRISTIAN MORGENSTERN
Sämtliche Dichtungen. Abteilung 1, Band 1,
Basel 1971–1973, S. 20-24

Kommentare 12

  • Erich Küpers 16. Januar 2009, 15:26

    Wow, erstklassige Bildgestaltung und Tonung.
    Sehr gelungen deine Arbeit.
    LG Erich
  • creARTiv 13. Januar 2009, 17:56

    raffiniert! ... toll gemacht!
    glg
    jörg
  • Der Biege 12. Januar 2009, 22:08

    Exzellenter Ausschnitt ...
    Gruss Biege
  • Maren Arndt 12. Januar 2009, 13:40

    Liebe Sabine,

    die Worte passen so wunderbar zu dieser Figur, dieser Ausschnitt ist so geheimnissvoll - man schaut lange ..
    Ein Buch solltest du herausgeben mit Deinen Fotos dieser ART und passenden Gedichten...

    Eine gute Woche wünsche ich dir
    Herzlichst
    Maren
  • Fizz 11. Januar 2009, 23:37

    wundervoller Detailausschnitt
    Klasse !!
    Lg fizz
  • F A R N S W O R T H 11. Januar 2009, 22:38

    Das ist ja unglaublich gut, kommt sofort in meine Fav. Liste !
    Sehr ungewohnte Ansicht und dadurch auch sehr sehenswert .
    Einfacht toll Sabine
    lg, mario
  • Dark Romance Photographie und Poesie 11. Januar 2009, 21:41

    fantastisches Foto mit starker Aussagekraft, selbst ich wär nie auf einen solchen Schnitt gekommen, mein Kompliment ... Morgenstern passt wundervoll dazu
    ganz lieb dich grüss, Normann
  • Andreas Pawlouschek 11. Januar 2009, 21:41

    Beide Aufnahmen sind hervorragend gelungen.
  • Kay Holtmann 11. Januar 2009, 20:19

    mein kompliment liebe Sabine... eine sehr gelungene aufnahme vom Henkel-Grab... ich stand sehr oft vor ihr und konnte ihr nie etwas abgewinnen... deine aufnahme ist ein sehr schönes statement zum thema sehen... das ist ganz klar ein favorit... ich bin begeistert!!!
    lg kay
  • Gaby K 11. Januar 2009, 19:57

    der schnitt und die kontraste sind ja hammerhart - ich bin echt begeistert.
    wieder eine tolle arbeit von dir
    lg gaby
  • Die Waldvenus 11. Januar 2009, 19:33

    Das ist ganz wunderbar und ausdrucksstark**
    LG Bärbel
  • Jimmy E. Walker 11. Januar 2009, 17:09

    Starke Bildgestaltung, starker Text. Klasse!
    Gruss Jimmy

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