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MichaelKatzengreis


Free Mitglied, Stuttgart

Aus dem Leben eines gequälten Menschen

Irgendwann gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts, im Sommer dieses nicht festgehaltenen Jahres, wurde Jacek als einzigstes Kind einer bettelarmen Schafshirtenfamilie in einem weit jeglicher Zivilisation gelegenen, waldreichen Tal der Ostkarpaten auf die Welt gebracht.

Er kannte keine Spielkameraden, auch keine Freunde, denn weitere Menschen gab es in den Tälern rings um die Hütte seiner Eltern nicht.
Von seinem dem Alkohol verfallenen Vater wurde er fast täglich mißhandelt und oftmals eher mehr ganz denn (nur) halb tot geschlagen.
Früh schon musste er hart mitarbeiten und kannte in seinem Leben keinerlei Förderung noch Freude so daß er geistig immer mehr verkümmerte...

Seine Mutter starb an Mangel an allem. Da war Jacek noch nicht einmal so groß wie sie gewesen.
Nun war er mit dem Vater allein, der ihm die Jahre bis zu dessen eigenem Tode nochmals eindrücklich lehrte was es heisst, Schmerz und körperliche Züchtigung bis zum Wahnsinn ertragen zu müssen.

Als auch endlich dieser starb machte Jacek sich auf, um die Dörfer am Rande dieses dunklen Gebirges zum ersten Male sehen zu können.... denn sie kannte er aus den raren Erzählungen seiner Mutter. Er konnte sich nicht vorstellen was es heisst, fröhlich-bunte Strassen und liebevoll dekorierte Ladenauslagen betrachten zu können.... Menschen lachen zu sehen und andere Farben als das dunkle Grün des schwarzen Tann´s, aus dem er kommt, wahrnehmen zu dürfen....

Aber die Menschen in dem Städtchen erschraken ob seiner erbärmlichen Erscheinung. Sie wichen ihm aus und gafften ihm hinterher. Die Kinder gar lachten unverhohlen über ihn und schmissen Tannenzapfen oder gar Steine nach ihm.... und kein Erwachsener schritt ein.
Der Pfarrer höchstselbst stellte sich Jacek in den Wege und wies ihn aus dem Dorfe, da man solch gottlosen Landstreicher und Strauchdieb wie ihn nicht in einem frommen Christenstädtchen wie diesem dulden wolle.

Die letzten Gefühle in Jacek erstarben ob dieser zutiefst gedemütigten Rückkehr in das dunkle kalte Tal seines menschlichen Seins.

In der verlassenen Hütte seiner Eltern wieder angekommen erstarrte er angesichts der Kälte seiner Welt und seiner nunmehr eigenen Gefühle zu hartem, eiseskalten Eisen.
Er ging in den Stall zu den Schafen und quälte jedes einzelne von ihnen über Monate hinweg mit solch unglaublicher Grausamkeit, daß sich die scheuen und ängstlichen Weidetiere zu den bösartigsten und hasserfülltesten Mordmaschinen wandelten..... sie verwandelten sich wie er in kaltes Eisen das sich nur dadurch wärmen konnte, indem es durch das Fleisch Lebender schnitt.

So nahm er dann seine Schafe, wandte sich mit ihnen dem Dorfe am Fuße des Gebirges zu und freute sich auf ein kleines bisschen Wärme in seinem Leben.........


http://www.youtube.com/watch?v=XP3pSLi2z14

Kommentare 1

  • Ranunkelchen 12. Mai 2014, 9:21

    Die Qualen und das Leid eines jeden einzelnen Geschöpfes aus diesem Bild springen mir geradezu entgegen und schlagen hart auf mich ein.
    Es erschreckt und beschäftigt mich.
    Wäre dies der Anfang eines Buches, ich müsste es wohl wieder ablegen.


    LG Anja