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Albertina


Basic Mitglied, Saarbrücken

Auf dem Birkenkopf - Der zerbrochene Adler

Der Birkenkopf ist einer der intensivsten Plätze, die ich kenne. Hier ein Auszug aus meinen autobiographischen Notizen vom 26.6.2000 (Zum ersten Mal auf dem Birkenkopf):

"Nach der Überquerung eines Autobahnzubringers gelangten wir auf einen Weg, der sich um einen Bergkegel nach oben wand. Je höher wir uns auf dieser Spirale schraubten, umso öfter lichtete sich der Wald und gab Aussichten auf einzelne Stadtteile Stuttgarts und die umliegenden Landschaften frei. Nach einer letzten Umrundung öffnete sich der Weg zu einer weiten Kuppe und ich erkannte, dass alles bisher Gesehene nur Vorgeschmack gewesen war. Allein für den überwältigenden Rundum-Blick lohnte sich der Aufstieg.

Doch das Gipfelplateau barg noch mehr Außergewöhnliches. Auf einen ersten ungenauen Eindruck hin hätte man diesen Platz für eine von Felsen gesäumte altgermanische Kultstätte halten können. Bei genauem Hinsehen kristallisierten sich aus der grauen Masse vermeintlichen Felsgesteines Konturen heraus: Verwitterte Torbögen, Säulen, geköpfte Statuen, Löwenköpfe, ein zerbrochener Adler - oder war es ein gefallener Engel? - blumige Jugendstil-Motive und eine Betonplatte mit der Aufschrift „LSR“. Dazwischen Eichen und Birken, die sich im Winde wiegten. Die Birken hatten dem Berg seinen Namen gegeben: Birkenkopf.

Eine Gedenktafel erinnerte an die historischen Hintergründe: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Reste des zerstörten Stuttgart auf den Birkenkopf gekarrt und in Form eines abgeplatteten Kegels aufgeschichtet worden. Der Berg wuchs dadurch um fünfzig Meter und wurde zur höchsten Erhebung des Stuttgarter Kernbezirks.
Im Gegensatz zu vergleichbaren Trümmerbergen in anderen Städten, die die Hinterlassenschaften des Luftkrieges diskret in ihrem Inneren verbargen, ragte die oberste Schicht der Trümmer sichtbar aus dem Boden.

Dieser Ort berührte mich sehr. Ich hatte bereits vorher zu der Empfindung geneigt, dass auch Gebäude eine Seele besäßen (es sei denn, sie waren in einer entsinnlichten und seelenlosen Bauweise errichtet), doch hier ergriff mich dieses Gefühl besonders stark. Ich spürte die Geister der alten Häuser, die auf diesem Berg lagen, und wurde von der eigentümlichen Atmosphäre dieses Platzes erfasst, die Trauer und Schönheit in einer fast überirdischen Weise vereinte.

Der Nachhall der untergegangenen Sonne am westlichen Horizont verblasste. Es blieb das Licht meiner Lieblingstageszeit, der „Blauen Stunde“. Die Stadt tief unten im Talkessel verwandelte sich allmählich in einen aus leuchtenden Pünktchen geknüpften Teppich von zunehmender Dichte, der Hintergrund wechselte seine Farbe von Blau über Tiefblau zu Blauschwarz. " (Copyright bei der Autorin)

Kommentare 2

  • Satira 17. März 2013, 11:30

    Ein wunderschönes Bild, das nachdenklich stimmt!
    LG
    Satira
    P.S. Danke für deine nette Anmerkung zu "Fernsehabend".
  • Joy Pictures 3. September 2007, 20:00

    ...Ja, so ist das mit den Plätzen. An manchen fühlt man etwas, obwohl verstandesgemäß nicht so viel außergewöhnliches da ist. Das Bild finde ich ziemlich gut! Übrigens: Ich habe auch ein paar analoge Bilder bei meinen dabei. Habe mit Digital angefangen, weil es, gerade zum Üben, einfach billiger ist ;o)) Ich finde analog aber nach wie vor klasse. Beides ist für mich ideal! LG - Marion