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Was ist neu?
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Crosley


Free Mitglied, Aarau

Arbeitstier

Wohl das älteste Relikt auf diesem Platz

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Bild No.042 aus der Serie: Autofriedhof (Car Graveyard)
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FORDSON F
1917-1928

Stückzahl ca. 750.000 ;
Produktion im Rouge Plant Dearborn/USA (1917-1928) und in Cork/Irland (1919-1922)
Antrieb: 4,3 Liter Vierzylinder Reihen-Benzinmotor mit 20 PS, Mischbetrieb mit Petroleum möglich; Dreigang Getriebe
Gewicht: ca. 1.100 kg


Als Sohn eines Bauern war Henry Ford natürlich an der Landwirtschaft interessiert. Schon 1907 baute er zusammen mit Jozsef Galamb den ersten Prototypen Traktor ("Automobil-Pflug"), aus dem Vorderteil eines T-Modell und den Rädern eines Bindemähers hinten. Bis 1915 konzentrierte Ford sich jedoch auf die Produktion des Modell T.

Als Großbritannien aber im Ersten Weltkrieg durch die U-Boot-Blockade der deutschen Marine in arge Versorgungsengpässe geriet und bei den ständig geringer werdenden Lebensmitteleinfuhren so die eigene Landwirtschaft in Schwung bringen musste, aber unter einem großen Mangel an Arbeitskräften und -tieren litt und nicht selbst schnell genug Maschinen produzieren konnte, war der Bedarf an importierten Zugmaschinen so groß, dass amerikanische Traktoren wie der "Titan" und der "Waterloo Boy" diesen nicht decken konnten.
Diese Chance nahm der amerikanische Automobilkönig Henry Ford wahr und bot der britischen Regierung seine Hilfe an: Er versprach, zu einem günstigen Preis innerhalb kürzester Zeit 6.000 Traktoren nach England zu liefern, und baute eigens dafür binnen weniger Monate einen neuen Produktionszweig auf. Im April 1917 erging der Auftrag der britischen Regierung an Ford, und bereits im April 1918 lieferte er. Dies war die Geburtsstunde der preisgünstigen Schleppermassenanfertigung und des "Fordson Modell F": Bis 1920 wurden weltweit 162.666 Traktoren dieses Modelles produziert, von 1921 bis 1925 394.842 und von 1926 bis 1930 noch einmal 214.956. Dreiviertel aller neuzugelassenen Traktoren in den USA waren "Fordsons".
1917 wurde die Firma "Henry Ford & Son" gegründet und die Serienfertigung begann.
Der Name Fordson entstand, nachdem sich der ursprüngliche Aufsichtsrat der Ford Motor Company gegen den Bau von Traktoren aussprach. Erst mit der Übernahme aller Anteile im Jahr 1920 durch Henry Ford wurde die Schlepper- in die Automobilproduktion integriert.

Die deutsche Landmaschinenindustrie und einflussreiche Kreise hatten bei der Reichsregierung ein Importverbot des "Fordson" erwirkt, weil die deutschen Unternehmen gegenüber dem mächtigen Ford nicht wettbewerbsfähig waren und um ein gleiches Schicksal fürchteten wie einige kleinere Betriebe in den USA, die ihre Produktion einstellen mussten. So entwickelten die Deutschen, genauer: die Firma Pöhl, ihren eigenen Traktor: die "Pöhl-Ackerbaumaschine", die dem "Fordson" zwar ähnlich in Leistung und Technik war, aber um ein Mehrfaches teurer war. Die Herstellungskosten des "Fordsons" betrugen ungefähr 1.900 Goldmark, die des Pöhl-Schleppers hingegen 7.000 Goldmark.
Jedoch das Interesse der Deutschen an den leistungsstarken und dennoch verhältnismäßig preisgünstigen "Fordsons" blieb bestehen. So erwirkte beispielsweise der Kommerzienrat Graetz 1921 anlässlich der Frankfurter Messe bei der deutschen Reichsregierung die Einfuhr von acht "Fordsons", die danach aber nicht zurück nach Amerika verschifft wurden, sondern auf seinen eigenen Ländereien zum Einsatz kamen. Auch das Ruhrgebiet und das Rheinland, wo die Einfuhrbeschränkungen für die amerikanischen Schlepper keine Gültigkeit besaßen, wurden zu Abnehmern der "Fordsons".
Erst im Frühjahr 1924 wurde eine begrenzte Einfuhr des "Fordson" zugelassen, der sogleich einen reißenden Absatz in Deutschland fand und so die deutschen Hersteller zum Umdenken zwang. Die ersten 500 "Fordsons" waren sofort nach der Auslieferung ausverkauft, und bereits 1925 war jeder siebte in Deutschland neuerworbene Traktor aus dem Hause des nordamerikanischen Autokönigs.
Um konkurrenzfähig zu bleiben, stiegen auch die deutschen Schlepperhersteller auf Serienproduktion um und nahmen sich die Grundprinzipien des "Fordson" zum Vorbild. Als deutscher "Fordson" kann der deutsche "Hanomag-WD-Radschlepper" mit 28 bis 32 PS bezeichnet werden, der dem Fordson aber in vieler Hinsicht überlegen war. Da der Wettbewerb in den 20ern unter den einzelnen Produzenten sehr hart war, waren die Werbestrategien dementsprechend ausgefallen. So wurde für den "Hanomag-WD-Radschlepper" vom 2. September bis zum 28. Oktober 1926 eine Karawane, bestehend aus eben diesen Schleppern, an der Ostsee entlang durch Norddeutschland veranstaltet, die dann allerorts durch Schaupflügen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellten.
Doch auch der Staat nahm sich in den 20er Jahren der deutschen Schlepperindustrie an. Wie schon zuvor erwähnt, griff er zunächst dadurch ein, dass er den Import des "Fordson" bis 1924 unterband, um die deutsche Industrie vor den preisgünstigen Massentraktoren zu schützen.
Er unterstützte aber auch die Finanzierung von Landmaschinen durch eine 1924 gegründete "Finanzierungsgesellschaft für Landkraftmaschinen" (FIGELAG oder Traktorbank), die Kredite an die Landwirte vergab, die deutsche Schlepper kaufen wollten. Der Kauf eines "Fordson" hingegen wurde nicht finanziell unterstützt.

1928 begann die Produktion in Irland, zuerst noch mit Hercules Motoren, später erfolgte dann die Umstellung auf Ford Motoren.
Eugene Farkas, der Nachfolger Galambs, brachte Henry Ford auf die Idee die tragende Struktur aus Gußeisen zu fertigen, anstatt einen seperaten Rahmen zu benutzen. Nachdem sich dieses Konzept bei fünfzig Prototypen im landwitschaftlichen Einsatz bewährt hatte konnte die Serienfertigung beginnen.
Mit Motor und Getriebe als tragendem Element konnte man einen recht leichten Schlepper (ca. 1.100 kg) konstruieren. Diese Bauweise war auch besonders gut für große Stückzahlen geeignet, was wiederum niedrige Kosten bedeutet. Durch seine Riemenscheibe war der Fordson auch als Stationärmotor zum Antrieb von Maschinen verwendbar. Außerdem konnte er als Zugmaschine für Ackerwagen und Geräte eingesetzt werden.
Die anderen Hersteller waren derweil im Glauben, daß "größer" automatisch auch "besser" bedeutet.

Zuerst gab es noch keine Gummibereifung. Kotflügel mit integrierten Staukästen gab es bei den in USA gebauten Modellen ab 1924 gegen Aufpreis.
Auch die anfällige Summerzündung wurde vom Modell T übernommen, viele wurden jedoch später auf Magnetzündung umgerüstet.
Eine weitere Innovation aus den USA, die den Traktor erst zu einer nahezu perfekten Zugmaschine in der Landwirtschaft machte, sich aber dennoch in Deutschland erst nach 1945 durchsetzte, ist die Dreipunktaufhängung. Vom Iren Harry Ferguson entwickelt und seit 1922 an den "Fordson"-Traktoren serienmäßig angebracht, übertrug sie die Kraft vom Traktor auf den Pflug so geschickt, daß der Pflug im Boden grub, aber der Traktor sich nicht mehr wie bisher aufbäumte, da die Vorderachse nun mehr belastet wurde.

Im Jahr 1928 wurde als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise und sinkender Nachfrage die Produktion vorrübergehend eingestellt. Die Montage in Europa mit dem Nachfolge Modell N wurde wieder aufgenommen, als die Sowjetunion viele Fordson Traktoren und Ersatzteile orderte.

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