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Gerhard Hütter


Free Mitglied, SALZBURG

Alpine Freilassing

Freilassing. Sie war lange der größte Steuerzahler der Stadt Freilassing und ein ausgesprochener Vorzeigebetrieb. Doch dann kam das Aus: Auf den Tag genau vor 25 Jahren begann die dreitägige Konkurs-Versteigerung der Firma "Alpine Holzindustrie GmbH Fertighausbau" an der Münchener Straße 72.
Nicht nur die Stadt, auch viele Familien litten darunter, weil der Lohn ausblieb und der Arbeitsplatz verloren war. Bei manchen wurde es zu einem ernsthaften Schicksal. "Daran sollten alle damals irgendwie Mitverantwortlichen und Nutznießer erinnert werden", meint Helmuth Soraruf, der für die Südostbayerische Rundschau auf den schicksalsschweren 12. Februar 1986 zurückblickt.
Die ursprüngliche Firma Schwarz war eine der ersten, die sich auf den Fertighausbau spezialisiert hatte. Während des Krieges setzte das Unternehmen im Hobelwerk und in der Schreinerei auch zwangsverpflichtete junge Französinnen ein. Die Firma gehörte zu den ersten, die Fertighäuser in Holzständerbauweise errichtete. Helmuth Soraruf berichtet, dass noch heute solche Häuser im Gebiet des ehemaligen Heereszeugamts stünden: An der Breslauer-, an der Oppelner- und an der Römerstraße.
Die Römerstraße hieß auch "Wielandshag", was man in etwa mit "Kaderschmiede" (Wieland der Schmied und Hag das Dorf oder die Gemeinschaft) übersetzen könnte. Tatsächlich wohnten in den neuen Häusern Ingenieure und Konstrukteure des Ainringer Flughafens.
Nach dem Krieg arbeitete die Firma Schwarz mit einer großen Bausparvertragsfirma zusammen und errichtete in ganz Deutschland Fertighäuser. Mit ihr verbunden war auch die große Heizungsbaufirma Rudolf Koppelstätter, die den Niedergang ihres einstmals so wirtschaftsstarken Partners ebenfalls nicht überlebte.
Dann kamen die Spanier...
In den 1970-er Jahren wurden zahlreiche Arbeitnehmer aus Spanien nach Freilassing abgeworben, die bei der "Alpine", wie die Firma nun hieß, Arbeit fanden. In der Münchener Straße 63 wurden für sie ein Unterkunftsheim und eine Kantine eingerichtet. Auch privat wurden etliche untergebracht.
"Der Freitagabend war immer lustig", erinnert sich Helmuth Soraruf. "Da bekamen die Spanier ihre Lohntüten, und sie radelten um die Wette die Münchener Straße herein zum Postamt. Vor dem Schalter II bildete sich dann die Spanierschlange, die bis über die Eingangstüre hinausreichte." Die spanischen Mitarbeiter der Firma "Alpine" tätigten Auslandsüberweisungen oder schickten Geld an ihre Familien.
Für Freilassing war die Anwesenheit der Südländer eine Bereicherung. "Nun bekam man außer im Feinkostgeschäft August Huber in der Hauptstraße auch in anderen Lebensmittelgeschäften Oliven, Olivenöl, spanischen Wein und andere spanische Lebensmittel", schreibt Soraruf. "Dadurch blieb auch wieder Kaufkraft im Ort. Und die Volkshochschule, unter Leitung von Frau Landwehr, bot Spanischkurse an. Diese Gastarbeiter integrierten sich schnell und bereicherten unsere Kultur. Auch für viele von ihnen war das Ende der Firma schmerzlich."
Bleibt nachzutragen, dass ein großer Teil des Betriebsgeländes bis heute keiner neuen Nutzung zugeführt wurde. Zu verschieden sind die Vorstellungen des neuen Grundstückseigentümers und der Freilassinger Stadtplanung. Viele der damaligen "Spanier" – vor allem deren Kinder und Enkel – sind heute "alteingesessene" Freilassinger.

Kommentare 3

  • Marius Ambrosch 20. Juni 2016, 18:44

    Das Foto gefällt mir sehr gut. Dieser mysteriöse Ort zieht mich irgendwie magisch an! Ich bin momentan auf Kurztrip im Berchtesgadener Land. Bin gerade die Münchner Straße in Freilassing mehrfach auf und ab gefahren. Leider kann ich diesen tollen Ort nicht finden :(
    Vielleicht ein Tipp vom Fotograf?!
  • Fotographix 28. Mai 2014, 14:14

    Ja eine interssante Location. Muss ich auch besuchen -:)
    Sehr schöne Bea.
    Viele Grüße
    Heinz
  • G Goldbach 23. Mai 2014, 19:02

    Interessante Location, toll in der HDR Bearbeitung!
    Auch sehr ausführliche Hintergrundinfo, find ich super!

    Gruß Guido