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Fräulein. Emma


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#14

"Ich liege auf dem Boden, auf meiner Nase der Marienkäfer von heute morgen, der dir über den Bauch gekrabbelt kam. Du hattest das Kissen auf dem Gesicht, dein Hals geschmückt von Blutergüssen.
Ich weiß nicht mehr recht, ob sie von mir waren. Allesamt. Einige vielleicht. Doch nicht der größte, der dir direkt an der Kehle prangte.
Ich weiß nicht, ob das Absicht war. Ob du eigentlich weißt, dass sich förmlich heißer Wachs über mir ergießt, wenn du das Haus verlässt und die Tür ins Schloss fällt, als wäre das das Ende. Dass du mich mit deinen Blicken zerschießt, ich in tausend Teile zerfalle, die du mit dem Kehrblech vom Boden fegst. Du bringst mich damit durcheinander und knickst alles, reißt sogar hin und wieder die Ecken ab. Ich wollte das alles flicken, aber mit der Nadel hast du mir die Augen ausgestochen, eines langsam, eines sehr schnell. Damit ich so gut wie nichts fühle, hast du gesagt und mit einem Schwung hat sie drin gesteckt.
Zerstückel mich, mich und das in mir. Das, was nicht zu fassen ist, weil es entwischt, sobald man es bemerkt hat. Und häng mich auf, an deiner Schlafzimmertür, damit du immer was zum Gute Nacht sagen hast und keine Duftbäumchen mehr brauchst. Ich rieche wie ein Erdbeerlutscher hast du mal gesagt. Ich wäre dein eigener Erdbeerlutscher, der auch zur Kirsche werden könnte, irgendwann.
Knall mich doch ab, damit du was zum Spielen hast. Los, schieß doch, du hast ja eh nichts mehr zu verlieren. Reiß mir die Zunge aus dem Mund, rahm sie dir ein und häng sie dir ins Wohnzimmer. Nimm mir meine Ohren und kleb sie dir unter die Schuhe. Zerstückel doch meine Finger und dekorier deinen Kühlschrank damit. Mach doch was du willst mit mir, ich bin jetzt deins. Du kannst machen, was du willst. Und weißt du, wenn du weinst, dann sinken deine Tränen in meine Haut und das fühlt sich dann an, wie schwerer Herbstregen.

So schwer, wie er nur sein kann."

[okt.'04 a.]

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