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dOCUMENTA 13
Man möchte nicht wahrhaben, was man sieht:
Man betritt einen abgedunkelten Raum und sieht rechts eine kurze Filmsequenz in Form einer Endlosschleife. Ein Mann steht mit leicht ausgestrecktem Arm, in der Hand ein Handy. Plötzlich sackt er in sich zusammen, Mann und Hany stützen zu Boden. Kurze rückwärts laufende Sequenz, und alles beginnt von vorn.
Die gegenüberliegende Wand ist im Foto zu sehen. Schnell merkt man, was hier gezeigt wird.
In der Tat handelt es sich um Bilder, die Opfer der syrischen Revolution, von ihrer eigenen Hinrichtung im Angesicht des Todes mit dem Mobiltelefon aufgenommen haben. Die Bilder sind authentisch, und stammen aus dem Netz.
Wer hierzu nichts schreiben möchte............ ich kann es verstehen.
(Rabih Mroue` ,geb 1967 in Beirut, zu seinem Beitrag gehört auch eine Vortragsperformence im Staatstheater Kassel))
...schon das zu lesen ist gruselig!!
das, wie in der Dokumenta zu sehen muß bedrohlich... beängstigend... aufwühlend und schockierend wirken!! Ich glaube nicht, das ich solche Bilder, Filme oder ähnliches in der Kunst einreihen würde. Was wird von Rabih Mroue damit beabsichtigt???
Grüße von Gaby ...die hier auf die übliche Grußformel verzichtet
Die Menschheit wird nicht schlau und die Greultaten hören nicht auf. Aber in der heutigen Zeit wird das mit Hilfe der modernen Medien umgehend in die Welt getragen und es wird unmöglich sein das Geschehen zu verleugnen; weder jetzt noch in der Zukunft.
LG Elke
Deine Beschreibung jagt einem kalte Schauer über den Rücken.
Ob solche Bilder politisch etwas bewirken oder den einzelnen in seinem Denken und Handeln beeinflussen? Ich glaube nicht. Außer einem persönlichen Grusel bleibt nichts. Das ist wohl die harte Wahrheit.
VG Dietmar
Eigentlich wollte ich mir in diesem Jahr die Dokumenta auch mal ansehen, aber es hat wieder einmal nicht geklappt. Allerdings bei der Doku, die ich bisher von Dir sah, bin ich nun auch nicht mehr traurig darüber
lg Sylvia
Ich finde es gut und richtig das du dies Bild mit der dazu gehörenden Erklärung zeigst.
Aber ob das in einer Kunstausstellung gezeigt werden sollte ist eine ganz andere Frage.
lg andrea
@ Huetteberg und Andrea Aplowski, Sibille L.
Wir sollten nicht vergessen, das die Menschen , die diese Bilder gemacht haben, jetzt tot sind.
Ihr letzter Wunsch war ihre Mörder anzuklagen.
Die ganze Welt sollte sehen, dass an ihnen Gräueltaten verübt wurden.Die ganze Welt sollte das sehen.
Wäre es moralisch, diesem Wunsch nicht zu entsprechen ? Wegschauen ist aber erst recht keine Lösung, das hatten wir schon zu oft.
@ Dietmar Stegmann.
Ich glaube ganz fest, dass die Kunst Vorgänge bewusst machen kann.
Ändern muss es dann der Mensch.
Thematisch erinnert mich das, was ich hier sehe an Käte Kollwitz.
Urteile nun selbst ob ihre Bilder direkt was bewirkt oder verändert haben.
Norbert, es geht nicht ums wegschauen. Das dürfen wir natürlich nicht.
Mir geht es darum das ich diese Taten und ebenso diese Bilder nicht als Kunst verstehe.
Ich sehe auch keine Kunst darin abgehäutete Tiere auszustellen. Und das ist natürlich bei weitem das kleine Problem.
lg andrea
Norbert, Du hast ja Recht. Selbstverständlich respektiere ich den Wunsch der Opfer, daß ihre Mörder bestraft werden. Es muß schrecklich sein, seinen eigenen Tod zu filmen.
Aber seit Monaten wird darüber diskutiert, wie man den armen Menschen helfen kann und nichts geschieht, weil sich die Regierungen nicht einigen können. Das Massaker geht weiter. Da frage ich mich doch, wer da wegschaut.
LG Sibille
Warum sollte man daraus keine Kunst machen? Ich habe die Bilder gesehen.... weitaus weniger reisserisch als vieles andere was uns tagtäglich zugemutet wird. Allerdings gelingt es dem Künstler einen zum nachdenken zu bringen.... zu berühren... Das schaffen all die schnellen Medien TV Netz etc. doch schon lange nicht mehr.
Mein Verständnis hat der Künstler!!!
@Norbert REN Ich habe mich gerade in der letzten Zeit intensiv mit der Kunst von Käte Kollwitz auseinandergesetzt. Die Kollwitz-Kunst mit diesem dargestellten Grauen zu vergleichen halte ich nicht für angemessen.
Kollwitz komprimiert das Leid zu einer Aussage, die für den Betrachter im Dialog erfahrbar ist. Die realen Schreckensbilder schaffen eine Distanz zwischen dem gezeigten Grauen und dem Betrachter. Hier gibt es nur den Fluchtgedanken, sich damit nicht auseinandersetzen zu müssen.
VG Dietmar
@ Dietmar Stegmann
Ich erlaube mir hier keinen Vergleich, im Gesamtwerk sondern schrieb oben:
Thematisch erinnert mich das, was ich hier sehe an Käte Kollwitz.
Ich hatte im Oktober 2010 ausgiebig und lange die Möglichkeit sehr vielen Originalen , Kohlezeichnungen und Skulptur gegenüber zu stehen, und hatte auch dort das kalte Grausen.
Insbesondere, wenn noch Elend Hunger, und das Leid der Kinder noch dazu kam.
Ich denke mal, der von Dir erkannte Unterschied liegt daran, das die zwei Weltkriege hinter uns liegen, die Kriege und Revolutionen die hier thematisiert sind, sind aktuell, , und noch nicht ansatzweise gelöst, klar, dass die Distanz da sehr viel geringer ist.
Wieso Du Dich mit den aktuellen Problemen nicht auseinandersetzen willst, sondern lieber fliehen, weiß ich nicht.
@Norbert REN
Vor dem Problem kann man nicht fliehen. Das hast Du falsch verstanden. Aber gezeigte unerträgliche Bilder führen nicht zu einem intensiveren Verantwortungsbewußtsein.
So wie man die vielen Zeitungsberichte über Syrien zur Kenntnis nimmt und sich in der Regel auch nicht näher damit beschäftigt, weil es ja noch so viele andere Dinge gibt.
Der Hintergrund ist aber in der Tat schrecklich und unfassbar. Da filmen Leute ihren eigenen Tod. Das verweist auf unendlich und unbeschreibbar viele Dimensionen. Mich z.B. würde interessieren, warum sie im Angesicht ihres Todes immer noch die Video-Kamera hochhielten. Aber diese Frage könnten sie wohl nur selbst beantworten, wenn sie es noch könnten. Und, ich lebe in einem Land, in dem man bei Demonstrationen i.d.R. nicht Gefahr läuft, erschossen zu werden. Vor etlichen Jahrzehnten und Jahrhunderten war das mal anders hier. Damals gab es Kohlezeichnungen, heute gibt es pixelige Videobilder. Ich überlasse es dem jeweiligen Betrachter, ob dies ein Gewinn oder Verlust an Darstellungskraft darstellt und ob dies noch unter Kunst fällt.
Übrigens, so schrecklich sehen diese Bilder gar nicht aus, wenn man, wie ich vor drei Wochen, den Hintergrund nicht kennt. Das meiste vom Schrecken passiert also in der eigenen Phantasie. Und vielleicht erschreckt man ja in Wirklichkeit immer auch ein Stück vor sich selbst?
Dieser Alltag ist entsetzlich - vielerorts in der Welt und nicht nur in Syrien.
Deshalb beschränke ich mich auf das was ich von Dir sehe: Eine ausgezeichnete Dokumentation in Bild und Schrift. Gute Arbeit, Norbert!
LG Lutz
Kunst ist nicht nur ästhetisch schön, sie sollte auch immer was mit dem realen Leben zu tun haben. Es ist für mich eher die Frage, ob das, was heutztage oft als Kunst bezeichnet wird, Kunst ist. Manche "Kunstwerke" refelektieren gar nichts, sie sind dekorativ und das wars.
Den Vergleich mit Käthe Kollwitz finde ich spannend und bedenkenswert.
Zu Ihrer Zeit gab es kein Handy, wer weiß was sie gemacht hätte.
Man kann hier sicherlich auch nicht die Bilder im einzelnen als Kunstwerk bezeichnen,
Es ist die gesamte Situation im Raum
und sie ist nicht aufdringlich und im ersten Moment auch nicht gruselig
sie verstört, man kann auch erst gar nicht unbedingt erkennen um was es geht (wie ja auch Hans.Dieter schreibt)
und schade, wenn
@ Sylvia Schulz nicht hingehen will.
der Raum schüttelt einen nicht durch -
erst wenn man bereit ist, sich näher mit dem Inhalt zu befassen, es an sich heranzulassen
begegnet man ihm
"Das pue Entsetzen" ich weiß nicht, ob der Titel zu reißerisch ist.
Ich finde es bemerkenswert, dass Du Norbert hier diese Diskussion angestoßen hast (vielleicht geht das nur mit so einem Titel) und auch durchstehst.
........seit menschen gedenken gibt es mord
und totschlag, aus den unterschiedlichsten
gründen, die für nachfolgende generationen
fast nie zu verstehen sind und .....die frage
nach dem warum? wehm hat es genützt?
.............und seit jahrtausenden berichten
menschen in bildern darüber.
auch die grossen alten meister in ihren
gemälden.
heute ist die welt jeden tag im wohnzimmer
und die medien überschütten uns mit infos.
................ich war wie viele hier geschockt,
als ich den text las.......ich überlegte lange,
ob das in eine ausstellung gehört, deshalb
schreibe ich erst heute.
Ich bin zu dem ergebnis gekommen. JAAA !
das muss gezeigt werden auf der documenta.
das ist sogar sehr gut, weil der besucher nicht
von vielen nachrichten berieselt wird,
sondern allein mit der furchtbaren tatsache
fertig werden muss, die er bestimmt nicht
so schnell vergisst.
ich verneige mich vor den toten,
auch vor ihrem mut.
mit solchen handy-videos sollte man vorsichtig sein.sie sind nicht immer was sie vorgeben zu sein
so mancher fake wurde schon als echt gepostet und dann als falsch entlarvt
@jule43: Tatsache ist dass die Hingerichteten ihre eigene Hinrichtung filmen! Vermutlich weil sie 'uns da draußen' damit etwas mitteilen, aber sicher nicht ärgern wollen, wie Du schreibst.
Jeder Getötete ist ein Opfer - ein Opfer in einem Stellvertreterkrieg der Großmächte um Einfluß, Rohstoffe und Macht.
Und daher ohne Weiteres vergleichbar mit Opfern früherer Kriege und Auseinandersetzungen um Macht.
Kunst? Zumindest Dokumentation, die unter dem Schild "Kunst" mehr Beachtung findet als in unserer Tageszeitung. Und deshalb auch legitim ist.
@ WendenBlende und Ivonne Harenburg
die Frage, ob Kunst oder nicht, ist hier eindeutig zu bejahen.
Auf meinem Bild ist ja nur die linke Wand der Rauminstallation zu sehen, und bei dieser zugehörigen Performance im Staatstheater war ich auch nicht.
Sicherlich wird diese Kunst im Kunsthandel keine Rolle spielen.
Der Autor ist auch mehr Filmemacher, und Theatermensch.
Auch nur reiner Dokumentation wird schon lange der Kunststatus nicht abgesprochen.
Spätestens seit der documenta 6 als die Bechers ihre SW Fotos von Wassertürmen ausstellten, zweifelt keiner mehr ernsthaft daran.
In einer Tageszeitung würden diese Fotos nicht landen, weil sie konkret kaum etwas zeigen. So unscharf und ungenau wie sie sind lassen sie Raum für die eigene Phantasie, Raum für etwas Neues. Sie stellen damit auch gleichzeitig den Wahrheitsgehalt von Bildern und dem Internet in Frage, weil man ja nicht viel erkennt. Man muss glauben, was man sieht, bzw. was im Internet dazu stand. So gesehen ist es für mich eindeutig Kunst, weil es über das reine zeigen und dokumentieren hinausweist.
Für mich gibt es aber noch einen weiteren, wichtigen Unterschied. Wären die Fotos schärfer, exakter, hätten sie vielleicht Eingang in eine Tageszeitung gefunden, und wären dann nach ein paar Tagen in Vergessenheit geraten. Als ungenaues Kunstwerk bleiben sie dagegen viel länger im Gedächtnis. Sie werden quasi zeitlos, und bekommen etwas Ewiges.
Zu den Becher-Bildern möchte ich noch sagen, dass nicht allein die Abbildungen zur (zeitlosen) Kunst wurden, sondern auch ihre Präsentation. Also die Anordnung verschiedener Hochöfen, Wassertürme und Zweckbauten nebeneinander, das so erst Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Objekte aufzeigte. Das gab es bis dato nicht. In einem Fernsehbericht hörte ich mal, dass die Kunstwelt ganz versessen in die Art der Präsentation ist, während die Fotografen die einzelnen, exakten Fotografien mögen.