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Heute beginne ich mit der ersten Lektion zum Thema:
Kunstfoto, wie macht man das ?
Hier: das Wisch-, Wusch- oder auch: Wackelfoto
Wer von den Älteren unter uns erinnert sich nicht an das Verwackelfoto.
Dafür wurde unsern Opa als "Idiot", "Depp", "Blödmann" usw. beschimpft.
Tja damals war alles anders, die Welt noch in Ordnung.
Die Fotoapparate solide Mechanik und das Ergebnis kam erst Wochen nach
dem Ereignis ans Licht..
Wer damals auf einen Auslöser drückte und mit der Mechanik nicht vertraut
war, mußte ... huch ... einen Verwackler in Kauf nehmen.
Man stelle sich diese missliche Situation mal so vor:
eine Hochzeitsgesellschaft, womöglich aus allen Teilen der Welt extra
eingeflogen. Gruppenfoto, mit alter schwergängiger Kamera; ein, zwei, o.k.
drei Auslösungen; alles im Kasten !
3 Wochen später das Ergebnis: alle Bilder verwackelt; so'n Mist.
Mist-Foto !!!
Hochzeiten lassen sich eben nicht so einfach nachstellen !!!
Warum wird so ein "Mist-Foto" heute als Foto-Kunst gehandelt ?
Nun, ganz einfach: Kunst ist, was als Kunst gefällt.
Foto-Kunst dieser Art ist etwas, was im normalen Alltag sich keiner
erlauben kann, weil es da möglicherweise Mist ist, im künstlerischen
Bereich aber bewußt beabsichtigt ist.
Soweit zum intellektuellen Vorspann.
Kommen wir zur Praxis.
Damit auch Sie aus einem Mist-Foto ein Kunstwerk kreieren, brauchen
Sie Idealerweise ein Team von Helfern (Profi-Variante).
Es gibt zwei Verfahren.
Verfahren 1:
Der Fotograf stellt sich vor das Motiv und nimmt eine möglichst starre
Haltung ein; er muß aber noch in der Lage sein, den Auslöser zu betätigen.
Nun kommen mehrere Helfer, heben den Fotografen an und bewegen
ihn möglichst schnell in der vertikalen oder horizontalen Richtung.
Andere Bewegungen, wie schnelles kreisen, sind natürlich auch erlaubt.
Verfahren 2:
Die Helfer stellen sich seitlich zum Motiv, ergreifen dieses und bewegen
das Motiv möglichst schnell in der vertikalen oder horizontalen Richtung.
Andere Bewegungen sind natürlich erlaubt.
Damit die Helfer nicht aus Versehen ebenfalls im Bild festgehalten werden,
sollten möglichst große breite Motive wie Schlösser, Wohnhäuser etc. be-
nutzt werden, wobei der Fotograf sich natürlich auf einen Ausschnitt konzen-
trieren sollte.
Die Amateur-Variante:
Einsame Fotografen haben es da schwieriger; sie haben keine Helfer.
Also müssen sie es selber machen und sich selber bewegen.
Hier haben es Eiskunstläufer, Profiturner etc. einfacher; sie haben gelernt
sich schnell zu drehen oder Saltos zu machen.
Versuchen Sie für sich herauszufinden, welche Bewegung ihnen liegt.
Ganz Faule bewegen nur die Kamera, mal schnell, mal langsamer.
Damit bin ich auch schon am Schluß.
Viele Erfolg bei den ersten Versuchen !
die rechte aufnahme könnte von einer AGFA box sein, sie gab es in der dreißiger jahren für 4 RM.
bezahlt werden musste mit 4 einmarkmünzen werden, sie mussten aber die zeichen A, G, F, A der vier prägeanstalten aufweisen. (A für berlin).
aber farbfilm? kann doch nur nachträglich retuschiert sein. als kinder machten wir das, indem wir das s/w foto mir haaröl bestrichen und dann mit buntstiften ausmalten.
: - )))
eines dieser fotos ist mir erhaltengeblieben. ich stelle es nächste woche mal ein.
vg volker
Hallo Neydhart,
das ganze Leben ist ein
Wisch-, Wusch- oder auch: Wackelleben.
Immer in Bewegung, Trends hinterher laufend,
schnelle Erledigung sämtlicher Dinge, immer busy ...
Gut wenn man sich die Zeit nimmt etwas langsamer
und dafür genauer zu sehen und zu empfinden.
Dein Kunstfoto und vor allem die grandiose Erklärung
hat mir den verregneten Tag etwas versüsst:-)
"Kunst kommt von Können", pflegte mein Vater immer zu sagen.
Du entzauberst hier die Kunst und das finde ich schade. Natürlich kann man die Realität zeigen oder den Wusch (egal in welcher Variante er entstanden ist) und somit die Phantasie anregen, staunen lassen, in Geschichten und Rätseln schwelgen lassen, das Auge verwirren und den Geist irren lassen, Diskussionen auslösen und die Sinne schärfen lassen ...
Man kann es auch lassen.
Mach große Fotokunst nicht kleiner. Du weißt ja: Kunst kommt von Können!
Liebe Martina,
sicherlich hat Dein Vater recht, wenn es um Kunsthandwerk geht.
Bei abstrakter Kunst wird es schon schwieriger; da geht es nur noch darum: gefällts oder gefällts nicht.
Im Grunde gilt es für alle künstlerischen Arbeiten.
Kunst lebt von gesellschaftlicher Anerkennung oder vom Geld des Sponsors. Letzteres bedeutet:
Kunst wird gemacht/Künstler werden gemacht.
Andere würden sagen: die herrschende Kunst ist immer
die Kunst der Herrschenden.
Alles ist relativ; alles es subjektiv.
Egal !
Mir gehts in meinen kleinen Geschichten um Ironie, um Satire.... und, es darf auch humoristisch zugehen.
Mehr nicht.
Hallo Neydhart,
eine äuserst humorige Lektion über große Fotokunst :-))). Deine Beispiellkollage ist Dir dabei sehr gut gelungen.
Es gibt noch eine dritte Fraktion von Fotografen neben denen mit Helfern und ohne Helfer. Die, die sich nicht mehr selbst bewegen können oder wollen und somit weder Salti, Pirouetten, noch leichte Kamerabewegungen hinbekommen.
Die machen es dann ganz perfide, klammheimlich, vor einer schwach beleuchteten, rechteckigen, Kiste, in Fachkreisen PC-Monitor genannt.
Nach 3-5 leichten Zuckungen des gerade noch bewegungsfähigen rechten oder linken Zeigefingers ist es dann vollbracht, die Kunst ist erschöpft ... ;-)))))
VG
Winfried
P.S.: Vielen Dank für Deine Gedanken zu meinem Eingang