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Blutaugenflechte I von Ulrich Kirschbaum

Blutaugenflechte I


Von 

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5.02.2009 um 9:47 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
An dem hier gezeigten Bild lassen sich eine Reihe interessanter Aspekte erläutern:
- Die griechisch-lateinischen Namen der Organismen geben häufig Hinweise auf Eigenschaften der genannten. Die Flechte heißt z.B. Haematomma ventosum; gr. haima = Blut, omma = Auge; lat. ventosus = windig. Es ist also jene Flechte, die wegen ihrer rot-braunen Apothecien (Fruchtkörper des Pilzes) einem blutigen Auge ähnelt und die an windreichen Standorten vorkommt.
- Leider unterliegt die Namensgebung von Flechten – sicher ähnlich der der Pilze – zum Leidwesen der Nicht-Systematiker einem ständigen Wechsel: Heute heißt sie Ophioparma ventosa.
- Viele Flechten dienen als Anzeiger ihrer ökologischen Umgebungssituation: Findet man die Blutaugenflechte, kann man sicher sein, dass es sich um silikatisches Gestein handelt (z.B. Granit, Gneis); die meisten Flechten sind sehr substrattreu.
- Manche Flechten werden wirtschaftlich genutzt: Die hier abgebildete wurde früher zur Herstellung einer rotbraunen (Textil-) Farbe verwendet.
- Flechten lassen sich gut aufheben: Ich habe das Exemplar vor gut 40 Jahren im norwegischen Fjell (Bergtundra) bei strömendem Regen gesammelt und anschließend herbarisiert. Als ich sie gestern aus der Kapsel nahm, war sie vertrocknet und unscheinbar. Mit Wasser übergossen „blühte“ sie auf und sah aus, wie beim Sammeln.
- Mein neues Objektiv (Tamron, 90 mm) löst – wie ich finde – noch besser auf als das 50 mm Macro von Sigma. Es scheint auch besser für die Stapeltechnik geeignet zu sein (bisher keine „Geisterbilder“).
Die Aufnahme erfolgte mit der EOS 40 D; Tamron 90 mm, 1/10 sec., F=4, ISO 100, Stativ, seitliches Kunstlicht (von der Gegenseite durch Reflektor ausgehellt), DFF aus 33 Bildern, die Höhendifferenz zwischen der Kuppe des höchsten Apotheciums und dem tiefsten Tal im Flechtenlager betrug ca. 1,3 mm, der Abstand von Bild zu Bild lag folgerichtig bei knapp 0,04 mm; das schafft kein Makroschlitten; demzufolge wurde das „Spezialstativ“ – Mikroskoptisch mit Feintrieb im µm-Bereich – verwendet (siehe beigefügtes Bild). Der Weißabgleich wurde mit dem Adobe RAW-Konverter vorgenommen, das Bild beschnitten (ca. 50%) und das Lager (nicht die Apothecien) leicht nachgeschärft.

Anmerkungen:

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Conny Wermke, 5.02.2009 um 9:58 Uhr

Eine phantastische und interessante Aufnahme!
Und auch der Aufwand dafür ist beeindruckend..aber die Mühe hat sich gelohnt..

LG Conny



Morgain Le Fey, 5.02.2009 um 10:08 Uhr

Ulrich, da kann ich Dich nur beglückwünschen - sowohl zum neuen Objektiv als auch zu dieser technisch-fotografisch ausgezeichneten Arbeit. Für Flechten ist Dein DFF-Mikroskoptisch wohl die optimale Lösung.

Bei diesen sehr kleinen Schrittweiten kannst Du sicher auch noch größere Abbildungsmaßstäbe realisieren, denn die geringe Schärfentiefe spielt dann ja überhaupt keine Rolle mehr. Ich würde es auf jeden Fall mal mit Zwischenringen versuchen. Dann brauchst Du das Bild in Zukunft nicht mehr beschneiden.

Etwas problematisch ist bei solchen "Studio-Aufnahmen" natürlich immer das Licht. Hier halten sich die Reflexionen allerdings sehr in Grenzen.

Gruß Andreas



Paul Marx, 5.02.2009 um 10:44 Uhr

Danke für die Erklärungen zu deinem tollen Foto. Ich habe bei mir ein paar Flechtenfotos eingestellt, kann die flechten aber nicht bestimmen...
Gruß. Paul



Andreas Kunze, 5.02.2009 um 12:17 Uhr

Bin völlig beeindruckt, sowohl von dem hervorragenden Foto, den erstklassigen Informationen zur abgebildeten Art als auch von der Adaption der Kamera auf dem Mikroskopstativ. Ein atemberaubender Augenöffner!

Darf ich die beiden Bilder bitte in unserem Forum unter http://www.mykologie-bayern.de/forum/
einstellen - natürlich mit Verlinkung hierher und Nennung des Autors? Würde dort gerne anregen, kleine Becherlinge etc. mit diesem Verfahren abzulichten. Das brächte eine ganz neue Qualität in die Hobbymykologie.

Gruß vom Andreas ohne "tz"



Werner Bartsch, 5.02.2009 um 15:46 Uhr

schönes foto mit ausführlicher erläuterung, die hochinteressant für mich ist.
bisher kannte ich nur das haematom, jetzt , dank dir, auch die ähnlich benannte ( und im entfernten aussehende) flechte :-)
lg .werner



Kay Sbrzesny, 5.02.2009 um 16:17 Uhr

Dieses Bild ist eine richtige Werbung für die DFF-Technik. Vor allen die Apparatur finde ich sehr interessant, die wäre sicher eine Anschaffung wert. Bei der Arbeit mit dem Retroadapter hat man auch Schärfentiefen im Hundertstel Millimeter Bereich. Hier habe ich immer versucht noch etwas die Blende zu schließen, um auch halbwegs akzeptabel mit dem Makroschlitten arbeiten zu können.
Viele Grüße, Kay



Ulrich Kirschbaum, 5.02.2009 um 16:22 Uhr

@Conny, danke für die Blumen.
@Andreas: Habe bereits mit Zwischenringen gearbeitet; das nächste Bild wird es zeigen. Nachdem die Flechte etwas angetrocknet war, gab es keine Reflexe mehr; aber ich wollte sie auch so zeigen, wie ich sie in Erinnerung hatte - nämlich klatschnass (allerdings gab es damals in Norwegen wegen fehlender Sonne keine Reflexe. Um sie nicht noch stärker hervortreten zu lassen, habe ich beim Schärfen die Apothecien ausgespart).
@Andreas (ohne tz): Natürlich darfst Du - ich fühle mich geehrt! (Habe Dir eine E-Mail gesendet).
@Paul: Deine Flechten habe ich - soweit nach Bildern möglich - bestimmt.
@Werner: Sicher kennst Du auch noch Hämolymphe, Hämorrhoiden (Haima=Blut und rhein=fließen) oder Hämatit (Blutstein) - es gibt viele Begriffe, in denen das griechische Wort "Blut" vorkommt.
mfg Ulrich



bri-cecile, 5.02.2009 um 19:03 Uhr

So langsam bin ich überzeugt, dass der Mikro-Kosmos fast noch faszinierender ist, als die "normale" Welt!!!!!
LG bri-cecile



Ursula G., 5.02.2009 um 19:57 Uhr

Phantastisch. Du hast ja rasante Fortschritte gemacht.
Gruß Ursula



Marina Lampsargis, 5.02.2009 um 21:09 Uhr

Klasse Ulrich ~ eine super tolle Makrowelt und ganz ganz feine Aufnahmen ~ wie ich aus deiner DFF Technik sehen kann, betreibst du sehr viel Aufwand ~ bin voll begeistert ~ solche Fotos sieht man sehr selten
LG ml



Marianne Schön, 5.02.2009 um 21:58 Uhr

Überaus faszinierend was ich hier sehe und lese.
Ich bin total beeindruckt.
NG Marianne



Lieselotte D., 6.02.2009 um 8:00 Uhr

Ein super Nahaufnahme. Sieht aus wie eine Schlangenhaut :-))
LG Lieselotte



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