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Es gibt eine alte Geschichte, von der ich nicht mehr weiß, ob sie von Aesop oder von La Fontaine stammt, eine Fabel, in der ein Vogel eine große Lippe riskiert, weil er hoch oben auf einem Dache sitzt. Sein Gegenspieler, glaube ich, war ein Fuchs, über den der Vogel lästert, und er konnte sich das Lästern nur deshalb leisten, weil er für den Fuchs in dieser Situation unangreifbar war.
Was für den Vogel das Dach, ist für so manchen sein Einkommen, seine soziale Stellung. Diese bildet gleichsam die - selten bewußt wahrgenommene - Stütze seines Selbstvertrauens, seiner Arroganz und seiner herablassenden Art im Umgang mit anderen. Seine Persönlichkeit wird gestärkt und zusammengehalten von seinen Kontoauszügen. Würde man jenen, die heute noch auf hohen Rossen sitzen, wegnehmen, was sie besitzen, und sie in die Wüste jagen, wären sie vermutlich im Handumdrehen kleinlaut und die kläglichsten Jammerlappen.
Oswald Metzger, diese männliche Marie Antoinette der Grünen, hat all jene, die tage- und wochenlang um ihre Arbeitsstellen gebangt hatten, bevor man sie (im Tausenderpack) entließ, als Alkoholiker bezeichnet, das heißt, Metzger zufolge mutieren alle, die gestern noch einen Job hatten und heute arbeitslos sind, zu fettleibigen, besoffenen Monstern, weil sie Hartz IV beziehen. Die Arbeitslosen, so Oswald M., sehen ihren "Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen". Kinder von Hartz-IV-Empfängern "lernen nichts, verdummen buchstäblich durch vielerlei elektronische Medien und kommen dann als Sechsjährige übergewichtig in die Schule (...) Auf der Basis eines solchen Systems immer noch höhere Zuschüsse zu geben, steigert nur die Verwahrlosung (...)".
Werter Herr M., wenn ich sie richtig verstanden habe, wollen sie sagen, wenn der Regelsatz von Hartz IV erhöht wird, dann kaufen die davon Beglückten noch mehr Bier, Schnaps, Salzstangen und Kartoffelchips.
Herr M., wer so redet, der ist in Wirklichkeit der sozial Verwahrloste. Mit anderen Worten: Wer aus einem Spektrum (hier das der Arbeitslosen) das Extrem herausgreift und dieses dann pars pro toto verwendet, der hat entweder die elementarsten Hirngriffe des Denkens nicht erlernt oder der lügt bewußt, betreibt gezielt Propaganda, die sich seit je der Halb- und Unbildung bediente, um Klischees wirksam einsetzen zu können.
Wer den Hartz-IV-Empfängern Verdummung pauschal unterstellt, benötigt bei den Adressaten seiner Propaganda, damit sie wirke, eben genau jene Verblödung, die er angeblich angreift. Herr Metzger, Sie wären nicht der Rede wert, wenn ihre armseligen und dummen Äußerungen nicht so charakteristisch für die Inhumanität des Neoliberalismus wären.
Oswald Metzger bereut nichts. Auch nicht seine Aussage, dass viele Sozialhilfeempfänger ihren Lebenssinn darin sähen, Kohlehydrate und Alkohol in sich hinein zu stopfen. stern.de
dieser oswald metzger sieht sich als wirtschaftsfachmann in gefährlicher nähe zur fdp. was können wir also von ihm erwarten? wohl viel...aber sicher kein verständnis für sozial schwache oder gar harz4 empfänger.
Mir ist richtig heiß vor Wut......
Ich kann Dir im Moment nur Hundertprozentig zustimmen !!!!
Und Dir noch sagen, das ich Deinen Vergleich mit der Fabel für phantastisch passend halte !!!!
Eine super Collage.....
Lieben Gruß
Andrea
@andrea, ich las neulich eine äußerung von müntefering, eine begründung, warum eine erhöhung des ALG II nicht möglich sei. das stichwort war: abstandsgebot. abstandsgebot, nicht anstandsgebot.
das heißt: zwischen den unteren einkommen und hartz IV müsse es einen abstand geben, sonst hörten diese leute auf zu arbeiten oder so ähnlich.
in wirklichkeit geht es darum, die einkommen möglichst niedrig zu halten. um das zu können, muß auch ALG II niedrig sein.
um diese ideologie durchzusetzen, ist den proganda-netzwerk der neoliberalen jedes mittel recht, auch solche lügen, wie sie metzger verbreitet, der, so könnte man meinen, von neoliberalen institutionen bezahlt wird.
ich lese deinen Text und sage: "Stimmt, das weiß ich." Sogar Menschen in meinem größeren Umfeld wissen es. Was sollten wir deiner Meinung nach unternehmen, oder was willst du, vorab berechnet, mit diesem Beitrag an hilfreichen Aktionen für HartzIV-Empfänger auslösen? Mit konkreten Ideen können viele Menschen etwas anfangen.
Bri
@ Bri Bri
Seit drei Jahren gibt es z.B. eine kleine aber feine Montagsdemonstrationsbewegung. Hier demonstrieren Betroffene und machen wöchentlich ihre Anliegen öffentlich. Mit großer Achtung beobachte und unterstütze ich mit meinen begrenzten Möglichkeiten diese mutigen Streiter. Jeder weitere Unterstützer ist herzlich willkommen!
Deine Wut über eine solch schwachsinnige Äußerung kann ich sehr gut verstehen ... ich denke, das ist das was sich die Politiker insgeheim wünschen, denn wer besoffen vor dem Fernseher schläft, ist ruhig gestellt ... es wird langsam Zeit, dass die Menschen wieder mehr auf die Straßen gehen .... und ihren Unmut äußern
gruss silvia
neoliberale dummschwätzer gibt es in diesem land leider zu hauf. . . . . .
und leider mutiert die grüne lehrerpartei langsam zum ökoliberalismus. . . .
In der Fabel ist es wenigstens nur eine besondere Gunst der Stunde, die zur Lästerei genutzt wird - tatsächlich ist die Möglichkeit eines Kräfteausgleichs aussichtsloser : der Fuchs sitzt auf dem Dach und lästert... Die Menschenverachtung, die aus dieser Aussage spricht, ist im Munde eines parlamentarisch gewählten Volksvertreters ganz und gar unangemessen, höhnisch und erinnert mich schon eher an Kriegspropaganda. Fast verfalle ich auf den irrwitzigen Gedanken, die aktuellen so genannten Glaubenskriege geradezu als "Spiele" (passend zum Brot) ansehen zu wollen und den eigentlichen bzw. dessen Vorbereitung... - aber das ist nun ganz gewiss nicht stichhaltig und bloß reine Überspanntheit: Irrwitz sei still! Es wirkt so eigenartig zäh, das Leben, geschändet und banal - aus manchen Blickwinkeln. triste Grüße, Frauke
Ja es ist schon bitter wie mit den Leuten umgesprungen wird...aber man darf sich nicht irre machen lassen und solche unqualifizierten Bemerkungen sollte man als Dummgeschwätz abtun und sich nicht davon beeinflussen lassen.LGPETra
@bri-bri, ich finde es schon wichtig, daß man die techniken und die inhalte dieser neoliberalen propaganda aufs genaueste benennt. vor 14 tagen hat vivienne westwood in berlin ihr programm gegen propaganda vorgestellt. je mehr kritik in den medien präsent ist, um so eher kann man erreichen, daß die stimmung kippt.