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Eigentlich ist dies kein "echtes" Selbstportrait, ich, seine Tochter, hab' es heute von ihm im Krankenhaus gemacht.
Horst wurde wegen einer Entzündung im Arm im hiesigen Krankenhaus stationär behandelt. Da er seit einiger Zeit außerdem immer wieder mal Magenbeschwerden hatte, ließ er sich bei dieser Gelegenheit eine Magenspiegelung machen. Die Diagnose: Karzinom im Magen. Zunächst sagte man ihm, dass nur ein Teil der Speiseröhre und des Magens entfernt werden müsste.
Letzte Woche wurde er nach Mainz in die Uni verlegt, bei Untersuchungen dort wurde festgestellt, dass die Sache komplizierter war als angenommen. Der Magen muss nun komplett entfernt werden. Aber Horst wäre nicht Horst wenn er sich dadurch unterkriegen lässt und Trübsal bläst. Und so hat er sich hingesetzt und seinem Magen einen Abschiedsbrief geschrieben. Einmal um so die ganze Sache zu verarbeiten, aber auch um sich selbst und anderen Mut zu machen und den unvermeidlichen Dingen ins Auge zu sehen.
Er ist schon immer ein positiv denkender Mensch, was dem Heilungsprozess durch seine lebensbebejahende Psyche sicherlich förderlich ist.
Vielleicht denkt der ein oder andere nächste Woche mal fest an ihn und wünscht ihm Glück, er kann es brauchen...
Die nachfolgenden Zeilen beweisen auch hier wieder seinen Humor.
Leb wohl? Oh Gott nein, das ist eigentlich nicht die richtige Formulierung die ich als aufrichtigen Herzenswunsch an dich richten möchte, denn du wirst ja wohl bald nicht mehr existieren. Aber so sagt man das halt eben immer. Sogar am Grab sagen sie es als letzten Gruß. Also verwende ich diese Floskel ebenfalls, ist sie doch gut gemeint und sicherlich für ein Le-ben nach dem Tode gedacht, obwohl ich mir das bei dir schwerlich vorstel-len kann. Es sei denn auch für einen Magen gibt es eine Reinkarnation und du wirst später einmal in einem anderen Körper deine aufopfernde und selbstlose Tätigkeit weiterführen. Ich wünsche es dir sehr, denn du warst immer stark und belastungsfähig, was dem anderen Korpus, in den du dann vielleicht hineingeboren wirst, zugute kommen wird.
Als man mir am Freitag, dem 30. Mai 2003 in der Klinik endgültig mitteilte, dass es unumgänglich sei, dich durch einen chirurgischen Eingriff für immer aus unserem Leib zu entfernen, war ich naturgemäß und ebenso begreiflicherweise zunächst sehr bestürzt. Doch die Umstände, die zu dieser für dich und mich schrecklichen Tatsache führten, lassen leider keine ande-re Möglichkeit zu, mein eigenes Leben zu retten. Ich hoffe du hast Verständnis dafür, dass in diesem Falle mein Egoismus berechtigt und vordergründig ist. Doch du kannst stolz sein, verhilft doch dein Abschied allen anderen Organen zum weiteren Leben, denn dieser boshafte und heimtückische Auswuchs von dem du befallen wurdest, hätte sich bei deinem Verbleib gewiss auch noch bei ihnen eingenistet und lebensbedrohliche Schäden hervorgerufen. Doch bitte ich dich von ganzem Herzen, dich nicht als Märtyrer zu sehen, denn ich glaube nicht, dass du in die Rolle eines Säulenheiligen schlüpfen möchtest. Betrachte dich als Retter deiner nachbarlichen Organe und somit auch als Erhalter meines Daseins. Verzeih, jetzt werde ich schon wieder eigennützig.
Erinnerst dich noch, als wir unsere ersten Gehversuche machten? Als du nach meiner Geburt zum ersten Mal die Milch meiner Mutter aufnehmen musstest. Weißt du noch, als der erste Brei dich einschmeichelnd füllte? Gar oft hast du nach dem sehnsüchtig erwarteten "Bäucherchen" mit einem Schwupp einen kleinen Teil der aufgenommenen Nahrung wieder herausgestoßen. Du musstest dich schließlich daran gewöhnen, dass du nun regelmäßig im Zyklus deine Arbeit zu verrichten hattest. Dir blieb keine andere Wahl. Doch du hast dich auch zuweilen verwehrt, wenn ich dir zu viel zumutete. Hast dich dann einfach umgestülpt und kurzerhand die dir anver-traute Kost auf dem umgekehrten Weg zurückbefördert. Und das war gut so, denn du warst die Polizei, die nicht zuließ, dass unbefugte Dinge in mir ein böses Spiel trieben. Kannst du dich noch an unsere erste Fahrt mit der Achterbahn erinnern? Oh Gott, wie war uns beiden anfangs zu Mute. Doch dann machte es unendlichen Spaß und wir suchten beide den Kitzel. Weißt du noch, als ich als Halbwüchsiger dir zum ersten Mal um mich mit Gleichaltrigen behaupten zu können, einen Branntwein anvertraute? Nie wieder sagte ich, aber man soll ja bekannterweise niemals nie sagen. Doch du gewöhntest dich daran, dass bei Feierlichkeiten des Öfteren über den Durst getrunken wurde, ganz zu schweigen von opulenten Speisen, die dich immer sehr belasteten. Auch bei zahlreichen Süßigkeiten von fürstlichen Sahnetorten bis hin zu überfüllten Waffeltütchen mit sahnebedecktem Eis wurdest du gefordert. Das alles musstest du verarbeiten und hast es – wenn auch manchmal mit berechtigtem Murren – aufopfernd getan. Dafür danke ich dir mit großer Wehmut von ganzem Herzen. Aber nicht nur für deine Schwerstarbeit, sondern auch für die angenehmen Gefühle, die dich zum Beispiel bei der Liebe durchströmten und die du in meinen Kopf weiterleiteste, möchte ich dir Dank sagen. Du warst mir in meinem Leben ein kostbarer Partner und treuer Wegbegleiter. Nimm mit diesen Zeilen meine tief empfundene Wertschätzung und Ehrerbietung entgegen. Und wenn es denn eine Wiedergeburt sowohl bei dir als auch einst bei mir geben sollte, so warte bitte und schlüpfe bei meinem neuen Lebensbeginn ganz rasch in mich hinein, damit wir wieder vereint sind. Ich verspreche dir, dich schon-lichst zu behandeln, damit wir dann in diesem unserem nächsten Leben bis zum Ende für immer zusammen bleiben werden. Es wäre mein größter Wunsch. ..... Leb wohl, mein Freund.
Horst,meine bedingungslose Bewunderung für deinen Mut,deine lebensbajahende Einstellung und deinen Humor trotz der Krankheit.
Ich wünsche dir,dass du weiterhin so denken kannst,und dass die Operation gut läuft.
Und für das Nachher alles Gute!
LG ES
Nana Ziesche, 1.06.2003 um 22:03 Uhr
Horst, du hast wirklich eine nette Schreibart!
Viel Glueck fuer die OP!
Gruss, Nana
ich reihe mich ein... Dir Mut und Kraft zu wünschen, Dir zu wünschen, dass Dein Humor bleibt, Dir zu wünschen, dass Dir dieser Freund der Dich verlassen muss nicht zu sehr fehlt, ich werde meine Gedanken oft in Deine Richtung lenken....
Erhol Dich schnell und lass uns wieder teilhaben an Deinen Gedanken.
Lene
Mensch Horst,
daß es immer die besten treffen muß.-
Ich werde Dich in Gedanken begleiten und Dir ganz kräftig die Daumen drücken.
Einen Abschiedsbrief an seinen Magen, auf solche Ideen kommst auch nur Du.-
Alles Gute
Antje
ich drücke dir die daumen...und alle zehen die ich habe:-).
ein beeindruckender brief und ich muß sagen das ich vollstes vertrauen in deine positive art habe dich ncith unterkriegen zu lassen.
das ist so unendlich wichtig , glaube mir!!..und die liebe und das vertrauen an sich selber.
ich freue mich von herzen das du eine so liebevolle umgebung hast die zu dir hält..
ich denke an dich und hoffe mit dir:-).
liebe grüße angelika
Hallo Horst!
Ich wünsche Dir und meiner Schwester (Tumor in der Lunge, diese Woche nach einer kurzen der Hoffnung wieder Chemo) alles erdenklich Gute! Wenn ich daran denke, welche böse Macht da Leben zerstört, Hoffnung zunichte macht, könnte ich schreien! Den Tumor meiner Schwester habe ich MONSTER getauft, und ich hoffe und bete, er überlebt die Chemo diesemal nicht!
Dir zolle ich allergrößte Hochachtung! Dein Brief an Deinen Magen geht mr verdammt nahe. Zum ersten Mal kann ich weinen!
Lasst Euch nicht unterkriegen! Ihr seid stärker!
Ganz herzliche Grüße aus Limburg Horst!
Lieber Horst!
Was kann ich einem Menschen sagen, den ich nicht kenne, aber von dessen Portrait ich ungeheuer beeindruckt bin. Eine sehr liebenswürdige Person, ein strahlender Blick, verschmitzt schwinkernde Augen - faszinierende Äußerlichkeiten.
Und du läßt , nicht mit großem Lamentieren, einen Blick in dein persönliches Empfinden zu.
Hut ab!!! Ich verneige mich vor deiner Stärke.
Mein Mann, den ich bat, deinen "Abschiedsbrief" zu lesen, und der weder mit Chatten noch sonstigen Formen der Kommunikation mit "fremden Menschen", dazu gehört auch für ihn die FC, was am Hut hat, die Art, wie man teilweise mit anderen sich austauscht über Nichtigkeiten und eine eigene Sprache entwickelt, selbst er war absolut angetan von deinen Zeilen.
Er bat mich ausdrücklich, dir einen Gruß zu schreiben!!!! Und seine Bewunderung deiner Sichtweise
zu bekunden.
Tja, was soll ich anfügen?
Natürlich wünsch ich dir, über Rike, alles Gute! Ich kann nicht versprechen, um 7.15Uhr schon so wach zu sein, um dir pünktlich die Daumen zu drücken. Ich wünsche dir, möglichst schmerzfrei den nächsten Tagen entgegenzusehen und die Hoffnung nicht zu verlieren. Ich weiß nicht, wer das gesagt hat, aber ich möchte es trotzdem schreiben:
"Von jeder Stufe des Lebens ist die Aussicht eine andere. Je höher man steigt, desto besser ist der Überblick." Wer weiß, wozu Krankheiten manchmal gut sind.
In diesem Sinne alles Liebe Doris
Hallo Horst!
Ich habe den ganzen Morgen fest an Dich gedacht! Hoffe, du hast es gut überstanden!
Ganz liebe Grüße und komm schnell wieder auf die Beine!
Birgit
horst, deine positive lebensbejahende sichtweise
macht sicher vielen anderen menschen mut. mir auch.
danke. und lass dich von den weisskitteln nicht unterkriegen. bis bald. :-)
manfred.
Horst ist seit ein paar Tagen von intensiv runter - während der OP hat man entschieden ihm doch einen Teil des Magens zu lassen, dafür ist fast die komplette Speiseröhre weg.. er ist aber nicht unter zu kriegen und hofft, bald nach Hause zu kommen.