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Der Redner von La Imagen

Der Redner


Von 

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13.05.2006 um 21:04 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
In der Dergah von Sanliurfa

Der Herr forderte seine Zuhörer auf, nicht dem säkularen Ordnung der Republik Türkei zu folgen sondern einzig den Worten des Koran.

Seine Worte widersprechen ganz und gar der offiziellen laizistischen Ausrichtung des Staates und ihres immer noch allgegenwärtigen Staatsgründers Mustafa Kemal. Die in ausreichender Anzahl anwesenden Polizisten nahmen an dem Herren keinen Anteil.




Anmerkungen:

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Nehart E, 13.05.2006 um 21:11 Uhr

das bild beschreibt auch die aktuelle lage.
sehr gut eingefangen.
gruss
nehart



Nehart E, 13.05.2006 um 21:28 Uhr

ich meinte damit das es gerade sehr schwierig für das land ist diese verschiedenen richtungen unter einen hut zu bekommen.gerade deshalb auch weil eine partei mit sehr religiösem hintergrund an der macht ist.das wird nicht einfacher werden.würde trotzdem gerne mal den osten bereisen...


Viki Hae, 14.05.2006 um 0:12 Uhr

ein streetlife der besonderen art... ich kenne mich zu wenig mit der politischen situation in der türkei aus. aber ich find hier die gesichter sehr interessant..die skeptischen gesichter der männer links.. das predigende gesicht des redners.. das kleine mädchen im hintergrund.
und natürlich der kleine junge zwischen all den erwachsenen..

die situation gut festgehalten..!



Nicole Zschucke, 14.05.2006 um 11:01 Uhr

Man hört ihn förmlich "palavern" !!
Sehr eindrucksvolle Aufnahme und gut beobachteter Moment.
Lieben Gruß,
Nicole aus HH



Gerd Böh, 14.05.2006 um 11:27 Uhr

war selbst schon da und kann mir die situation
deshalb gut vorstellen. wie es viki schon gesagt
hat, finde ich besonders die gesichter sehr
beeindruckend.
und natürlich gibt es einen zwiespalt in der
türkischen gesellschaft zwischen westlich orientierten
atheistischen menschen und den mehr konservativ
am koran ausgerichteten muslimen, die deswegen nicht
undemokratisch sein müssen. die aber sehr aggressiv
für ihre religion "werben": in gaziantep, dass zu 80 %
muslimisch ist, bilden die andersgläubigen eine minderheit.
diesen hat man von der etwa 1 km entfernten moschee
lautsprecher in die Bäume direkt vor die Fenster gehängt,
so dass die stimme des muezzins unüberhörbar in
jeden winkel der wohnungen dringt. so gesehen und
erlebt in einem staatlichen wohnhaus für lehrer. das ist
für mich keine religiöse überzeugungsarbeit, sondern
terror. da lobe ich mir doch diesen redner, dem man freiwillig
zuhören kann, wenn man das möchte.
LG, gerd



Nehart E, 14.05.2006 um 15:13 Uhr

@MuZo A
ich weiss ja nicht was die AKP für dich darstellt...aber für mich ist es eine partei mit sehr starkem religiösem hintergrund!!warum war wohl der herr erdogan im knast?und mit der demokratie in der türkei ist es auch nicht weit her geholt.ich höre aus deinem text heraus das du es wohl gut findest dass das militär den kemalismus wahrt,da wären wir wieder bei der demokratie.es geht ja nicht nur um radikale prediger sondern auch um andersdenkende.dieser übertriebene nationalismus finde ich persönlich einfach lächerlich und beängstigend.zwei kinder werden verhaftet weil sie die türkische fahne beschmutzen....von wegen es gibt keinen unterschied zwischen dem osten und dem westen.der osten wurde über jahrzehnte unterdrückt und man bezeichnet in der türkei diese menschen immer noch als bergtürken und sieht sie als menschen zweiter klasse.also alles einfach schönreden gilt nicht.der einzug in die eu wird noch sehr sehr lange dauern wenn er denn überhaupt irgendwann stattfindet.da muss erst mal ein wandel in den köpfen stattfinden.



Sonja Wenzlow, 14.05.2006 um 17:34 Uhr

In Deinem Bild ist der Volksredner und seine Zuhörer sehr interessant und eindringlich dargestellt.
LG Sonja



DIE SE, 14.05.2006 um 21:00 Uhr

MuZo ... Du machts mir schon Sorgen ... Das habe ich schon bei diesem Bild empfunden:

Nun weiß ich leider mit meiner Zeit wichtigeres und schöneres anzufangen, als den ganzen Kram intensiv anzugehen, aber ein paar Sätze müssen raus:
1. Erdogan ist sicherlich ein kluger (Polit)-Schachspieler, aber auch ein Chameleon, mit Vorsicht zu genießen, scheinbar erfolgreich in der Wirtschaftspolitik, ohne Zweifel, aber da fehlen noch die langfristigen Erfahrungen. Trotzdem die Fragen: Warum war er in Gefängnis. Jeder kleine Taschendieb bekommt beruflich keine Rehabilitation, aber der Herr Politiker ...
2. Das Militär uneingeschränkt zu loben, das ist ein Hohn, denn mitunter hat sich die Armee im Südosten bei der "Entvölkerung" so manches erlaubt und während der Dikatur war das Land eine große Folterkammer, und die Folter findet heute noch statt.
3. Man muss sich folgendes klar machen: Der Geist Mustafa Kemals stammt aus den frühen 20iger Jahren, als sich der Faschismus auf der Erfolgsspur befand. Ist der Kemalismus noch zeitgemäß (bei allem Respekt vor den Reformen des Herrn)?
4. Die ärmliche Situation im Osten hat viele Gründe, in erster Linie wohl aufgrund der Infrastruktur, aber auch, ein eine Volk in der TC (Türk Cummhürriyeti, Türk. Republik) nicht so ganz ernst genommen wurde (Sprache, Kultur). Und Problem hat es heute noch, gerade vor ein paar Wochen hat es Unruhen gegeben. Um eines klarzustellen, ich lehne die PKK ab, das ist eine Terrororganisation ...
5. Was ist eine Fahne, ein Stück Stoff ....
6. Du fragst, das die Regierung von der EU will? Geld und Arbeit ...
7. Du bezeichnest die EU als Versagerhaufen? Gewiss, wirtschaftspolitisch ist es schwer, bei den hohen Lohnkosten den geballten Macht auch Indien und China was entgegenzuhalten, aber ansonsten. Der Euro ist stabil, 25 zu Übereinstummung zu bringen, dass benötigt noch Generationen, daber das wichtigste, nach 2000 Jahren Krieg zwischen den europ. Völkeren haben wir wenigsten das überstanden, und das dank de Gaulle und Adenauer, das ist doch was, oder?
8. Zu guter letzt - ich muss nämlich noch was erledigen - zum Nationalismus, dass ist der größte Mist der heutigen Zeit, den ich zum Beispiel gar nicht erst adoptiert habe, und viele andere in diesem Land auch nicht (natürlich gibt es auch unter den Deutschen solche, leider, aber die die Dummheit ist leider noch nicht ausgestorben).


Einen schönen Abend nach Braunschweig
Dietmar



Sylvia M., 14.05.2006 um 22:30 Uhr

Die Präsentation gefällt mir.
Wir haben schon einiges gelernt, die Kunst friedlich und tolerant miteinander zu leben - müssen wir noch lernen.
Jede Begegnung, die unsere Seele berührt, hinterlässt in uns eine Spur, die nie ganz verweht! Hoffen wir auf viele berührende Begegnungen in einer
friedlichen Welt.

LG Sylvia




Nehart E, 14.05.2006 um 23:39 Uhr

@MuZo A


also muzo ich muss feststellen das du nicht die geringste ahnung hast wovon du redest.und den mist den du da von dir gibst ist einfach nur übel und verleumderisch.und dann noch :wir sind keine faschisten wir sind nur nationalisten...sag mal wer verzapft dir das alles?und noch schlimmer glaubst du an den ganzen mist?es kann einem nur schlecht werden wenn du deine sprüche hier ablässt.in der türkei gab es nie eine diktatur?junge junge.du bist noch jung du musst noch viel lernen.du bist wirklich einer der alle klisches lebt die man hier von den meisten türkischen jungs hat.les mal ein gutes buch und erzähl nicht solche gülle hier.
ich frage mich wirklich warum du noch in deutschland lebst.das sind doch hier alles versager.
wollte eigentlich nicht schreiben aber jetzt habe ich mich verleiten lassen.und bevor du mir damit kommst von wegen ich habe keine ahnung usw.ich bin zwar hier geboren und ein ganzes stück älter als du aber habe noch einen guten draht in die türkei.zum glück leben dort auch ganz normale menschen.aber das niveau das du hier vorlegst ist ganz weit unten.man sollte sich mit dir garnicht auf eine diskussion einlassen weil du ja nicht mal etwas von dem begreiffst was die leute schreiben.kann dem DIE SE da nur zustimmen.


gruss nehart.



Nehart E, 15.05.2006 um 17:20 Uhr

@MuZo


ja ich komme ursprünglich aus der türkei.ich dachte du bist so helle und schnallst das aus meiner letzen antwort.
das hat keinen sinn sich mit dir auf eine diskussion einzulassen.du schreibst weiterhin nur mist.jemand der in deutschland als deutscher so denkt wie du den bezeichnet man hier als nazi.mach weiter so!

gruss nehart.



DIE SE, 15.05.2006 um 19:48 Uhr

Ich noch auf einige Punkte zu sprechen kommen, aber eine Sache möchte ich hier schnell mal loswerden bzgl. der Diktatur: 1980 hat der Generalstabschef der türk. Armee in einem Militärputsch die Macht übernommen und das Land mit harter Hand regiert. Auch wenn die Rahmenbedingungen (die Türkei befand sich quasi in einem Bürgerkrieg) dies begründbar machen (je nach politischer Anschaung), war es eben doch eine vierjährige Dikatur, mir allem was Diktaturen so an sich haben, Folter, Säuberungen, Ermordungen durch Armee und Sicherheitsdienste. Viele Interlektuelle sind damals weg aus der Türkei in den Westen, ich erinnere mich an Behauptungen, wonach die Türkei eine ganzen Generation von Interlektuellen verloren hat. Evren hat sich in einer inszenierten Wahl (es gab keine freien Bewerber) zum Präsidenten wählen lassen. Das scheinbar positive: 1984 durften die türk. Staatsbürger wieder wählen, aber nur Parteien, die die Junta zugelassen hat. Özal wurde dann erste Ministerpräsident der türk. Republik nach dem Putsch.
Zu Anderem werde ich noch Stellung nehmen.
Gruß
Dietmar
P.S.: Ich fände es fähr, wenn MuZo mit seinem richtigen Namen unterzeichnen würde ...



DIE SE, 16.05.2006 um 12:29 Uhr

@MuZo

Du bist schon ein äußert interessanter Zeitgenosse. Deine Parteifreunde scheinen bestens dafür zu sorgen, dass deine Meinung voll auf der Linie der Partei bleibt.

Du sagst, das es nie eine Diktatur gegeben hat in der Türkei! Wie nennst Du das, wenn das Militär die Macht übernimmt, Regierung und Parlament absetzt und Regierungsmitglieder ins Gefängnis steckt, die Pressefreiheit außer Kraft setzt, Ausgangssperren verhängt, etc. Doch wohl nicht einen gewöhnlichen demokratischen rechtsstaatlichen Vorgang! Du solltest die Brutalität einer Militärdiktatur nicht zu einem harmlosen Kasperletheater herabspielen, schon aus Respekt vor den Opfern.

Was die Folter betrifft, so gab es in der Zeit der Militärjunta Anfang der 80iger Jahre zahllose Presse- und Augenzeugenberichte. Und die Folter wurde bis in die heutige Zeit fortgesetzt, obwohl sich die Situation scheinbar erheblich gebessert hat.

Ich würde gerne mal deine Meinung über einige Leute wissen, die entweder aus der Türkei stammen oder türkischer Abstammung sind:

Nazim Hikmet
Sezen Aksu
Orhan Pamuk
Fatih Akin
Aziz Nesin
Güney Yilmaz
Orhan Veli
Renan Demirkan
Yasar Kemal
Serdar Sumuncu










Rosi R, 16.05.2006 um 20:07 Uhr

wieso lebst du nicht in der türkei MUZo?



Nehart E, 16.05.2006 um 21:36 Uhr

@DIE SE
du hast es gut getroffen..seine parteifreunde haben einen armen gefunden der diesen verachtenden rechten scheiss auch noch gut findet.die künstler und schriftsteller die aufgezählt hast waren und sind wundervolle menschen!

gruss nehart.



Ivan Zuliani, 17.05.2006 um 14:51 Uhr

Bel reportage, dentro la notizia. Ciao Ivan


Gerd Böh, 28.05.2006 um 21:36 Uhr

@ DIE SE
die Leute, die du aufgezählst hast,
ob Schriftsteller, Musiker oder Regisseur
sind die besten Vertreter ihres Landes
und seiner Kultur; man muss schon sehr
verblendet sein, um das nicht anzuerkennen.

Die AKP unter Erdogan agiert sehr geschickt:
Sie versucht, den Staatsapparat von unten
zu islamisieren. Die unteren Stellen werden
nur noch mit Islamisten besetzt, in der Hoffnung,
dass das in ein paar Generationen bis nach oben
sich durchsetzt.

Aber es gibt Kreise in der Türkei, die das kapiert
haben, und die Erdogan und seine AKP weghaben
wollen, trotz oder wegen der guten wirtschaftlichen
Politik, die er für das Volk macht und für die er weit
über seine Anhängerschaft hinaus geachtet wird.

Neulich soll es ein Attentat auf Verfassungsrichter
gegeben haben. Der Attentäter war ein Agent provokateur,
der laut "Allah u akhbar" gerufen hat,
bevor er schoss. Das bleibt hängen: Die AKP macht
zwar gute Politik, aber sie ist auch gefährlich.
Damit soll gezielt die Wiederwahl von Erdogan als
Präsident verhindert werden!

Wir werden sehen, welche Linie sich durchsetzt.

Die Türkei als NATO-Brückenkopf mit ihrer Schlüsselstellung
für den Transport des kaspischen Erdöls ist zu wichtig,
um sie zu einem islamischen Staat werden zu lassen.

Nur für die, die auf das Militär setzen und gleichzeitig
der AKP nahestehen, wird es dann schwierig.

Grüsse, gerd



der Stuttgarter, 28.05.2006 um 22:46 Uhr

@ an Alle und auch an Herrn MuZo A.
Aufschlußreiche und lehrreiche Diskussion hat sich da entwickelt. Von einigen Beiträgen kann man etwas über die Türkei lernen, von einigen etwas über die Befindlichkeit von Türken in Deutschland - oder türkischstämmigen Deutschen....wie auch immer: mir ist jeder willkommen, der das schätzt, was Deutschland als eines der wenigen Länder weltweit bietet: Sicherheit vor staatlicher Willkür, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung. Das nennt man gemeinhin Demokratie. Und dafür nun ein möglichst einfaches Beispiel für Herrn MuZo A.: Hier, in einem demokratischen Land, kann er ungehindert seinen Summs verzapfen, hier diskutiert man sogar mit ihm. In einer Diktatur wird eine freie Meinungsäußerung mit Gewalt unterdrückt, d.h. wenn Herrn MuZo A.´s Ansicht nicht paßt, wird nachts seine Wohnungstür eingetreten, er wird in ein Auto gezerrt und verschwindet. Das nennt man dann Diktatur, lieber MuZo A., und damit rettet man gar nichts, schon gar keinen Staat, sonder damit tritt man alles mit Füssen, was das die Würde und die Integrität des einzelnen, und gleichzeitig aller Menschen ausmacht. Und das weiterhin tolle an einer Demokratie ist, daß sie unbelehrbaren Knallköpfe und Fanatiker ertragen kann, ihnen aber aufgrund der verfassungsmäßig garantierten Reisefreiheit jederzeit die Möglichkeit läßt, in das Land ihrer Wahl umzusiedeln - Herrn MuZo A. würde ich in diesem Fall eine knackige Diktatur empfehlen. Davon gibts auf dieser Welt leider eine reiche Auswahl - also bitte, nur Mut....



DIE SE, 30.05.2006 um 19:56 Uhr

Vielleicht noch eine Analyse des EU-Abgeordneten Cem Özdemir zum Thema:

Cem Özdemir, MdEP

**

Financial Times, 26.05.2006, www.ftd.de

Es brennt am Bosporus

In der Türkei spitzt sich der Konflikt zwischen Nationalisten und
Islamisten dramatisch zu – ein Staat im Staat sabotiert die Regierung.
Europa sollte aus Eigeninteresse helfen, das Land zu stabilisieren.

Cem Özdemir


Das Feuer am Istanbuler Atatürk-Flughafen ist seit gestern gelöscht, doch
in der Türkei brennt es trotzdem. Der Brandsatz wurde am Mittwoch
vergangener Woche am obersten türkischen Verwaltungsgericht gelegt: Ein
Rechtsanwalt stürmte einen Saal, rief "Wir sind die Soldaten Allahs" und
eröffnete das Feuer auf sechs Richter. Einer wurde getötet, vier wurden
schwer verletzt.

Für die Mehrzahl der in- und ausländischen Medien schien zunächst alles
klar: Der Attentäter war offensichtlich ein islamischer Extremist, der die
Richter für deren Entscheidungen zum Kopftuchverbot an türkischen Schulen
und Universitäten bestrafen wollte. Sie hatten im Februar die Ernennung
einer Lehrerin zur Rektorin einer Grundschule verhindert, weil sie ein
Kopftuch trug, allerdings nur auf dem Weg zur Arbeit.

Kemalistische Kolumnisten führender Massenblätter, der Generalstabschef
und die oppositionelle Republikanische Volkspartei sehen das Erbe von
Staatsgründer Atatürk durch den Islamismus bedroht. Doch das Szenario
eines islamistischen Angriffs auf die laizistische Ordnung scheint nicht
aufzugehen. Zu offensichtlich sind die Merkwürdigkeiten - seien es die
bekannten Verbindungen des Attentäters zu Ultranationalisten und zu
mafiösen Gruppen bis in den türkischen Sicherheitsapparat hinein; sei es
die Tatsache, dass ausgerechnet am Tag des Attentats die
Überwachungskameras vor dem Gericht kaputt waren.

Hier sollen keine kruden Verschwörungstheorien gesponnen werden. Aber
nicht nur ziehen sich tiefe Gräben durch das Land und stehen sich
verschiedene Gruppen unversöhnlich gegenüber. Es hat sich im Windschatten
des kalten Krieges in der Türkei auch ein "Staat im Staate" ("tiefer
Staat" genannt) etabliert, der alles daran setzt, die anvisierte
Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union zum Scheitern zu
bringen. Wie andere Vorfälle in den letzten Jahren verweist auch dieses
Attentat auf die undurchsichtige Verbindung von Staat, Militär, Justiz,
Bürokratie und organisiertem Verbrechen. Hinter den Strukturen des
demokratischen Systems agiert und intrigiert eine nationalistische Klasse
gegen die Regierung. Es ist offensichtlich, dass gerade diese
Nationalisten durch die Annäherung an die EU und die damit verbundenen
Veränderungen in Justiz, Bürokratie und Militär viel zu verlieren haben -
nicht nur Einfluss, sondern auch so manche Pfründe.

Doch auch die islamisch-konservative AKP-Regierung muss sich inzwischen
fragen lassen, ob sie nach all den vergangenen Erfolgen derzeit immer klug
agiert. Regierungschef Erdogans größter Erfolg ist unbestritten das
beeindruckende wirtschaftliche Wachstum. Als nun im März die Nachfolge des
Zentralbankchefs anstand, wollte er jedoch ernsthaft einen Vertreter des
islamischen Kapitals auf die Position berufen. Dabei war abzusehen, dass
der Staatspräsident sein Veto einlegen würde.

Was folgt aus der aktuellen Krise für die AKP-Regierung? Erdogan muss,
allein schon um das Wirtschaftswachstum und die Annäherung der Türkei an
die EU nicht weiter zu gefährden, in strittigen Fragen auf einen breiten
gesellschaftlichen Konsens setzen. Dabei geht es zum einen um die
Kopftuchfrage, die symbolisch ungemein aufgeladen ist und von beiden
Seiten, ob nun Nationalisten oder Islamisten, hoch emotional geführt wird.
Zum anderen ist bei der Wahl des Staatspräsidenten durch das Parlament,
die im nächsten Jahr ansteht, ein breiter Konsens notwendig. Wenn die
Berufung eines islamisch geprägten Zentralbankchefs bereits hohe Wellen
schlägt, mag man sich die möglichen Erschütterungen bei der Wahl eines
Staatspräsidenten aus dem islamischen Lager gar nicht ausmalen. Ohnehin
sollten Regierung und Parlament sich fragen, ob die Direktwahl des
Staatspräsidenten durch das Volk diesem nicht größere Legitimität
verleihen würde.

Was die Regierung zudem endlich ernsthaft anpacken muss, ist die
Bekämpfung der mafiösen Machenschaften innerhalb des Komplexes aus
Sicherheitsapparat, Justiz und Bürokratie. Zwar sind diese Strukturen
inzwischen so fest etabliert, dass eine Ein-Parteien-Regierung allein sie
kaum aushebeln kann. Und die Türkei könnte zu diesem Zweck eine säkulare
und pro-europäische linksliberale Partei als Alternative zu Erdogan gut
gebrauchen. (Die von Atatürk gegründete und nun oppositionelle,
sozialdemokratisch geprägte Republikanische Volkspartei ist dies eindeutig
nicht.) Nichtsdestotrotz darf es kein erneutes Einknicken geben, wie jüngst
beim Bombenanschlag auf einen Buchladen in einer überwiegend von Kurden
bewohnten südostanatolischen Stadt: Die Attentäter entpuppten sich als
Angehörige der Armee und wurden trotz erdrückender Beweislast kurz nach
der Tat wieder auf freien Fuß gesetzt.

Auch die EU muss angesichts der zunehmend von äußerst explosiven
Konflikten gebeutelten Kaukasus- und Nahostregion elementares Interesse an
einem demokratischen und säkularen Stabilitätsanker Türkei haben. Deshalb
sollte die Regierung in Ankara und ihr Ziel, die Türkei in die EU zu
führen, im eigenen europäischen Interesse unterstützt werden – auch als
Signal an die nicht zu unterschätzenden EU-Gegner in der Türkei selbst.
Übersetzt auf Deutschland ist die derzeitige Interessengemeinschaft aus
islamisch-konservativer AKP mit liberalen Bürgerrechtlern und
Intellektuellen nichts anderes als eine türkische Ausgabe von
Schwarz-Grün. Der einst als Modernisierungsideologie angetretene
Kemalismus ist zu einer staatsfixierten und nationalistisch-laizistischen
Front erstarrt. Er ist heute selbst das größte Reformhindernis.

**
Hier geht es zum oben genannten Text zur „deutschen Leitkultur“:

http://diegesellschafter.de/tagebuch/eintrag.php?eid=83


**

Office of Cem Özdemir, MEP
European Parliament
The Greens/EFA
ASP 08H 246
Rue Wiertz 60
B-1047 Brussels
Tel. +32 (0)2 28 47446
Fax +32 (0)2 28 49446
cem.ozdemir@europarl.europa.eu
www.cem-ozdemir.de



DIE SE, 31.05.2006 um 12:25 Uhr

@MuZo

Wenn ich mir noch einige Fragen erlauben darf, die ich nicht spontan stellen:

Warum lebst Du in diesem Land und nicht in der Türkei? Nicht dass ich Dich oder einen der zahllosen redlichen Migranten anatolischer Abstammung los werden möchte, aber so, wie Du Dich artikulierst in Bezug auf Vaterlandsliebe (sagt man nicht eigentlich Mutterland) und deine Aktivitäten in der AKP, so verstehe ich es nicht, weil Du ja die meiste Zeit weit weg vom Schuss bist und dich vermutlich nicht einmal mehrere Jahre am Stück in der Türkei hast durchschlagen müssen. Wenn angeblich so viele zurückkehren, warum kannst Du das nicht? Hat es doch Vorteile im Westen?

Schüler in Yamanlar von Gerd Böh
Schüler in Yamanlar
Von
22.5.06, 20:13
15 Anmerkungen


Du stellst deine Großvater als Opfer da! War er nicht zumindest materiell ein Gewinner? Hat er nicht trotz der vielen Schwierigkeiten, die er gehabt haben wird, auch ein heimatliches Umfeld aufbauen können? Auf eine gewisse Art beleidigst Du diejenigen, die es ermöglicht haben, dass so ein große Zahl an „Gastarbeitern“ (ich mag das Wort nicht besonders!) hier eine Heimat haben finden können, und diejenigen, die sich nicht selten ehrenamtlich im Integration und Verständigung bemühen!

Ich finde deine einseitige Betrachtung einfach voll daneben.

lg





Okhan Sarikaya, 8.06.2006 um 17:50 Uhr

Na ja, da ist ja eine recht heftige Diskussion mit vielen Fehlinformationen zustande gekommen. Zum einen, solche möchtegern den rechten Weg weisen wollende Missionare (christlicher Natur) trifft man in Deutschland mit unvergleichbar grösserer Häufigkeit vor vielen Kirchen und Bahnhöfen. Zum anderen wenn es in Deutschland möglich ist, dass es zwei grosse Parteien bei den Wahlen teilnehmen und das Land regieren , die sogar das "christliche" in ihren Parteinamen integriert haben, dann sollte es auch in der Türkei möglich sein, dass eine religiös konservative Partei beim politischen Geschehen teilnimmt, ohne dass man damit argumentieren muss der Laizismus sei in Gefahr. Auch heute wäre eine Partei namens IDU oder ISU (islamisch demokratische Union oder Islamisch Soziale Union) in der Türkei nie und nimmer möglich und das nicht wegen des Militärs sondern wegen der Gesetze unseres Landes und der Bevölkerung, die nun mal mehrheitig ihren laizistischen Staat lieben, wie er ist (Deshalb bekommt Herr Erbakan nun mal aller höchstens 2 Prozent, obwohl nicht mal der sich trauen würde in den Parteinamen islamistisch einzutragen ;) ). Und das ist auch der wahre Grund warum diese von Atatürk gesetzte Staatstheorie länger standgehalten hat als manch andere Staaten in Europa, nämlich über 80 Jahre. Der Grund für den türkischen Weg, der einzigartig ist, ist nicht das Militär sondern das Volk, die mehrheitlich diesen Weg unterstützt, das sollte allen bewusst sein. Mich machen diese Diskussionen in Deutschland, ob die Türkei wohl ein islamischer Staat wird oder nicht und dass dies bisher nur durch das Militär verhindert wurde etc. ziemlich müde. Kein General ist so mächtig, dass er gegen den Volkswillen agieren könnte, vor allem nicht in einem demokratischen Staat wie dieTürkei (ja sie ist es, sogar länger als manch andere Staaten, ihr versteht schon was ich meine). Man sollte vielleicht endlich mal auch in Europa akzeptiren, dass die Türkei ein laizistischer Staat schon immer war, ist und bleiben wird, daran wird sich so schnell nichts ändern.
Des weiteren stimmt es auch nicht, dass es in der Türkei eine Diktatur gegeben hat. Eine angebliche Diktatur ohne einen Diktator, ist schon eine interessante Diktatur ;). Na ja Türkei ist halt ein interessantes Land könnte man wiederum sagen. Aber nein Tatsache ist, dass wir über drei Jahre lang eine Militärregierung gehabt haben Ende der 70'er kam es zu einer großen Abrechnung zwischen den linken und den rechten Studenten in der Türkei (Natürlich waren die Herrschaften aus der USA und der Sowjetunion nicht ganz unbeteiligt, sogar aktiver als die inneren Kräfte). Es kam zu Straßenschlachten in den Unis und Städten. Zum Teil kam es sogar zu Massenschlägereien und Schiessereien zwischen den eher rechts und links wählenden Städten (Man stelle sich vor Münchner würden sich mit den restlichen Städten in Bayern an den Stadtgrenzen und in anderen Städten schlagen). Man konnte nicht mehr auf die Strasse, weil es zu gefährlich wurde. Viele Menschen kamen bei Massenschlägereien und gegenseitigen Attentaten ums Leben und die Politik war machtlos zum Teil selbst beteiligt und sprühte in Sorge um eigene Wählerschaft und Stimmen eher Benzin ins Feuer, als irgendeine Lösung produzieren zu können. Letztendlich griff das Militär ein um wieder Ordnung und Gesetz herrschen zu lassen, dies wurde auch von allen begrüßt, sogar sehnlich erwartet, den Straßenterror hatte nun Mal jeder satt.
Nur gab es ein Novum in der türkischen Geschichte, zum ersten Mal schien das Militär nicht gewillt die Macht wieder den Politikern zu geben. Es wurden nicht sofort Neuwahlen gesetzt, sondern erst nach drei Jahren, nach dem das Militär in diesen drei Jahren das Land regiert und gegen die links und rechtsgruppierungen recht hart zugeschlagen hatte. 1983 kam es nun zu den Wahlen. Die Wahl gewann mit einem hohen Ergebnis von 45 %, die vom Militär nicht erwünschte liberale Partei Anap, dessen Vorsitzender sogar vom obersten General und selbst ernannten Staatspräsident Evren zwei tage vor den Wahlen öffentlich bedrohte wurde, er werde selbst bei einem Sieg nicht zum Ministerpräsident ernannt. Die linksgerichtete Partei HP bekam 31 %, der vom Militär erwünschte und von einem Ex-General geführte MDP bekam lediglich 23 %. Anap konnte alleine die Regierung stellen, geführt von Özal. Evren traute sich nicht seine Drohung umzusetzen und ernannte Özal zum Ministerpräsidenten. Das war auch das Ende der Militärregierung der Türkei, die leider dem Image der Türkei unheimlich geschadet hat. 1987 kam es zu letzt zur Aufhebung der Strafen gegen die politischen Parteien und den Politikern, die für den Ausbruch der Ausschreitungen Ende der 70'er verantwortlich gemacht wurden. Seit dem ist es immer wieder eine heftige Diskussion, ob man nun die Putschisten bestrafen soll oder nicht. Problem ist, dass nun niemand daran zweifelt, dass der Putsch tatsächlich nötig war aber ob es tatsächlich nötig war, dass das Land über drei Jahre mit einer Militärregierung regiert werden musste streiten sich bis heute die Geister. Diesen Putsch darf man jedoch nicht mit den Putschs in südamerikanischen Ländern oder in Europa eher bekannten griechischen, portugiesischen oder spanischen Putschs verwechseln. Denn wie gesagt ,es ging hierbei nicht darum, dass dem Militär die Nase eines Ministers nicht gepasst hat oder des gleichen, sondern darum, dass die Politik in Ohnmacht nicht fähig war den Strassenterror zu beenden. Sicher werden die Methoden kritisiert, die in diesen drei Jahren angewendet wurden, nur darüber, dass ein Eingriff unbedingt notwendig war, daran zweifelt keiner (und das hat mit der politischen Anschaung gar nichts zu tun, da sind sich ausnahmsweise alle einig) ;)

So jetzt mal zu dem was hier seit ein paar Bildern abgeht. Man könnte über jedes Land ein Buch über Vergehen und Verschulden schreiben nur wenn es um die Türkei geht werden alle Kreuzritter wach. Jeder liebt es über die Türkei den belehrenden Zeigefinger zu schwingen, warum? Ist vielleicht der Grund, dass die Türkei sich geographisch und politisch, wie der einzige schwarze Schüler in einer von sonst nur weißen besuchten Schule befindet? Vielleicht ja. Da wundert es mich nicht, dass sobald ein unfähiger und anscheinend recht junger Landsmann zum Teil recht schwachsinniges über die Türkei schreibt, sofort wieder die Schwerter raus gezogen und in die Schlacht der Orientalenbelehrung eingezogen wird, zum Teil sogar über mehrere Bilder.

Ach übrigens was das Victory-zeichen bei dem "Schüler in Yamanlar" Bild angeht, da versucht einer seinem Freund heimlich Eselsohren zu machen ein alter Fotogag, mehr nicht ;)
Und darüber habt ihr solange diskutiert, bravo sage ich da nur. Und nein, dass ist kein Zeichen der PKK und nein dafür wird keiner in der Türkei verhaftet, auch der Kirschenverkäufer in Izmir nicht :)



Gerd Böh, 25.07.2006 um 23:31 Uhr

Lieber Okhan,

ich danke dir für deine engagierte, aufklärende
und sehr informative Stellungnahme. Dadurch
habe ich wieder etwas über das Selbstverständnis
der Türken gelernt.
Ich stimme mit dir nicht immer überein, aber
meine Respekt hast Du.
Grüsse, gerd
ps. Hab's leider erst heut gelesen.



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