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... seit Monaten gehst Du mir nicht mehr aus dem Kopf. Seit wir uns im Frühjahr zum ersten Mal zufällig begegnet sind. Ich erinnere mich noch genau: Ein schriller Pfiff und ein türkises Etwas, das pfeilschnell den Bachlauf entlanggeflogen ist. Damals hast Du mich endgültig in Deinen Bann gezogen. Die Bilder Deiner Artgenossen, die es in der FC ja reichlich gibt, hatten mich zwar schon immer fasziniert – aber eine Begegnung in freier Natur ist durch kein Bild zu ersetzen.
Seitdem war ich oft in Deinem Revier unterwegs, habe mich im Internet über Dich informiert und ein Buch über Dich „verschlungen“. Auf diese Weise habe ich viel über Dich gelernt, und mein Drang, Dich endlich in Fotodistanz zu erleben, wurde immer größer. Oft saß ich vergebens im Tarnzelt, nur ab und zu ist mir ein Foto gelungen – leider aus viel zu großer Entfernung.
Heute habe ich endlich mal wieder Zeit, auf Dich zu warten. Ich stehe früh auf, was werktags immer eine Qual ist, aber heute macht mir das nichts aus. Leider ist die Sonne, die in den vergangenen beiden Tagen wundervoll vom Himmel gelacht hat, nicht mit von der Partie – Hochnebel sorgt für mäßige Lichtverhältnisse. Dennoch sitze ich dick vermummelt bei -4 °C. im Tarnzelt.
Da! Etwas bewegt sich! Am Bachlauf hüpft ein Zaunkönig entlang. Ich mache ein Foto, weiß aber schon vor dem Auslösen, dass das sowieso wieder gelöscht wird. 1/6 s Belichtungszeit bei ISO 800 - keine tollen Voraussetzungen für ein recht quirliges Motiv ...
Die Zeit vergeht. Spaziergänger und Hunde sorgen für Unruhe. Meine Hoffnung schwindet. Auf der NABU-Liste „Vögel im Raum Darmstadt“ bist Du als „Teilzieher“ aufgeführt. Hast Du Dir ein anderes Winterquartier gesucht? Habe ich Dich deswegen schon seit Wochen nicht mehr hier gesehen?
Jäh werden meine Gedanken von einem intensiv türkisen „Flugobjekt“ unterbrochen. Du bist an mir vorbeigeflogen! „Komm' zurück!“, denke ich. Und tatsächlich. Drei Minuten später sitzt Du seelenruhig in ca. 10 m Entfernung von mir auf einem Ast. Was für ein Gefühl! Jetzt nur keinen Fehler machen! Mit langsamen Bewegungen richte ich mein Objektiv auf Dich. Da! Du bist in meinem Sucher. Das Auslösegeräusch stört Dich nicht – Du gönnst mir 15 Aufnahmen. Mein Vorhaben, ISO 400 einzustellen und noch ein paar Bilder zu machen, ist aber nicht von Erfolg gekrönt. Du flatterst davon.
Meine Anspannung löst sich. Ein Glücksgefühl durchströmt meinen Körper. Das sind die Momente, die die Naturfotografie für mich so wertvoll machen.
Beim nächsten Mal spielt vielleicht auch die Sonne mit. Dann werden die Aufnahmen qualitativ noch besser. Nichtsdestotrotz bin ich überglücklich und stolz, Dich ohne Anfüttern abgelichtet zu haben – ein echtes Naturdokument.
Ich werde wiederkommen, mein kleiner Freund!
Aufnahme vom 11.12.2004
Canon EOS 10D mit Canon EF 100-400 L IS USM @400 mm, 1/60 s, f6.7, ISO 800, Stativ, Tarnzelt
Bild entrauscht mit NeatImage
Wunderschöne Aufnahme von dem Eisvogel! Deine Ausdauer und Geduld haben sich gelohnt. Und ich freu mich für dich, dass es dir nach so langer Zeit und viel Aufwand gelungen ist, deinen Freund abzulichten.
Mann Christoph, Du weißt ja,
wie gut ich das nachempfinden
kann, was Du da so schön be-
schrieben hast. Ich weiss, dass
es sich für Dich gelohnt hat,
super! Der aufgeplusterte EV
im winterlichen Umfeld ist
trotz der technischen Hindernisse
bei der Aufnahme schön anzusehen.
Viele Grüße!
Thomas
Kleine Geschichte aus dem Leben eines Fotografen ...... sehr schön und liebevoll geschrieben.
Wenn der kleine Eisvogel nur lesen könnte, er wäre ganz stolz, einen Bewunderer wie Dich zu haben.
Liebe Grüße und ein schönes und weiterhin erfolgreiches Wochenende wünscht Dir Irene
Das kann ich bis ins Detail nachfühlen...herrlich erzählt! Genau das mach die Naturfotografie aus, und das lässt einen auch nicht mehr los. Respekt.
Liebe Grüße Stefan
Hallo Christoph,
was hälst du denn davon, wenn du mal ein Buch schreibst, denn deine Geschichte zu diesem Bild finde ich genauso so schön wie das Foto selber :O)))))
Ich freue mich für dich, das deine Mühen und das ausharren in der Kälte belohnt worden sind.....
Die Geschichte finde ich richtig schön und hat mich schmunzeln lassen ..... liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht dir ANNE
hast du es doch nimmer ausgehalten ;-)
Jaja, die kleinen Eisfogigeschichten - vielleicht gebe ich meine auch noch dieses Jahr hier rein ;-)
Ich kann dich mehr als gut verstehen, auch bisher mein längstes Projekt - 10m ist doch schon ok, der "Hammerbereich" mit 7-4m ist ja eh nicht mehr weit weg.
Du schreibst du stehst früh auf - ich kann mir das bei mir sparen, die Eisfogis sind wie ich Langschläfer, vor halb10/10 sehr ich die auch im Sommer nicht, am geschäftigsten sind sie zwischen 12.00 und 14.30 ... ich weiss nicht ob das allgemein umlegbar ist.
Zum dick vermümmelt (Achtung! Vemmungsverbot beachten! ;-) ) sitzen ein Tip falls du das nicht eh hast - an Shell-Tankstellen gibt es momentan "Handwärmersets", super Zeug, recht günstig, halten lang an und sind einfachst wiederbenutzbar - 6-8 Stück dabei macht einen kalten Tag viel leichter.
Vielen Dank für Eure netten Anmerkungen! Ich finde es sehr schön, dass Ihr Euch mit mir freut.
@Marco:
Ich wünsche Dir möglichst bald eine erneute Begegnung!
@Anne:
Ein Buch schreibe ich lieber nicht - das Erzählen mit Bildern macht mir mehr Spaß. :-)
@lX:
Ja, beim nächsten Mal werde ich das Tarnzelt speziell auf diesen Ast ausrichten - da sollte ich noch ca. 2 m näher rankommen.
Das mit dem frühen Aufstehen hätte ich mir auch sparen können. Mein kleiner Freund hat sich um 9 Uhr blicken lassen.
Danke für den Tipp mit den Handwärmersets. Ich werde morgen mal schauen, ob ich noch eins bekommen kann. Ich muss sowieso tanken ... Mist ... ;-)
Nochmals vielen Dank Euch allen. Hoffentlich kann ich bald noch bessere Aufnahmen von meinem kleinen Freund zeigen.
Glückwunsch, Christoph - zu diesem Foto und vor allem zu dem Erlebnis. Deine Geschichte dazu hat die Naturfotografie gut beschrieben - und wenn sich die Mühe dann auch noch lohnt, ist es um so schöner. Und das Wetter war heute nun wirklich nicht dazu gemacht, stundenlang draußen zu sitzen. Für diese Verhältnisse ist Dein kleiner Kerl gut gelungen - und ich freue mich mit Dir.
Gruß Barbara
Zu allererst will ich Dir zu Deinem Eisvogel gratulieren. Bei Deinem Durchhaltevermögen bin ich überzeugt davon, dass Du auch einmal das Glück haben wirst, ihn bei besserem Wetter zu begegnen und uns dann Dein Ergebnis, so wie Du es selbst gerne haben möchtest, hier präsentieren wirst.
Die Geschichte ist beinahe noch schöner zu lesen, als das Vögelchen anzusehen - zusammen aber ist's perfekt ;) Ich hab mich schon riesig für Dich gefreut, als ich die Aufnahme im Thumb gesehen hab. Es lohnt sich halt doch immer wieder... =)
LG, Claudi
die geschichte ist wirklich spannend erzählt,
an dir ist ein kleiner poet verloren gegangen ;o)
kann mich voll in deine lage versetzen.. du wirst
ihn sicher wiedersehen :o) - vg stefan
Kann ich gut nachvollziehen. In meiner Gegend gibt es 4 Teiche an denen es Eisvögel gibt. Ich habe sie dort selbst gesehen und viele Stunden auf der Lauer gelegen. Zu einem Foto bin ich aber nie gekommen. Meinen herzlichen Glückwunsch.
Das ist ja fast eine Liebeserklärung an den Eisvogel und die Natur die da so schön geschrieben hast Christoph. Ich kann´s dir nachfühlen - bei wechselnden Motiven ;-) und freue mich für dich daß du ihn fotografieren konntest und drücke dir feste die Daumen für weitere Begegnungen.
LG Andrea
P.S. vergiss aber nicht deiner Frau (oder Freundin) auch mal so einen schönen Text unter ein Foto von ihr zu schreiben ;-)))