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Eine Saturnaufnahme mit der ToUCAM 740k + Baader UV-IR-Sperrfilter + 2x Barlow-Linse im 12'' Schmidt Cassegrain bei 6m effektiver Brennweite, Öffnung f/20. Eigentlich nicht ein Bild, sondern viele, denn es ist der Mittelwert aus 2 Mal je 1000 Einzelbildern zu 1/25s bei 5 fps Bildwiederholfrequenz und mittlerer Verstärkung, aufgenommen in K3CCD, zusammengerechnet im neuen Registax 4, ein sehr empfehlenswertes Programm! Ich musste die Belichtung auf zwei Sequenzen aufteilen, weil ansonsten die Bildfelddrehung störend aufgefallen wäre (ALT-AZ-Aufstellung).
Durch die Aufteilung auf zwei Serien mit ca. 9 Minuten Versatz kann man die Verdrehung um 2.5° nachträglich korrigieren und beide Einzelergebnisse manuell zusammenführen. Verdrehungen korrigiert Registax leider noch nicht, will heissen, da steckt noch Potenzial drin, wenn ich die Polhöhenwiege mitnehme und vielleicht sind 9m f/30 auch besser als 6m f/20 (3x Barlow-Linse statt 2x). Die ALT-AZ-Aufstellung mit Wasserwaage, GPS und "zeig ihm einen Stern" ist einfach zu verlockend verglichen mit der stundenlangen Scheinerei bei parallaktischer Aufstellung. Im Wesentlichen ist die Polhöhenwiege einfach zu unhandlich. Ein anderes Thema ist jenes, dass Schmidt Cassegrains wegen ihres geschlossenen Tubus Stunden benötigen, um auf Umgebungstemperatur zu kommen. Auch die Fokussierung muss man sehr genau einstellen (ein Motorfokus ist empfehlenswert).
Bisher dachte ich, dieses Meade LX200 Cassegrain sei nicht so gut in der Abbildungsleistung. Falsch gedacht. Habe es bisher immer vom Balkon eines Reihenhauses inmitten der Großstadt aus benutzt. Diesmal stand das Teleskop im Garten (letztes Haus am Feld) und das Seeing war fast optimal. Wenige Nächte zuvor versuchte ich das gleiche mit einem 24" RCT, also einem doppelt so großem Teleskop auf dem Berg. Seeing und Radiointerferenzen waren so verheerend, dass Saturn im Ergebnis zwar heller, aber nicht halb so gut herauskam. Es kommt also für Planeten nicht so sehr auf ein großes Teleskop, sondern auf optimales Seeing an.
Habe von dem ganzen Fachchinesisch nix verstanden, aber muss ich ja auch nicht, reicht wenn das Ergbenis gefällt ;-)))
Und mir gefällt es sehr, ich finde Einblicke ins Universum immer sehr spannend.
LG heidi
Und wenn man bedenkt, welches Ergebnis Du ohne die störenden und negativen Begleiterscheinungen der Radiointerferenz erzielt hättest.....
Dann sollte man für diese Wellenlängen unsensiblere Chip´s verwenden, dann kann man ungestört sich zwischen all den Photonen und anderen Wellen durch fotografieren o. videografieren:-)²
VG
Volker......mir entzieht sich der Zusammenhang zw. Seeing und Radiointerferenz*?*
Danke Euch allen, das viele "Fachchinesisch" ist eigentlich nur für diejenigen, die selber ein Teleskop haben und nicht so recht wissen wie man Saturnfotos hinbekommt. Ich muss zugeben, ich hatte "Nachhilfe" und vorher schon eine Menge Lehrgeld bezahlt, z.B. den UVIR-Sperrfilter vergessen und ein unnötiges Prisma im Strahlengang. Eigentlich bin ich es selbst nicht gewohnt, so viele Details auf Saturn zu sehen, aber irgendwie hat es diesmal funktioniert, ist bestimmt dem guten "Seeing" geschuldet.
Da sind eine Menge Ringe, ich zähle hier etwa sechs Stück, die sich andeutungsweise auftun, zweie davon sehr deutlich. Dann ist die Nordhalbkugel offensichtlich blauer als der Rest der Planetenscheibe, weil das Licht der Sonne dort erst durch das Ringsystem muss. Die Südhalbkugel zeigt einen mächtigen Fleck, der innen mehr grünlich und aussen mehr bräunlich aussieht (ist das Methan?), ich vermute mal, das ist eine Wolkenschichtung verschieden schwerer Substanzen durch Spin-Casting, also wie in einer natürlichen Zentrifuge. Am Äquator glaube ich ein weißes Sturmoval zu sehen, ausserdem verläuft in Äquatornähe umlaufend die rötliche Reflektion der Ringe. Man erkennt den Planeten durch die Cassini-Teilung hindurch. Ein Teil vom hinteren Ringsegment liegt im Schatten und der innerste Ring besteht anscheinend aus einem viel dunkleren Material, beim ersten Versuch war er gar nicht sichtbar, habe die Helligkeit dann etwas angehoben und den Kontrast zurückgenommen, damit das von der Helligkeit noch in ein Bild hineinpasst.
Da verschlägt es einem ja glatt die Sprache.
Ein absolut tolles Bild.
Und die Erklärungen sind wie man es von Dir gewohnt ist, wirklich lesenswert und voller Tipps für Nachahmer.
Für Volker: Das mit den Radiointerferenzen auf dem Berg ist deswegen so verheerend, weil ein starker Sender direkt neben der Kuppel steht. Die schwach abgeschirmten Webcams, aber auch Digitalkameras und Computer werden durch eingestreute, leitungsgebundene Störungen erheblich beeinflusst. Die Anordnung ist fast wie aus dem Lehrbuch zum Aufbau einer EMV-Testkammer. Die Kuppel sitzt mit ca. 5m Entfernung im Nahfeld einer Mehrelemente UHF-Yagi-Antenne, also sogar innerhalb der Fresnelzone. Die Anschlussleitungen wirken wie Empfangsantennen für die Störstrahlung, die von der Intensität her im Bereich von 100 bis 200V/m liegen dürfte. Ich werde mal versuchen, mit Klappferriten die Mantelströme zu reduzieren. Abschalten kann ich den Sender leider nicht. Ausweichen geht auch nicht. Auch ein Absorber ist nicht gestattet (Die Kuppel besteht aus Kunststoff).
Für Hartmuth: Das mache ich doch gerne. Die größte Freude ist es mir, wenn jemand anderes dadurch etwas Neues erfährt und selbst zu besseren Ergebnissen kommt. Vins weiss was ich meine :_)
Hallo Sighard,
danke für deine gedultige Erklärung!
Ich kennen mich mit dieser Art der Technik nicht aus und bin auch nicht betroffen dadurch hoffe aber, dass Ihr das alles in den Griff bekommt.
VG
Volker
Ein prima Saturnbild ist das. Um derartige Bilder hinzubekommen, bedarf es einiger Erfahrung. Schön, dass Cassini umlaufend ist. Durch die Teilung im Ring ist Saturn noch gut zu erkennen.
Bei dir scheint der HF Ingenieur zu sprechen ...
Gruß Christoph
wow Sighard,
ein phantastischer Saturn. Selbst in der Cassini-Teilung noch was zu sehen. Aber wer sagt, dass SC's so schlecht sind? auf der Achse bilden die relativ gut ab. Und 12" sind ja auch nicht ohne. Aber selbst diese - im Vergleich zu Großteleskopen - immer noch bescheidene Öffnung ist bereits seeehr seeinganfällig. Da hast Du wirklich großes Glück gehabt.
LG & cs, Gerald
Die Toucam ist ne dolle Sache.
Leider gelingen mir damit keine gestackten Aufnahmen.
Offenbar darf weder Bildfeldrotation noch eine Nachführungenauigkeit auftreten.
Sternengrüsse
tholimas
Für Gerald: Wie gesagt, bisher habe ich den Zwölfzöller immer nur auf dem Balkon in der Stadt ausprobiert. Das beste was dabei bisher herauskam war der Jupiter, den ich früher schon mal gepostet habe, siehe http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/777671/display/7019748 .
Der neue Standort lässt auf weitere gute Ergebnisse hoffen.
Für Tholimas: Wenn Du noch etwas mehr über Dein Teleskop, Deine Montierung (C8 auf Gabel in Alt-Az-Aufstellung?) und die verwendeten Einstellungen schreibst, kann man Dir wohlmöglich helfen. Falls Du Deine Rohdaten irgendwo hinterlegen möchtest, sehe ich mir gerne mal an, was man daraus machen kann. Bei den Bilderen in Deiner Galerie habe ich den Eindruck, dass Du keine Schärfung angewandt hast. Jupiter zeigt in der Tat zu viel Bildfelddrehung. Da dürfte eine Polhöhenwiege hilfreich sein. Meine neue Polhöhenwiege liegt für die nächsten Versuche schon hier, ich denke das ist eine sinnvolle Investition ins Astrohobby.
Ein klitzekleines Detail fehlt mir noch in dieser Aufnahme: Der äußere F-Ring. Wenn man den noch umlaufend erkennt, dann ist das mit dieser Optik Machbare erreicht. Die Steilvorlage ist dabei die Saturn-Seite der Association of Lunar & Planetary Observers, kurz ALPO: http://www.lpl.arizona.edu/alpo/ , etwa so wie in den Aufnahmen von Dave Tyler, Christopher Go, Larry Owens, Don Parker oder D. Peach http://www.lpl.arizona.edu/~rhill/alpo/satstuff/recobs.html .
Hallo Sighard,
sehr schön, Dein Saturn!
Zur Zeit kann man ihn ja prima beobachten. Bald ist ja auch wieder Jupiter angesagt. Und die Venus...
Gruß Hermann
Ja Hermann, aber die Venus macht mir Kummer. Normal erkennt man ja auf der Venus im Sichtbaren nicht viel, also habe ich mir testweise ein UV-Filter von Giovanni ausgeliehen. Jetzt kommt es aber so, dass ich nicht weiß, was ich von den Bildern halten soll, die ich mit Webcam und UV-Filter aufgenommen habe. Sind das alles nur Artefakte? Da bin ich etwas ratlos, vielleicht könnt Ihr mir ein paar Erfahrungen zu UV-Aufnahmen mit der Webcam schreiben? Die Wiederholung des Experiments ist demnächst nicht möglich, habe das Filter bereits zurückgegeben und Giovanni ist noch in Urlaub ...
Hallo Sighard,
ich kann dazu nichts sagen, ich habe noch nie mit UV-Filtern gearbeitet. Aber Deinen Bildern würde ich auch nicht so recht trauen.
Gruß Hermann