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.. die un(v)erträgliche Seichtigkeit des schönen Scheins von KrohnSan

.. die un(v)erträgliche Seichtigkeit des schönen Scheins


Von 

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14.06.2009 um 23:34 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Die un(v)erträgliche Seichtigkeit des schönen Scheins

Stell dir vor du verlierst dein Oberflächengesicht.

Fein säuberlich aufgereiht hängen die jeweiligen Masken wie immer in deinem Schrank und in ihren Saum eingraviert die jewilige Emotion, wie Wochentage auf Unterhosen. Eingetütet in Plastik und jederzeit bereit, frisch für dich zum Wechsel in jeglicher Situation. Die Grundauswahl triffst du schon am frühen Morgen, wenn dein Tag beginnt, den Rest steckst du dir fein gefaltet in deine Handtasche, um bei Bedarf eine Ummaskierung vornehmen zu können, ständig und so schnell in der Umgestaltung der von dir bereits eingeübten Tauschvorgänge, das dein Wechselspiel, geplant und vorbereitet, niemandem auffällt.
Ein passendes Lächeln, wird im richtigen Moment umgeformt in einen anteilnahmsvollen Blick. Und wenn du dich unterstrichen wissen willst, dann setzt du dir das Model der tiefernsten Überzeugung auf, das in deiner Handtasche immer oben rechts in Kammer Nummer 2, für die höchstwichtigen Dinge des Lebens, zum Einsatz stets bereit liegt.
In Kammer Nummer 1 befindet sich die Schönheit. Wichtig für die erfolgreichen Werktage und noch wichtiger am Wochenende, wenn die Einsamkeit sich zur Gesellschaft wandelt. Immer ein Garant für das vollendete Erwartungsergebnis.

Abends dann, wenn du in deine Höhle kriechst, müde vom Schauspiel des Tages, beginnt die Demaskierung. Der Reinigungsvorgang deiner Oberflächenhäute, wird zum traurigen Routinevorgang, bevor sich ein erholsamer Schlaf auf und über deine wahre Haut und in deine Muskeln legen darf, die verkatert vom ständigen Halten und Lebendbefüllen, deiner Masken, schmerzhaft krampfen und groteske Fratzen(bilder) auf dir formen. Die Reingung erfolgt üblicherweise in einem spiegellosen Raum deiner Höhle, da selbst schon dein Wandschatten, furchtbar krumm und gebeugt von der tagtragenden Last, dir unheimlich traurig und fremd entgegen blickt.

Alt und hässlich erscheint dir dein Hinterbild schon im schwarzen Umriss, gebrochen freudlose Lichtverdrängungen an der Wand.
Du reingst deine Masken dennoch gewissenhaft, aber im Laufe der Jahre bleiben immer mehr oder weniger kleine Klebreste an ihren Innenseiten zurück und fangen an, sich durch deine Hüllen zu fressen. So verändert sich eine jede Form langsam zu etwas, das deiner Wahrheit immer ähnlicher wird. Der Kleber frisst sich langsam bedrohlich durch die feinporigen Hautschichten deiner Masken, hinterlässt dabei pigmentartige kleine Restflecken, so das sie schliesslich zu immer dünner werdenden pergamentpapierenen schutzlosen Schutzgesichtern zusammenschrumpfen, die nach und nach dein blankes Gesicht immer mehr durchscheinen lassen. Dies ist der normale Prozess des Lebens. Der sorgsam erbaute und wohl behütet, gepflegte Schutzwall deiner Selbst löst sich langsam auf, bis auch du irgendwann erlöst, ohne ihn, frei jeglicher Oberflächenemotionstrugbilder, und ohne angstgebeugte Schatten an den Wänden, in einer endlosen Entspannung ruhen darfst.

Was aber passiert wenn deine Reinigung nicht täglich gewissenhaft mit sorgfreier Routine, wie von selbst in ihren einstudierten Handgriffen erfolgt? Was passiert, wenn deine Wandschatten deine Blicke fangen und du nicht halten kannst sie zu beobachten? Was wenn du in den Spiegel blickst und deine Fratzen dich verfolgen? Was wenn du vergisst deine Imagegemälde im Schrank ordentlich zu hängen und abzudunkeln vor dem Licht der Sonne, das sich mit den kleinsten übersehenen Kleberesten verbindet, die so agressiv angreifend, dein Passgesicht noch vor der Zeit zerstören.Was wird passieren?

Eines Tages wirst du deinen Schrank öffnen und dir ein Gesicht deiner Wahl aufsetzten, und du wirst dich quälen. Dein Tag wird erfüllt sein von Schmerzen und bei jeder Muskelbewegung werden die ätzenden kleinen Klebereste deiner jeweiligen Erscheinung, an dir fressen und ein übel riechender Ausschlag bewegt sich auf deiner Haut und breitet sich aus, über deinem ganzen Körper.
Dein Körper wird durchfressen sein, von unerträglichem Wundschmerz, frisch zerstörter Lebendhautpartien. Und dein Ich wird dir immer unerträglicher werden und deine Schatten an der Wand werden grausam sein, wie deine Spiegel. Schmerzverzehrte Fratze jetzt schon im Umriss.

Jegliche Kraft zur sorgsamen Reingung wird nun für immer verloren sein und du wirst dich verkriechen in deiner Höhle, wenn alle Masken zerstört sind und dein Fleisch dir schutzlos offen liegt.
Und du wirst wartend sitzen, abgedunkelt in deinem Schutzraum, bis eine Ruhe in dir Einkehr findet. Und du wirst auf dich schauen, ohne deine Hüllen, die bereits in deinen Ecken verwesen.
Ein Gestank wird sich aus den Nieschen deiner Wohnung ausbreiten und dir wird übel davon werden. Und wenn du es nicht mehr aushalten kannst, dann wirst du den verweseten Klumpen Haut, der einmal deine Vergangenheit war, fortschmeissen, um nicht an diesem Gestank zu ersticken.
Und nach einer Weile wird es dir besser gehen und dein Atmen wird dir wieder angenehmer sein, und frischer der Geschmack des Windhauches jetzt, der durch deine langsam wieder geöffneten Fenster, an dein inzwischen vernarbtes Ichgesicht und in deine Lunge dringt.
Du wirst lernen, die Welt, die sich nun direkt in dich legt, auch in deinen Narben zu empfinden. Zuerst wird es noch ein wenig schmerzen, dein freigelegtes Neugewebe in die Sonne zu halten, aber mit der Zeit wirst du dich daran gewöhnen und erkennen, das sie dir näher ist, die Welt, als noch zu der Zeit, wo sie an deiner Deckhaut undurchdringlich auf der Oberfläche hängen blieb.

Und du empfindest dich wie ganz neu, in dieser anderen Welt. Wirst unsicher sein sie zu betreten, wie ein Mensch der ganz von Anfang lernen muss.
Wirst unbekannt sein, ein Alien des Alltags für andere, nun fremdartig gewordene Welten, die noch ihre Masken tragen. Aber du erinnerst dich und in jeder fremden Welt, erkennst du eine Ahnung von dir, hinter ihren Scheinbildern. Und diese Ahnung wird dir Trost sein für jede Maske, die dich so anblicken wird, wie es in ihren Saum für sie geschrieben steht.
Du weisst, auch sie wird sich irgendwann zerstören und jemand, der dir gleicht, tritt dann aus ihr hervor. Die Maske des Mitleids dir gegenüber ahnt nichts von deinen Gedanken, denn deine von Narben zerstörte Fratze, kann kein aufgesetztes Bild mehr entgegen bringen, das sie verstehen würden. Mitleid hast du mit den Mitleidsmasken, doch ihre Deckhaut lässt dich nicht hinein, in die Wahrheitszonen deines Gegenüber. Einsam wirst du sein in deiner unverstellten Wahrheit und deinem Wissen, um den aufgesetzt, vergänglich schönen Schein deiner Mitmenschen, die noch ihre gebrochenen Schattenlasten mit sich tragen. Eine Sehnsucht wirst du haben, nach Menschen, die wie du gestatten, das die Sonne ihre wahre Haut begrüßt.

Alle Maskenträger werden dir unerträglich sein und keiner ahnt in dir davon. Schauen dich an, als hättest du etwas für immer verloren und betrauern dich darum.
Können nicht fühlen, wie unerträglich seicht die Luft hinter ihren Schrankgesichtern schmeckt.
Eine Unerträglichkeit gegenüber der seichten Luft hinter dem schönen Schein, ist nun in dir geboren und du wirst lernen müssen diesen Schmerz fortan zu tragen. Und du wirst immer Rückzug sein und suchend, nach Menschen die frei im Atmen sind wie du.

Nein, ich bin nicht deformiert ! Nur ununiformiert !

Anmerkungen:

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Christian Martin Weiss, 14.06.2009 um 23:36 Uhr

! ihr seid einfach unglaublich !


Sylwia Makris, 14.06.2009 um 23:52 Uhr

!!!!!!!


Herr-Lehmann, 15.06.2009 um 2:04 Uhr

Hammergeil!!!!!!!!!!!!!!!!!

LG Ralf



Giftzwerg Grafix II, 15.06.2009 um 9:44 Uhr

saustark!
echt beeindruckend!

:-)



s(m)h, 15.06.2009 um 12:26 Uhr

Absolut klasse...


RitaH, 5.08.2010 um 22:44 Uhr

BEEINDRUCKEND....
und nachdenklich stimmend,......
weil so wahr...

lg
rita



Poisongirl1977, 20.09.2010 um 19:29 Uhr

da kann man nicht viel zu sagen ausser:
HAMMERGEIL
schaut total genial aus!
Gruß Stephie



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