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zum Nachdenken... von Der Pferdeknipser

zum Nachdenken...


Von 

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7.04.2006 um 6:47 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Der Herr der Pferde

Für jedes Pferd steht im Paradies eine große Truhe mit tausend goldenen Perlen. Behandeln die Menschen das Pferd auf der Erde gut, wird bei jeder Wohltat eine Perle herausgenommen. Wenn das Pferd gestorben ist und auf die ewige Weide kommt, zählt der Herr der Pferde die übriggebliebenen Perlen. Wer bei den Menschen Schlimmes erlebt hat, wird dann für die schlechte Erdenzeit entschädigt. Eine schöne Holsteiner Schimmelstute kam eines Nachmittags am Gatter des Paradieses an. “Deine Truhe ist fast leer”, sagte der Herr der Pferde, “du musst ein gutes Leben gehabt haben”. Die Stute nickte bedächtig. “Meine Besitzer haben alles für mich getan. Als ich Probleme mit den Hufen bekam, haben sie mich auf die Weide gestellt, damit meine Beine geschont wurden. Sie haben dafür gesorgt, dass ich jeden Tag laufen und toben konnte und so wurde ich mit ihnen sehr alt. Und als die Stunde des Abschieds gekommen war, sind sie bis zur letzten Minute an meiner Seite geblieben”. Die Stute schwieg einen Moment. “ Ja, ich habe es sehr gut gehabt da unten”. “Such dir eine Weide aus”, schlug der Herr der Pferde vor. “Ich brauche keine große Wiese” ,entgegnete die Stute, “gib die großen Weiden an meine Kollegen, die auf der Erde nicht so viele gute Tage gesehen haben”.

Als nächstes stand ein großer Friesenwallach vor dem Paradies-Gatter. Auch er war sehr, sehr alt. So alt, dass seine schwarze Mähne grau geworden war, was man nur ganz selten sieht. “Auch bei Dir finde ich nur noch wenige Perlen in der Truhe”, sagte der Herr der Pferde. “Ich habe es sehr gut gehabt”, sagte der Friese. “All die Jahre bin ich mit Liebe umsorgt worden. Und als die Stunde des Abschieds kam, ist mein Mensch bis zur letzen Minute an meiner Seite geblieben”.

Dann kamen zwei braune Schulpferde angetrabt. “Wie ist es euch ergangen in der Reitschule ?” fragte der Herr der Pferde. “Ich wundere mich, dass ich in euren Truhen nur noch wenige Perlen sehe”. “Das muss dich nicht wundern”, sagten die Schulpferde, “Unserer Stallbesitzer hat uns helle Boxen bauen lassen, statt sich ein neues Auto zu kaufen. Weil wir bessere Trensen brauchten, hat er sogar auf den Urlaub verzichtet”.

“Gab es denn nie Reitschüler, die hässlich zu euch waren ?”- “Manchmal schon”, gaben die Schulpferde zu. “Aber die Liebe der Kinder hat uns immer wieder Mut gemacht”. Die Braunen sahen den Herrn der Pferde an und sagten: “Wir haben es wirklich gut gehabt da unten. Und als die Stunde des Abschieds kam, hat uns der Stallbesitzer auf unserem letzten Weg begleitet”.

Ein zierlicher, schwarzer Traberwallach kam jetzt auf das Paradies zu, kaum älter als vier Jahre. Sein Fell glänzte wie Seide, aber seine Augen waren müde ohne Glanz.

“Warum bist du hier, mein Freund?” fragte der Herr der Pferde. “Du bist noch zu jung zum Sterben”. “Ich war keine gute Geldanlage”, antwortete der Traber. “Auf der Trabrennbahn war ich zu langsam. Sosehr ich mich anstrengte, ich konnte nicht schneller laufen. Mein Besitzer sagte, ich sei zu teuer zum Durchfüttern und hat mich zum Schlachter bringen lassen”. Der Herr der Pferde öffnete die Truhe des Trabers und sie noch fast gefüllt bis zum Rand. “Das muss ein trauriges Leben gewesen sein”, sagte er, “hast du nicht einmal eine schöne Kindheit gehabt ?” “Kindheit - was für ein wundervolles Wort”, sagte der Traber versonnen. “Was bedeutet es ?” “Kindheit”, sagte der Herr der Pferde, “das heißt mit anderen Fohlen über Wiesen galoppieren, im Spiel seine Kräfte messen, sich wälzen und in Seen baden, seinen Platz in der Herde suchen und Freunde finden . Man lässt doch die Pferde drei Jahre Kind sein, bevor die Arbeit beginnt. Hast du das nicht erlebt ?” “Nein“, sagte der Traber, “für mich fing das Training mit einem Jahr an. Sie haben mir den Kopf mit Lederriemen zurückgezogen und die Zunge festgebunden, damit ich nicht galoppieren konnte. Als ich zu langsam war, haben sie mich mit Peitschen aus Stacheldraht geschlagen”. “Warum tun die das ?”, fragte der Herr der Pferde zornig. “Man kann viel Geld mit Wetten auf der Trabrennbahn verdienen”, sagte der Traber, “mit seinem schnellen Traber kann man reich werden. Ich war leider ein schlechtes Geschäft”.

Da führte der Herr der Pferde den kleinen Traber auf die große Paradiesweide mit Seen, die gefüllt waren mit schimmernden Himmelstaub, mit Plätzen aus goldenem Sand zum Wälzen und endlosen Wiesen zum Galoppieren. Alle Traber und die anderen Pferde, die von ihren Besitzern als Sportgerät missbraucht worden waren, vergnügten sich darauf. Fasziniert blieb der Traber stehen. “Ist das Kindheit ?” fragte er entzückt. “Lauf los und genieß sie”, sagte der Herr der Pferde.

Er war voller Empörung über die Menschen, aber es kam noch schlimmer. Ein polnisches Schlachtpferd schleppte sich auf das Paradies zu, ein Bild des Jammers. Ein gebrochenes Bein hing schlaff herab, Blut sickerte aus vielen Wunden im Gesicht und an der Schulter. Das Maul war grausam geschwollen, weil das Pferd sich im Pferdetransporter halb wahnsinnig vor Durst die Zunge an den Wänden wund geleckt hatte. Als der Herr der Pferde die Truhe des Schlachtpferdes öffnete, fehlte nicht eine einzige Perle. “Wer hat es zugelassen, dass man dich so quält?” fragte er erzürnt.

“Die Politiker”, antwortete das Schlachtpferd mit matter Stimme. “Sie können die Gesetze ändern, aber es interessiert sie nicht. Es geht nur ums Geld. Man verdient viel mehr, wenn man Pferde von Polen zum Schlachten bis nach Südfrankreich oder Italien bringt”. Der Herr der Pferde führte das Schlachtpferd auf seine größte und schönste Weide mit klaren, frischen Wasserquellen und Kräutern, die jede Wunde heilten. “Was ist das für ein prächtiger, goldener Ball über der Weide ?”, wollte das Schlachtpferd wissen. “Das ist die Sonne. Kennst du sie nicht ?” “Nein. Aber ich habe die Menschen davon reden hören”, sagte das Schlachtpferd und ging zu den Quellen, um seinen Durst zu löschen.

Da versammelten sich die Privat- und Schulpferde, die es gut gehabt hatten auf der Erde und sagten zum Herrn der Pferde: “Es ist gut, dass unsere armen Freunde es hier so paradiesisch haben. Aber kommen ihre Peiniger ungeschoren davon ?”

“Sie bekommen ihre gerechte Strafe”. “Welche ?”, wollten die Pferde wissen. “Sie müssen als Pferd zurück auf die Erde. Dort habe sie das Gleiche zu erdulden, wie die Tiere, die sie gepeinigt haben”. Der Herr der Pferde winkte ihnen, ihn zu folgen. Sie gingen lange Zeit über einen schmalen Pfad, bis sie an einen großen Platz gelangten, auf dem eine gewaltige Waage aufgebaut war. Jeder Mensch wurde vor diese Waage gerufen und es wurden zwei Fragen gestellt. Ein Rennstallbesitzer stand gerade vor dem höchsten Gericht. “Wer hat etwas Gutes über ihn zu berichten ?”, hieß die erste Frage. Es fanden sich einige, die auf der Trabrennbahn gewonnen hatten, die mit ihm gemeinsame Sache gemacht hatten und ein Kampfhund, der von ihm gut behandelt worden war. Dann kam die zweite Frage: “Wer von den Trabern hat etwas gegen ihn vorzubringen?” Da galoppierten alle seine Traber heran. Die, die hohe Preise gewonnen hatten und die, die er zum Schlachter geschickt hatte. “Was habt ihr ihm vorzuwerfen ?” fragte der Richter. “Er hat uns die Kindheit gestohlen”, klagten die Traber. Sie stiegen auf die andere Waagschale und drückten die mit ihrem Gewicht ganz nach unten.

Danach sahen die Pferde einen Politiker vor dem Gericht. Er fand eine ganze Anzahl von Menschen, die für ihn aussagten. “Er wird sich geschickt herrausreden - wie auf der Erde”, befürchteten die Pferde, “da sind viele, die er mit Geld bestochen hat und die ihm wichtige Posten zu verdanken haben. Mindestens fünfzig Menschen. Wer wird gegen ihn aussagen ?”

“Fünfzigtausend Schlachtpferde”, sagte der Herr der Pferde, “er wird keine Chance haben .....” (Verfasser unbekannt )

Solange Menschen denken, das Tiere nicht fühlen, solange müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

Gefunden bei der Suche nach einer neuen Heimat für unsere zwei Pferde...
Hier: http://www.hof-chaoti.de/13937.html

Anmerkungen:





Penny Deckel, 7.04.2006 um 6:58 Uhr

Der Text ist sehr schön, hoffentlich werden viele darüber nachdenken. Die Aufnahme des Pferdes ist sehr schön gemacht. Es schaut auch gerade so erstaunt. LG Gabriele


Dieter Tholen, 7.04.2006 um 7:02 Uhr

Das ist wirklich ein sehr schöner Text der in der Tat einiges offenbart. Das Bild ist natürlich auch klasse. Licht, Schatten, Farben, Schnitt passt alles.
Gruß Dieter



Alexandra Prodöhl, 7.04.2006 um 8:18 Uhr

Ein traumhaftes Bild - und ein wirkllich denkwürdiger Text - sehr schön!


Birgit Böckle, 7.04.2006 um 8:35 Uhr

Herrlich !
LG
Birgit



Martin F...., 7.04.2006 um 10:29 Uhr

ja da muss ich mal zustimmen das Bild ist super und der Text den ich mir bis zu letzt durchgelesen habe


Birgit Lehenbauer, 7.04.2006 um 10:43 Uhr

wow klasse, wahnsinns foto!


Nicole Kumpf, 7.04.2006 um 12:17 Uhr

Hoffentlich lesen diesen Text auch die Menschen, für die er gedacht ist! Ein schönes Bild!

LG Nicole



Almuth Gürtler, 7.04.2006 um 12:43 Uhr

Danke für diese Gedanken....


Alli



Jo Ma, 7.04.2006 um 15:13 Uhr

unheimlich trauriger text zu einem wunderschönen bild von deinem lebenslustig schauenden pferd!
ich habe auch schulpferde erlebt, denen es dreckig geht, und traber, die es gut haben. aber mit so vielen pferden passiert so viel schreckliches, dass es wirklich schön wäre, wenn die menschen so wiedergeboren würden, wie es im text steht.

lg, Hanne



Melitta Burger, 7.04.2006 um 21:39 Uhr

Ein Bild zum träumen mit einer ganz besonderen Ausstrahlung.

Und die Geschichte... tja... es steckt viel wahres drin.



Marianne Tierspiegel, 7.04.2006 um 23:01 Uhr

Was für ein tolles Bild!
Bin hin und weg, den Text werd ich auch noch lesen, er ist enorm lang!
Aber schön, angefangen habe ich.
Ist das euer Billy?
Lg marianne



Der Pferdeknipser, 8.04.2006 um 8:10 Uhr

Ja, das ist Billy.
Wenn die Mücken unerträglich werden, flüchtet er gerne ins Gestrüpp.
LG
peter



Marianne Tierspiegel, 8.04.2006 um 20:52 Uhr

Ein cleverer kerl!
Er hat was von meinem ersten Isi!
Lg marianne



Richard Powley, 11.04.2006 um 9:12 Uhr

Eine sehr schönes Bild Peter!.
Die Begleittext kenn ich seit Jahren und ich wird immer nachdenklich wenn ich es wieder lese.
schöne Gruße,
Richard



Marina Stachel, 23.04.2006 um 7:29 Uhr

schööön...das Foto wie auch der Text.


Laura S. S., 6.08.2006 um 17:45 Uhr

Super tolles Bild!!!
Schön eingefangen und auch sehr idyllisch!

Liebe Grüße



Ina Jahnke , 12.03.2007 um 14:09 Uhr

Sehr schönes Bild!
LG Ina





 
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