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Bertrand Russells Friseur von Dame Eda

Bertrand Russells Friseur


Von 

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8.04.2008 um 2:55 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures  by the senders.
Eine Anspielung auf ein bekanntes logisches Paradoxon von Bertrand Russell.

0x FF hat mich zu dieser Umsetzung inspiriert - siehe die Foren-Diskussion über "seltsame Schleifen"
http://www.fotocommunity.de/forum/read.php?f=34&i=119426&
t=119426



Ein Friseur, der in in der Stadt in der er wohnt einen kleinen Coiffeursalon betreibt, hatte unüberlegterweise die folgende Anzeige in sein Schaufenster gehängt:

"Ich rasiere genau die Männer der Stadt, die sich nicht selbst rasieren"


Es stellt sich heraus, dass diese Aussage paradox ist.

Angenommen der Friseur rasiere sich selbst - dann folgt daraus, dass er sich nicht selbst rasiert, denn er rasiert ja gerade diejenigen, die dies nicht selbst tun.
Rasiert er sich aber nicht selbst, so folgt gemäss seiner Anzeige aber, dass er sich selbst rasiert.

Ob er sich nun selbst rasiert oder nicht - es folgt stets das Gegenteil der Voraussetzung und damit ist seine Aussage widersprüchlich.

. . . .

Es sei denn, es gäbe eine Möglichkeit, wie er "er selbst" und dennoch (auf einer anderen Bedeutungsebene) "nicht er selbst" sein könnte - so wie es das Bild nahelegt.

. . . .

Weitere Spielchen mit Bedeutungsebenen:
Das Bild vom schiefen Bild von Dame Eda
Das Bild vom schiefen Bildnicht in Diskussion
Von
5.4.08, 17:36
13 Anmerkungen

Anmerkungen:





schpulk, 8.04.2008 um 7:55 Uhr

Wunderbar das Paradoxum umgesetzt, das gefällt

LG
Achim



Christine von Diepenbroek, 8.04.2008 um 8:53 Uhr

Klasse - besonders mit der Aufklärung
lg Christine



Oli.xxx , 8.04.2008 um 9:36 Uhr

Sehr gut !
Mal jemand der mitdenkt und nicht nur, aber auch, Karl Popper kennt. So macht fc Spaß :o)



Bernhard F., 8.04.2008 um 10:46 Uhr

saubere arbeit ... schönes P..
Es könnte natürlich in dem Fall sein, das es sich hier um ein Frau handelt... dann ginge alles auf. ;-)
und obwohl ich auch eher annehme, dass es ungewollt war, kann man aber nicht ausschließen das es ein sehr raffinierter Werbespruch ist... aber unwahrscheinlich ;-)
Hast du es selber entdeckt, oder durch jemand anderen erfahren ?
vg bernhard



0x FF, 8.04.2008 um 11:48 Uhr

Das ist GENIAL!
:-)



Dame Eda , 8.04.2008 um 21:44 Uhr

@alle
Herzlichen Dank für eure Anmerkungen. Freut mich, wenn ihr an den Spielereien auch euren Spass habt.. :-)

@Bernhard:
Stimmt, eine Geschlechtsumwandlung wäre eine praktikable Lösung für das Dilemma des armen Barbiers...

Der Widerspruch war natürlich von Russel sehr wohl gewollt, dafür hat er sich die Geschichte vom Barbier ja ausgedacht. Ungewollte Paradoxien gibt es natürlich in der Alltagssprache mitunter auch.

Die Idee mit der Rasur und den schiefen Bildern ist zwar so konkret schon auf meinem eigenen Mist gewachsen - aber ich bin mir sicher, dass auch schon andere diese Idee hatten und umgesetzt haben.

Allerdings wurde ich von einigen Quellen inspiriert, ganz besonders von Douglas R. Hofstadters Buch "Gödel. Escher Bach", durch meine eigenen Erfahrungen mit der Erzeugung und Visualisierung fraktaler Muster (schon viele Jahre her..) und nicht zuletzt durch einige Beiträge in den fc-Diskussionsforen. Den Anstoss zur fotografischen Thematisierung des Barbier-Paradoxons hat 0xFF gegeben.

@0xFF:
Danke für die Blumen - ich muss zugeben, dass ich von der Idee selbst ziemlich angetan bin - hatte aber auch eine wirklich schöne Vorgabe von Dir...
Auf die Umsetzung habe ich keine allzugrosse Sorgfalt verwendet - hätte nicht übel Lust, die Szene mal richtig sorgfältig in einem Friseursalon aufzunehmen.

Aber im Moment brüte ich schon ein bisschen an einer (foto)grafischen Umsetzung von "Hilberts Hotel" rum... ;-)

/Edna



Young Helmholtz, 9.04.2008 um 9:55 Uhr

In jeder Hinsicht genial!


Holger Born, 10.04.2008 um 22:10 Uhr

Also erstmal der Reihe nach.

Das Bild ist echt gut - kleine perspektivische Fehler entdeckt man erst, wenn man genauer hinschaut.

Die Sache mit dem Barbier ist super, die merk ich mir.
Es gibt ja auch irgendwo die Sache mit dem Philosophen aus Kreta, der sagt: "Alle Kretaner sind Lügner", aber die krieg ich nicht mehr ganz zusammen.
Aber denk mal drüber nach .....

Zu Gödel, Escher und Bach:
Ich kenn das Buch auszugsweise, hab's aber noch nicht gelesen - vielleicht mach ich's jetzt (Danke für die Inspiration)

Escher hat mich immer fasziniert, das unmögliche Dreieck ist mein einziges Sternchen, anderre unmögliche Fotografien sind dort verlinkt.
Würfelspiel mit M. C. Escher von Holger Born
Würfelspiel mit M. C. Escher 
Von
5.5.07, 19:41
246 Anmerkungen


Danke für den Thread im Forum, sonst hätt ich das Bild wohl nicht gefunden

LG HOlger

Achja, für Escher&Co hab ich eine eigene Sektion vorgeschlagen (und sie wurde auch angelegt)

Dummerweise sind nur wenige Bilder reingeladen worden, die der Sektionsbeschreibung entsprechen.

Und nochwas: hat super gerendete Bilder à la Escher



Holger Born, 13.04.2008 um 8:44 Uhr

Wenn der Barbier nun seinen Hauptwohnsitz in eine andere Stadt verlegt und zu seinem Frisourladen pendelt, dann geht's ja auch ohne Geschlechtsumwandlung.

Auf der Tafel steht ja:
""Ich rasiere genau die Männer _der_Stadt_, die sich nicht selbst rasieren"




Dame Eda , 13.04.2008 um 14:47 Uhr

@Holger
Im ersten Satz steht:
"Ein Friseur, der in in der Stadt in der er wohnt einen kleinen Coiffeursalon .."

Es sind aber natürlich schon auch andere "Lösungen" denkbar - so könnte der Barbier sich jeweils für die Dauer der Rasur einer Gehirntransplantation unterziehen, und dann seinen "alten" Körper rasieren. Er wäre dann für eine Weile auch nicht mehr "er selbst"...

Aber es geht eigentlich nicht darum, mit irgendwelchen Tricks das Paradoxon "aufzulösen" - die Geschichte soll ja das Wesen eines "echten", unaflösbaren Paradoxons gerade verdeutlichen.

Besonders spannend - aber eben nicht so anschaulich - sind die Pardoxien nämlich in der Mathematik. Oder besser gesagt, die "Konsequenzen" von Paradoxien für die Mathematik sind erstaunlich. Der Mathematiker Kurt Gödel hat nämlich mithilfe von paradoxen mathematischen Sätzen mathematische Wahrheiten gefunden, die sich nicht mit den Mitteln der Mathematik selbst beweisen bzw. herleiten lassen!

Das hört sich vielleicht unspektakulär an, aber es hat das Verständnis der Mathematik (der Logik) und insbesondere der Begriffe "Wahrheit" und "Beweis" geradezu revolutioniert.

Paradoxien zeigen die Grenzen der Logik - und damit auch unseres auf der Logik basierenden "Denkens" - auf. Manche tun sie deshalb als "nutzlos" ab und versuchen sie möglichst zu vermeiden und irgendwie "aufzulösen". Anderen sind sie ein Tor zu einer Welt jenseits der Logik; vielleicht sogar ein Wegweiser zu einer dem "logischen Denken" nicht zugänglichen "Wahrheit"...

/Edna



Frieda Linse , 13.04.2008 um 20:23 Uhr

Mir gefallen Deine Spielereien!

Bei diesem Bild wäre ich an Deiner Vorgehensweise interessiert, insbesondere die Umsetzung des aus dem Spiegel ragenden Arms...

Ich würde das gern mal ausprobieren....



Dame Eda , 13.04.2008 um 21:08 Uhr

@Frieda
Ganz einfach. Ich hab' einfach eine Serie von Aufnahmen gemacht mal ohne, mal mit linkem Arm ausgestreckt, mal mit rechtem Arm ausgestreckt. Von jeder Pose mehrere Bilder gemacht und die passenden Arme dann freigestellt, noch ein bisschen in der Grösse angepasst und in das Bild ohne ausgestreckte Arme eingefügt.
Die noch sichtbaren "überflüssigen" Arme und Hände noch kaschiert, indem diese Bereiche auch wieder mit einer anderen Aufnahme der Serie überlagert wurden, und fertig ist die Zauberei.

Ich wünsch Dir viel Vergnügen beim Experimentieren - es macht wirklich Spass.. ;-)

/Edna



0x FF, 14.04.2008 um 1:09 Uhr

"Es sind aber natürlich schon auch andere "Lösungen" denkbar"

Z.B. könnte man die Bevölkerung in unterschiedliche Klassen oder "Typen" aufteilen. Nur wer in einer höheren Klasse ist darf Leute von geringerem "Typ" überhaupt rasieren. Niemand darf sich selbst rasieren. Damit hätte das Plakat so überhaupt nicht formuliert werden dürfen. Allerdings ist das wohl nicht sonderlich praktikabel ;-)))



Dame Eda , 14.04.2008 um 8:02 Uhr

@0xFF
Mit anderen Worten: Man könnte Paradoxien einfach "verbieten".
Sicher, aber wo ist der Witz dabei? Einfach das Problem zu "verbieten", kann man wohl auch schwerlich als "Lösung" bezeichnen...

Mal abgesehen davon, das ich mir bestimmt von niemandem verbieten lasse, mich selbst zu rasieren! ;-)

/Edna



Christopher K. , 3.10.2008 um 13:14 Uhr

Angenommen der Friseur rasiere sich selbst - dann folgt daraus, dass er sich nicht selbst rasiert, denn er rasiert ja gerade diejenigen, die dies nicht selbst tun

Ich habe schwierigkeiten dies als richtige Aussage zu akzeptieren und daraus ein Paradoxon herzuleiten. Meines Erachtens ist diese Aussage falsch und fuehrt nicht zu einem Paradoxon.

Kannst Du mir die den Zusammenhang zwischen Annahme und Folgerung noch anders erklaeren?

Eritis sicut deus, scientes bonum et malum :-)

Chris



Dame Eda , 4.10.2008 um 9:44 Uhr

@ Christopher K:

Du schreibst:
> Angenommen der Friseur rasiere sich selbst - dann folgt daraus,
> dass er sich nicht selbst rasiert, denn er rasiert ja gerade diejenigen, die dies nicht selbst tun

> Ich habe schwierigkeiten dies als richtige Aussage zu akzeptieren und daraus ein Paradoxon herzuleiten.

Naja, das ist ja auch keine "richtige Aussage" sondern einfach eine Schlussfolgerung.

> Meines Erachtens ist diese Aussage falsch und fuehrt nicht zu einem Paradoxon.

Ganz richtig, das ist einfach eine Schlussfolgerung, die ganz korrekt ergibt, dass die Annahme (also die Aussage: "Der Friseur rasiert sich selbst") falsch ist.

Das ist aber erst die halbe Miete, denn wenn die Annahme falsch ist, dann muss die Negation (das "Gegenteil" davon) wahr sein (Tertium non datur, der Satz vom ausgeschlossenen Dritten).

Wir haben also "bewiesen", dass sich der Frisör NICHT selbst rasiert - dann folgt aber aus der Voraussetzung, dass DIESE Aussage falsch sein muss; also muss die Negation wahr sein, d.h. er nimmt die Rasur eben doch selbst vor.

Das Paradox liegt darin, dass die Aussage "Der Friseur rasiert sich selbst" weder wahr noch falsch sein kann, weil in jedem Fall das Gegenteil daraus folgt.

"Lösen" kann man das nur, wenn man die Voraussetzung verbietet, also einfach sagt, der Friseur sei ein Lügner und er lasse sich heimlich jeweils von seinem Schwager rasieren.

Aber das ist nur eine "Scheinlösung", denn wenn man nicht gleich alle Aussagen verbieten und damit die Logik praktisch ganz abschaffen will, muss man sich doch überlegen, WESHALB die Aussage des Friseurs ("Ich rasiere genau die Männer die sich nicht selbst rasieren") gar nicht "wahr" sein kann.
In diesem Fall ist die Aussage zwingend falsch, wenn der Friseur selbst ein Mann ist, und das Paradoxon (die unbestimmtheit der Aussagen "Der Friseur rasiert sich (nicht) selbst") ist der Grund dafür.
Im Falle des Lügnerparadoxons ("Ich Lüge") ist die Aussage selbst "unbestimmt".

Man kann Paradoxien in der Logik nicht einfach "verbieten" ohne zu wissen, wann sie entstehen und was ein logisches Paradoxon überhaupt ausmacht. Es hilft auch nicht, zu hoffen (oder zu glauben), dass in der reinen Logik keine Paradoxien auftreten können.

/Edna



justYou.ch, 22.12.2008 um 8:29 Uhr

coole idee und tolle umsetzung


Walter Oevel, 27.01.2009 um 19:46 Uhr

Liebe Edna,

das ist eine sehr kreative Auflösung der Antinomie (rasiert sich und/oder auch nicht, zum Teufel mit dem 'tertium non datur').

Wie steht's mit der Visualisierung des Hilbertschen Hotels, gibt's da schon was zu sehen? Bin sehr gespannt :-))

Gruß, Walter

PS: Bin ein großer Fan von Dame Edna.



Cassigrafie, 7.12.2009 um 16:32 Uhr

bei diesem Bild passt das wohl am besten:
deine Arbeiten - und die Bildunterschriften dazu - sind absolut fantastisch :) sehr sehr unterhaltsam und ideenanregend - ganz großes Kompliment!
lg, Cassis



Holger Born, 25.10.2010 um 15:20 Uhr

Bin grade über Hilberts Hotel gestolpert.
Da ist mir Dein Friseurbild wieder eingefallen.

Das Thema wäre ja auch recht nett fotografisch umzusetzen ...

LG HOlger

http://de.wikipedia.org/wiki/Hilberts_Hotel





 
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