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Sonntag, nach dem Abendessen ... Erl sitzt hinter dem Restaurant auf dem Boden und ruft uns zu: „Einen Dollar, damit ich mir drüben bei McDonalds einen Hamburger kaufen kann?“
Conny geht mit der Kleinen zum Auto und ich nehme mir ein paar Minuten Zeit für ihn ... nein, er schenkt mir ein paar Minuten seiner Zeit:
„Ich lebe seit 12 Jahren auf der Strasse ... früher hatte ich mal einen richtigen Beruf ... ich war Klempner ... Mann ... und ich war ein guter Klempner ... verdiente mein Geld und hatte eine Familie. Eines Tages war ich das alles satt ... hatte keine Lust mehr und bin weg.
Es gab keine Schicksalsschläge ... keine Scheidung ... keinen Bankrott ... Ich wollte weg, hatte einfach auf das alles – insbesondere die Arbeit – keine Lust mehr!!!
Du fragst mich, was ich den ganzen Tag so treibe? Na, ich bettle!
Ich bin nicht einer von denen, die Frauen überfallen und vergewaltigen ... ich stehle nicht und breche nicht ein ... ich bettle einfach. Meistens bleibt genug für den Tag ... und wenn man nicht das ganze Geld versäuft, kann man sich waschen und die Kleidung sauber halten.
Ja, ich finde auch, dass ich noch gut aussehe ... ich habe halt lange gut gegessen und nicht allzu viel getrunken. Mache ich immer noch nicht. Ein Bier hier und da, aber nie zuviel. Einige von uns übertreiben es. Sie saufen den ganzen Tag, achten nicht auf ihre Ernährung und die persönliche Hygiene. Ich dusche so oft es geht ... putze meine Zähne.
Eine Zeit lang war ich mit einem Typen beisammen – Gott – der hat das alles nicht gemacht. Es begann an seinen Füssen – hier bei uns nennt man das „Sportler-Füsse“ ... er schwitzte, wusch sich nicht und das ging eine ganze Zeit so. Dann tauchten die ersten Ausschläge auf und der blöde Hund hat immer noch nichts getan. Er weigerte sich zum Arzt zu gehen. Ich sage dir ... er hat gestunken, dass es nicht zum aushalten war. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und jeder ging seine eigenen Wege. Vor ein paar Wochen habe ich ihn wieder gesehen ... die Ausschläge waren jetzt an seinem ganzen Körper. Das ist kein AIDS ... das kommt nur davon weil er sich nicht pflegt!
Wow ... Gott sind das schöne Weiber ... Früher als ich jung war ... Himmel, was habe ich da getrieben mit ihnen ... (schelmisches Lächeln) ... heute? Schau’ mich an ... heute will keine Frau mehr was mit mir zu tun haben .... aber früher ... ha!
Irgendwie bin ich heute zufrieden ... und nein, mein Ziel ist nicht den morgigen Tag zu überleben ... nein, ich möchte es noch 20 bis 25 Jahre genau so machen wie heute, wie gestern und wahrscheinlich wie morgen auch ... (wieder dieses Lächeln)...
Danke ... ich hebe mir die Zigaretten für später auf ... und ja ... schreib’ es auf. Es macht mir nichts aus, wem du das alles erzählst ... Grüsse sie von mir!
Das ist ein Bild, eben das Bild.
Ein Bild das zusammen mit dem Text eine Geschichte erzählt. So sollte es sein, so muss es sein.
Ein Bild das etwas aussagt, ein Bild das lebt.
Ein Bild ganz nach meinem Geschmack und meiner Vorstellung wie ein Foto auszusehen hat.
Wie es scheint gehört Deryll zu den LEDERnacken *grins* Scherz beiseite - ein eindrucksvolles Portrait mit der passenden Geschichte dazu. Ich mag und bewundere es wie Du Dich mit Deinen "Fotoopfern" auseinandersetzt.
LG
jOe
Genial! Mal wieder oberklasse und beeindruckend. Ich persönlich hätte noch ein wenig an den Reglern gedreht um das Gesicht noch ein wenig stärker zu betonen! Aber ich bin ja auch bekennende Reglerdreherin...das ist für die Meisten auch zu viel.
Ach was...lasse es wie es ist...und BASTA!
*verbeug*
Anja
Gut, wenn jemand nicht seine Scheuklappen aufsetzt, nicht wegsieht und nicht unangenehm berührt ist, sondern sich für einen Menschen, der nicht ganz der Norm angepasst ist, ein wenig Zeit nimmt.
Dirk, dein Mut, auf die Leute zuzugehen, wird immer wieder mit deren Vertrauen belohnt. Du musst schon ein besonders liebenswertes Exemplar sein ;-)))))))
Das Bild und die Geschichte dazu berührt...
Wieder eine großartige Story ... ein Mensch, der der Leistungsgesellschaft den Rücken gekehrt hat, der gebrochen hat mit einem Leben, das ihm nur erlaubte so zu sein, wie man ihn gerne hätte.
Jetzt lebt er selbst ... auf seine Weise, die nicht jedem gefallen wird. Aber er ist echt, er ist er *selbst*.
ist schon beeindruckend und bewegend. der mann "verzichtet" auf so vieles und scheint trotzdem glücklicher zu sein, als so manche von uns. vielleicht sollte uns das ein bisschen zu denken geben....
sonnige grüsse
susie
Seine Lebensumstände sieht man ihm nicht wirklich an, er könnte auch Farmer sein mit seinem sonnengebräunten und wettergegerbten Gesicht. Danke dafür, dass wir über dich diese Menschen kennenlernen können...
Klasse! Habe anhand des gesichtes im Thumb erkannt, daß es sich um einen Menschen handelt, der von Dir fotografiert wurde. Das ist doch schonmal was, oder?
Gruß, Thomas
ich bin nicht sicher was hier begeistert. Die Geschichte fesselt, das Portrait ohne Story bringt das nicht rüber. Wie auch immer, ich schaue gerne wieder vorbei und hoffe auf Bilder wie "The half-naked man gives a last farewell! Das ist brilliant.
Das ist ein Bild, eben das Bild.
Ein Bild das zusammen mit dem Text eine Geschichte erzählt. So sollte es sein, so muss es sein.
Ein Bild das etwas aussagt, ein Bild das lebt.
Ein Bild ganz nach meinem Geschmack und meiner Vorstellung wie ein Foto auszusehen hat.
Du hast recht, das Bild ist das Entscheidende. Die Geschichte über ein gutes Bild zu erfahren, kann aber recht interessant sein und das Ganze unterstreichen.
Gruss Urs
ein sehr eindrucksvolles Portrait + eine authentische Story, die hinter manchen Bettlern stecken kann, die ich jeden Tag auf den Weg zur Arbeit im FFM Bahnhofsviertel sehe. Trotz des starken direkten Blitzes, den ich normalerweise bei der Portraitfotografie vermeiden will, Pro
Dirk uns seine großartigen, nahegehenden Reportagen sind für mich das absolute Highlight hier. Ich habs schon einige male kundgetan und werde das wahrscheinlich, bzw. hoffentlich, noch öfters tun können. Mein Hochachtung für den Fotografen und Danke an Urs für den Vorschlag!
PRO
Das Bild ist sehr gut und man soll nicht das Model beurteilen. Aber ich kann ihm nicht in die Augen schauen. Geht einfach nicht. Sie erinnern mich zu sehr an jemanden den ich kenne.
vielen dank an urs und alle voter ... insbesondere die, die sich die mühe gemacht haben und den text auch gelesen haben ... :-)
habe eine ganze reihe von aufnahmen ... die augen sind auf fast allen so leer, meist sogar noch weiter geschlossen ... interessanter aspekt wie ich meine ... ich denke, dieser blick gehört irgenwie zu ihm.
schade, dass es nicht geklappt hat, aber ob galerie oder nicht, das bild ist spitzenklasse und der text sowieso. ein typischer hofmann eben ;-)))
sonnige grüsse
susie
Die leeren Augen erinnerten mich an die der drogensüchtigen Oberdachlosen im Bahnhofsviertel von FFM. Viele können nicht einmal gerade stehen. Wie Deryll geschildert hat, hat er mit Drogen Nichts zu tun und ist auch nicht gefährdet. Ich kann nur hoffen, daß es auch so bleibt, weil er in seiner Situation sehr leicht mit Drogen in Berührung kommen kann. Gruß, yang
Großartiges Doku-Portrait. Wer bei diesem Foto contra votet hat in meinen Augen keine Ahnung von Fotografie.
Und wer die Geschichte nicht ohne den Text sieht ...
starkes bild. abgeblitzt ? drogen ? ausdruckslos ? das fällt auf die anmerker zurück. ziemlich "kernig". schreib mal, "wieviele" shots du machst pro person. sowas gelingt nicht beim ersten. die profis unter den contravotern können an diesem bild mal den fotografischen hinterweltlern zeigen, was problematisch ist. das argument "licht + blitz = minus" zieht ja erst, wenn es alle sehen: macht es sichtbar.
@marcel:
von deryll habe ich ungefähr 20 aufnahmen gemacht ... verschiedene einstellungen und blickwinkel, soweit das während des gesprächs möglich war. richtig und sorgfältig formuliert muss ich mich etwa wie folgt ausdrücken:
ich mache meine bilder, während ich mich mit den menschen unterhalte. das heisst in etwa: das gespräch ist das wichtigere element für mich und wird es vermutlich auch bleiben.
das bedeutet also auch, dass ich darauf verzichte die menschen in fotografisch optimale lichtverhältnisse oder besondere posen zu "zwingen" ... man wird es bei vielen meiner bildern erkennen. oft ist es sogar so, dass ich derart im gespräch vertieft bin, dass ich einfach "vergesse" entscheidende momente festzuhalten ... zu schade ...
hier war es einfach so, dass der blitz mir die besten ergebnisse beschert hat ... und wenn das den contra-votern nicht gefällt ... na, damit kann ich leben - ich akzeptiere diese meinung.
interessant in diesem voting: die augen ... sie werden hier und da als "zu wenig lebendig" dargestellt, was durchaus zutreffend ist. auch hier respektiere ich die meinungen, auch wenn ich diese leeren augen sehr sinnbildlich finde.
das voting war hier nicht so wichtig ... die emotionalen reaktionen zu diesem bild sind u.a. auch per qm und fm an mich geschickt worden und haben mir gezeigt, dass es durchaus seine wirkung nicht verfehlt hat ...
Urs Trebo, 24.07.2003 um 18:35 Uhr
Das ist ein Bild, eben das Bild.Ein Bild das zusammen mit dem Text eine Geschichte erzählt. So sollte es sein, so muss es sein.
Ein Bild das etwas aussagt, ein Bild das lebt.
Ein Bild ganz nach meinem Geschmack und meiner Vorstellung wie ein Foto auszusehen hat.