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1971: Emerson Fittipaldi fuhr im Lotus auf dem Nürburgring. Alle Formel-1-Experten waren sich einig: Der Spitzenfahrer aus Brasilien wird 1972 Weltmeister. Pech für alle Journalisten: Es gibt keine Interviews mit Emerson.
Auf der Tribüne sah ich einen sehr weißhaarigen Reporter, der sehr temperamentvoll ins Mikrofon sprach.
Neben mir stand ein Kollege aus Pressestelle von Ford Köln.
Er erzählte mir: "Kannst du den weißhaarigen Mann dort oben sehen? Das ist der Vater von Fittipaldi. Ihm gehören mehrere Rundfunk- und Fernsehsender in Brasilien!
Das war die große Chance für mich. Minuten später garantierte ich Emersons Vater zwei Seiten in Farbe. "Und wie komme ich an ein Interview ran?" "No problem for you. I speak to my son!"
Und so war ich der Einzige, der exklusiv ein Interview mit Emerson Fittipaldi bekam. Das nennt man Reporterglück!!!
Emerson Fittipaldi (* 12. Dezember 1946 in Sao Paulo) ist ein ehemaliger
brasilianischer Rennfahrer und zweifacher Formel-1-Weltmeister.
1970 kam Emerson Fittipaldi als dritter Fahrer neben Jochen Rindt und
John Miles in das Lotus-Team. Er verhalf praktisch Rindt zum Weltmeistertitel postum, als er völlig überraschend den Grand Prix der USA
in Watkins Glen gewann. Bis 1973 fuhr er für das Team von Colin Chapman und wurde 1972 Weltmeister.
Im folgenden Jahr bekam Fittipaldi im Team mit Ronnie Peterson starke
Konkurrenz. Mit zwei Spitzenfahrern verzettelte sich das Team etwas, sodass Jackie Stewart zu seinem dritten WM-Titel fuhr. Fittipaldi wurde Vize-Weltmeister, Peterson WM-Dritter.
Emerson Fittipladi hatte ein feines Gespür, dass Colin Chapman den Schweden Peterson nun etwas begünstigte und unterschrieb rechtzeitig für 1974 bei MCLaren und dem dortigen Teamchef Teddy Mayer. Jackie Stewarts Rücktritt und der Neubeginn bei Ferrari begünstigte etwas seinen
erneuten WM-Titel. Fittipaldi war zwar immer noch ein absoluter Spitzenfahrer, aber das Feuer von 1970-1972 war nicht mehr da.
Er fuhr rationeller und besonnener. 1975 feierte er zwar mit seinem McLaren noch zwei Grand-Prix-Siege (Buenos Aires und Silverstone) und auch die Vize-Weltmeisterschaft. Doch dem aufstrebenden Niki Lauda und
dessen Ferrari-Team konnte er nicht groß Paroli bieten.
Nach dieser Saison unterschrieb er für 1976 beim Copersucar-Team seines Bruders Wilson Fittipaldi. Doch der Karriere-Knick war da... Von 1976 bis 1980, wo er für das Copersucar/Fittipaldi-Team fuhr, konnte er sich bis 1978 zwar regelmäßig leich verbessern, aber mehr als ein 2. Platz (1978 beim GP von Brasilien in Jacarepagua) sprang nicht heraus.
1979 und 1980 stagnierte das Team immer mehr und Fittipaldi verlor recht bald die Lust. Am 5. Oktober 1980 fuhr er beim Grand Prix der USA seinen
letzten Grand Prix.
1981 wechselte er ins Management des Fittipaldi-Teams. Spitzenfahrer des Teams war Keke Rosberg. Der Finne errang keinen einzigen WM-Punkt für das Team und konnte sich sogar bei fünf Rennen nicht einmal qualifizieren. Wie schwach das Fittipaldi-Auto wirklich war, zeigte sich ein Jahr später. Derselbe Keke Rosberg wurde auf Williams-Ford
Weltmeister.
Zwischen 1984 und 1996 fuhr "Emmo" in der IndyCar World Series.
Er gewann dort 1989 die Meisterschaft und das Indianapolis-500-Rennen.
1993 wiederholte er den Sieg bei den Indianapolis 500.
Nach einem schweren Feuerunfall beim Michigan 500 1996 sowie einem
Fluzeugabsturz im Jahr darauf zog er sich vom professionellen Motorsport
zurück. Fittipaldi produziert heute Zigarren.
Formel-1-Statistik:
Rennen: 144
Poles: 6
Podien: 35
Siege: 14
Schnellste Runden: 6
Führungsrunden: 478 Runden über 2.235 Kilometer
WM-Titel: 2 (1972, 1974)
WM-Punkte: 281