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Duftig...zart...Worte können das Gesehene oft nicht richtig beschreiben, obwohl die Deutsche Sprache auch wie E.T.A. Hoffmann und viele andere beweisen wunderbar dafür geeignet ist.
Aber die Kunst mit Worten Menschen in eine vom Autor geschaffene Welt zu entführen ist genau so groß, wie die, Bilder zu machen, die die Gedanken der Betrachter auf die Reise schicken. Andeutungen nur, das sind im besten Sinne Fotos wie dieses hier. Beneidenswert der, der es versteht so die Betrachter zu 'begeistern'...
Gruß
Peter
der zusammenhang zwischen diesem duftigen, luftigen hochzeitskleid, dass du hier bestens präsentierst zur dienstwagenaffäre von ulla erschließt sich mir nicht.
lg renate
Ich werde gewahr, wie hauchzart
ein Gewebe sein kann,
wie schwerelos auch,
wie luftig, leicht, federn drapiert
auf korsageähnlicher Kompaktheit.
Die Hineinnahme diese Kleides, so plaziert
wie hier mit viel schwarzem Anteil
macht dieses Foto irgendwie noch viel,
viel interessanter als der Gegensatz
zwischen festem und fließendem Stoff
ohnehin schon ist.
es ist ein Beispiel für die Interessenlage unserer Zeit, dass die Begebenheit um die gegenwärtige Gesundheitsministerin im tiefsten Sommerloch derart aufgebauscht wurde, dass man meinen könnte, es gäbe nichts Wichtigeres auf der Welt als das. In wenigen Tagen war der übelriechende Wind aus dem Sommerloch vergessen, als die nächste Sau durch’s Dorf getrieben wurde. „Gottlob“ für die Tagespresse werden auch in Deutschland Kinder für Jahre von ihren Eltern weggesperrt ... oder auf Mallorca geht eine Bombe hoch. Alsdann: der Mord an Carolin und die Ergreifung des Mörders, der Fall Schreiber, usw. usw. Dann die Befreiung des Schiffes Hansa Stavanger und vier weitere Bomben in Mallorca. Dann die Rückkehr des Meisters in die Formel 1 und sein gesundheitsbedingter Verzicht. Inzwischen ist die „Affäre“ durch die entsprechende Bestätigung des Bundesrechnungshofes „bereinigt“ worden – alles wurde korrekt abgerechnet, was man bereits vorher wusste, und darum ging es auch gar nicht – und die Bundesliga läuft endlich wieder, so dass die Bewusstseinsindustrie genug Futter bekommt.
Am 30. Juli schrieb Edo Reents in der FAZ eine treffliche Glosse, in der er der Vermutung Ausdruck gab, dass die ganze Geschichte ein Wahlkampfmanöver der SPD sei. Frank Walter Steinmeier berät sich in Klausur mit seinen spin doctors und sie bemerken, dass der SPD eine zündende Idee für ihren Wahlkampfkongress fehlt. Die spin doctors schlagen vor, zur Ablenkung Ulla Schmidt den Wagen nach Spanien nachzuschicken und die Geschichte dann an die Presse weiterzugeben. Aber der Knalleffekt fehlt noch, denn den Dienstwagen nebenher fahren lassen, als er mit der Eisenbahn reiste, das hatte bereits Herr Gabriel gemacht ... „Lasst es wie einen Diebstahl aussehen!“ Womit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen wären, Ablenkung davon, dass die SPD nichts zu sagen hat, und die Ministerin losgeworden, die mit ihrem merkwürdigen Lächeln und ihrer gebrochenen Syntax bereits länger bei den politischen Freunden insgeheim als leicht meschugge galt. So oder ähnlich; vielleicht ist hier auch etwas dazugedichtet, aber alles sinngemäß ;-). Aber das kann selbstverständlich alles nicht stimmen, denn Frau Schmidt ist inzwischen wieder im „Wahlkampfteam“ ;-)). Der Dienstwagen war in Spanien immerhin für 72 Kilometer dienstlich gebraucht worden.
Es gäbe natürlich Wichtigeres auf der Welt, und der hier zur Verfügung stehende Raum würde kaum ausreichen, um es aufzuzählen. Während der Sauregurkenzeit kümmert es niemanden. Inzwischen wird selbst der Tag der Schande der Menschheit, der 6. August, allenfalls in den Frühnachrichten des Deutschlandfunks erwähnt und im Fernsehen vergessen, vermutlich wegen des Ausbruchs der Bundesliga. Als man es merkte, konnte immerhin noch in der Spätausgabe des „heute journals“ am Jahrestag des Bombenabwurfs von Nagasaki ein kleiner „Knaller“ gelandet werden, nämlich die Geschichte des einzigen Menschen, der beide Bombenabwürfe überlebt hat ...
Doch ist ein „Forum“ wie die fc kein Raum für Besinnungsaufsätze, wie sie in meiner Schulzeit von Gymnasiasten verlangt wurden. Immerhin war bereits das, vor der wissenschaftlichen Ausbildung im engeren Sinne, eine Schule für das sachgerechte Argumentieren und den rechten Gebrauch der deutschen Sprache, den man hier weitgehend vermisst, wo jede schief aufgenommene Kröte in einer Art und Weise bejubelt wird, als wäre die Fotografie gerade neu erfunden worden.
Das Bild zeigt ein Kleid, das ein Hochzeitskleid ist, durch das Schaufenster fotografiert. Kleider wie dieses und andere Kleider sieht man als aufmerksamer Beobachter unserer Schaufenster zuhauf, und wer will, kann die Kleider und die Puppen, die sie tragen,
als ein Zeichen der Zeit verstehen. Als Prototypen unserer Zeit. Und das sind sie auch. Museen zeigen die Kleiderträume anderer Zeiten, und der in meiner Privatbibliothek befindliche Katalog „Die Braut“ zeigt die Kleid gewordenen Träume vieler Gegenden und Zeiten.
Weiß vor Schwarz ist allemal schwierig zu fotografieren. Entweder ist das Bild zu weiß oder zu schwarz. Das ist aber nur die technische Seite. Die Wirkung ist sehr poetisch.
Poetisch ... das Märchen von E. T. A. Hoffmann, das Du als Hintergrund für dieses Bild angibst, hat es auch zentral mit den Traumwelten zu tun, in die wir Menschen, deren Alltag oft gar nicht so traumhaft ist, gerne flüchten.
Da ist zum Beispiel der Karneval in Rom, der wie jeder Karneval, ob in Köln oder Rio, ein ausgesprochener Traumort ist, hierzulande sogar „Die fünfte Jahreszeit“ genannt. Für den Karneval in Rio sollen die Tänzerinnen der Sambaschulen, arm wie sie in Wirklichkeit sind, wohl das ganze Jahr auf das Kostüm für den Karneval sparen, obwohl sie eigentlich nicht viel anhaben. In Köln, so hört der gebürtige nüchterne Südniedersachse mit Grauen, sollen gewisse Gesetze des menschlichen und allzumenschlichen Zusammenlebens für die „tollen Tage“ außer Kraft gesetzt sein, wie das betreffende Lied es besingt. Allerdings hört es mit den Worten „Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“ auf, so dass man sich fragt, was denkende Menschen dazu bringen könnte, sich jedes Jahr auf’s Neue in den Karneval einzubringen.
Aber das ist eine der vielen Fragen, die man zwar rational – im Sinne einer psychologischen Ausdeutung menschlichen Verhaltens – beantworten kann, die aber auf der Ebene der betreffenden Mitmenschen in einer nichtrationalen, subrationalen Sphäre ablaufen, die eine bestimmte Schule der Psychologie wohl als „Es“ bezeichnet hat.
„Es“ wäre gern etwas anderes als das „Ich“. Typischerweise etwas Besseres. Intelligenteres. Erfolgreicheres. Bekannteres. Attraktiveres. Jüngeres. Schlankeres. Reicheres. Glücklicheres. Denn die eigene Mittelmäßigkeit könnte Frau und Herrn Mustermann nur allzu bewusst sein.
Und dabei sind die Erscheinungsformen, in denen das „Es“ gegenüber dem „Ich“ gern existieren möchte, ganz verschieden. Insofern vergleicht sich natürlich der Wunsch einer Ministerin, im Spanienurlaub für anderthalb ernsthafte Termine mit der (nicht einmal) gepanzerten Dienstlimousine, die ihren Status unterstreichen soll, vorzufahren, anstatt mit einem Mietwagen – und Computer und Drucker haben die Spanier leider auch nicht –, mit dem Wunsch der armen Näherin im Märchen von E. T. A. Hoffmann, einmal ein Kleid anzuziehen, das nur für eine Prinzessin gedacht und gemacht sein kann. Oder der Wunsch des abgebrannten Schauspielers, einmal eine fabulöse Prinzessin kennenzulernen, die mehr oder weniger ein Traum- oder Trugbild ist, und sich dafür mit einer überaus närrischen Verkleidung auszustaffieren, die ihn als den Narren zeigt, der er ist. Dabei lässt E. T. A. Hoffmann geschickt offen, inwieweit das Märchenhafte und Zauberische mitunter auch in das Teuflische, das Böse übergehen könnte. In der wirklichen Welt verliert man dadurch vielleicht nicht seinen Schatten, aber seine Reputation.
Natürlich repräsentiert auch die Thematik „Hochzeit“, für die das von Dir fotografierte Kleid zuallererst steht, eine Welt des Traums.
Eben jenes Traums vom glücklichen Leben, der für uns Menschen, darin vermutlich auf der Erde einzigartig, mit einer Zweierbeziehung verbunden wird. Etwas, was man mit einer rationalen Überlegung nicht begreifen kann, die gegenseitige Zuneigung, Liebe unter Menschen, etwas zutiefst Irrationales, Unberechenbares, in der Prognose Unvorhersagbares, jederzeit in Frage stehendes Gefühl, wird für uns in unserer gegenwärtigen Zeit zur Basis einer dann auch die rechtliche Ebene stärkstens betreffenden Einrichtung wie die Ehe, in der man sich, wie man sagt, „ein gemeinsames Leben“ aufbauen will. Die üblichen Wünsche, die sich damit verbinden, sind allbekannt.
Oft genug lassen sie sich nicht verwirklichen, oder doch nur auf Zeit. Dann zerplatzt der Traum, wie auch die Träume im Märchen eben Schäume sind. Und man steht da, wie man eben ist, oder, wie es in „Drei Farben: Blau“ unübertrefflich heißt: „Ich bin eine ganz normale Frau ... schwitze ... habe Karies!“ Und das stimmt auch.
Dass wir dennoch träumen, es könnte anders sein, macht uns so einzigartig. Und es ist nicht zu bestreiten, dass manche er größten kulturellen Leistungen, die die Menschheit hervorgebracht hat, auf eben diesem Traum beruhen. Denn es sind vermutlich die Träume, die die Existenz als sinnvoll erscheinen lassen. Denn die pure Ratio wäre für uns gar nicht zu ertragen.
In einer anderen Geschichte wird einem Pferd eine Möhre vorgehalten, und ihr läuft es nach, auch wenn es sie nie erreichen kann. Ich glaube, es ist die Geschichte von dem Cowboy, der schneller als sein Schatten ziehen kann, mit dem Pferd, das schneller als sein Schatten laufen kann. Aber ohne die a priori unerreichbare Möhre würde es nicht loslaufen. Michael Ende hat das Motiv in „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ variiert, indem er der Lokomotive Molly einen Magneten vorspannen lässt, hinter dem sie hersaust, ein wunderbares Bild für den Irrsinn der Hoffnung, durch den wir leben.
leicht und duftig und ein wenig, als stamme es aus vergangenen Zeiten.
Wie ein Theaterrequisit, welches an Ballett, Tanz und Musik erinnert.
Eventuell an "Für Elise".
Nun hat es die arme Elise im Leben auch nicht immer leicht, genau wie die arme Ulla Schmidt und andere Personen auf der politischen Bühne, denen öfters mal Sand ins Getriebe gerät, sei es, durch einen Dienstwagen oder durch das Wiederauftauchen eines Herrn Schreiber.
Und das ist im Fernsehen genauso lustig, wie es im echten Leben bisweilen tragisch ist.
Elise jedenfalls hat auf der " Isle of Caprice " schwer zu kämpfen, um am Ende doch immer erfolglos zu sein. Ein wenig, wie der von Eckhard erwähnte Esel mit Möhre ( P.S.: oder ein anderer Unpaarhufer)
war mir auf Anhieb gar nicht in den Sinn gekommen.
Aber so lange Oberon in seinem Reich herrscht, nimmt man seine Schauspielkünste wohl eher wahr, als die der Prinzessin, welche im Hintergrund bleiben muss.
Es ist wohl so, dass man das Theater eher wahr nimmt, als das, was hinter den Kulissen spielt.
Vielleicht sollte ich meine Anmerkungen an den Nagel hängen, gleich neben das Kleid :))
@Stefan Obernosterer: Lieber Stefan, danke! Ich hatte tatsächlich versucht, das Bild nach der Bearbeitung noch etwas nachzuschärfen, bin jedoch wieder davon abgekommen, da das auch unschöne Auswirkungen auf den Kontrast des Bildes hatte.
LG. Kerstin
@Stefan Adam: Lieber Stefan, nun habe ich es zwar nicht dem Laden angeboten, aber einer professionellen Bildagentur ... und die hat es zum Verkauf in ihren Katalog aufgenommen ;-).
Danke und Grüße. Kerstin
@Carsten: Lieber Carsten, es kann natürlich sein, dass das Kleid im Schaufenster des Brautmodengeschäftes gar nicht ein verkäufliches oder modernes Brautkleid, sondern als Dekoration einfach dieses Zauberhafte, Märchenhafte darstellen soll, das man mit einer Traumhochzeit verbindet (verbinden soll!? ;-))
Ich antworte auf deine schönen Besprechungen heute abend noch ausführlicher.
Grüße. Kerstin
@Carsten (1): Lieber Carsten, nun wird die Geschichte um den Herrn Schreiber von den Medien auch wieder fürchterlich aufgebauscht. Wenn man jedoch die eine oder andere seriöse Berichterstattung verfolgt, scheint er nicht mehr als ein aufgeblasener Wichtigtuer zu sein, der vorgibt, Vorkommnisse von äußerster Brisanz zu kennen und nun, da er ja ausgeliefert wurde, richtig auszupacken. Man darf gespannt sein.
Geschichten um Schmidt & Co. kommen und gehen; sie werden nichts ändern, an ihnen wird sich nichts ändern, vom Grundsatz her. Aber als erheiterndes, vom Wesentlichen ablenkendes Capriccio, als ein nettes Sommerstück sind sie allemal tauglich.
@Carsten (2): Ja, lieber Carsten, DIE Brambilla meinte ich - neben den anderen Möglichkeiten, die das Bild in sich trägt - auch ;-). Danke für den Artikel! Ich kannte ihn natürlich bereits, da ich vor dem Einstellen der Aufnahme auch schon ein wenig gegoogelt hatte. Diese Prinzessin wird man im Auge behalten müssen.
@Eckhard: Lieber Eckhard, nun ist es zwischenzeitlich ja wieder etwas ruhiger geworden um Frau Schmidt und ihren Dienstwagen. Die Aufregung und die medial glänzend in die Berichterstattung eingestreuten Empörungsrufe aus der Bevölkerung sind verklungen, abgelöst von wichtigeren Fragen des Alltags; Du hattest dies in deiner Besprechung wunderbar ausgeführt. Von einer Posse wird zwischenzeitlich in der Berichterstattung gesprochen ... nun, ein anregendes kleines Capriccio, das per definitionem nach Frau W.I. Kipedia den „absichtlichen, lustvollen Regelverstoß, die phantasievolle, spielerische Überschreitung der akademischen Normen beschreibt, ohne die Norm gänzlich außer Kraft zu setzen“ und ein Sommerstück waren es jedenfalls allemal.
Danke für die herrliche Zusammenfassung der Glosse, die Edo Reents in der FAZ zu diesem Vorgang schrieb; ich hatte sie dann im Internet einen oder zwei Tage später auch noch direkt lesen können.
Leider ist es ja wirklich so, dass einem solche Ereignisse und andere Verhältnisse in Politik, Gesellschaft und Alltag - Du hast einige aufgezählt - hin und wieder derart negativ berühren, dass man sie auf einer Interpretationsebene in einem geeigneten Bild einfach ein wenig karikieren muss. Das Kleid der „Prinzessin Brambilla“ im Schaufenster des Brautmodengeschäfts erschien mir diesbezüglich recht passend ;-).
Dazu passt auch die Idee vom „sachgerechten Argumentieren und dem rechten Gebrauch der deutschen Sprache, den man hier weitgehend vermisst“, wie Du schreibst. Dem kann ich nur zustimmen, wenn ich in der fc die manchmal hochinteressante
betrachte und nicht selten austauschbare Konstruktionen wie „gut gesehen und präsentiert“, „prima abgelichtet“, „genial“, „der Hammer“ ... „*kreisch*“ usw. finde. Auch in einem Fotoforum, in dem Bilder DISKUTIERT werden sollen ...sollten, womit gewiss nicht der Austausch meist nichtssagender leerer Worthülsen gemeint ist, ist die Sprache ein unverzichtbarer Bestandteil, um die Gedanken, die man zu einer Aufnahme hat - und dies muss gar nicht immer bildinterpretatorischer Natur sein, sondern kann sich durchaus auch auf rein technische Belange konzentrieren - allgemeinverständlich mitzuteilen.
Manches geht einem da durch den Kopf und wenn man selbst nur ein wenig talentierter im Gebrauch der Sprache wäre, könnte man sich fast zum Verfassen eines kleinen Capriccios hinreißen lassen ;-).
Du sprichst die technischen Probleme im Bild an: „Weiß vor Schwarz ist allemal schwierig zu fotografieren. Entweder ist das Bild zu weiß oder zu schwarz.“ Es war in der Tat schwierig, diese Aufnahme zu machen. Nicht nur Weiß vor Schwarz war ein Problem, die helle Beleuchtung durch die Strahler stellte ein weiteres dar. Das Bild könnte etwas heller sein; gerade in den Schattenbereichen der Verzierungen am Kleid erscheint es mir ein wenig zu dunkel. Aber Versuche, es nachträglich über die Bildbearbeitung aufzuhellen, führten dazu, dass auch die Struktur der hellen Bereiche verlorenging. Also ließ ich das. Der Filter „Ineinanderkopieren“ sorgte dagegen für ein etwas besseres Heraustreten der Textur und für das Verschwinden der in geringem Umfang sichtbaren Spiegelungen der Schaufensterscheibe (Ich hatte keinen Polarisationsfilter benutzt).
„Weiß vor Schwarz“ führt auch auf ein zentrales Motiv in E.T.A. Hoffmanns Werken hin, die Diskussion um das Verhältnis von Dualismus und Duplizität. Diese Gedanken werden hier im Bild im Grundsatz in seiner Gestaltung aufgenommen. Es finden sich hell-dunkel- bzw. schwarz-weiß-Partien, Vordergrund und Hintergrund, Materielles und Immaterielles ... „Als Modell des Capriccios bietet sich das
an. Wie im Labyrinth bisweilen gerade die abwegigsten Abwege zum Ziel führen, weisen im Capriccio die scheinbar radikalsten Digressionen auf das Zentrum hin. Wenn sich das Capriccio durch die Heterogenität seiner Bestandteile konstituiert, Digression und Zentrum letztlich koinzidieren und daher, wie Walter Benjamin über den wissenschaftlichen Traktat sagt, der „Unterschied von thematischen und exkursiven Ausführungen“ entfällt, ist anzunehmen, dass die Bild-Text-Opposition strukturell analog zu inhaltlichen Oppositionspaaren im Capriccio organisiert ist. Die Duplizität ist ein Grundmotiv der „Prinzessin Brambilla“; auf verschiedenen Ebenen stehen sich immer die Pole einer Doppelheit gegenüber; Italien und das Urdarland, „Ich“ und „zweites Ich“ in Giglios „chronischem Dualismus“, „Gedanke“ und „Anschauung“ im Urdarmythos, die zwei Figuren der Callotschen Szenen, schließlich: Bild und Text. Die wechselseitige Spiegelung ist strukturkonstituierendes Moment des Capriccios. Subjekt und Objekt der Spiegelung stehen sich oppositionell gegenüber, gleichwohl kann das eine nicht ohne das andere.“ (E.T.A. Hoffmann-Jahrbuch, E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, Band 7 (1999), S. 54, Erich Schmidt Verlag) Hoffmanns Werke sind ja grundsätzlich in ihrem Aufbau und in ihren Aussagemöglichkeiten sehr interessant.
Das Märchen- und Traumhafte in diesem Kontext hast Du sehr schön beschrieben. "Prinzessin Brambilla" spielt ja im römischen
und es gibt in dieser Geschichte zwei Liebespaare, die sich zwar eigentlich längst gefunden haben, aber noch so manche Verwirrung durchleben müssen, ehe sie miteinander „glücklich“ werden können. Giglio und Giacinta erkennen erst nach einigen Täuschungen, dass sie gar nicht in die Prinzessin Brambilla bzw. den Prinzen Cornelio, sondern ineinander verliebt sind und der melancholische König Ophioch und seine alberne Gattin Liris, deren mythisierende Geschichte in die Karnevalserzählung eingeflochten ist, überwinden mit dem Blick in den Spiegel des Urdarsees ebenfalls ihre jeweilige Einseitigkeit.
Was den Karneval selbst betrifft, so ist ja die Region entlang des Oberrheins, in der ich lebe, eine Hochburg diesbezüglich. Trotzdem oder gerade deshalb kann man sich aus der Sache auch sehr schön herausnehmen, wenn man sich in der Zeit der Arbeit widmet (das Telefon im Büro ist dann immer recht still ;-)).
Die Frage des „Es“ und des „Ich“ lassen sich mit dem Märchen von E. T. A. Hoffmann und dem Traum, „einmal ein Kleid anzuziehen, das nur für eine Prinzessin gedacht und gemacht sein kann“, sehr schön beschreiben. Wohin solche Träume jedoch auch führen können, haben wir unter deinem Bild
diskutiert.
Andererseits muss die Welt des Traums nicht zwingend mit unrealistischen Ideen und Vorstellungen gekoppelt sein. Eine gewisse Lebensweisheit wird zudem auch immer eine Balance zwischen Vernunft und Wunsch bzw. Traum herstellen. Was das Zitat aus „Drei Farben: Blau“: „Ich bin eine ganz normale Frau ... schwitze ... habe Karies!“ betrifft, so ist das in einem vertretbaren Umfang sogar sehr schön und liebenswert und warum sollten drei Kilo Übergewicht, Altersflecken oder sonstige kleine Marotten stören, wenn das Wesentliche stimmt? ;-) Mit einer perfekten „Prinzessin Brambilla“ oder dem „Prinzen Cornelio“ zu leben, möchte oder könnte ich mir gar nicht vorstellen; das wäre langweilig und oberflächlich. Wer nur das anstrebt, dem müssen die Träume zerplatzen. - Mitunter erfüllen sich Träume aber auch und man erkennt, dass eine Vorstellung durchaus real sein kann. Vielleicht sind es solche seltenen Momente, die kleinen und großen Wunder, die hin und wieder geschehen, die uns ein wenig vom Pferd mit der Möhre vor der Nase unterscheiden.
@Daniel und Nora: Danke! Geheimnivoll ist ja auch die Geschichte der Prinzessin Brambilla. Gut, wenn das Bild entsprechend aufgefasst wird.
Grüße. Kerstin
Liebe Kerstin, der Bundesrechnungshof hat die Taten von Frau Schmidt nur deshalb „abgesegnet“, weil, und zwar recht spät, argumentiert wurde, dass die private Nutzung als solche abgerechnet werde. Belege für das gleiche Verhalten aus den letzten Jahren scheinen aber bis dato recht schwierig zu finden zu sein. Eigentlich hätte man gern ein erfreulicheres Sommertheater.
Als Sprachwissenschaftler ödet mich das vielfach in der fc zu beobachtende sprachliche „Nivau“ natürlich besonders an. Andererseits könnte man sich vorstellen, es einmal als Forschungsgegenstand einer Examensarbeit zu vergeben.
Polarisationsfilter: Na ja, ich besitze einen ... sogar zwei, aber er verlängert ja die Belichtungszeit um zwei Blendenstufen. Und die Spiegelungen bekommt er auch nicht immer weg. Auch muss ja die reale Situation nicht weggefiltert werden. So ein Brautkleid wird nicht an der Straße zum Verkauf angeboten wie die Büstenhilfen auf dem Wochenmarkt in Jena. ;-)
Zu eta Hoffmann kann ich mangels Einarbeitung wenig sagen, vermute aber, dass der Dualitätsgedanke hier trägt.
Reale Menschen werden sich allemal auf Dauer nur für reale Menschen interessieren und mit ihnen glücklich werden können, nicht aber mit der anatomisch unmöglichen Barbie. Es wird Dich nicht wundern, dass ein nächstes Bild von mir auf diese Thematik (unter anderem) Bezug nimmt.
Eckhard
@Eckhard: Lieber Eckhard, eine solche Examensarbeit fände ich ja grundsätzlich sehr interessant. Würde mich interessieren, wie man die Thematik hier wissenschaftlich betrachten könnte.
Polarisationsfilter: Für meine analoge Canon habe ich einen, habe also in früheren Zeiten hin und wieder damit fotografiert; allerdings passt er nicht zum Objektiv der Digitalkamera. In der Regel wird es natürlich nicht nötig sein, alle Spiegelungen wegzufiltern und oft machen sie ja gerade den Reiz bei einer Aufnahme aus; bei diesem Bild fand ich es jedoch ganz angebracht.
Der Wochenmarkt in Jena scheint ja überaus interessante Fotomotive zu bieten ;-).
Altersflecken: Herrliches Bild!! ;-) Das Phantom scheint sehr alt zu sein :-).
@Adrian: Lieber Adrian, danke! Es ist doch gar nicht nötig, alle Aufnahmen in eine Geschichte zu "verwickeln" ;-). Allerdings machst Du das ja manchmal auch, wie hier zum Beispiel:, in der sie durch den Titel vorgegeben wird. Und das finde ich ebenfalls immer sehr interessant.
Eine Verteidigungsministerin in dieser "Rüstung" wäre doch einmal etwas Besonderes :-). Irgendwie lässt mich das gerade an die Geschichten um Harry Potter denken ;-)).
@Andreas Denhoff: Lieber Andreas, ich denke natürlich schon, dass die beiden Menschen, die da heiraten, zunächst davon ausgehen, dass die Verbindung ein Leben lang hält. Aber in diesem Leben verändert und entwickelt man sich; eine Liebe dauerhaft zu erhalten, bedeutet eben auch, dass man sich um deren "Verschleißteile" kümmert, damit sie nicht rostet
Liebe Kerstin, wie alt das Phantom ist, weiß ich natürlich nicht. Der Body scheint ansonsten aber recht gut erhalten zu sein. Leider fehlt ihm aber etwas sehr Wesentliches ;-). Eckhard
Lieber Eckhard, das Phantom ist wirklich sehr zu bedauern ;-)).
Und so farblos, wie es wirkt, scheint auch mit dem Herzen etwas nicht ganz in Ordnung zu sein.
Zart, duftig und doch 'formvollendet'. Gekonnt setzt du vorhandenes Licht ein, das ein feines Licht/Schattenspiel erzeugt.
Eine edle und künstlerische Arbeit, Kerstin!!
Liebe Grüße, Hanne
Es gibt Leute, die meinen, Heiraten sei die erste Dummheit, die man begeht, wenn man vernünftig geworden ist!
Aber wer kann schon den Reizen von zarten Tüll widerstehen - da lohnt sich jede Dummheit!
Gruß KD
Ein begabter Dekorateur, der diesem strengen Oberteil durch den Tüll Leichtigkeit vermittelt.
Dein Foto ist gelungen und wirkt durch Schnitt und Lichtverhältnisse!
LG Margarete