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Plandampf "Kalk an der Alsenz" am 3. und 4. Mai 2002
Akteur: 50 2740 und ein Kalk-Ganzzug von 880 t Gewicht zwischen Stromberg und Ludwigshafen BASF
via Langenlonsheim -Bad Kreuznach - Langmeil - Monsheim- Worms Hbf - Frankenthal:
Wie üblich herrschte miserables Regenwetter -Landregen und Wind!
Die südliche Ausfahrt des Bahnhofs Worms liegt in einem Einschnitt und wird beiderseits von hohen Sandsteinmauern begrenzt. An drei Stellen führen Straßenbrücken darüber. Am Brückenkopf der mittleren Brücke “stapeln“ sich bereits eine Reihe von Fotografen und Filmern mit Regenschirmen an strategisch günstiger Stelle und haben die besten Stellen schon eingenommen. Unter der Brücke vor uns lugt die 50er mit ihrem Zug hervor. Der Landregen hält unvermindert an. Der Wind treibt den Öl- und Kohlegeruch der Dampflok herüber, deren Kessel jetzt auf Spitzendruck gebracht wird. Hinter uns vorbeifahrende Autos verlangsamen ihre Fahrt und die Fahrer halten Ausschau. In ihren Gesichtern unausgesprochen die Frage, was hier wohl “abgeht“.
Ein zufällig vorbeikommendes Pärchen bleibt stehen. Der Mann sieht, worum es uns geht. Die Frau, immerhin schätzungsweise Anfang Dreißig, sagt zu ihrem Begleiter, etwas verschämt, sie habe wirklich ! noch nie ! eine Dampflok gesehen ! Unglaublich und - für uns Insider - kaum zu fassen!
Trotz des Regens bleiben immer mehr Passanten stehen, und in den umliegenden Häusern gehen die Fenster auf.
Die Erwartung steigt, der Regen tropft, Ungeduld stellt sich ein. Durch die beim Wassernehmen im Zellertal entstandene Verspätung ist der Fahrplan unseres Güterzuges aus den Fugen geraten. Planmäßig verkehrende Züge haben Vorrang. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit in Richtung Ludwigshafen liegt bei 160 km/h. Die Mannschaft unserer 50 2740 mit ihren rund 1000 Tonnen(die Planlok, eine Ludmilla, hing am Schluß und ließ sich schleppen) am Haken kann froh sein, wenn sie gerade mal die Hälfte überhaupt erreicht!
Also erhält zunächst noch ein Regionalexpress Richtung Karlsruhe Ausfahrt, der aus zwei neuen Triebwagen der Baureihe 612 besteht. Im Blockabstand rauscht ein Intercity nach Stuttgart ohne Halt durch den Bahnhof, Steuerwagen voraus und schiebende 120 am Schluß. Schließlich folgt noch ein Regionalzug Mainz-Mannheim mit Doppelstockwagen und einer Mannheimer 143 bespannt. Gleichzeitig fährt der 628-Triebzug nach Monsheim–Alzey–Bingen aus. Eigentlich für heutige Verhältnisse eine erstaunliche Typenvielfalt, die sich hier dem Kenner darbietet.
Bei schönerem Wetter komme ich nochmal wieder´, denke ich mir. —
Nun – endlich – ist die Bühne bereitet für den Auftritt des heutigen Superstars.
Kein Regisseur hätte die Spannung effektiver zum Höhepunkt treiben können!
Ausfahrt frei!
Die Videofilmer bitten um Ruhe.
Die Fotografen kontrollieren ein letztes Mal ihr Motiv durch den Kamerasucher.
Es ertönt der tiefe Achtungspfiff der 50er. Lautes Ah und Oh der jungen Frau. Unter dem ohrenbetäubenden Zischen der geöffneten Zylinderhähne jagt der erste Auspuffschlag Dampf und Rauch in den verhangenen Himmel. Mit einem gewaltigen Rauchpilz und bei weit ausgelegter Steuerung knallendem Auspuffdonner bringt die 50er über die anschließenden Weichenstraßen ihren Zug langsam in Fahrt, wummert dumpf unter der ersten Brücke hindurch.
Eingehüllt in einen Schleier aus Dampf und Qualm taucht sie wieder darunter hervor, der Rauchpilz schießt senkrecht in die regennasse Atmosphäre, senkt sich träge und zitternd in die 15000 Volt der Oberleitung, auf die angrenzenden Gebäude und wälzt sich buchstäblich die Straßen hinunter in Richtung Innenstadt und Dom ...
Ein Wunder, daß die Lok bei dieser Feuchtigkeit den schweren Zug ohne Schleudern in Fahrt bringt. Die Kunst des Lokführers! Wie in Zeitlupe kriecht der Zug auf uns zu; ein unvergeßlicher optischer und akustischer Hochgenuß!
Direkt unter uns tobt sie lautstark vorbei, ballert unter der Brücke durch, nebelt sie ein. Hohl bricht sich der Auspuffschlag darunter, schallt von den Hauswänden zurück.
Langsam poltert der schwere Zug vorüber, über die letzte Weiche und unter der nächsten Brücke hindurch, nur langsam etwas schneller werdend, seinem Ziel, der BASF in Ludwigshafen entgegen.
Nun, da der Zug sich in kompletter Länge auf dem geraden Hauptgleis befindet, verklingt mit nun deutlich schneller werdendem Arbeitsgeräusch der Dampflok diese eindrückliche Vorbeifahrt, nein - der Auftritt! - in der Ferne. Noch Minuten später hängt der Qualm und der „Duft“ der Dampflok über dem Bahnhofsgelände und in den umliegenden Straßen. Über der Strecke Richtung Frankenthal liegt der graue Rauchschleier des entschwindenden Zuges.
Von dieser Szene kann man nun wieder eine Weile “zehren“.
Mir fällt ein Stück Text aus dem Song „The City Of New Orleans“ von Arlo Guthrie ein:
„... this train´s got the disappearin´ railroad blues ...“.
Ehrfurchtsvolles Schweigen aller Umstehenden. Wie benommen zerstreuen sich die Zaungäste wieder. --
Ich glaube, eindrucksvoller kann man jemandem, der noch nie eine Dampflok gesehen hat, nicht vorführen, was es mit dem Zauber dieser Maschine auf sich hat.
ES IST IN DER TAT DIE GEWALTIGSTE MASCHINE,DIE DER MENSCH JE ERFUNDEN HAT.
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Der gewaltige Dampfpilz ist schon einmalig eingefangen. Eine Dampflok ist wirklich beeindruckend. Mein Favorit ist die Baureihe 01.
Kritik am Rande: Für den regnerischen Tag ist das Grün sehr dominant.
LG
Klaus
Das ist schon ein recht beeindruckendes Bild ! Dampfloks im Regen sind generell immer ein super (wenn auch sehr schwieriges) Motiv ! Aller muss ich sagen, dass mir ein bissl die Schärfe fehlt !
vG Mathias
Wow, eine Wahnsinnsausfahrt hat die 50er da hingelegt.
Du hast recht ,Schlechtwetterbilder scheinen grad angesagt zu sein.Vielleicht wars zu lange schön?
Auf jeden Fall eine tolle Stimmung in deinem Bild Gruss Uli
Toller Text zum Bild und das Foto an sich ist natürlich ein ganz feines Dampflokbild. Schade, dass der Witterung etwas Schärfe zum Opfer fiel.
Beste Fotogrüße Andreas
Eindrucksvoll, sowohl Bild als auch Beschreibung. Hier wird ein Niveau höchsten Grades geboten. Respekt und Gratulation für diese Darbietung.
Schöne Grüße - Sebastian
Also Kritik wegen Schärfe und Grün verbittet sich hier ja wohl von alleine .. die livehaftige Beschreibung ersetzt das alles um ein Vielfaches ;-) .. Welch tolle, einfrucksvolle Abwechslung im mittlerweile verkehrsrot-tristen, glattgebügelten Bahnalltag ..
Wäre es trocken gewesen und hätte die Sonne geschienen, der Dampfpilz wäre nur halb so grandios ausgefallen. Sehr gut erzählt, man ist dabei!
Viele Grüße, Wolfgang
Dein Bericht geht ja unter die Haut. Mir kommt es vor, als wäre ich mit dabei gewesen. Auf jeden Fall in Gedanken,beim Lesen deiner Reportage. Super. Lg Erland
Schönwetterfotos werden meist dem Namen der Dampflok nicht gerecht. Mehr oder weniger Qualm kann man immer hinzaubern, aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Wenn es sich nur mit dem Fotografieren besser vereinbaren ließe.
Wie oft an jedem Tag und zu jeder Stunde hat sich dieses Szenario vor wenigen Jahrzehnten wiederholt und viele hatten nicht einen Blick dafür übrig. Die, welche es noch kennen empfinden es noch wie gestern. Andere staunen schon darüber wie über ein Gerät aus dem Mittelalter.
Das hast Du gut beschrieben,Tom, und an Hand dessen ist es immer wieder unverständlich wie die heutige Führungsriege der Bahn mit der Geschichte, den Traditionen der Eisenbahn und dem Erbe unserer Väter umgeht.
Schade,
da wär ich auch gern auf der Brücke gewesen - sowas habe ich damals in Braunschweig am Güterbahnhof auch oft erlebt, leider viel zu wenig fotografiert.
Gruß
Wolf
Mitreißend packend erzählt- und das Foto genauso spektakulär-
dank Ortskenntnis von Worms kann ich das nachvollziehen...
einfach alles Spitze!!
Vg Steffen
Super - geniales Foto und passende Umschreibung der Szenerie. Da hattest Du wirklich Glück so etwas zu erleben. Und das ehrfurchtsvolle Schweigen kann ich mir richtig gut vorstellen.
VG Martin
Man möchte dabei gewesen sein...der Gänsehaut wegen...des Kribbelns im Bauch und Rücken ... des stählernen Atems aus Kohledampf und Ölparfüm ...den Zug stampfend in die Ferne schweifen sehen. Bild und Text gelungen
Gruß Rolf Diesing
Was für eine Resonanz auf ein Dampflokfoto, aber zu recht. Besonders die Beschreibung der Entstehung des Bildes mit allen Randereignissen ist einfach großartig, ich ziehe meinen Hut!
Einen schönen Himmelfahrtstag,
Jan
Man spürt, sieht und riecht die Kraft förmlich, die von diesen Maschinen ausgeht. Davon bekomme ich Gänsehaut. Da wurde vermutlich kräftig gesandet...Wieder ein wunderbares Doku von dir. LG Bernard
Hui....was ein Roman, was aber auch ein Spektakel! Erinnert mich gerade an eine Doku bei Bahn-TV über chinesische Dampfloks! Würde auch gerne mal solch nen wahnsinnigen Dampf ins Bild bekommen!