Foto aus dem Akt-ChannelTeilnahme am ForumFotos verkaufenMehr Foto-Ordner anlegen?Mehr Fotos speichern?Am Galerie-Voting teilnehmenProfilbesucher anzeigenMehr Fotos veröffentlichen?Zugang in allen Sprachversionen?WerbefreiheitBezahlende User können schon ab 4 € im Monat alle Funktionen der fotocommunity nutzen.
Zunächst einmal eine kleine " technische " Lobhudelei, liebe Kerstin.
Das Bild gefällt mir in dieser Bearbeitung ganz ausgezeichnet.
Die gespiegelten Äste erhalten durch Deine Bearbeitung den Anschein einer Kohlezeichnung, die als " nicht-fotografisches " Element im Kontrast zum Blatt steht, welches noch " fotografiert" aussieht.
Was ich inhaltlich zu sehen glaube, sind Ängste, die unter der Oberfläche liegen, aber ähnlich wie die nicht ganz klar definierten Linien einer Kohlezeichnung, nicht ganz greifbar sind. Möglicherweise die Urängste des Menschen oder Traumata, die den Menschen bedrängen, die er aber nicht klar benennen kann oder eine Benennung unbewusst verweigert.
Das Blatt, als einziges Objekt im Bild, das an der Oberfläche schwimmt, ist entweder der Mensch selbst, der durch diese Ängsten hinabgezogen, dem das Leben entzogen wird, was die schlimmere und erschreckendere Möglichkeit wäre, oder ein kleiner Teil dieser Ängste, der an die Oberfläche gestiegen ist und nun erkannt werden kann und somit die Möglichkeit zur Bekämpfung der Ängste eröffnet.
Jawohl, die einfachen Dinge muss man künstlerisch interpretieren, es genügt, ein 5 minütiger Spaziergang in der näheren Umgebung. Bin fasziniert, wie sehr dir deine Sichtweise zu guten Fotos verhilft. Super!
Die Angstinterpretation war auch interessant zu lesen.
LG Sabine
Sehr, sehr schön Kerstin, sowohl das einzelne Blatt, der Schnitt und auch deine Bearbeitung.
Du hast den ganz besonderen Blick für die Kleinigkeiten, die das Leben so reizvoll machen.
Obwohl ich eigentlich der Bearbeitung und Verfremdung sehr wohlwollend gegenüber stehe, kann ich mich hier nicht damit anfreunden. Schlicht und naturbelassen würde mich das Motiv und seine Aussage mehr fesseln. Das kann ich aber nicht so tiefschürfend begründen - ich bin mehr der BauchMensch.
LG Klaus
Dass ein Blatt auf einer Pfütze schwimmt, ist an und für sich nichts Besonderes. Dabei muss man sich allerdings im Klaren darüber sein, dass es vieles gibt, was für uns nichts Besonderes ist, aber für den Betroffenen viel bedeutet, wenn nicht alles. So ist das Schlachten von Tieren für uns nichts Besonderes, für das Tier aber schon, nämlich das Ende seiner Existenz.
Nun wird man wohl nicht fehlgehen, wenn man diese Aufnahme, wie das bereits Carsten gemacht hat, symbolisch auf den Menschen ausdeutet, weil die symbolische Fotografie sich doch primär auf den Menschen bezieht und dessen Seins- und Gemütszustände oftmals
und zu anderen Dingen in Beziehung gesetzt, die dann natürlich auch Personen abbilden können.
Wenn aber nun, wie hier, das Blatt in Beziehung zum Baum gesetzt wird, von dem es stammt, und dann auf einer Pfütze schwimmt, wird eine andere Konstellation gegeben sein. Was nun diesen Baum betrifft, ist er durch die Überarbeitug mit dem Kohlezeichnungsfilter einerseits von seiner konkreten Wirklichkeit abstrahiert, mit der er sich ansonsten in der Pfütze spiegeln würde. Die Entkonkretisierung macht ihn un-vorstellbarer, un-fassbarer, auch un-sichtbarer. Die gesamt Konstellation, in der er zu dem von ihm getrennten Blatt steht, wirkt auch bedrohlich, so, als wollte der Baum, wenngleich das Blatt bereits von ihm getrennt ist, wieder nach ihm greifen, als könne das Blatt vor dem Baum nicht sicher sein. Das widerspricht eigentlich der typischen Baum-Blatt-Konstellation, denn der Baum, der das Blatt hervorgebracht hat, wird sich von Natur aus nicht gegen das Blatt wenden.
Dazu kommt der Zustand des Blattes. Nicht nur, dass es vom Baum getrennt ist, es ist auch nicht auf einer soliden Unterlage gelandet, sondern im Wasser. Hier wird allem Anschein nach ein seelisch oder gesellschaftlich prekärer Zustand gezeigt.
Das, was eigentlich zusammengehört, ist nicht zusammen, eines der beiden Elemente wird von seinem Erzeuger offenbar bedroht und befindet sich ohnehin bereits in der Gefahr, unterzugehen. Da sich aber Baum und Wasser durch die Bearbeitung in der gleichen Bildebene befinden, ist es gerade die Bedrohung durch den Baum, der die unhaltbare Lage für das Blatt schafft; diese beiden Dinge sind zwei Seiten einer Medaille.
Die gezeigte Situation lässt sich wie gesagt individuell-psychologisch oder politisch-gesellschaftlich ausdeuten; mir liegt aufgrund des Zeitkontextes und eigener Bilder im Augenblick die zweite Möglichkeit näher. Eckhard
Ein wunderbarer Zufall, dass und wie! du dieses herrliche Motiv so gefunden hast! Es wäre ein ideales Bild für eine große Wand, gerade bei F.Burda?
lg Irmtraud
Ein wunderbares Beziehungsbild zwischen Baum und Blatt, wie es Eckhard schon ausführlichst formuliert hat. Mich erinnert es an eines von meinen, das ich mir erlaube hier anzufügen, obwohl du es ja schon kennst, aber ein Bild sagt mehr als Worte...
Gruß Andreas
@Carsten: Lieber Carsten, über „Lobhudeleien“ freut man sich doch auch, vor allem, wenn man sich sicher sein kann, dass sie ehrlich gemeint sind. Vielen Dank dafür.
Da ich für die Bildaussage zwei (oder drei?) „Ebenen“ brauchte, kam mir die Idee der entsprechenden Bearbeitung des Hintergrundes. Die Spiegelung der Äste, die auch Arme symbolisieren könnten und die man sich zudem unter der Oberfläche in einem Unterwasserreich (mir fällt da ein uralter russischer Märchenfilm ein) vorstellen kann, könnten in der Tat für die Urängste im Menschen, hier als Blatt dargestellt, stehen. Sie sind in unserem Unterbewusstsein verankert und greifen manchmal nach uns, schützen uns damit vielleicht einerseits, blockieren uns aber auch für neue Dinge, wenn sie uns zu stark umklammern. Dabei sind sie nie klar abgrenzbar.
Grüße. Kerstin
@Eckhard: Lieber Eckhard, herzlichen Dank für Deine ausführliche Besprechung.
Der Einsatz des Filters sollte genau die Wirkung erzielen, die Du beschrieben hast. Durch die „Entkonkretisierung“, wie Du es nennst, entstehen verschiedene Betrachtungs- und Bezugsebenen im Bild, obwohl es formal gesehen nur zweidimensional aufgebaut ist.
Das Blatt steht dabei natürlich im Vordergrund, d.h., es belegt zunächst einmal die oberste, die scheinbar reale Ebene. Die Zweige des Baumes erscheinen einerseits als Spiegelung, aufgrund der vorhandenen Wasserfläche und der Art der Bildbearbeitung andererseits auch als Wesen einer „Unterwelt“ und darüber hinaus als Reflexion des Blattes oder des Betrachters selbst.
Man kann das Bild deshalb mehrdeutig sehen und auch ich verknüpfe damit mehr als nur einen Gedanken.
Eine erste Intention und der eigentlich „Auslöser“ für das Bild war jedoch ein individuell-psychologischer Gedanke als Reaktion auf ein Ereignis aus dem Umfeld des Freundeskreises. Baum und Blatt müsste man sich hier vorstellen als ehemals verbunden, als Lebensgemeinschaft, die nun gelöst wurde. Die Geschichte könnte hier zunächst aus der Sicht des Blattes erzählt bzw. interpretiert werden. Es hält sich nach der Trennung über Wasser, versucht bereits, symbolisch in Form eines Bootes, neue Ufer zu erreichen. Der rechte untere Bildrand ist frei und das ist auch der Kurs, den das Boot nimmt. Die Wesen der Unterwasserwelt, in diesem Fall symbolisch für die Gedanken, die Erinnerungen, die Verlustängste, die im Unterbewusstsein des Blattes wirken, geben es zwar einerseits bereits frei, greifen jedoch auch noch immer sehr intensiv nach ihm.
Das Bild könnte also vielleicht sogar in den Roman, irgendwo zwischen Kapitel 12 und 18 passen ;-)
Eine zweiter Interpretationsansatz könnten die typischen, uns bekannten Bilder von Baum-Blatt-Verhältnissen, wie wir sie uns beispielsweise im übertragenen Sinne als Eltern-Kind-Beziehungen vorstellen, vor dem Hintergrund der in letzter Zeit immer wieder aufgedeckten Missstände und Dramen sein, die für die Kinder zur ernsthaften Bedrohung des Lebens wurden bzw. werden könnten. Wir müssen nur an solche Fälle denken, wo Eltern ihre Kinder verhungern lassen oder sie seelisch und körperlich misshandeln bzw. missbrauchen oder wissentlich missbrauchen lassen. Vom eigentlichen Halt und Schutz, den die starken Äste den Blättern naturgemäß geben sollten, bleiben am Ende dann nur noch Angst und Schrecken - und manchmal der Tod.
Bezüge zum politisch-gesellschaftlich Kontext könnten hier ebenfalls gefunden werden. Wir hatten einige Gedanken diesbezüglich bereits unter den verlinkten Romanbildern ausgetauscht.
@Irmtraud Wächter: Liebe Irmtraud, vielen lieben Dank, aber mein Bild im Burda-Museum? Nun, mein Mädchenname ist zwar auch "Richter" und mein zweiter Vorname beginnt mit "G", aber das ist wohl auch bereits der einzige Zusammenhang, den man finden könnte zu dem momentan im Burdamuseum ausgestellten Künstler ;-))
Grüße. Kerstin
@Andreas Denhoff: Lieber Andreas, vielen Dank, auch für Dein Bild. Die Stimmung dort könnte so eine Vorahnung auf dieses Bild hier sein. Aber der Baum hat eine andere Funktion.
Grüße. Kerstin
@ManfredG: Lieber Manfred, kurz und schmerzlos ist Deine Anmerkung aber nur "äußerlich". Die Idee vom See des Lebens ist sehr schön und wenn man sich erst einmal darauf einlässt, könnte dieses Bild eine längere Geschichte erzählen. Herzlichen Dank.
Grüße. Kerstin
@Erich W.: Lieber Erich, hinter dem Begriff steckt ja die Lehre vom Fluss aller Dinge, der zugleich als Einheit gesehen werden soll. Ich verlinke dazu mal ein Bild, unter dem wir uns über ähnliche Dinge ausgetauscht haben.
Liebe Kerstin, danke für Deine ausführliche Erläuterung der hinter dem Bild stehenden Intentionen. Es schadet ja nichts, wenn das Bild mehrdeutig ist; die psychologische Deutung hatte ich als eine der Interpretationsmöglichkeiten erwogen; vielleicht lag sie mir nach "Stadt der Schatten" sozusagen zu nahe. Eckhard
Sehe dein Bild erst jetzt - es hat eine starke Ausstrahlung, gerade aufgrund der gebrochenen und verschwimmenden Strukturen. Toll!
Könnte es mir gut zu einem nachdenklichen, ernsthaften Text in einer guten Zeitschrift vorstellen...
lg Hendrik
Wie Jürgen Quensel , kann es alles aus Zeitgründen nicht lesen, finde aber den Bildaufbau ebenfalls sehr, sehr gut, und deine Bearbeitung ist äußerst wirkungsvoll. Hätte nie gedacht, daß eine Pfütze derartig viel hergibt...
LG Elfi
Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas
verloren geht, ein Mensch oder
eine Freude oder ein Glück; es kommt alles
noch herrlicher wieder.
Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns
gehört, bleibt bei uns, denn es
geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer
als unsere Einsicht sind
und mit denen wir nur scheinbar im
Widerspruch stehen.
Man muss in sich selber leben und an das
ganze Leben denken, an alle seine
Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte,
denen gegenüber es nichts
Vergangenes und Verlorenes gibt.
Wenn man das eigene Ich kennt und das ganze Leben vor Augen hat und in diesem bereits die Höhen und Tiefen ausloten durfte oder musste, wird man es genau so sehen. Für den notwendigen Abstand muss man das Leben hin und wieder aus einiger "Entfernung" betrachten, neben sich stehen, im positiven Sinn.
Im Moment des "Verlierens" ist man zu dicht dran. Man funktioniert aber in dieser Zeit vielleicht unbewusst nach einem solchen, im Unterbewusstsein angelegten oder aufgebauten Schema.
Lieber Eckhard, herzlichen Dank für diesen wunderbaren Text.
Eine ganz ausgereifte Arbeit...auch als Gleichnis interpretierbar...unser Lebensschiff dahintreibend über Schatten der vergangenheit mit ihren Fangarmen...Lg Arnd
Oft sehe ich Blätter in kleinen Wasserflächen treiben, sich drehen, aneinander stoßen und oft schaue ich völlig gebannt auf diese sanften Bewegungen ...
Dein Foto läßt meine Gedanken zur Ruhe kommen ...
Liebe Grüße an dich, Hanne