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Damit der Gabentisch sich füllt von Jutta Sichau

Damit der Gabentisch sich füllt


Von 

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2.12.2007 um 12:15 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
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Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, welches Weihnachtsfest in seinem bisherigen Leben das schönste war. Vielleicht das, an dem die erste Puppe mit Schlafaugen unter dem Christbaum lag, oder die Dampfmaschine oder die Eisenbahn, mit der dann besitzergreifend oft der Vater spielte.

Mein schönstes Fest war 1945. Es war Heiligabend in Bremen. Meine Eltern wollten versuchen mit Tauschobjekten - einer schönen Sammeltasse, einer massiven silbernen Suppenkelle - auf dem Schwarzmarkt etwas Essbares zu erstehen.

Ich machte mich daran, die Wohnung ein wenig zu schmücken. Wir hatten einen Tannenbaum, auch Schmuck dafür gab es. Nur keine Kerzen. Mein Bruder half mir. Er war etwa 2 Monate vorher mit Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen. Er hatte von seiner Arbeitsstelle - einer Lok im Hafengebiet - heimliche eine TAsche voll Anthrazitkohle mitgebracht. Wir konnten es nun also warm machen. Ich schaute, nachdem der Baum geschmückt war, nach der Post. Da sah ich an dem Griff der Haustür einen Beutel hängen. Ich schaute hinein uns war ganz glücklich, denn es lagen 6 Kerzen darin. Kurz durchgeschnitten hatten wir dann 12 Kerzen am Baum. Die Eltern waren noch nicht zurück. Da klingelte es. Der Postbote! Er hatte für uns drei Scheine für drei Pakete aus Amerika. Wir konnten es nicht fassen. Unsere Verwandten und Freunde hatten uns nicht vergessen. Auf dem schnellsten Weg fuhr mein Bruder zum Zollamt und holte das kostbare Gut.

Alles kam in einen großen weidenen Korb den wir mit einer Decke zudeckten.

Zum Mittagessen hatten wir Schmorkartoffeln vorgesehen. Aber da ich nun von dem wunderbaren Inhalt der Pakete wuußte, nahm ich alle bisher vorhandene Butter und bereitete herrlich knusprige Bratkartoffeln.

Jetzt kam die Mutter. Entsetzt ob meiner Verschwendung zumal sie nichts Nahrhaftes auf dem Schwarzmarkt erstehen konnte. "Ach Mutti, " sagte ich nur, "vielleicht geschieht ja noch ein Wunder!

Mein Bruder und ich konnten die große Spannung nicht mehr aushalten. Wir baten den Vater die Kerzen anzuzünden und als wir ihn baten auf dem Klavier "Alte Kameraden" zu spielen, war er doch sehr erstaunt.

Als er dann natürlich die Reichtümer sah, - Kaffee - Tee - Kakao - Butter - Corned Beef -Nylonstrümpfe mit Naht und Zigaretten, die stärkste Währung der Zeit, da war die Freude unendlich.

In der Dachwohnung über uns, wohnte eine alte Frau mit ihrer Enkelin, die lluden wir ein mit uns zu feiern und wir gaben ihnen etwas von unserm Schatz ab.

Ja und dann wurden natürlich auch noch die schönen Weinachtslieder gesungen mit dankbaren Gedanken an die "Alten Kameraden" in der Neuen Welt.

(geschrieben von meiner Mutter Marion Haken, geb. Fährmann 2 Tage vor ihrem Tod)

Anmerkungen:

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Reiner RO., 2.12.2007 um 12:38 Uhr

mit deiner Geschichte tauchen alte Erinnerungen wieder auf
echte Kerzen
Stanniol-Lametta
Zeitungspaier unter dem Baum wegen Wachsflecken
abgedeckter Gabentisch, der die Konturen der Geschenke zeigte
"Nun lasst uns das Weihnachtslied singen"
Spannung
Bescherung

:-))

lg REiner



Stephie S., 2.12.2007 um 14:01 Uhr

ehrlich? da hab ich keine Worte mehr
wunderbar



Marina Luise , 2.12.2007 um 14:40 Uhr

Ich hab' ja fast Pipi in den Augen! - Boah, ist das rührend! Muss mal überlegen, was mein schönstes Fest war! - Toller Denkanstoss! :)


Dietmar Rosenheinrich, 2.12.2007 um 15:24 Uhr

...Jutta, als Jüngster wurde ich zwar verwöhnt, aber was Du da von Deiner Mutter schreibst, kenne ich noch.
Kartoffelwalzmehl - wers noch kennt, weiß Bescheid - Pellkartoffelschalen getrocknet und zu Mehl zerrieben.
Für mich waren es später ein Paar alte Skier mit brüchiger Riemenbindung samt Haselstöcken, an die ich mich als schönstes Weihnachtsgeschenk erinnere.
Weihnachts-Kontrastprogramm, Jutta, und es gefällt mir gut!
Schöne Grüße von olle HuDi



Ingrid B , 2.12.2007 um 16:19 Uhr

manchmal ist zeit zu stöbern
in den erinnerungen
weihnachtlich
~
lieben gruß
Ingrid



Mick-el-Angelo, 2.12.2007 um 18:44 Uhr

Ich hoffe niemand muss mehr sein Hab und Gut für ein Festessen versetzen, aber dass bleibt wohl ein Wuschtraum.
LG, Michael



Manfred Kampf , 2.12.2007 um 19:02 Uhr

sehr anrührende geschichte, die wirklich zum nachdenken anregt, gerade in unseren zeiten des ungebremsten kommerz.
lg m



Wolfgang Greif , 2.12.2007 um 23:47 Uhr

Ich bin sehr berührt, liebe Jutta, danke für diese schöne Geschichte!
Lieber Gruß
Wolf



Thomas Thomitzek, 3.12.2007 um 19:59 Uhr

Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte.
LG Thomas



schily , 7.12.2007 um 16:38 Uhr

Hallo Hera,
Danke für die wunderschöne Geschichte die mich daran erinnert, etwas an die Berliner Tafel e.V. weiterzugeben.
LG Birgit



Manfred Jochum, 22.12.2007 um 14:46 Uhr

Eine Geschichte, die mich sehr berührt hat. Danke!
Die besten Wünsche auch für Dich
Friede auf Erden... von Manfred Jochum
Friede auf Erden...
Von
22.12.07, 11:04
53 Anmerkungen
Manfred



DSK , 24.12.2007 um 14:28 Uhr







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