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In vielen Bilddiskussionen wird oft eine Unschärfe bei Insektenaugen bemängelt, besonders dann, wenn
die Augen einen großen Teil des Bildes ausfüllen, allerdings "schwammig" aussehen, während die Schärfe des
Kopfbereiches des Tieres anscheinend tadellos ist.
Je nach Art können die Augen aus wenigen bis hin zu tausenden Facetten gebildet werden. Insbesonders bei
größerer Komplexität kann die Anzahl der Facetten die Anzahl der zur Verfügung stehenden Bildpunkte
überschreiten - z:b. 200 Facetten im Bereich von 100 Pixeln - so dass eine detaillierte Darstellung am Bildschirm
computertechnisch unmöglich ist. Warum aber unter selbst günstigen Bedingungen Augen unscharf erscheinen
können, soll am obigen Beispiel der Kohlschnake erläutert werden:
- Das große Foto zeigt das Auge komplett. Es fallen beim lebenden Tier grüne und rote Bereiche auf.
- Unten rechts sind drei Facetten im Querschnitt grafisch dargestellt. Linse und ein Kristall brechen und bündeln
das einfallende Licht, um es den Sehzellen zuzuleiten. Die Strukturen sind also lichtdurchlässig und damit
transparent.
- Oben rechts wird ein unverkleinerter Bildausschnitt eines unterbelichteten Bildes widergegeben. Wir sehen hier
grüne Lichtpunkte bzw. Reflektionen, teilweise mit einer grünen Lichtkranz umgeben, die die Linsen markieren.
Die tieferliegenden Kristalle reflektieren rotes Licht.
Auf das gesamte Auge der Kohlschnake übertragen, erklärt sich nun die Farbverteilung: Je nach Lichteinfall und
Betrachtungswinkel werden nur grüne Reflektionen der Linsen, nur rote Reflektionen der Kristalle oder
Reflektionen von beiden wahrgenommen.
Daher wird - obwohl Facettenaugen im vollen Schärfebereich liegen - in vielen Fotos nur der frontal mit Blick auf
die Kristalle betrachtete Bereich scharf erscheinen, während seitliche Partien auf denen die relativ glatten Linsen
zu sehen sind, scheinbar unscharf sind (so oft bei Libellen). Aber Ausnahmefälle gibt es auch. Gute Abbildungen
von Facettenaugen können sich dann ergeben, wenn Facetten stärker gewölbt sind und/oder die Zwischenräume
zwischen den Facetten, die die charakteristische Wabenstruktur bilden, stärker und damit weniger lichtdurchlässig
entwickelt sind.
..eine tolle Info zeigst du...ich bin erstaunt und zugleich motiviert es bei meinen Versuchen besser zu machen..dank deiner Anregung.....vielen Dank dafür..LG vom HaDi
Ich hatte das Problem bisher nicht...ich bekomme die Augen bisher nie so groß, dass es auffallen könnte. Das ist das Einzige, wo man die Farben sehen kann, das ist aber auch schon alles
Gibst eine einleuchtende Erklärung ab (soweit ich das an einem Sonntagmorgen verdauen kann *g*), ich hatte immer gedacht, dass Licht würde sich an den Facetten brechen und deshalb farbig schimmern.
Eindrucksvolles Bild! Hier gibt es nichts zu mäkeln!
Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Kniffe sich die Natur selbst für so kleine und unscheinbare Tiere ausgedacht hat. Ich bin wirklich beeindruckt, und freue mich, das hier auch mal eine physikalische Erklärung zum Thema gegeben wurde.
Ausserdem würde mich mal interessieren, wie du so starke Vergrösserungen hinbekommst. Da steckt doch sicherlich mehr hinter, als nur deine Nahlinse, oder...?
Auf jeden Fall kommt es zu meinen Favoriten. Nur diesmal halt unter etwas anderen Gesichtspunkten.
Das ist mal wiederr FC pur!!!
Eine spitzenmässige Dokumentation dieses "Problems". Du hattest es mir ja schon erklärt, aber die Bebilderung dazu gibt dem ganzen noch einen sehr übersichtlichen Rahmen. DANKE!
@Andreas: Statt Nahlinse, ist das der Versuch eines Lebendfotos der Kohlschnake mit Eigenbau-Wasserrohradapter für den Kameratubus zur Verbindung mit einer Zeiss DR-Stereomikroskopoptik (Okular 10x, Objektiv 2x 4x 8x mit noch zu großer Doppelirisblende). Gruss Frank
Hier habe ich noch ein Libellenfoto gefunden, wo man sehr schön den Übergang vom "Blick in die Kristalle" zum "Blick auf die Linsen" sehen kann:
Ich bin begeistert! Der krasse Gegensatz zu den vielen Bildern a la "Ich habe ein buntes Tier fotografiert, weiß nicht, was es ist und will es auch gar nicht wissen, Hauptsache schön bunt". Hier bilden textliche und fotografische Dokumentation eine Einheit und bringen den Betrachter/Leser vom erkenntnistheoretischen (und sogar praktischen!) Ansatz her echt weiter. Wunderbares Material für einen Diskurs über das Facettenauge!
Gruß Stephan
VOTING-CENTER, 1.07.2003 um 13:01 Uhr
Dieses Foto wurde für die Galerie vorgeschlagen, aber leider mit 123 pro und 154 contra Stimmen abgelehnt. Vielleicht klappt es das nächste mal ;-)
Ich weiss nicht wie ihr das seht, aber für mich ist das die Doku des Monats. Am liebsten würde ich alle Fotos dieser Doku ins Voting stellen. Betrachten wir es doch mal als Voting für eine Dokumentation und nicht für das einzelne Bild. Selbst wenn das Bild nicht in die Galerie kommt, so liest vielleicht der eine oder andere mal, was es mit den unscharfen Insektenaugen auf sich hat :>
Viel Spaß beim Voten...
Mephi
Sehe ich so wie Du, Markus. Genau diese Frage hab ich mir schon einige male gestellt...wieso ist das verdammte Auge so schwammig...Das Frank diese hervorragende Doku dazu liefert, finde ich klasse. Pro
Hoppla, damit habe ich jetzt nicht gerechnet :-)
Auf jeden Fall einen herzlichen Dank an Markus.
Würde mich sehr freuen, wenn unten in der eigentlichen Bilddiskussion von den "Fliegenmakro- und Libellologen/innen" usw. noch ein paar eigene Beispielbilder verlinkt würden. Gruss FRANK
PS. Sektionsvorschlag von Markus ist doch in Ordnung?! Die Frage wird hier bei Insektenfotos, wie in der Vergangenheit, immer wieder auftauchen.
Absolut phantastisch! Als wissenschaftliche Dokumentation einzigartig und informativ ohne Ende (und zwar die gesamte Reihe) und fotografisch auch absolut gelungen. Ich kann mir klein klareres PRO denken!!
Gruß Stephan
Herausragend gute Dokumentation. Diese Serie vermittelt zusammen mit den ausführlichen Texten Wissen auf hohem sachlichen und ästhetischen Niveau. Die Serie sollte als beispielgebend für dieses Anliegen in der Galerie vorhanden sein.
Markus Holzer, 1.07.2003 um 13:01 Uhr
Ich weiss nicht wie ihr das seht, aber für mich ist das die Doku des Monats. Am liebsten würde ich alle Fotos dieser Doku ins Voting stellen. Betrachten wir es doch mal als Voting für eine Dokumentation und nicht für das einzelne Bild. Selbst wenn das Bild nicht in die Galerie kommt, so liest vielleicht der eine oder andere mal, was es mit den unscharfen Insektenaugen auf sich hat :>Viel Spaß beim Voten...
Mephi