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Die Menora. Eigentlich war sie nur ein Leuchter im 70 n.Chr. zerstörten Tempel gewesen. 1948 wurde sie offizielles Emblem des Staates Israel. In einer Religion, die Bilder verbietet, ist die Menora seit 2000 Jahren dennoch ein nicht weg zu denkendes Symbol, das für die heilige Stadt Jerusalem und den verlorenen Tempel steht. Sie symbolisiert aber auch den Zusammenhalt des Volkes einerseits sowie die Vielfalt der Individuen andererseits.
In der jüdischen Religion wird penibel darauf geachtet, das Bilderverbot zu halten. Deshalb geht das Judentum sehr vorsichtig mit konkreten Symbolen um und vermeidet sie im Generellen. Im Gegenteil zum christlichen Kreuz und zum muslimischen Halbmond haben die Juden kein einheitliches Symbol für ihren Glauben.
In der Antike galten unterschiedliche Objekte als Zeichen des Judentums. Der Granatapfel, wegen der vielen Gebote, war eines. Das Füllhorn ein anderes. Synagogen wurden mit Blumenskizzen und graphischen Zeichen verziert. Aber mit der Verbreitung der Synagogen und deren neuer, geregelter Form des Gottesdienstes nach der Zerstörung des Tempels im ersten Jahrhundert kristallisierte sich ein neues, einheitliches Symbol heraus: die Menora.
In der Bibel (Exodus 25, 31-40) befiehlt Gott die Schaffung eines heiligen, siebenarmigen Leuchters, einer Menora. Diese stand nahe der heiligen Bundeslade in der Stifthütte, später im Hauptraum des Tempels in Jerusalem. Sie wurde täglich von Hohepriestern mit reinstem Olivenöl gefüllt, An den Enden der sieben Arme waren die Leuchten, die jeden Abend angezündet wurden. Das Licht, das sie verströmten, stand für das Licht der Thora, der göttlichen Gebote in einer sonst finsteren Welt. Die Menora wurde bekannter als alle andere Elemente des Tempels. Weil sie einfacher abzubilden war und weil der römische Feind sie berühmt machte:
Nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer im Jahr 70 n.Chr,, ließen Kaiser Vespasian und sein Sohn Titus den Siegeszug nach Rom auf einem Relief verewigen: Auf dem Titusbogen können Sklaven und die Beute neben den Soldaten bewundert werden. Prägnanter Blickfänger im Relief ist die Menora, auch wenn noch andere Tempelgegenstände abgebildet sind. Sie sind aber in Vergessenheit geraten, während die Menora als Symbol der Juden und des Tempels zu Ruhm gelangte.
In den Synagogen steht das Symbol für den zerstörten Tempel: Eine Erinnerung an die frühe Religion, als der Tempel noch stand, Opfergaben und Priester noch dominante Elemente waren. Gleichzeitig symbolisiert sie das Licht des Tempels, den Geist der immer noch im Volk existiert. Wie das Ewige Licht, das stets in den Synagogen brennt. Tragbar, nicht mehr mit einem Ort verbunden – aber gleichsam im Geiste. Salomo schreibt: „Denn das Gebot ist eine Leuchte, und die Weisung ein Licht“ (Sprüche 6, 23).
Viele Bedeutungen sind der Menora angedichtet. So soll sie auch den brennenden Dornbusch symbolisieren. Die chassidische Auslegung betont die Symbolkraft des Lichts, das für die Seelen des Volkes steht. Demnach entsprechen die komplizierten Regeln der Anzündung den vielfältigen Möglichkeiten, die Seelen anzusprechen und „anzuzünden“.
Der jüdische Chronist Josephus Flavius vermutet ägyptische und griechische Einflüsse. Die sieben Arme stehen für die sieben Planeten, schlussfolgert er, und die Menora für das Universum.
Was mit der Menora tatsächlich nach der Eroberung des Tempels durch die Römer passierte, ist ungewiss. Ob sie tatsächlich als Kriegsbeute über Karthago nach Konstantinopel wanderte, wie der Chronist Procopius schreibt? Kehrte sie wieder an ihren Platz nach Jerusalem zurück, wie er, eher phantasievoll, hinzufügte? Oder wurde sie gar eingeschmolzen, um Prachtbauten wie das Kolosseum in Rom zu finanzieren, wie Wissenschaftler heute vermuten? Sicher ist, dass die Menora die Zerstörung überlebte - als wichtigstes Symbol einer Religion ohne Symbole.