Foto aus dem Akt-ChannelTeilnahme am ForumFotos verkaufenMehr Foto-Ordner anlegen?Mehr Favoriten speichern?Mehr Freunde speichern?Mehr Fotos speichern?Am Galerie-Voting teilnehmenProfilbesucher anzeigenMehr Fotos veröffentlichen?Zugang in allen Sprachversionen?WerbefreiheitBezahlende User können schon ab 4 € im Monat alle Funktionen der fotocommunity nutzen.
Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit verweigere ich den Kriegsdienst und bin ziemlich aufgeregt, weil ich noch nie etwas verweigert habe. Das ist das erste mal und löst ein schönes Gefühl in mir aus. Ich fühl mich nicht mehr so hilflos. Danke, dass es die Möglichkeit gibt zu verweigern. Da kommt man aus der Schule und durfte nie entgegenhalten, ging dann in die Lehre, wo man auch nicht „Nein“ sagen konnte und nun, kann ich einfach sagen, dass ich etwas nicht will und ich bekomme dafür keinen Panzer in den Keller gesetzt. Wahrscheinlich auch keinen Scharfschützen in die Badewanne, der dann auf mich zielt, wenn ich am Schlüsselloch vorbeilaufe. Hoffentlich hoffe ich das oder wie man das sagt.
Ich berufe mich zu Verweigerungszwecken auf das Grundgesetz, das ziemlich gut für so was ist.
Ist es eigentlich nur zum kriegsdienstverweigern aufgestellt worden? Ich kann mir keine andere Sache vorstellen, bei der man es brauchen könnte. Auf jeden Fall beziehe ich mich auf Artikel 4/Absatz 3 und ich hoffe, das Ihnen dieses gewisse Grundgesetz ein Begriff ist, denn ich will den ganzen Quatsch hier sicher nicht noch einmal schreiben. Erstens kann ich auch kein Portogeld scheißen und zweitens habe ich besseres zu tun als laufend Zeit in Papier zu investieren.
Meine persönlichen Gründe möchte ich auch noch mal kurz aufführen. Nicht weil ich es möchte, sondern weil ich es muss.
Der erste Grund ist mein gestörtes Verhältnis zu jeglichen Waffen. Egal ob es damals als Kind eine Zwille war oder jetzt als Erwachsener ein Brotmesser. Ich mag es nicht, wenn man mich damit angreift und wenn man nicht angegriffen werden will, greift man auch nicht an. So wäscht eine friedliche Hand die andere friedliche Hand. Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es heraus. Jedes Leben ist mir heilig und es wäre auch heilig, wenn es mein Feind ist. Was ist denn dabei, wenn die Hand, die einen meiner Verwandten getötet hat, danach in meiner liegt und wir dann fröhlich pfeifend durch die Bombentrichter laufen? Gut, die Hand wird abgeschnitten sein und mein Mund wird als einziger noch pfeifen können, aber das wäre ja dann privat und ich bräuchte dazu keine Armee und keine Uniform die meinen Namen in die Deutschen-Bahn-Abteile herausposaunt. Verstehen Sie mich? Ich benötige kein Rudel, dass neben mir von Geschossen zerfetzt wird. Man gewinnt ja schnell Freunde unter solchen Kameraden und wenn die dann sterben ist man traurig und warum sollte ich jetzt Leute kennen lernen wollen, die sowieso sterben?
Dann möchte ich auch noch schnell von meinem Opa erzählen. Zu dem hatte ich ein besseres Verhältnis als zu meiner Oma, denn meine Oma lebt ja noch und Opa ist im zweiten Weltkrieg gefallen. So brauchte ich ihn nicht kennen lernen und hab ihn mir so in der Fantasie zum Freund gemacht.
Die alten Fotos zeigen einen stolzen, starken Mann, der für seine Ideale eingetreten ist. Sein Idealbild war leider A.H.. Ich kürze das lieber mal ab. Vielleicht ist es gar nicht so clever Adolf Hitler ganz auszuschreiben. Hopsala.
Worauf ich hinaus will, ist, dass mein Opa sicher kein dummer Mensch war, aber trotzdem den Befehlen eines Wahnsinnigen gefolgt ist. Nun stellen Sie sich einmal vor, ich trete in ihren beschissenen Haufen ein und Gerhard Schröder bekommt in einem Getränkemarkt einen Bierkasten auf den Kopf. Er behält als Folgeschaden einen irreparablen Gehirnschaden zurück und er erklärt Amerika den Krieg. Natürlich haben wir gar keine Chance, aber er ist halt verrückt geworden und ich in der blöden Armee muss mich dann abknallen lassen. Und was, wenn ihm schon ein Bier- oder Selterskasten auf den Kopf gefallen ist? Die Presse hat es vielleicht gar nicht mitbekommen, weil Schröder inkognito unterwegs war. Kann doch sein.
Nein liebes Kreiswehrersatzamt. Ich berufe mich auf alle Gesetze, moralischen Grundsätze und Hintertürchen um nicht für den Staat marschieren zu müssen.
Verstehe mich nicht falsch, ich liebe mein Land und würde für meine Stadt kämpfen, aber wer will schon Schwerin haben? Hamburg ist mir egal. Berlin auch. München auch. Leipzig auch. Rostock auch. Soll ich weitermachen?
Mit solchen Vorraussetzungen können sie doch sowieso damit rechnen, dass ich meinen Kriegsdienst nicht wirklich gewissenhaft verrichte. Vielleicht würde ich sogar Sabotage betreiben. Denken Sie einmal drüber nach. Ich würde mir keine Waffe in die Hand drücken. Ich nicht und da ich mich am besten kenne, ist es wohl sehr wahrscheinlich, dass ich recht habe oder wie?
Außerdem gehe ich in letzter Zeit gerne auch mal in der Woche feiern. Dieses Grundrecht sollte man mir lassen. So bin ich es doch, der für sich sagen darf, dass es mir gut tut und soll es mir nicht gut gehen?
Liebe Damen und Herren, vom Kreiswehrersatzamt, nehmen Sie meine Verweigerung, danke dass ich es durfte, bitte für wahre Münze und denken Sie nicht, dass ich sie nur prüfen will. Ich will wirklich nicht in die Armee und sollten sie mich trotzdem einziehen wollen, werde ich mir ins Bein schießen, freiwillig, schon als Protest, ins Gefängnis gehen oder einfach nach Paraguay abhauen.
Guter Text...so ähnlich sehe ich das auch ! Ich habe ja bereits 1978 Zivildienst geleistet und damals gab es noch die sogenannte "Gewissensprüfung". Da haben mich 4 Leute in die Zange genommen. Da kamen auch diese legendär bescheuerten Sprüche wie "sie haben ja auch einen Führerschein..ist ihnen bewusst, das ein Auto auch eine Waffe sein kann ?" Köstlich ! ;-))
Und bei der Musterung hatte ich vergessen ein Passbild mit zu bringen (einen Wehrpass bekommt man ja trotzdem), deshalb musste ich noch schnell in so einer Sofortpassbildkabine ein Passbild anfertigen. Ich habe auf dem Bild ziemlich schlecht gelaunt geschaut, was mir dann auch den Kommentar einbrachte "bisschen freundlicher hätten sie ja schon schauen können"..;-)
LG Joachim
mir drängt sich die frage auf, ob diese sehr persönliche beschreibung seiner gefühle bezüglich des wehrdienstes als verweigerung anerkannt wurde..
die meisten kupfern irgendwelche standardtexte, die keinen persönlichen bezug zur person haben ab und formulieren hier und da ein bischen um...
diese verweigerung muss denen, die sie gelesen haben, etwas aus ihrem grauen alltag herausgeholfen haben.. ;-)))))
... und nochmal: WOW!!!
Meine zwei Söhne haben auch verweigert, aber ihre Schreiben waren nicht soooo tiefgreifend ehrlich (obwohl sie auch ihre persönlichen Gründe nannten).
Es war schön, das alles zu lesen...
Es steht aber nirgendwo, welche Wirkung dieses Schreiben hatte...
gruss
d