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@Andreas: in aller Regel entsteht Einheits-Schuhkarton-'Architektur' LIDL,ALDI, Baumärkte ... Uniformität pur. Du kannst nicht unterscheiden, ob Du Dich irgendwo in USA oder in Frankreich oder in Deutschland befindest. Sieht überall auf der Welt gleich aus. (Sorry, ich vergaß MacDoof und Pizza-Dingsbums). Wenn Du das positiv findest ...
In diesem fall ist es anders: es soll wohl ein großer See entstehen, damit das Heer der Arbeitslosen sein Geld in Strand-Bars verprassen und die Lust an der schönen neuen Welt genießen kann. Für die handvoll Manager, die sich am 'Strukturwandel' eine goldene nase verdient hat, wird's natürlich VIP-Areas geben, damit sie nicht den Anblick der asozialen Arbeitslosen ertragen müssen.
Sehr positiv ...
Sicherlich gibt es negative Beispiel der Landschaftsformung, aber nun ist es ja so, das diese alten Industrieanlagen selbst beim besten Willen keine Arbeitsplätze mehr erhalten können in dieser Welt und auch nicht jedes Werk ein Denkmal darstellen kann. Ich finde einige der Entwicklungen im Ruhrgebiet nicht unbedingt schlecht, auch wenn nicht sofort alle positiven Seiten sichtbar sind, und es sicherlich Leute gibt, die daraus eine Geldquelle formen.
Sagen wir es so: Die alte Industrie hat viele landschaftlichen Opfer gefordert und nicht unbedingt zur Verschönerung beigetragen, auch wenn es satt Arbeitsplätze bot. Nun versucht man zwar auch wieder Grund zu erschliessen für kommerzielle Zwecke, aber ebenso geht es an vielen Stellen um Renaturierung und ähnliche Geschichten, und das tut einer Gegend auch hin und wieder gut. Ist halt eine zweischneidige Sache, die ihre dunklen, aber auch positiven Ecken hat.
Dan Hinze, 8.01.2004 um 10:35 Uhr
Ich habe schon viele Nachfolgenutzungen erlebt und bin meist immer enttäuscht worden.
- Kompletter Abriss
Renaturierung, Installation von Baumärkten, Billig-Lebensmittelketten, Fastfood-Ketten und anderen Dingen, die wir unbedingt benötigen. Die Landschaftsformung ist verwechselbar.
- Teilabriss
Wenn die Bausubstanz eine Weiternutzung zuläßt (Form und Qualität), wird das Objekt entkernt und mit "Leben" gefüllt. Hinter Glas kann man dann vielleicht noch das ein oder andere Maschinchen betrachten). Auch gern genommen: Seilscheiben als Begrenzer in Pakplatzlandschaften installiert.
Aber auch hier eine gewisse Monokultur: Billiglebensmittelketten, die üblichen Fastfood-Mopeds, Baumarkt usw.
Auch sehr schön: Eine historisch wertvolle Zeche im Ruhrgebiet wird abgerissen (Teilabriss). Irgendein dahergelaufener Scheich will dort ein Ponyhof errichten. Die Stadt subventioniert diese Dinge mit viel Geld. Man erhofft sich dort die Lösung aller strukturellen und Arbeitsproblemen. Nachdem die Stadt Teile ihrer eigenen Geschichte vernichtet hat, springt der Scheich von seiner Ponyhofidee ab. Die Stadt steht nun vor einem Haufen Trümmer...
Mir gefällt das schon lange nicht mehr.
Früher hatten Landstriche ihre eigenen Gesichter - waren typisch und erkennbar. Mittlerweile sind die Landschaften gleich geworden - verwechselbar. Schade.
Wer übrigens glaubt, dass hiermit Arbeitsplätze geschaffen und gar gesichert werden, sollte mal fragen, wieviel Geld eine Arbeitskraft bei Walmart und BurgerKing verdient. Bei der Gelegenheit auch mal nach Kündigungsfristen fragen.
Ich bin etwas verwundert, aber das kann auch aus Unkenntnis der Lage kommen (hier im Süden sind wir nicht so gesegnet mit Industrieanlagen, und wenn hier was entfernt wird, dann findet sich meistens ein großes Projekt, das den Platz in Anspruch nimmt. Bsp. Aus dem IWKA-Gelände in Karlsruhe erwuchs das ZKM, das jetzt ein Museum für Kunst und Medientechnologie ist, aber auch eine Universität).
Ihr scheint etwas das mangelnde Geschichtsbewußtsein der Städte zu bemängeln und mit einer gewissen Nostalgie an diesen Anlagen zu hängen, aber ist es nicht so, das diese Indusrtiestätten eigentlich menschenfeindlich Konstrukte waren, die zwar interessant anzuschauen sind, aber jahrelang den Städten ein negatives Image anhängten? Dreckig, laut, schlechte Luft, kaum Natur usw.?
Ich finde solche Lösungen wie den Landschaftspark Duisburg zwar interessant und schön, aber das dieses nicht überall durchführbar ist und die Attraktivität der Städte nicht immer durch die alten Industrieanlagen erhöht wird, scheint mir aus meiner Sicht eigentlich verständlich. Bedauerlicherweise werden wir hier in Deutschland eine Entwicklung durchmachen, die in der USA schon Geschichte ist. Wir gehen von einem Land mit großer Industrie über zu einer Dienstleistungsnation, die Bürobedarf hat, aber wenig bis gar nichts mehr fertigt, fördert oder in Mengen herstellt.
Insofern herrscht natürlich Platzbedarf, aber auch Erholungsbedarf. In diesem Sinn bedaure ich zwar die Fehlentscheidungen (wie bei dem Ponyhof), verstehe aber, wenn man sich gegen funktionslose Gasometer in der näheren Stadtlandschaft entscheidet. Was will man sonst damit machen?
Dan Hinze, 8.01.2004 um 11:01 Uhr
>Was will man sonst damit machen?
Eine sehr gute und auch berechtigte Frage.
Wir sind momentan dabei unsere eigene Geschichte zu vernichten. Es gibt kaum ein Zeitalter, dass uns Menschen so geprägt hat wie die Industriealisierung. Die Industriealisierung mit ihren guten und schlechten Seiten hat uns den Wohlstand gebracht, in denen wir jetzt leben dürfen.
Ich möchte mich in Würde daran erinnern dürfen, wie einmal Stahl hergestellt wurde. Ich möchte meinem Sohn später einmal eine Zeche zeigen - aber nicht im Bilderbuch.
>Was will man sonst damit machen?
Eine sehr gute und auch berechtigte Frage.
Gegenfrage: Was wollen wir mit den ganzen Burgengedöns? Neuschwanstein verschlingt Unsummen an Geld. Was sollen wir damit? Das Zeitalter der Könige ist doch längst vorbei!
Was sollen wir mit einem Kölner Dom? Es gehen doch heute nur noch Minderheiten zum Gottesdienst. Abriß und den Altar hinter Glas beispielhaft irgendwo am Hafen aufstellen - das sollte genügen.
Das sind natürlich krasse Vergleiche - aber so gehen wir momentan mit der vermeitlich jungen Industriekultur um.
das man beispielhaft solche Anlagen erhält, das hat sicherlich seine Notwendigkeit. Aber wenn ich sehe, das sich diese Werke teilweise über riesige Gebiete erstreckten, die nun brachliegen (teilweise ja schon von der Lage Filetstücke sind) und in ihrer Erhaltung nur Kosten verusachen (und das in einer Region, die sowieso mit ihren Kassen zu kämpfen hat), dann ist die Erhaltung von den Industrieanlagen schon eine fragwürdige, anspruchsvolle Geschichte, die nur an einzelnen Plätzen exemplarisch durchgeführt werden kann.
Zumal: Im Vergleich zum Kölner Dom ist die Industriealisierung ja nur ein sehr kleiner Zeitabschnitt :-)
Ich verstehe aber, was du meinst, denke jedoch, das man da keine generelle Lösung finden kann, sondern hier was erhält und dort was entfernen muß, um dem Gebiet auch eine Möglichkeit für die Zukunft zu geben, denn mit der Bewahrung alter Dinge werden diese Gegenden nicht unbedingt konkurrenzfähig bleiben/werden.
@Andreas "ein sehr kleiner Zeitabscgnitt", ja, aber einer, der unsere Welt geformt hat, wie kaum ein anderer.
Ansonsten kann ich Dan nur aus vollstem Herzen zustimmen.
Gruß Harald
@Andreas: viele der Gelände, auf denen interessantes industriekulturelle Bauten standen und dann abgerissen wurden, sind auch nach Jahren noch Brachen. Die "Filetstücke" existieren meistens nur in den Köpfen der jeweiligen Stadtväter. Beispiele: Hattingen (Henrichshütte, Gelände des Walzwerks), Dortmund-Eving (Gelände Minister Stein, Gelände Hydrogrube Hansa) ,Oer-Erckenschwick (Gelände EF), Gelsenkirchen (Consolidation 3/4/9). Weitere zahlreiche Gelände werden zumeist als Parkplatz (sehr oft leer) "weitergenutzt". Der Strukturwandel im Ruhrgebiet benötigt etwas mehr als das bloße Freimachen von Gelände. Gerade davon gibt es hier nämlich weiß Gott jetzt schon genug...
das ist erstaunlich. Das wußte ich nicht. Ich dachte immer, das - weil schon eine verkehrstechnische Infrastruktur herrscht und oftmals Siedlungen außenrum sind - , das es sich tatsächlich anbietet, eine Neunutzung mit Gewerbegebieten, Büros etc. zu betreiben. Bin gerade überrascht.
Andreas, zumindest hier in NRW kann man Kais Liste fast beliebig verlängern. Im Aachener Raum sieht das genau so aus, wie im Ruhrgebiet:
Zeche Carolus Magnus -> Brache
Zeche Carl Alexander -> Brache
Zeche Adolf -> sog. Adolf-Park == begehbare Brache, das Wiederaufstellen eines Fördergerüstes durch Enthusiasten wurde vom EBV (Eschweiler Bergwerks Verein, heute ein Immobilien-Abzocker Verein) verhindert
Zeche und Kokerei Anna Alsdorf: ca. 1% der Fläche für Einkaufszentrum "Anna-Park' genutzt, ca 1% (im Randbereich) Eigenheime, 1-2% museal erhaltene Gebäude, der Rest 'Grünfläche'
Mariagrube -> Brachfläche
Grube Emil Mayrisch -> Brachfläche, 10% industrielle Nachnutzung (AFAIK)
einziges Gegenbeispiel: Grube Laurweg in Kohlscheid ist heute Technologiezentrum
Selbiges gilt auch für die meisten der niederländischen Gruben
Gleichzeitig entsteht weniger Kiometer entfernt auf der grünen Wiese ein hektargroßes Aldi-Logistikzentrum (natürlich ohne Bahnanschluß - wir denken ja ökologisch).
Gruß Harald
Ich bin auch zu ger nhin und her gerissen zwischen stehenlassen und dem klaren Gedanken, wer denn den Erhalt bezahlen soll. Denn bloß nen Zaun drum und warten, bis ein erster Zaunüberwinder dort tötlich verunglückt, das kann und vor allem will auch keiner erklären müssen.
Ich finde es zwar nicht schön, daß solch interessanten Bauwerke <neudeutschmodus on>zurückgebaut<neudeutschmodus off> werden, doch stehen lassen geht eben auch nicht ohne weiteres. Wir erhalten - unterstützt durch viele Stiftungen, bspw. Route Industriekultur - hier im Ruhrpott viele solcher Gelände und machen sie der breiten Masse als Museum und Ausflugsziel zugänglich. Wir brauchen aber definitiv nicht alle ausgedienten Anlagen zu erhalten und können finanziell auch nicht.
Was mir aber zu Hörde einfällt ist, daß die Fackel als Höder Wahrzeichen nun nicht wirklich viel Platz wegnimmt, denn sie baut im Gegensatz zum Stahlwerk hoch und nicht in die Breite. Sicher mag es bei intensiver Suche auch Projekte geben, die so etwas in einen Umstrukturierungsplan mit einbeziehen würden, würde man denn intensiv nach einem solchen suchen oder die Meinung als Politiker energisch vertreten, die Fackel als Denkmal zu erhalten (Technologierpark, oder wohngebiet, oder Erhohlungsgebiet "Unter der Fackel"...).
Und unterm Strich dürfen wir auch nicht vergessen, daß wir als Industriekulturenthusiasten nicht die einstimmige Meinung der Gesellschaft darstellen, die sich am Anblick alter Industrien erfreuen können. Viele finden es auch einfach nur häßlich...
enige ausnahmen gibt es auch:
Zeche Maximilian in Hamm
Zeche Hannibal in Bochum
Zeche Carolinenglück in Bochum
Zeche Centrum in Wattenscheid.
hier wurde frühzeitig etwas getan und die flächen
sinnvoll genutzt. das sind allerdings alles gelände aus der ersten welle der schliessungen
'häßlich oder nicht' spielt eigentlich keine Rolle, wenn es um die Beurteilung der Denkmalwürdigkeit von Bausubstanz geht.
Da gelten ganz andere Kriterien:
- technische Einzigartigkeit
- erstes/grösstes .. Objekt einer Gattung
- Stellvertreterfunktion einer Objektgattung
- Bedeutung als Glied einer Entwicklungskette
...
Ergänzung: das Kostenargument kommt immer als Totschlagargument. Wenn amn rein wirtschaftlich denkt, müsste man die Museumsinsel in Berlin plattmachen (da wurde gerade 1 Milliarde reingesteckt), die Liebfrauenkirche als Ruine stehenlassen oder plattmachen, sich die paar hunderttausend Euro für die ** Vermessung ** von Neu-Wahn-Stein sparen ...
Das Problem ist ja auch daß teilweise wahllos gerodet wird. Wenn ich mal das kleine Stahlwerk in Oberhausen ausnehme, für das eine Umbaufolgenutzung geplant ist (bin mal gespannt ob die überhaupt kommt), dann wird es nach dem Abbruch des (denkmalgeschützten) Stahlwerks der Henrichshütte *kein einziges* stillgelegtes Stahlwerk im Ruhrgebiet mehr geben, das man der Öffentlichkeit zugänglich machen könnte! Soll heißen: in diesem Falle wird nicht "zuviel" erhalten, es wird in diesem Industriezweig *gar nichts* erhalten bleiben!
Ach ja: Stimmt, erhaltene Hochöfen haben wir genug (3xDU, 1xHattingen, 2xDO)....aber Stahlwerke?
@Veit: warum den kompletten Kölner Dom erhalten?
Ja, ich wäre für den Erhalt wesentlicher Anlagenteile gewesen - zumindest die funktionalen Kernstücke wie Konverter, Pfannenmetallurgie Stranguß hätten erhalten werden müssen.
@Kai: "erhaltene Hochöfen haben wir genug" und doch wieder nicht: die erhaltenen Hochöfen sind alle recht ähnlich aufgebaut. dagegen gibt es in Deuschland keinen einzigen Hochofen mehr mit Schrägaufzug und Kübelbegichtung und auch keinen einzigen gebänderten Hochofen. Auch aus der Anfangsphase der Kokshochöfen ist kein Exemplar erhalten.
Gruß Harald
Wieso müßen eigentlich immer nur die Objekte der Stahlindustrie und der Zechen und Gruben dran glauben von denen es ohnehin nicht mehr allzu viele gibt?
Haben die "Verantwortlichen" Abrisstrategen und Supermarkt-Denker eigentlich vergessen wer ihre Städte und Regionen eigentlich erst zu dem gemacht hat was sie jetzt sind. Manche Städte würden keine solchen sein, hätte es dort nicht Hochöfen und Stahlwerke, Zechen und Fördertürme gegeben.
Jahrhundertelang haben diese Orte von den Werken in ihnen gelebt und das nun wirklich nicht schlecht! Was haben sie aus diesem Reichtum gemacht. Sie haben die Werke systematisch drangsaliert und eingeengt, haben ihnen mit kleinkarierter Provinzpolitik das Wasser abgegraben und sie dadurch letztendlich zerstört. Die "große" Politik tat dann ein übriges. Sicher produziert man jetzt im Ausland billiger aber ist das auch richtig so und in Ordnung? Ohne die grundsätzlichsten Sicherheitsbestimmungen und die geringste Menschenwürde werden dort Menschen Tag für Tag für Hungerlöhne ausgebeutet. Bei uns gab es natürlich das andere Extrem: Wer hat eigentlich ständig ein Riesenheer von Stahlkochern und Kumpeln zu ständig neuen und vollkommen überzogenen Lohnforderungen gehetzt, hat sich ständig kleingeistige Privat-und Profilierungsschlachten mit den "Unternehmern" geliefert, alles auf dem Rücken der Kollegen? Auch daran sind die Werke letztendlich zu Grunde gegangen! Nicht nur aber eben auch!
Jetzt soll plötzlich alles besser sein?
Durch den "Strukturwandel" haben sich die Arbeitslosen nicht veringert, im Gegenteil, die Städte veröden immer mehr, werden entvölkert, leiden an Abwanderung. Kriminalisierung der Stadtkerne ist die Folge usw.
Die Städte und Regionen haben aber auch ihr Gesicht und ihre Identität verloren, reihen sich in den Einheitsbrei der Fastfoot-Architektur ein, bauen riesige Industriegebiete auf, die ein Vielfaches an Fläche eines ehem. Stalwerkes verschlingen und haben trotzdem hohe Arbeitslosenquoten! Ein Gebäude wie das andere ohne Charakter und Stil, gebaut um Gewinne zu machen, nicht um Menschen eine Erfüllung bei ihrer Arbeit zu geben! Keiner in den Fertigbauteilklötzen steht wirklich hinter seiner Tätigkeit, identifiziert sich mit seiner Arbeit, geht hin weil er "muß" nicht mehr weil er "darf"! Es ist ein großer Unterschied eine Arbeit tun zu dürfen als zu müssen, es ist der Unterschied zwischen Frust und Erfüllung über das geleistete!
Sicher muß man dann diese Frustrierten mit allerlei Belanglosigkeiten ablenken und bei Laune halten, deshalb auch das Überangebot an mehr oder weniger anspruchsloser Freizeitbeschäftigung. Niemand soll allzu intensiv über den Blödsinn nachdenken können, den er Tag für Tag zu tun gezwungen ist! Es gibt keine freien Arbeiter mehr es gibt nur noch Sklaven der Arbeit
Die arbeit in einem Hüttenwerk ist hart und gefährlich aber auch unendlich schön, wer nie dort gearbeitet hat kann es nur schwer nachvollziehen was es bedeutet jeden Tag mit den Elementen den Kampf aufs neue aufzunehmen und seinen Mann zu stehen! Es ist eine ganz eigene und faszinierende Welt, voller Schönheit und gewaltigen Eindrücken!
Das hat nichts mit Sozialromantik und schon gar nichts mit Glorifizierung zu tun, das ist ganz einfach Erlebtes und Erfahrenes!
Mit jedem abgerissenen Stahlwerk und Hochofen, mit jedem gesprengten Fördergerüst verschwindet ein Teil dieser besonderen Welt der Eindrücke und geht für immer verloren. Man nimmt unseren Nachkommen das Recht auf das Erbe ihrer Vorfahren !
Wir verlieren einen Teil von dem was uns geprägt und unsere Regionen so facettenreich machte.
Das Gebot der Stunde heißt also: Erhalten was noch da ist denn das wenige was noch an eine große Zeit erinnert ist wertvoll und des Erhaltens allemal wert!
@Kai:
Du hast den Kernpunkt der ganzen Problematik getroffen: Der breiten Masse hat aus dem Stand keinen Bezug zur Industriekultur. Für den Normalbürger ist ein Stahlwerk von außen groß, rostig und häßlich. Die häufige Verwahrlosung der Anlage nach der Stillegung durch Müllabladen, Randalierer, Graffitisprayer etc. trägt dazu bei, das Schandfleck-Image zu vertschärfen. Dementsprechend sind viele Leute dann froh, wenn "das Geraffel" verschwindet. (Und ein weiterer Aldi spart 100m Anfahrt zum wöchentlichen Einkauf.)
Dazu kommt die Assoziation "Hütte == 'dreckige, anstrengende Arbeit'". Und wer will das heut schon noch?
Von daher bräuchte man eine wirklich massive Imagekampagne "Pro Industriekultur". (Vielleicht, wenn sich unser aller Chefhistoriker Guido Knopp mal von seinem Steckenpferd "Nazi-Zeit" losreißt...?)
Denn erst dann, wenn zumindest deutlich mehr als eine gesellschaftliche Randgruppe Industriekultur als etwas schützenswertes betrachtet, stehen die Chancen deutlich besser, daß entsprechende Anlagen nicht einfach abgerissen werden.
Insofern finde ich auch das Konzept des Landschaftsparks Duisburg so verkehrt nicht - auch wenn Harald darüber gerne schimpft. :-) So lange man damit erreicht, daß "normale Leute" Stahlwerke, Kokereien, etc. als etwas interessantes betrachten, hat es seinen Zweck in meinen Augen schon weitgehend erfüllt.
Wobei mir gerade die Idee kommt, daß ein "Show-Stahlwerk" sicher auch eine nette Idee wäre. Mit entsprechend dickem Panzerglas sollte man Besucher doch auch massentauglich an in Betrieb befindlichen Anlagen vorbeischleusen können...
Interessante Diskussion. Zeigt sie doch recht deutlich, das wir mit unserem Denken leider eher die Minderheit sind. Irgendwann, wenn es nichts vergleichbares mehr gibt, wird man uns vielleicht verstehen ...
@Martin: <unrealistisch viel erhalten wollen>
Was verstehst Du unter unrealistisch viel? Die paar "Denkmäler" die mehr oder wenig gut aufbereitet und "museal" erhalten werden? Hergerichtet für Touristen die sich mal was anderes anschauen wollen und denen der Bezug zur Sache fehlt, weil er nicht vermittelt wird!
Was wurde erhalten? Bis auf ein paar Ausnahmen sind es immer aus dem Gesamtzusammenhang gerissene Anlagenteile, die irgendwo einsam und verlassen am Rand eines Industriegebietes oder eines Freizeitparks stehen! Anlagen die etwas von der Faszination der Stahlherstellung vermittelt hätten, in ihrer Gesamtheit, wurden und werden vernichtet, siehe Phönix, siehe Westfalenhütte, siehe Hattingen,siehe evtl. Maxhütte usw. Hier werden nicht nur "Schrotthaufen" beseitigt, hier wird Identität zerstört, hier werden Erinnerungen und die Vergangenheit zu Grabe getragen!
Die einstmals großen Stahlstädte versuchen sich krankhaft im "Strukturwandel", dabei vernichten sie ihre Vergangenheit die ihnen ihre Berühmtheit gab und ersetzen sie mit nichts. Freizeitparks und Einkaufszentren gibt es überall, sie sehen alle uniform aus und haben nichts was einem gefallen könnte. Wir haben uns daran zu Tode gesehen!
Kein Mensch würde auf die Idee kommen die vielen tausend Burgen und Schlößer abzureissen weil es davon ja so viele gibt und man ja nicht alles erhalten kann! Sie gehören genauso zu unserer Geschichte wie die Objekte der Stahlerzeugung. Nur weil Stahlwerke und Hochöfen noch keine tausend Jahre alt sind, darf man sie nicht wie Schrott behandeln! Sie sind Kultur und haben Würde! Der klägliche vorhanden Rest muß erhalten werden, dafür müssen die Gelder ganz einfach bereit gestellt werden, für anderen großen Blödsinn sind die Milliarden nämlich auch vorhanden! Es muß nur der Wille vorhanden sein und das ehrliche Interesse an der Erhaltung als identitätsstiftende Relikte einer großen Zeit der Stahlerzeugung!
Zukunft braucht Herkunft!!