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Mitten im Leben von Eckhard Meineke

Mitten im Leben


Von 

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10.08.2007 um 22:18 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Jena, Johannisfriedhof, 25. 7. 2007. Nikon F 801s mit Zoom-Nikkor D 3,5-5,6 / 28-200 mm auf Kodak Elitechrome 400. Bildbearbeitung: Ulead PhotoImpact (Tonwertkorrektur, Kontrast- und Helligkeitsänderung).

Fotografie auf Friedhöfen ist sicher immer etwas Besonderes, denn das Reich der Toten gemahnt auch den Besucher unaufdringlich unerbittlich an die eigene Endlichkeit. Die Trostlosigkeit des Todes suchen die Religionen der Welt auf jeweils verschiedene Weise zu mildern. Weit hatte es in dieser Hinsicht etwa das christliche Mittelalter gebracht, das sozusagen eine nach beiden Seiten offene Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten annahm, so dass die Toten immer auch bei den Lebenden waren, wenn man ihrer denn im Gebet gedachte.

Der Johannisfriedhof in Jena ist ein historischer Friedhof, erstmals urkundlich 1307 als Friedhof für das Dorf Leutra erwähnt, auf dem unter anderem Carl Zeiß begraben liegt. Heute werden hier keine Bestattungen mehr vorgenommen.

Anmerkungen:

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Andreas Pawlouschek, 11.08.2007 um 19:43 Uhr

Ein sehr interessanets Bild. Schön kann man fast nicht sagen, wenn man den dankenswerterweise dazu gestellten Text heranzieht. So ist es eine nachdenklich machende Symbiose aus Bild- und Gedankenkunst. GeistesGegenWärtig


Eckhard Meineke , 11.08.2007 um 20:09 Uhr

Hallo Andreas, ich war auf dieses Motiv gar nicht gefasst, als ich den Friedhof betrat, aber aus geistesgeschichtlicher Sicht fand ich dieses Denk-Mal sehr schätzenswert. Dergleichen ist sicher nicht so häufig. FG E


Helene Kramarcsik, 30.11.2007 um 8:02 Uhr

Mir wäre es wohl gleich ergangen wie Dir. Schließe mich Andreas an.
LG Helene



Eckhard Meineke , 30.11.2007 um 15:20 Uhr

Übrigens handelt es sich nicht um einen modernen Grabstein, sondern um eine Art sprechendes Wanderkunstwerk, das ich neulich auch mitten im Zentrum von Jena gesehen habe. Der Sache werde ich einmal nachgehen ... und dein Portfolio arbeite ich auch noch durch. HG, Eckhard


Helene Kramarcsik, 2.12.2007 um 18:50 Uhr

Laß Dir mit dem Letzteren ruhig Zeit. Ich bin ja auch noch nicht vollständig durch den Portfolio gekommen.
LG Helene



Eckhard Meineke , 4.12.2007 um 20:14 Uhr

Ächz ... ;-))). LG, Eckhard


Kerstin Stolzenburg , 9.03.2008 um 20:33 Uhr

Diese Informationsseite zum Kunstwerk habe ich heute gefunden:
http://www.geistesgegenwaertig.uni-jena.de/

Ich äußere mich noch dazu.

Hattest Du den Erzählungen einmal gelauscht?

Kerstin



Eckhard Meineke , 10.03.2008 um 8:56 Uhr

Liebe Kerstin,

danke für den Hinweis auf die Webseite! Auf die Idee, sich inmitten eines Friedhofs auf einen orangefarbenen Würfel zu setzen, kommt gewiss kein Mensch, vor allem dann nicht, wenn nichts, aber auch gar nichts auf diese Möglichkeit hinweist. Den Würfel auf der Johannisstraße habe ich auch bereits fotografiert; auch dort nichts an Hinweisen! Ich brauche wohl auch nicht noch extra zu sagen, dass dieses Projekt innerhalb der Philosophischen Fakultät, die dafür verantwortlich zeichnet und der ich ja auch angehöre, mit keinem Wort kommuniziert worden ist. Der Pressemitteilungen der Universität sind viele, und ich habe leider keine Zeit, sie zu lesen. Na, und die beiden in Jena verkauften Zeitungen (Würg!) lese ich auch nicht. - Auf die lieben Besprechungen meiner Bilder kann ich erst heute abend oder morgen reagieren; bis dahin sollte mir auch etwas zu der Singularität eingefallen sein ;-). Eckhard



Jonny May, 4.04.2008 um 13:02 Uhr

Tja Eckhard, dazu fällt mir jetzt Brecht ein "Denn man muß dem Weisen seine Weisheit erst entreißen" in diesem Fall, indem man sich auf den Würfel setzt ;-))

Aber hier war der Betrachter Künstler und hat dem Werk mit dem neuen Titel eine eigene Bedeutung verliehen.
Jonny



Eckhard Meineke , 4.04.2008 um 22:48 Uhr

Lieber Jonny, leider wusste ich, als ich die Aufnahme machte, überhaupt nicht über die Bedeutung des Kunstwerks Bescheid, was mit der oben bemerkten miserablen Kommunikation in der Fakultät und auch vor Ort zusammenhing. Wenn dann trotz dieser Umstände noch etwas Bedenkenswertes herauskommt, ist es um so erfreulicher. HG, Eckhard


Kerstin Stolzenburg , 19.04.2008 um 11:00 Uhr

Geistesgegenwärtig ist ein äußerst bedenkenswerter Begriff, da man ihn mehrdeutig sehen kann.

Als ich am Dienstag dieser Woche zur Arbeit fuhr, kam im Radio die Nachricht, dass am Kaiserstuhl ein Kleinflugzeug nach einem Blitzschlag abgestürzt sei. Die Maschine schlug nur 50 Meter von einem Wohngebiet entfernt auf, der 58jährige Pilot hatte keine Überlebenschance. Es fiel das Wort „geistesgegenwärtig“; nach Polizeiaussagen muss der Mann, bis zu diesem Zeitpunkt selbst noch „mitten im Leben“, im Angesicht des Todes die Maschine noch so gesteuert haben, dass sie nicht auf die Häuser fiel. Dieser Mensch war geistesgegenwärtig im doppelten Sinn; einerseits reaktionsschnell, in dem, was er aus technischer Sicht noch tun konnte, andererseits war sein Geist, im Sinne eines bewussten Handelns so gegenwärtig, dass er in den letzten Sekunden seines Lebens mit dieser Reaktion an das Wohl anderer Menschen dachte, was in meinen Augen eine unglaubliche Leistung ist, die zutiefst berührt und große Achtung verdient.

Natürlich impliziert ein solches Ereignis, ähnlich dem Besuch auf einem Friedhof, bei einem erwachsenden Menschen auch Gedanken an den eigenen Tod oder den Tod eines nahen Angehörigen, an all die Dinge, die mit ihm verbunden sind oder wären, wenn man plötzlich mitten aus dem Leben gerissen würde. Aber man hofft, dass etwas bleibt. Jedenfalls könnten die Seelen der Toten unter uns sein, solange man sie nicht vergisst.

Dass man das Gefühl haben kann, auf einem Friedhof den Geist der Vergangenheit bzw. der Verstorbenen zu spüren, habe ich schon in früher Jugend erlebt, obwohl ich zu der Zeit selbst überhaupt noch nicht an den Tod und an die eigene Endlichkeit dachte. Ich bin damals gern allein zu einem Friedhof in der Nähe meines Wohnortes gegangen, wahrscheinlich, weil ich die Stille, die dort herrschte, sehr mochte. Wenn ich die Grabsteine betrachtete, habe ich mir manchmal vorzustellen versucht, wie die Menschen gewesen sein mochten, die dort nun begraben lagen. - Bei den gemeinsamen Besuchen der Großmutter meiner besten Schulfreundin in Weimar gingen wir auch dort zwei- oder dreimal auf den Friedhof, der, wie der Johannisfriedhof in Jena, ebenfalls ein historischer Friedhof ist, an das Grab ihres Urgroßvaters Franz Huth, einem recht bekannten Maler in der Region. Auf diesem Friedhof liegen viele, mehr oder weniger berühmte Persönlichkeiten begraben, u. a. bekanntlich auch die Herren Goethe und Schiller in der Fürstengruft. Als Jugendliche, die wir damals recht viel lasen und eine blühende Fantasie besaßen, bildeten wir uns ein, diesen Leuten und ihrem Gedankengut irgendwie nah zu sein, wenn wir an ihren Grabstätten standen. Wenn man heute daran zurückdenkt, ruft das natürlich ein Schmunzeln hervor.

Recht krass wurde es später bei der Vorstellung vom Geist, der den Besuchern eines Friedhofs in aller Ernsthaftigkeit entgegenweht, vor allem, wenn diese die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen besuchen und der eigenen jugendlich-locker-leichten Gegenwart dort aufgrund schulischer Aktivitäten im Biologie-Leistungskurs. Dem Gymnasium gegenüber lag der große städtische Friedhof. Zwei Jahre lang machten wir auf diesem ornithologische Studien; wir lernten im Unterricht Vogelstimmen zu unterscheiden und hatten jeder ein eigenes „Revier“ auf diesem Friedhof, auf dem wir nun wöchentlich, mit Ferngläsern ausgerüstet, Beobachtungen und Zählungen der einzelnen Arten vornehmen mussten. Dort hinzugehen erschien uns irgendwann völlig normal, als wäre es nur ein Park oder ein Wald. Selbst wenn das in Ruhe vor sich ging, frage ich mich heute noch, wie das auf die Besucher des Friedhofes gewirkt haben muss…

Nach diesen Geschichten (oder dem „Geschwätz" ;-)), die nun auch einfach mitten aus dem Leben gegriffen sind, zu den „geisteswissenschaftlich gebildeten“ Würfeln selbst. Ich bin mir nach wie vor etwas unschlüssig, ob ich die Idee gut finden soll oder sie nur als gut gemeintes Resultat eines wissenschaftlich begleiteten Projektes sehen muss. Im Sinne von „GeistesGegenwärtig“ über die Geschichte der Stadt zu informieren, ist grundsätzlich einmal ein richtiger Ansatz; Kunst mit Information zu verknüpfen, immer auch reizvoll. Wer nach Jena kommt und noch unkundig ist, wird bei entsprechendem Interesse die Stadtinformation aufsuchen und sich dort über wichtige Sehenswürdigkeiten unterrichten lassen. Idealerweise hat sich der Besucher allerdings bereits vor seiner Reise mit der einschlägig verfügbaren Literatur versorgt und weiß bereits etwas über die Geschichte bzw. die Orte, die er besichtigen möchte. Das sollte in noch stärkerem Maße für die Bewohner der Stadt selbst gelten. Ich kann mir zwar vorstellen, dass es auch genügend Menschen geben wird, die sich noch nie oder nur marginal mit dem Hintergrund ihres Wohnortes befasst haben, jedoch werden bei diesen auch die orange- bzw. fast clementinefarbenen Sitzgelegenheiten nichts ausrichten. Als echte Informationsquelle erscheinen mir vier Würfeln für eine ganze Stadt sehr spärlich, selbst dann, wenn man sie von Zeit zu Zeit neu programmiert und an anderen Standorten platziert (dem Jena-Besucher dürfte das übrigens gar nichts bringen). Vielleicht würde das Ganze Sinn machen, wenn 20 oder 30 Würfel über die Stadt verteilt wären, was aus Kostengründen wohl nicht diskutabel sein wird. Informationstafeln an entsprechenden Stellen oder einfach eine interessant gestaltete kleine Broschüre mit dem Inhalt dessen, was viele solcher sprechender Würfel vermitteln könnten, sollten diesbezüglich ähnliche Dienste leisten können und wären wohl auch preiswerter. Ausgehend von der „Geschichte“ dieser vier Würfel, also mit Bezug auf diese als „Symbole“, fände ich es übrigens sogar sehr interessant, eine solche Broschüre aufzulegen, auch, weil man hier einmal Informationen der besonderen Art vermitteln kann, Dinge, die man vielleicht nicht in jedem Reiseführer findet. In einem solchen Zusammenhang betrachtet, könnten die Würfel vielleicht auch als Anschub für ausbaufähige Folgeprojekte gesehen werden.
Wie ich übrigens auf dem Foto des Würfels an der Johannisstraße gesehen habe, gibt es seitlich einen kleinen Aufdruck, der auf die „Handhabung“ hinweist. Ob man ihn allerdings im Vorbeilaufen sieht, ist fraglich. Als Kunstwerk betrachtet, käme mir ansonsten nicht in den Sinn, ihn als Sitzgelegenheit zu nutzen.

Kerstin



Eckhard Meineke , 19.04.2008 um 13:36 Uhr

Liebe Kerstin, danke für Deine ausführliche Besprechung. Ich antworte Dir im Laufe des Wochenendes. Das Thema als solches verfolgt mich eigentlich ständig; ein diesbezügliches Bild könnte nach der Serie "Virens" kommen. Eckhard


Kerstin Stolzenburg , 19.04.2008 um 16:35 Uhr

Lieber Eckhard, der Bildtitel in Kombination mit dem Begriff "GEISTESGEGENWÄRTIG" oder auch jeder Begriff für sich lässt viele Diskussionsansätze in verschiedensten Bereichen zu. Mir würden auf Anhieb weitere einfallen. Wahrscheinlich ist das Thema als solches einfach ein zentrales Thema im Leben.
Kerstin



Eckhard Meineke , 21.04.2008 um 17:22 Uhr

... heute am späteren Abend ;-)


Eckhard Meineke , 21.04.2008 um 18:47 Uhr

Liebe Kerstin,
dass Piloten abstürzender Flugzeuge, die dem Tod ins Auge sehen, ihre Maschine eben noch über ein Wohngebiet hinwegziehen, ist bereits öfters berichtet worden. Das gehört in der Tat zu den großen Augenblicken gelebter Menschlichkeit. Auch bei Schiffskatastrophen soll es wohl vorkommen, dass Leute Leben retten, aber dabei selbst ihres verlieren. Auch von Feuerwehrleuten wurde berichtet, dass sie ohne Rücksicht auf sich selbst in kollabierenden Gebäuden Menschenleben retteten oder zumindest retten wollten, etwa bei der Katastrophe im World Trade Center.
Was mit den Seelen der Toten geschieht, wissen wir nicht; wir sprachen wohl an anderer Stelle bereits darüber. Im Mittelalter stellte man sich vor, dass die Seele solange bei Gott in Erinnerung sein würde, solange hier auf der Erde jemand für sie beten würde. Darum gab es etwa in den Klöstern des Mittelalters Gebetsgemeinschaften. Listen mit den Namen von Konventen wurden in ein Liber vitae, ein Buch des Lebens, eingeschrieben, damit man für die toten und lebenden Glaubensbrüder und Glaubensschwestern beten könne. So anrührend dieser Gedanke ist, so wenig durchdacht ist er auch. Denn einmal würden ja doch alle tot sein, die sich an diese Menschen erinnern konnten, und was wird dann?
Ich muss sagen, dass ich in meiner Jugend keine große Beziehung zu Friedhöfen hatte. Besucht wurde eigentlich nur zusammen mit der Großmutter das Grab des früh gestorbenen Großvaters, und da ich diesen nicht gekannt hatte, hatte ich auch keine Vorstellung von ihn oder den Eindruck, dass man mit ihm irgendwie auf dem Friedhof Zwiesprache halten könnte. Er war einfach tot, und man pflegte sein Andenken. Der Grabstein wurde periodisch instabil und musste immer wieder stabilisiert werden.
Das Projekt mit den Würfeln halte ich für gänzlich verfehlt. Abgesehen davon, dass ich als jemand, der drei Tage in der Woche in Jena ist, nur einmal diesen Würfel auf dem Friedhof gesehen habe, der ja nun auch nicht gerade ein belagerter Ausflugsort ist, und ein andermal auf der in der Tat belebten Johannisstraße, wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich von dem Würfel auf dem Friedhof, auf ihm sitzend, unterrichten zu lassen. Außerdem habe ich die „Gebrauchsanweisung“ überhaupt nicht gesehen, obwohl ich mich ja nun intensiver mit ihm befasst habe, nämlich fotografisch, was ein gewisses Verharren vor dem Objekt bedingt, das sich die normalen Spaziergänger überhaupt nicht gönnen.
Auf der Johannisstraße gibt es die Jena-Information, zu der jeder geht, der als Tourist nach Jena kommt. Dort wird zu allen Aspekten der Stadt genügend unkompliziertes Informationsmaterial bereitgehalten. Auch wenn es meinetwegen zwanzig der Objekte gäbe, wäre es immer noch eine absurde Idee, dass man sich so über Jena informieren lassen müsste. Das Ganze ist also eine typische Kopfgeburt von Kunstfreunden für Kunstfreunde ;-). Eckhard



Kerstin Stolzenburg , 21.04.2008 um 23:37 Uhr

Lieber Eckhard, 18:47 Uhr ist doch nicht späterer Abend (stimmt: im Vergleich zu 17:22 Uhr schon!) ;-))
Ich antworte Dir morgen; im Moment sind noch ein paar Bioethanolgedanken in meinem Kopf, die nichts oder nicht viel mit den Würfeln zu tun haben.
Kerstin



Eckhard Meineke , 22.04.2008 um 8:24 Uhr

Ich konnte es vorziehen, weil ich wegen einer Demonstration anlässlich der in Jena tagenden Hochschullehrerkonferenz ob des Getöses das Seminar abbrechen musste. Und am späteren Abend lief ohnehin "L.A. Confidential", das ich immer schon einmal sehen wollte ;-). Eckhard


Kerstin Stolzenburg , 22.04.2008 um 19:05 Uhr

Lieber Eckhard, ich wollte das mit den Würfeln nicht so direkt sagen, aber wie Du wohl gemerkt hast, habe auch ich wirklich ernsthaft nach der Sinnhaftigkeit dieses Projektes gesucht. Wirklich schlüssig und überzeugend erschien es mir nicht. Da ich es jedoch nur aus der Entfernung betrachten konnte, wollte ich ihm allerdings nicht Unrecht tun.
Selbst als reines Kunstobjekt erscheint es mir zu „glatt“, zu ausgefeilt, ohne Angriffsflächen und Reibungspunkte. Nun gut, der Begriff „geistesgegenwärtig“, der hier an der einzig möglichen bzw. sinnvollen Stelle abgeknickt ist, lässt sich interpretieren, wobei ich ohne den historischen Hintergrund den Bezug zur Würfel-Form bzw. zur Farbe Orange nicht erkennen kann. Der Sinn erschließt sich mir erst ein wenig nach dem Lesen der Angaben zur Intention des Künstlers, macht das Werk in meinen Augen aber keineswegs interessanter. „Frank Fietzek http://www.f-fietzek.de/
kombiniert in seinen Arbeiten skulpturale und technische Elemente. Seine konzeptionellen Werke werden mit Hilfe interaktiver Computertechnologie umgesetzt. Er legt dabei einen Schwerpunkt auf die Entwicklung des Interface. Der Zugang zur gespeicherten und abrufbaren Information erfolgt durch deutlichen körperlichen Einsatz und thematisiert die Schnittstelle zwischen haptischen und virtuellen Raum.“ http://on1.zkm.de/zkm/artists/Fietzek


"L.A. Confidential" habe ich übrigens auch noch nicht gesehen ;-) War der Film denn gut?

Ich bin auf das oben angekündigte Bild gespannt.

Kerstin



Eckhard Meineke , 22.04.2008 um 20:18 Uhr

Liebe Kerstin,

danke für die Hinweise! Das Werk von Fietzek hat ja sogar lustige Seiten, etwa die Installation "Watschendiskurs" http://www.f-fietzek.de/data/watschen.jpg
, die gut für die fc geeignet wäre (als Praxis des Diskurses) ;-).

Der Film L.A. Confidential ist ziemlich hart, aber beruht wohl auf einer wahren Begebenheit und ist psychologisch gut gespielt. Im Kern geht es um einen jungen Polizeioffizier, der mit größeren Idealen angetreten ist, als sie im Dienst einlösbar sind, und der herausfindet, dass ein hoher Polizeioffizier das Verbrechen mit Methoden des Verbrechens bekämpft und so eigentlich selbst der größte Mafiaboss geworden ist. Zusammen mit einem Kollegen, der selbst seine Ideale verraten hatte, aber bei dieser Gelegenheit wieder teilweise zu ihnen zurückfindet, bringt er den Unhold zur Strecke, erschießt diesen aber im Showdown aus Rache von hinten. Etwas für die Freunde gemischter Charaktere, würde ich sagen; sicher sehenswert. Eckhard



Eckhard Meineke , 22.04.2008 um 20:20 Uhr

Das Bild kommt dann nach "Virens"; ich bin versucht, es gleich einzustellen, aber das wäre doch zu krass, die Serie zu unterbrechen. Eckhard


Eckhard Meineke , 28.07.2008 um 18:22 Uhr

Lieber Pascal, die Theorie, dass man durch Verfremdung der gewohnten Umwelt Denk-Anstöße schaffen kann, ist mir seit der Auseinandersetzung mit der Verfremdungstheorie Brechts aus germanistischer Sicht geläufig. Darüberhinaus bin ich mir recht sicher, dass die Verfremdungstheorie von der modernen Konzeptkunst, bildenden Kunst und darstellenden Kunst in dieser oder jener Variante angewandt wird; vor einiger Zeit hatte ich wieder einmal Gelegenheit, Werke von Baselitz in der Pinakothek der Moderne in München unter diesem Gesichtspunkt anzuschauen. Gewiss ist das auch mittlerweile eine etwas simple Theorie, die für mich als Intellektuellen etwas abgedroschen und holzhammermäßig wirkt. Aber vielleicht ist der Holzhammer bei vielen unserer etwas schlichter eingestellten Zeitgenossen auch notwendig. Mein Problem war aber nun – ich hatte es bereits in der Antwort an Kerstin erwähnt –, dass mir zwar auf dem Friedhof dieses ungewöhnliche Objekt aufgefallen war – in der Mittagspause vielleicht auch bereits eine Leistung ;-), - dass aber nicht der leiseste Hinweis auf seine Kunstbezogenheit, die es ja zweifellos haben musste, hinwies. Ich lese ja die Jenaer Tageszeitung zu meinem gewiss großen Nachteil nicht ;-), und wie sollte ich wissen, unter welchem Stichwort ich Tante Google befragen sollte? So geistesgegenwärtig, es mit "geistesgegenwärtig" zu versuchen, war ich leider nicht. Eckhard


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