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Wenn die Welt auf den Kopf gestellt wird - Ronny, der Ex-Versuchshund von Petra Berns

Wenn die Welt auf den Kopf gestellt wird - Ronny, der Ex-Versuchshund


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29.11.2003 um 15:25 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Heute stelle ich nicht nur ein Foto ein, sondern erzähle eine Geschichte dazu..

Ronny ist unser neues Familienmitglied. Familienmitglied heißt genau, es ist der neue Hund meiner Eltern. An sich vielleicht kein Thema für einen kritischen Kommentar. Aber bei Ronny und seinen Schicksalsgenossen kann ich mir den nicht verkneifen.

Denn Ronny, ein rassereiner 2 1/2 jähriger Beaglerüde lebte bis letzte Woche Dienstag noch in einem Versuchstierlabor in Leverkusen. Er ist einer von vielen Hunden, die nur dazu leben, damit neue Medikamente auf den Markt kommen oder verbessert werden. Ironischerweise lebte Ronny eigentlich für seine Artgenossen. Denn wie die anderen aus seiner Gruppe wurde Ronny für Versuche an Tiermedikamenten, seshr wahrscheinlich Wurmmittel verwendet. Nur das erfährt man von dem Tierheim bzw. aus dem Internet zum Thema der Hunde nach dem Kölner Modell.

Das Kölner Modell gibt es erst seit einigen Jahren. Der Name kommt daher, weil man sich zuerst im Kölner Raum Gedanken über das Schicksal von Hunden aus Versuchslaboren gemacht hat, die dort nicht mehr zu Versuchen benötigt werden. Und so haben Tierschützer und Wissenschaftler eine interessante Einigung getroffen. Die Versuchslabore geben Hunde, die sie nicht mehr benötigen, an Tierheime ab, die sie direkt an Privatpersonen weitervermitteln. Innerhalb von 10 Jahren wurden jetzt auf diese Art über 1.000 Hunde vermittelt/gerettet. Übrigens werden mittlerweile auch Versuchskatzen abgegeben.

Die Menschen, die sich für solche Hunde interessieren, werden über die bevorstehenden Probleme mit den Hunden informiert und genau überprüft. Denn man will vermeiden, dass so ein Hund vom Regen in die Traufe kommt.

Meine Eltern hatte ja bis vor 1 1/2 Jahren permanent Hunde und konnten sowohl gute und lange Hundeerfahrung als auch ein eigenes Grundstück mit Haus vorweisen, das umzäunt ist. Gegen eine Schutzgebühr haben sie nach einiger Wartezeit dann "Ronny" bekommen.

Jetzt aber etwas zu Ronny und der Überschrift. Denn Ronny kannte bisher nur eines, ein Tierversuchslabor mit dem Teil, in dem er lebte und die Betreuer dort, die die Versuche durchführten.

Jetzt wird er mit unzähligen fremdartigen Sachen konfrontiert. Diese sind oft sehr erschreckend, zudem Ronny wie fast alle Tierversuchshunde fast gar kein Selbstbewußtsein hat.

Wer kennt schon einen Hund, der sich vor einer geteerten Straße, einem Baum oder sogar vom Straßenrand erschreckt?

Bei seinen ersten Spaziergängen schnupperte Ronny zwar überall sehr interessiert, aber wie eine Hündin macht er nur ein oder zweimal. Von Markieren schien er noch nichts gehört zu haben. Im Internet habe ich gelesen, dass diese Versuchshunde so wenig selbstbewußtsein haben, dass sie eben Angst haben, anderen Hunden mitzuteilen, dass sie auch da sind. Und daher markieren sie nicht. Übrigens hob Ronny wenigstens das Bein wie ein ordentlicher Rüde. Kommt plötzlich etwas unerwartetes (Ein lautes Auto beispielsweise, bei dem der Fahrer anscheinend Hörgeschädigt ist) dann bleibt Ronny stehen, duckt sich und man muss darauf vorbereitet sein, dass er genau da hinspringt, wo es am ungesündesten für ihn ist - vors Auto. Meine Mutter erzählte, dass er sich gerne bei einem Auto auf der Straße hinduckt, so ähnlich wie ein Igel. Nur ist das für einen Beagle eben genauso ungesund wie für diese Stachler. Ich hatte bei ihm das Problem, dass er, sobald er auf einer Teerstraße ist, diese nicht mehr verlassen will. "Wie, auf dem grünen Rand soll ich gehen?". Man braucht dann doch Überzeugungsarbeit, Zureden und/oder Leckerli, um diesen störrischen Hund auf die Seite zu bekommen. Denn Spaziergang heißt ja nicht nur den Hund herumziehen.

Jede fremde Einfahrt oder jeder fremde Weg vom Bürgersteig aus zieht Ronny auch unwahrscheinlich an. Ich kenne das von Katzen, die solche Einfahrten dann auch so umgehen, und den freien Bürgersteig dann scheuen. Dennoch war mein erster Spaziergang mit Ronny besser als ich dachte.

Und was bitte ist spielen? Gebellt hat Ronny bis heute noch nicht, auch das kennt er nicht.

Diesen Mittwoch, also nach einer Woche bei uns, hat Ronny zum ersten Mal einen Versuch gemacht, mit meiner Mutter ansatzweise zu spielen. Viel ist wohl nicht daraus geworden.

Ronny ist kein Extremfall, somit musste er nicht nur herumgetragen werden. Denn Versuchshunde sind es nicht gewohnt, selbst zu laufen. Das Stück von ihrer Unterkunft bis zum Versuchstisch werden sie anscheinend getragen. Eigentlich sind Beagle Jagd- und Laufhunde, daher finde ich das noch schlimmer. Auf jeden Fall fiel Ronny zwar am ersten Tag die vier-Stufen-Treppe meiner Eltern herunter, weil er keine Treppe kannte, aber eine kleine Runde lief er schon mit. Natürlich mit viel zureden und Leckereien. Denn ansonsten kann es passieren, dass der neue Hausbewohner einfach beschließt liegenzubleiben. Und man selbst das Tier dann doch nach Hause tragen darf.

Mit einem stubenreinen Hund darf man auch nicht rechnen. Ronny macht zwar nicht in die Küche, in der er Nachts schläft. Aber wenn man nicht alle Räume verschließt, dann landet eben ein Häufchen im Wohnzimmer oder an einer anderen Stelle, an die man nicht denkt.

Tagsüber ist Ronny übrigens Stubenrein. Wenn er unruhig ist, wird er auf die Wiese gelassen oder einer von uns (ich nur am Wochenende) geht mit ihm spazieren.

Was mich persönlich am meisten bestürzt hat, war die Tatsache, dass die Hunde in den Versuchslaboren keine Namen haben und die Betreuer alles persönliche vermeiden. Sogar gestreichelt werden sie normalerweise nicht. Und so hatte Ronny bei der Übergabe nur eine Nummer - einen Zahlencode.

Ronny ist in der ersten Zeit jetzt schon mit sehr vielen Dingen konfrontiert worden. Die Katze meiner Schwester hat ihm schon einen Hieb auf die Nase versetzt, als er sie neugierig beschnupperte. Eine blutige Nase war dann das Resultat und zwei Tiere, die wegsprangen. Ronny in die eine Richtung, die Katze in die andere Richtung auf einen sicheren Baum.

Direkt am ersten Wochenende kamen dann meine Schwestern mit ihren Kindern und natürlich ich. Die Kinder finden den Hund natürlich süß. Nur konnte er sich da kaum zurückziehen. Das bei unseren Hunden übliche Rückzugsgebiet "Körbchen" kannte Ronny ja noch gar nicht.

Natürlich haben auch die Nachbarn oder beispielsweise der Metzger den Ex-Versuchshund schon bestaunt. Und diese Woche waren mein Onkel und meine Tante mit Hund (Zwergspitz) da, damit Ronny auch richtigen Hundekontakt bekommt. Da der Spitz Ronny aber nur angebellt hat, hat sich der relativ schnell verzogen. Ihn anzubellen, das scheint Ronny auch nicht gewohnt zu sein.

Auf alle Fälle haben wir jetzt einen Hund, der beim Metzger zwar interessiert schnuppert, dann aber die "fremdartige" Wurst verschmäht und der vor ein Paar Tagen nach etwas misstrauischem Beginn doch den Geschmack von Fleisch kennen und schätzen gelernt hat.

Es ist seltsam, einen erwachsenen jungen Hund um sich zu haben, der verängstigt ist und mit dem man nicht spielen oder toben kann.

Aber wenigstens mag Ronny streicheln. Er scheint das wirklich zu genießen. Und der Rest kommt bestimmt auch noch. Denn Ronny scheint mir sehr lernfähig zu sein und neugierig ist der Kleine auf alle Fälle.

Wer sich für mehr Informationen zu den Versuchshunden aus dem Kölner Modell interessiert, dem empfehle ich folgende Webseiten:

http://www.tierheim-wermelskirchen.de/

http://www.versuchstiere.de

http://www.laborbeagle.de

http://www.laborbeagle.com



****************
Kölner Modell:

Vermittlung von Versuchstieren

Das „Kölner Modell" ist eine Einrichtung zur Abgabe ehemaliger Versuchstiere an Privatpersonen, die gemeinsam von Personen aus dem Tierschutzbereich und tierexperimentell arbeitenden Wissenschaftlern in Köln ins Leben gerufen worden ist.
Bei den vermittelten Tieren handelt es sich fast ausschließlich um Hunde und Katzen, die von verschiedenen Pharmafirmen an das Tierheim zur Weitervermittlung abgegeben werden. Diese Tiere wurden vorher von Tierärzten eingehend auf ihren Gesundheitszustand untersucht und sind geimpft - die Katzen außerdem kastriert.
In den meisten Fällen wurden an diesen Tieren Untersuchungen zur Erforschung und Entwicklung von Tierarzneimitteln gegen parasitäre Erkrankungen durchgeführt. Etwa 70 % dieser Untersuchungen sind für die Zulassung dieser Medikamente von den Behörden vorgeschrieben.
Während in den ersten Jahren nur sehr wenige Tiere in das „Kölner Modell" gegeben wurden, ist diese Zahl in den letzten Jahren auf mehr als hundert Tiere pro Jahr angewachsen.
Die im Zusammenhang mit der Vermittlung dieser Tiere erhobene Gebühr dient ausschließlich der Unterhaltung des Tierheimes in Wermelskirchen. Der Tierschutzverein Wermelskirchen rettet seit 1989 Labortiere und ist glücklich darüber, so vielen helfen zu können. Der Vorstand wünscht sich, dass flächendeckend in ganz Deutschland Tierschutzvereine Kontakt mit den Pharmafirmen in ihrer Umgebung aufnehmen, um das Gleiche zu tun wie der Tierschutzverein Wermelskirchen:
Retten, was zu retten ist. Das geht nur im Dialog, nicht mit spektakulären Aktionen. Das Kölner Modell hat sich bewährt.
*******************


Hunde, die über das Kölner Modell vermittelt werden, sind meistens schon ausgewachsen, manchmal werden sogar Welpen abgegeben. Bei meinem ersten Anruf mit der Dame vom Tierheim Wermelskirchen habe ich erfahren, dass einige der Tiere erst mit 10 oder 12 von diesem Schicksal erlöst werden. Da hat Ronny mit seinen 2 1/2 Jahren ja noch Glück gehabt.

Ich bin hier sehr gespannt auf Kommentare. Wahrscheinlich werde ich euch auch mit Ronnys Werdegang bzw. seinen Abenteueren auf dem Laufenden halten. Ich hoffe, es besteht Interesse daran.


Liebe Grüße - allein ein schönes Wochenende - Miara

Anmerkungen:

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Lothar S., 29.11.2003 um 18:12 Uhr

Hallo Miara.
Absoluten Respekt vor deinen Eltern. Wer sich so einsetzt. alle Achtung vor den Leuten. Denn sie wissen ja genau was auf sie zukommt. Um die Probleme und Unannehmlichkeiten die der neue Bewohner mit sich bringt. Aber jeder kleine Schritt nach vorn wird euch belohnen und mehr Freude bringen als einen "Normalen" Hundebesitzer. Ich wünsch euch so viele kleine Schritte wie nur möglich. Würde mich freuen wenn du mal wieder was über die Fortschritte, die Ronny macht, schreibst. Auch wenn es momentan anscheinend nicht allzu viele interessiert :-(. Aber Sonnabend Nachmittag/Abend sitzen vielleicht nur einige wenige vor dem Computer.

MfG
Lothar



Verena F., 29.11.2003 um 19:52 Uhr

Liebe Miara,
Die Geschichte von Ronny und seinen Leidensgenossen ist zum Heulen, darum Hut ab vor jedem, der etwas dagegen unternimmt. Ich wünsche allen viel Glück, Freude und Geduld mit Ronny, und dem Hund ein langes artgerechtes Leben. Es würde mich interessieren zu erfahren, wie er sich entwickelt. Gruss,
Verena



Monika Paar, 29.11.2003 um 22:09 Uhr

eine schwere aufgabe haben sich deine eltern gestellt, ich bewundere sie dafür!
für ronny alles, alles gute und ich würde mich sehr freuen weiter von ihm zu hören.
lg
monika



Barbara Simmel, 29.11.2003 um 23:18 Uhr

und ich wünsche allen Beteiligten von Herzen alles Gute und viel erfolg bei Ronnys Resozialisaiton!
Alles alles Liebe für Euch!
Lieben gruß,
die babs



Kerstin Luehrs, 29.11.2003 um 23:36 Uhr

Liebe Miara,
aber natürlich will ich alles neue Wissen:-)
Ich finde es Bewundernswert,sich so einer Aufgabe zu stellen.
Es ist bestimmt nicht immer einfach,aber Ronny wird es euch danken.
Ich wünsche Euch viel Gedult und Kraft.
LG Kerstin



Nicole Kumpf, 11.12.2003 um 17:15 Uhr

Das ist sehr interessant, danke für diese Berichterstattung. Ich werde mir die Adressen abspeichern, für den Fall, dass unser Hund mal einen Nachfolger oder Spielgefährten bekommen soll. Ich finde diese Einigung Versuchstiere zu retten, sehr sinnvoll! Schlimm genug, dass überhaupt noch Versuche an Tiere ausgeübt werden -> siehe den Affen-Skandal in Münster. Alles Gute für Ronny, möge er bei euch lange glücklich leben!


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