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Dieser Distelfalter (Vanessa bzw. Cynthia cardui), der erste, den ich in diesem Jahr sah, spielte gestern am frühen Abend auf einem asphaltierten Feldweg bei Heuchelheim (Wetterau) ein nettes Spielchen mit mir: er ließ mich immer wieder am Boden mit Kamera an ihn heranrobben, gestattete mir exakt eine Aufnahme mit Olympus 2100 UZ und Canon D-500 und suchte dann das Weite, aber nur bis ich - vor Last und Mühe stöhnend - mich wieder im Schweiße meines Angesichtes aufgerichtet hatte. Dann nämlich ließ er sich regelmäßig, insgesamt ging das bestimmt 12mal so, fast zu meinen Füßen auf dem Feldweg nieder, schaute mich herausfordernd an und wartete "grinsend", bis ich mich wieder zum "Nahkampftraining" in untere Etagen begab.
Fazit: ich war am Ende fix und foxi, zumal ich meine Session immer wieder unterbrechen mußte, wenn Traktoren, Jogger und Radfahrer nahten, der Falter hingegen bester Dinge. Immerhin habe ich einige Makros meines neuen Spielkameraden mit nach Hause gebracht, u.a. dieses, auf dem der selbstbewußte Gesichtsausdruck des kleinen "Distelkönigs" m.E. recht gut zum Ausdruck kommt.
Ob Falter wirklich bisweilen spielen oder ob es nur ein Ausdruck von Revierverhalten ist? Letzten Spätsommer hatte ich in einem Biotop bei Eschborn einmal ähnliche Erfahrungen mit einem Admiral gemacht, der mich fast eine Stunde lang "observierte" und mich sogar in regelmäßigen Abständen anflog und immer wieder für Sekunden auf meiner Schulter landete. Welcher passionierte Schmetterlingsverhaltensforscher hat ähnliches erlebt und zu berichten?
Bei dieser Makroaufnahme ging es mir in erster Linie um die Frontpartie des Schmetterlings sowie seinen Gesichtsausdruck (jawohl, Falter haben sehr wohl Gesichter mit besonderem Ausdruck!). Eine größere Schärfentiefe war nicht mehr möglich, da das Licht bereits zu schlecht und mehr als Blende 5.6 nicht mehr drin war.
Heuchelheim - 25. April 2003 - 2100 UZ & 500-D - 1/100 Sek. - F 5.6 - ISO 100 - 395 mm.
Der Distelfalter, ein bei uns recht häufiger aber nicht minder schöner Schmetterling, ist eigentlich Afrikaner, der aber jedes Jahr nach Europa wandert, wo er freilich allenfalls im äußersten Süden überwintern kann. Man findet ihn in unseren Breiten von der Frühlingsmitte bis zum Spätherbst. Seine Flügelspannweite beträgt 5,4 bis 5,8 cm. Die hell- und mittelbraun marmorierte Flügelunterseite, auf dem Foto gut zu erkennen, kontrastiert herrlich mit der recht farbenfrohen Oberseite.
Hier noch zum Vergleich zwei meiner Distelfalter-FC-Fotos vom letzten Jahr:
wunderschön erwischt - einen Distelfalter hab ich in diesem Jahr noch nicht gesehen - dafür hab ich heute meinen ersten Nagelfleck überhaupt gesehen und fotografiert :-)
ein super gutes Makro, die Schärfe und die Perspektive einfach fantastisch. Ja anstrengend kann das fotografieren schon sein....aber das Ergebniss ist doch super...
lg edeltraud
Kompliment zu der sehr schönen Aufnahme und der sehr genauen Beschreibung des Verhaltens !
Ich hätte eine dringende Bitte:
Sicher bestimmte Sichtungen von DISTELFALTER und ADMIRAL (also am besten mit Bild, Qualität ist dabei nicht so wichtig) bis ca. Mitte Juni an mich melden oder am besten selbst in mein "Forum Wanderfalter" eintragen - erreichbar über mein "Portal für Schmetterlinge und Raupen"
Hallo Stephan,
du warst fix und foxi, und ich bin nun hin und weg über dieses großartige Distelfalter Makro und Erlebnis Story.Schade, dass dich niemand bei deiner Schmetterlingsjagd mit der Digi heimlich verfolgte........Ich glaube, da hätten wir auch tolle Bilder präsentiert bekommen.
LG Rose
Hallo,
Eine super gemachte Aufnahme.
Habe auch schon viele Schmetterlinge fotogfrafiert, habe aber die letzte Zeit immer Kameras mit einem schwengbaren Monitor gehabt und da ist das Fotografieren nicht so beschwährlich.
Viele Grüße Josef.
Eine wunderschöne Nahaufnahme eines tollen Falters. Interessant zu lesen auch deine Beschreibung und die Verhaltensforschungsdebatte dazu. Du zeigst, dass man Photos nicht nur kommentarlos ausstellen sondern auch eine Menge inhaltlich dazu aussagen kann.
Gruss Maria
@Sven: ich muß Dich aufklären, daß mich seinerzeit die Bundeswehr wegen körperlicher Untauglichkeit (und geistiger Überlegenheit ;-)) nicht haben wollte. Und
genau dieses harte Training fehlt mir nun, um mich einem solch flotten Falter gewachsen zu zeigen. ;-)
Gruß Stephan
Stimmt, der coole Falter guckt wirklich ziemlich selbstbewusst "aus der Wäsche". Du zeigst wieder mal, dass Fotografieren so anstrengend sein kann wie ein Marathonlauf. Aber solange das Ergebnis so lohnend ist ...
LG Sonja
Sehr schön detailreiche Aufnahme dieses filigranen Mitbewohners. Man meint, die kleinen Härchen zählen zu können! Die Brauntöne des Falters harmonieren perfekt mit dem Hintergrund, der Schärfebereich ist gut gewählt - kurz, all Deine körperlichen Mühen haben sich für dieses wunderbare Naturfoto gelohnt. Ein ausgesprochen sympathisch dreinblickender Falter!
Ja, immer der Kampf mit/gegen DOF ;-)) Aber mehr ist wirklich nicht rauszuholen, die Schärfe sitzt da wo sie hingehört. Ein spitzenmäßiges Makro ... und was für ein Grinsen. Dem haben Deine Leibesübungen mit Sicherheit Spaß gemacht. - Ich muss mich auch Rose anschließen: Du solltest sowas nie wieder alleine machen ;-)))
Gruß Ute