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Stuttgart - Ein zerbrochener Stuhl, blutverschmierte Textilien, Plastikhüllen von Medizinbesteck: Vor der evangelisch- methodistischen Christuskirche in Stuttgart-Zuffenhausen lagen am Sonntagnachmittag stumme Zeugen eines Blutbads. Der Amoklauf eines 25-Jährigen mit einem Samuraischwert kostete eine 43-jährige Frau das Leben. Drei weitere Besucher eines Gottesdienstes wurden schwer verletzt: Eine Frau und ein Mann schwebten am frühen Abend noch in Lebensgefahr. Nach Polizeiangaben wütete der Täter mit dem Schwert so schrecklich, dass einem weiteren Mann die Hand abgetrennt wurde.
Opfer und Täter gehören einer tamilischen Gemeinde an, die seit Jahren das Gotteshaus in der Cheruskerstraße besucht. Politische Motive schloss die Polizei aus und vermutet eher familiäre Konflikte. Tamilen leben vornehmlich auf Sri Lanka und im Süden Indiens.
Eine Anwohnerin berichtete, dass ungefähr 50 Menschen, darunter auch Kinder, schreiend auf die Straße gelaufen seien. Einige hätten abgebrochene Stuhlbeine als Verteidigungswaffen in der Hand getragen. Eine junge Frau sei am Hals blutend an der Straßenecke niedergesunken. Dort waren riesige Blutflecken auf dem Bürgersteigpflaster zu sehen, eine schwarze Haarlocke neben einem Plastikschlauch und eine Infusionsflasche. Die Tote lag noch am Nachmittag vor der weiträumig abgesperrten Kirche. Unter der schwarzen Plastikabdeckung lugte ein bestrumpfter Fuß hervor. Ein hochhackiger schwarzer Damenschuh lag ein paar Meter entfernt davon.
Laut Polizei kam es zu Tumulten, als der aggressive Täter die Kirche betrat. In Panik versuchten die Gläubigen, ihn mit Stühlen hinaus zu drängen. Dabei hieb der Mann, der auch eine Pistole bei sich trug, wahllos auf die Menschen ein. An der Tür des Gotteshauses wurde er von Polizisten gestellt und zur Aufgabe aufgefordert. Als er dies verweigerte, überwältigten ihn die Beamten mit Pfefferspray und nahmen ihn fest.
Möglicherweise gingen die Gläubigen Kirchenbesucher so rasch und massiv gegen den Mann vor, weil er schon vor Ostern persönliche Probleme in die Kirche getragen hatte. "Das war aber nicht so evident, dass dieses Drama vorauszusehen gewesen wäre", sagte Kühnen. Auch bei anderer Gelegenheit sei der Mann polizeilich schon einmal in Erscheinung getreten.
Die Hintergründe der Tat sind noch nicht ganz geklärt. Die Polizei schloss aber politische Motive aus. Möglicherweise sei die familiäre Situation Grund für das sinnlose Morden. Der leitende Kriminaldirektor Michael Kühnen sprach von einer "Beziehungsgeschichte". Der Mann soll an diesem Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.
Etwa 60 Gemeindemitglieder, davon die Hälfte Kinder, wurden von Seelsorgern in einem benachbarten Kindertagesheim versorgt. "Den Kindern geht es den Umständen entsprechend gut", berichtete Kühnen. Einige spielten schon wieder auf dem zum Heim gehörenden Spielplatz.
Nach Angaben der Augenzeugin aus der Nachbarschaft waren die Methodisten schon seit Jahren sonntagnachmittags zu ihren Gottesdiensten in dem vornehmlich von Ausländern bewohnten Stadtteil gekommen. "Das sind so ruhige Leute, da hört man gar nichts", berichtete die 56-Jährige. Nur an diesem furchtbaren Sonntagnachmittag war sie von den Schreien der fliehenden Gottesdienstbesucher aus dem Schlaf geschreckt worden. (dpa)
Eine Beamtin der Spurensicherung am Sontag (03.04.05) vor der Kirche im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen.
Canon EOS 1D Mk II, 2,8/70-200
Wenn in dem Mülleimer eine Leiche liegt, dann gute Nacht Deutschland. Hätte ihr vielleicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Aber ist auch so sehr beeindruckend.
LG AntonHerbert
Der kommt in kein Gefängnis, er ist verwirrt und kommt in eine geschlossene Anstalt (vielleicht später mit Ausgang;-)
PS: Er ist schon mehrmals durch seine Agressivität aufgefallen und niemand wollte mehr was mit ihm zu tun haben lt. TV Nachrichten......
harte sache, habe davon aus den medien erfahren. dein foto und der text dazu regen zum nachdenken an: das sollte fotojournalismus gelegentlich - starke reportage!
Mich hat die Polizei in den Siebzigern auch oft nachts zu Unfallstellen gerufen, weil ich den besseren Blitz hatte :-) Inzwischen schickt mich die regionale TV-Redaktion zu Unfällen und Bränden.
Die Kundschaft will Unglück sehen, um feststellen zu können, wie gut es ihnen doch trotzdem geht...
Grüße, Jürgen
@Ernst: Warum nicht?
Andererseits ist es schon blöde das Thomas sein Foto zu diesem Thema lieber auf der Titelseite der Bildzeitung veröffentlicht anstatt hier.
/Ironie aus
@Michael Goesch: Ich schwebe über allen Wassern.
@Thomas Niedermüller: Es sind 100 Fotografen, und die wollen auch noch Geld dafür ...
Unglaublich.
@Ernst Hosmann: Ja
@Oliver ~: Ja, Bild Zeitung ist blöde.
Voting Center, 24.04.2005 um 9:34 Uhr
Dieses Foto wurde für die Galerie vorgeschlagen, aber leider mit 51 pro und 195 contra Stimmen abgelehnt. Vielleicht klappt es das nächste Mal ;-)
finde die serie ganz hervorragend, wenngleich das hier gezeigte bild nicht mein favorit wäre.
wegen der idee und der glänzenden umsetzung trotzdem pro (schade, dass es noch nicht die möglichkeit gibt, serien vorzuschlagen)
meine strophe zu diesem d-lied:
Das ist nicht nur darstellen und klick. Sondern in diesem Bild ist Spannung, was Begingung für gute Reportagefotos ist. Oftmals kann man eine solche Situation nur in Bruchteilen von Sekunden erfassen, deshalb
je länger ich es mir anschaue, desto mehr wirkt
das bild aufgrund seiner details:
- die gaffer im hintergrund
- der polizist am funk
- der einzelne schuh
perfekt eingefrorene situation
für die sektion doku und reportage sicherlich ein pro!
die serie sowieso...
die tragischen Umstände, für die das Bild steht, werten es in meinen Augen weder auf noch ab
und ich finde das Bild selbst hat keine herausragenden Qualitäten
daher contra
Markus Benk, 24.04.2005 um 9:34 Uhr
Als vorgeschlagen ist die ganze Serie "Deutschlandlied" zu betrachten.