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Ja Sigrun, es ist Chaos, wie lange noch und wer ist wirklich schuld? Wer lügt hier und wer sagt die Wahrheit? Wer zahlt hier und wer streicht die Gelder ein? Es sind immer die Menschen, die sowieso schon wenig haben, weil sie die Masse sind, weil hier am meisten Geld zusammen kommt, das man umlagern kann. Wann???????
LG von Gabi
In der Nähe Deiner Insel befindet sich ein andere, kleine, unscheinbare Insel. Es gibt einige Häuser und vielleicht einige hundert Menschen dort.
Nach heutigen Maßstäben gemessen, schätze ich, dass das Stadion eines Zweitligisten irgendwo in Deutschland, ein grösseres Jahresbudget hat, als diese Insel. Also Peanuts, um ein berühmtes Wort aus dem Norden zu benutzen.
Auf der anderen Seite ist diese Insel wiederum scheinbar so interessant, dass zumindest zwei, nicht ganz untalentierte, Dichter sich damit auseinander gesetzt haben.
Der erste hiess Homer und sowohl er, wie auch sein Werk bezüglich dieser Insel, sollten jedem der sich als Sohn bzw.Tochter von Dichtern und Denkern sieht, zumindest in den Grundzügen bekannt sein.
Der zweite, einer der vorläufig letzteren, hiess Kavafis, sein Werk über die Insel ist - ich gebe es zu - weniger bekannt aber nicht desto weniger wichtig. Lange Zeit vor der Erfindung der EU und des Euro, beschreibt er, was diesen Menschen, die auf diese Insel leben und allen Menschen unserer Welt, welche den Blick in ihr Inneres richten können wichtiger ist, als die vermeintlich wertvollsten Schätze dieser Welt.
Das Gedicht (zu kurz, um es Epos zu nennen) heisst wie die Insel...
ITHAKA
Brichst du auf gen Ithaka,
wünsch dir eine lange Fahrt,
voller Abenteuer und Erkenntnisse.
Die Lästrygonen und Zyklopen,
den zornigen Poseidon fürchte nicht,
solcherlei wirst du auf deiner Fahrt nie finden,
wenn dein Denken hochgespannt, wenn edle
Regung deinen Geist und Körper anrührt.
Den Lästrygonen und Zyklopen,
dem wütenden Poseidon wirst du nicht begegnen,
falls du sie nicht in deiner Seele mit dir trägst,
falls deine Seele sie nicht vor dir aufbaut.
Wünsch dir eine lange Fahrt.
Der Sommermorgen möchten viele sein,
da du, mit welcher Freude und Zufriedenheit!
In nie zuvor gesehene Häfen einfährst;
Halte ein bei Handelsplätzen der Phönizier
Und erwirb die schönen Waren,
Perlmutter und Korallen, Bernstein, Ebenholz
Und erregende Essenzen aller Art,
so reichlich du vermagst, erregende Essenzen,
besuche viele Städte in Ägypten,
damit du von den Eingeweihten lernst und wieder lernst.
Immer halte Ithaka im Sinn.
Dort anzukommen ist dir vorbestimmt.
Doch beeile nur nicht deine Reise.
Besser ist, sie dauere viele Jahre;
Und alt geworden lege auf der Insel an,
reich an dem, was du auf deiner Fahrt gewannst,
und hoffe nicht, dass Ithaka dir Reichtum gäbe.
Ithaka gab dir die schöne Reise.
Du wärest ohne es nicht auf die Fahrt gegangen.
Nun hat es dir nicht mehr zu geben.
Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht.
So weise, wie du wurdest, in solchem Maße erfahren,
wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.
____________________
Ist es wahr, verstehen wir es wirklich?
Liebe Sigrun, ich glaube kaum, dass wir hier etwas ändern können. Es glauben sowieso schon viel zu viele, hierbei kompetent zu sein. Wir können nur hoffen!
Ich finde es aber grossartig, dass Du immer einen Denkanstoss für uns hast.
Ich lese auch gerne die Anmerkungen unter Deinen Bildern und die Gedichte.
Ein wunderschönes Wochenende, wünsche ich Dir.
Liebe Grüsse,
Cécile
Auch Ich glaube irgendwie , das Ich nichts ändern kann.
Aber .... Ich versuche es wenigstens .
Und aus diesem Grunde geht es am sehr frühen Dienstagmorgen gen Karpathos . Und Ich freue Mich da drauf.
HERVORRAGEND, Günter Grass wird leider immer wieder mißverstanden, dabei hat er so was von Recht!
Es<sieht jedenfalls nicht nach einem wirklich vereinigtem Europa aus - der Euro kam zu früh, das Ergebnis wird uns alle noch Jahre beschäftigen. Es wäre gut, wenn sich Europa ma auf seine eigenen Stärken besinnen würde - dann hätte es vielleicht noch eine Chance.
Grüße Ushie
Die Griechen sind die Erfinder der Demokratie. Und ist Europa nicht der Name einer griechischen Göttin?! Ich teile den Zorn den Günter Grass in diesem Gedicht ausdrückt.
Ich denke wir müssen dem "Krösus verwandten Gefolge" auf seine gierigen Finger klopfen und den Brunnenvergiftern (gewissenlosen Medien) den Schierlingsbecher reichen. Täglich werden unsere Hirne in Bild, Schrift und Ton mit diesem neoliberalen Müll geflutet, bis wir fast glauben was uns da eingetrichtert werden soll. Wenn alle davon reden muss ja schließlich was dran sein, z.B.:
Alle Griechen sind faul.
Und Schweine können fliegen.
Und die Erde ist 'ne Scheibe.
Basta.
Ständig werden milliardenschwere Rettungschirme aufgespannt, damit die Zocker nicht nass werden. Aber vielen, die es zahlen müssen steht das Wasser schon bis zur Unterlippe.
Mir wird speiübel, wenn ich daran denke.
Liebe Grüße
Uli
Ein Zitat aus den Anm. möchte ich aufgreifen, die weitverbreitete Meinung, die Griechen seien faul.
Ich kenne (persönl.) kein anderes Volk, das so viel und oft sehr hart arbeitet für einen vergleichsweisen Hierzulande - Hungerlohn. Wir (Deutschen) jammern auf hohem Niveau, sind aber zu "faul", um auf die Strasse zu gehen, nehmen alles hin, das ist ja bekanntlich der bequemere Weg. Es sei denn, unser (eigener) Wohlstand ist in Gefahr. Andere können davon nur träumen.
Bin seit gut 1 Woche zurück aus Griechenland. Sie sind uns nicht böse, ich habe mit vielen Griechen dort gesprochen, tapfer tragen sie ihre Bürde, und wieder wurde ich mit offenen Armen empfangen. Vorbehaltlos, wurde in div. Haushalte und Geschäfte eingeladen. Sie sind ein interessiertes und weltoffenes Volk. Die Gastfreundschaft überwältigt mich immer wieder von Neuem.
Längst sorge ich mich nicht mehr nur um Griechenland. Ich sorge mich um Europa.
Den Banken und den Inhabern der Macht ist dies sch... egal... sie sind - wie immer - fein raus.
@Tassos: Ithaka - Heimat Odysseus
Filakia
Kati
Die Antike in Ehren
IWF-Chefin Lagarde beschimpft die Griechen. Günter Grass tut das Gegenteil. Wer hat denn nun recht?
Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, hat in einem Gespräch mit dem Guardian gesagt, die Griechen könnten sich am besten selbst helfen, indem sie allesamt ihre Steuern bezahlten, und sie hat hinzugefügt: »Ich sorge mich mehr um die Kinder in einem kleinen Dorf in Niger, die nur zwei Stunden Unterricht am Tag haben und sich zu dritt einen Stuhl in der Schule teilen. An diese Kinder denke ich die ganze Zeit. Denn ich glaube, sie brauchen viel mehr unsere Hilfe als die Menschen in Athen.«
Auch mit richtigen Hinweisen kann man Demagogie betreiben. Frau Lagarde darf sicher sein, mit ihrer Bemerkung die Stimmung an nordeuropäischen Stammtischen gut getroffen zu haben, wo die armen Negerkinder immer dafür herhalten müssen, die Not des Nachbarn zu verkleinern. Und wenn alle Europäer – nicht allein die Griechen – ordentlich ihre Steuern bezahlten, wäre der Kontinent nicht pleite.
Der nordeuropäische Hochmut gegen den angeblich verlotterten Süden.
Ja, es ist leider wahr, dass der griechische Staat marode ist und das Bürgertum schwach. Woher auch sollten die zivilgesellschaftlichen Tugenden kommen? Jahrhundertelang Teil des Osmanischen Reiches, nach etlichen Umsiedelungen und Säuberungen zusammengewürfelt aus diversen Völkerschaften, entstanden nach dem Willen der Großmächte, die ihm einen bayerischen Prinzen als König verordneten, war das Griechenland der Moderne meist das Objekt fremder Interessen und selten das Subjekt der eigenen. Das setzte sich fort mit der brutalen Besetzung durch deutsche und italienische Truppen im Zweiten Weltkrieg und mit der von den Westmächten unterstützten Militärdiktatur Ende der Sechziger.
Es war Günter Grass, der in einem neuerlichen Leitartikelgedicht auf solches Schulbuchwissen aufmerksam gemacht und Griechenland zornig verteidigt hat. Anders als sein unglückseliges Israel-Gedicht verdient sein in der SZ abgedrucktes Gedicht Europas Schande Diskussion und Zuspruch. Nicht allein weil es wegen seines klassischen Versmaßes und seiner kräftigen Bilder literarisch satisfaktionsfähig ist, sondern weil es an ein paar Dinge erinnert: daran, dass Griechenland die Wiege Europas ist, dass sich die prächtigsten seiner antiken Kunstschätze in Berlin und London befinden und dass die Obristen willkommene Bündnispartner waren.
Grass erwähnt auch uns Deutsche: »Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land heimgesucht / trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister.« Der damals missbrauchte Friedrich Hölderlin, der im griechischen Freiheitskampf die deutsche Freiheitssehnsucht widergespiegelt sah, schrieb in seinem Gedicht Griechenland: »Attika, die Heldin, ist gefallen; / Wo die alten Göttersöhne ruhn, / Im Ruin der schönen Marmorhallen / Steht der Kranich einsam trauernd nun.«
Muss man darin erinnern, welche Bedeutung die Antike für die deutsche Geistesgeschichte gehabt hat? Weiß man noch, dass die europäische Kunst und Philosophie ihren Ursprung in Griechenland haben? Hat noch jemand eine Vorstellung davon, was der Geist Europas sein könnte? Offensichtlich nicht. Wir haben es hingenommen, dass die europäische Idee zu einem Fiskalprojekt verkommen ist und dass sich die EU über Glühbirnen streitet und nicht über ihre kulturelle Identität. Wir haben uns an die Herrschaft der Eurokraten derart gewöhnt, dass die Frage, ob Athen oder gar Rom aus Europa herausfliegen, kaum einen schlafenden Hund weckt. Grass, der schwer Erträgliche, schläft nicht: »Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land, / dessen Geist Dich, Europa, erdachte.«
Woher kommt der nordeuropäische Hochmut gegen den angeblich verlotterten Süden? Für den schnellen Strandurlaub oder die gepflegte Bildungsreise sind uns Palermo und Kreta gerade recht, und Bildbände über die Ägäis oder die Akropolis, oder was sonst das Herz des klassisch Gebildeten erfreut, schmücken den Gabentisch. Doch wenn jemand sein Kataster nicht ordentlich führt und auf Reifen ohne Profil fährt, dann passt der nicht zu uns gut gebügelten und protestantisch gestählten Nordeuropäern. Und wenn es ans Portemonnaie geht, hört der Spaß auf, dann darf Christine Lagarde den Kneipenwirt spielen, der den Zechpreller am Kragen packt.
»It’s the economy, stupid«, lautete Bill Clintons Wahlkampfslogan 1992. Derzeit beansprucht der Satz weltweite Geltung. Zumindest vom Aufruhr der islamischen Welt aber könnten wir gelernt haben, dass die Kultur ein zähes Prinzip ist, das sich rationalem Kalkül höchst ungern unterwirft. Unsere eigene Kultur erscheint uns selbstverständlich wie ein alter Hut, den man bei schlechtem Wetter vom Schrank holt und dann merkt, was man an ihm hat. Aber das ist ein Irrtum. Ohne seine kulturellen Gründe ist Europa nichts.
Zum Kongress für die Einigung Europas im Jahr 1948 waren Intellektuelle wie Raymond Aron und Denis de Rougemont, Dichter wie T. S. Eliot, Giuseppe Ungaretti und Ignazio Silone eingeladen. Das wäre heute undenkbar. Denn das europäische Projekt liegt fest in den Händen der Finanzminister und Banker, der Währungshüter und Konzernchefs. Wir sollten uns einmischen und die Griechen jetzt nicht allein lassen.
ZEIT Online 31.05.2012
Ein guter Artikel, der es auf den Punkt bringt, mit Intelligenz. Ich hoffe, das hier werden viele einmal aufmerksam durchlesen...
Das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann ist, wenn Politik und Wirtschaft es schaffen, die Menschen in Europa voneinander zu trennen, dann haben sie ja geschafft, was sie wollen - Manipulation auf ganzer Linie für ihre eigenen Machenschaften - das sollten sich die Menschen in Europa mal bewusst machen und sich nicht gefallen lassen!
Zusammenhalt heisst die Devise.
lg Kati