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Analphabet von Ulrich Kirschbaum

Analphabet


Von 

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6.12.2011 um 11:55 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Diese Blattflechte (Flavopunctelia soredica) ist offenbar wieder einmal des Lesens unkundig: Die Erstbeschreiber bezeichnen sie als gelb (flavus). Dem kann ich keinesfalls zustimmen. Immerhin ist sie wenigstens gepunktet (Punctelia) und die weißlichen Punkte sind auch sorediös (soredica).
Bedenkt man aber, dass das Exemplar aus Namibia stammt (wo selbst die Analphabetenrate unter Menschen sehr hoch ist), mag man ihr verzeihen, dass sie sich nicht an die schlauen Bücher hält. Derartig großlappige Flechten sind in diesem extrem trocken-heißen Land ohnehin sehr selten - da leistet sich die Art nicht auch noch den Luxus einer Gelbfärbung -:).
Gefunden habe ich sie am Waterberg. Wie der Name schon sagt, gibt es dort wenigstens ein bisschen Wasser.

Anmerkungen:

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Uli M., 6.12.2011 um 12:03 Uhr

Ganz hervorragend abgelichtet, gefällt sehr!!!!


Manfred Bartels, 6.12.2011 um 12:07 Uhr

Alles was nicht grün ist muß wohl gelb sein in solch wasserarmen Regionen.
Und wenn die Berge bis in die Wolken reichen, dann gibt es wohl auch etwas Feuchtigkeit.
Das ist ein solch erheblicher Unterschied zur Umgebung, dass sie glauben, das Wasser käme aus dem Berg.
Du erzählst viele Geschichten mit Deinem Bild.
Der Name der Flechte hat sich überliefert, aber wer waren die Erstbeschreiber? Gibt es darüber eigentlich auch Nachweise oder geht dieses Wissen schnell verloren. Vielleicht gibt es ja ein Entdeckerarchiv, ich weiß es nicht.
LG Manfred



Ulrich Kirschbaum, 6.12.2011 um 12:36 Uhr

@Manfred: Eine Art existiert in der Biologie erst dann, wenn sie von jemandem beschrieben worden ist, der die wichtigen Merkmale, die Unterscheidungskriterien zu benachbarten Arten und die Einordnung in das Verwandtschaftssystem der Natur dargestellt hat. So heißt der Mensch z.B. Homo sapiens (Linne) 1758), weil Carl von Linne (der übrigens das duale Benennungssystem entwickelt hat) den Menschen 1785 erstmals wissenschaftlich beschrieben und benannt hat (der Erstbeschreiber hat das Recht der Namensgebung). Was für den Menschen gilt, gilt auch für alle übrigen Lebewesen (einschließlich der Flechten). Du wirst also in jedem ordentlichen Bestimmungsschlüssel den Namensgeber hinter den Artnamen gesetzt finden und kannst dann versuchen, die Originalbeschreibung in der Literatur zu finden (meistens ist sie leider ausschließlich in Latein, neuerdings ist auch eine zusätzliche Übersetzung ins Englische gebräuchlich).
Bei der hier abgebildeten Species handelt es sich um eine erst ganz kürzlich entdeckte Art. Ein Kollege, der ein Pionier in der Lichenologie Namibias ist, hat sie mir freundlicherweise bestimmt. Ich habe noch nicht einmal den Erstautor im dafür zuständigen Link gefunden - so neu ist sie offenbar. (Vermutlich bin ich der erste Mensch, der ein einigermaßen ordentliches Foto davon gemacht hat ... ist ja auch schon was -:)).
mfg Ulrich



Conny Wermke, 6.12.2011 um 12:47 Uhr

Total interessant, die Beiträge und narürlich auch die Aufnahme. Durch Dich habe ich ja auch gelernt, den Flechten Beachtung zu schenken, genauso ihren
Geschichten, die sie preisgeben

LG Conny



Manfred Bartels, 6.12.2011 um 12:52 Uhr

@Ulrich
ich danke Dir für Deine ausführlichen Informationen. Ich freue mich immer wenn ich wieder was dazulernen kann.
Im Gegensatz zu den unzähligen Entdeckern ist mein Interesse und Wissen um die Dinge allerdings sehr oberflächlich. Ich bin nicht neugierig genug um ständig zu suchen und zu forschen.
Es freut mich, dass Du ein solch gutes Foto davon gemacht hast.
Das ist wirklich etwas Besonderes.
LG Manfred



Maria J., 6.12.2011 um 13:48 Uhr

Ist es nun ein warmes oder ein kühles Grün-Beige ..?
Man sieht es deutlich und hat doch nicht Worte genug um es korrekt zu beschreiben ..;-)
Ich gratuliere dir zu dieser hervorragenden Aufnahme,
die möglicherweise die erste ihrer Art ist ...:-)))
Die wandert zu meinen Favoriten ...!
Gruß, Maria



Frank Moser, 6.12.2011 um 15:21 Uhr

Ehrlich - ich bin beeindruckt von dem, was Du uns an Wissen bietest. Hier spürt man, dass aus Dir der Spezialist spricht. Wir krebeln hingegen ja doch nur +/- an der Oberfläche rum - was nicht negativ gemeint ist.
Dein Bild ist klasse. Diese weichen Formen der Lappen, die eher rauhen Punkte, das zarte gebrochen Grün-Gelb - das ist alles richtig gut. Natürlich stimmt auch der Bildaufbau - nur etwas eng ist es an einigen Stellen.

Viele Grüße
Frank.



Werner Bartsch, 6.12.2011 um 18:54 Uhr

wieder ein vorzügliches bild nebst beschreibung einer flechte, die ich sonst wohl nie zu gesicht bekommen hätte.
lg. werner




Rainer und Antje, 6.12.2011 um 19:33 Uhr

Wirklich toll, sollte mir die Flechten auch einmal genauer anschauen.
vg rainer



wolfgang und maritha, 6.12.2011 um 21:46 Uhr

Eine exzellente Aufnahme, lieber Ulrich.
Kontrast und Schärfeverlauf sind super.
Wir haben grossen Respekt vor Deiner Fotokunst und bewundern Dein Wissen über Flechten und Moose, von dem wir viel lernen können.
Weiter so schöne Motive wünschen
Wolfgang und Maritha.



Ulrich Kirschbaum, 6.12.2011 um 22:41 Uhr

Euch allen vielen Dank für die freundlichen Anmerkungen.
@Frank: Du hast zwar Recht mit dem engen Beschnitt, aber damit musst Du bei mir (noch) leben: Im Bemühen, die wesentlichen Bestimmungsmerkmale möglichst deutlich hervorzuheben, ist mir jedes Mittel recht, eine Flechte möglichst groß darzustellen (hier geht der Dokumentarfotograf unweigerlich mit mir durch). Manchmal beschneide ich so stark, dass nur noch ein Viertel der Flechte abgebildet wird - sofern es dem o.g. Zweck dient. Auch in diesem Fall hier habe ich rechts viel weggeschnitten. Immerhin habe ich hier in der FC schon gelernt, dass es noch andere (als dokumentarische) Gesichtspunkte gibt, unter denen man ein Bild erstellt. Und wenn ich gelegentlich Pilzbilder sehe (leider zu wenig Zeit, um das ausführlicher zu tun), so tut es auch den Augen eines Fachidioten gut, zu sehen, wie man Ästhetik und Dokumentarisches (manchmal) gelungen miteinander vereinen kann. Wenn ich einmal so weit sein sollte, hätte ich mein Ziel erreicht.
mfg Ulrich



Beatrice J., 7.12.2011 um 11:31 Uhr

Eine imposante Nahaufnahme ist Dir wieder einmal geglückt - sie sieht prächtig aus. Könnte es nicht sein, dass sie unterschiedliche Färbungen durch Witterung und und Standort entwickelt ? Ich muss da an die Wandgelbflechte denken, die manchmal grün ist, auch braun und manchmal auch zeigt, was ihr Name verspricht...Aber was auch immer für Kleidung sie anlegen - schön sind sie allemal. Herzliche Grüsse von Beatrice


Ernst Kw, 7.12.2011 um 19:10 Uhr

Mal wieder spannende Informationen und da die Flechte ja ein Analphabet ist wurden sie vom weit angereisten Experten aufgeschrieben und mit einem exzellentem Foto illustriert!
Grüße Ernst



Willi von Allmen, 26.01.2012 um 10:05 Uhr

Ein richtiges Bijou von Flechte, zumindest ist das Bild ein Bijou.
Willi



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  • EOS 40 D
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  • 90 mm
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