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Matrix von Eckhard Meineke

Matrix


Von 

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29.04.2010 um 0:00 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Bocholt, Textilmuseum, 4. April 2010. Nikon D 90 mit Nikkor f/3,5-5,6 28-200 G mm bei 38 mm. JPEG (8 Bit) Fein. ISO 1000. 1/100 sec f/4 bei mittenbetonter Messung. Bearbeitung: Corel PhotoImpact X3. Kontrasterhöhung: S-Kurve. Nachschärfen des auflösungsreduzierten Bildes 20/100.

“Es ist lächerlich. Ich sitze hier in meiner kleinen Stube, ich, Brigge, der achtundzwanzig Jahre alt geworden ist und von dem niemand weiß. Ich sitze hier und bin nichts. Und dennoch, dieses Nichts fängt an zu denken und denkt, fünf Treppen hoch, an einem grauen Pariser Nachmittag diesen Gedanken:, Ist es möglich, denkt es, daß man noch nichts Wirkliches und Wichtiges gesehen, erkannt und gesagt hat? Ist es möglich, daß man Jahrtausende Zeit gehabt hat, zu schauen, nachzudenken und aufzuzeichnen, und daß man die Jahrtausende hat vergehen lassen wie eine Schulpause, in der man sein Butterbrot ißt und einen Apfel?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß die ganze Weltgeschichte mißverstanden worden ist? Ist es möglich, daß die Vergangenheit falsch ist, weil man immer von ihren Massen gesprochen hat, gerade, als ob man von einem Zusammenlauf vieler Menschen erzählte, statt von dem einen zu sagen, um den sie herumstanden, weil er fremd war und starb?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß man glaubte, nachholen zu müssen, was sich ereignet hat, ehe man geboren war? Ist es möglich, daß man jeden einzelnen erinnern müßte, er sei ja aus allen Früheren entstanden, wüßte es also und sollte sich nichts einreden lassen von den anderen, die anderes wüßten?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß alle diese Menschen eine Vergangenheit, die nie gewesen ist, ganz genau kennen? Ist es möglich, daß alle Wirklichkeiten nichts sind für sie; daß ihr Leben abläuft, mit nichts verknüpft, wie eine Uhr in einem leeren Zimmer –?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß man von den Mädchen nichts weiß, die doch leben? Ist es möglich, daß man ›die Frauen‹ sagt, ›die Kinder‹, ›die Knaben‹ und nicht ahnt (bei aller Bildung nicht ahnt), daß diese Worte längst keine Mehrzahl mehr haben, sondern nur unzählige Einzahlen?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß es Leute gibt, welche ›Gott‹ sagen und meinen, das wäre etwas Gemeinsames? – Und sieh nur zwei Schulkinder: es kauft sich der eine ein Messer, und sein Nachbar kauft sich ein ganz gleiches am selben Tag. Und sie zeigen einander nach einer Woche die beiden Messer, und es ergibt sich, daß sie sich nur noch ganz entfernt ähnlich sehen, – so verschieden haben sie sich in verschiedenen Händen entwickelt. (Ja, sagt des einen Mutter dazu: wenn ihr auch gleich immer alles abnutzen müßt. –) Ach so: Ist es möglich, zu glauben, man könne einen Gott haben, ohne ihn zu gebrauchen?

Ja, es ist möglich.

Wenn aber dieses alles möglich ist, auch nur einen Schein von Möglichkeit hat, – dann muß ja, um alles in der Welt, etwas geschehen. Der Nächstbeste, der, welcher diesen beunruhigenden Gedanken gehabt hat, muß anfangen, etwas von dem Versäumten zu tun; wenn es auch nur irgendeiner ist, durchaus nicht der Geeignetste: es ist eben kein anderer da. Dieser junge, belanglose Ausländer, Brigge, wird sich fünf Treppen hoch hinsetzen müssen und schreiben, Tag und Nacht, ja er wird schreiben müssen, das wird das Ende sein:“


Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3713&kapitel=1#gb_f
ound


http://www.youtube.com/watch?v=WnEYHQ9dscY&feature=related







Matrix (7) von Eckhard Meineke
Matrix (7)nicht in Diskussion
Von
22.4.10, 10:06

Matrix (8) von Eckhard Meineke
Matrix (8)nicht in Diskussion
Von
22.4.10, 10:16

Matrix (9) von Eckhard Meineke
Matrix (9)nicht in Diskussion
Von
22.4.10, 10:24

Matrix (10) von Eckhard Meineke
Matrix (10)nicht in Diskussion
Von
22.4.10, 15:43

Anmerkungen:

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Travequeen, 29.04.2010 um 9:04 Uhr

Eine starke Aufnahme mit bewegendem Text!
LG Marie



Flighty Furrow, 29.04.2010 um 11:45 Uhr

.

Stunde null - die Serie selbst (droht) zur Matrix zu werden ;-)

Matrix - dieses verfluchte Ding. Stecke gearde 'tief' in meiner, später also mehr!



Eckhard Meineke, 29.04.2010 um 13:10 Uhr

@ Travequeen: Danke! Merkwürdigerweise löst aber Rilke dann sein Versprechen nicht ein. Eckhard

Queen von Eckhard Meineke
Queen
Von
28.1.10, 9:19
52 Anmerkungen




Eckhard Meineke, 29.04.2010 um 13:13 Uhr

@ Flighty Furrow: Lieber Flighty Furrow, wie Du dir denken kannst, rätsle ich bereits seit einigen Tagen, was ich zu deinen beiden neuesten Aufnahmen schreiben könnte. Du musst dich also gleichfalls noch etwas gedulden ;-). Eckhard

Enigma von Eckhard Meineke
Enigmanicht in Diskussion
Von
10.9.08, 16:40




Flighty Furrow, 29.04.2010 um 17:02 Uhr

.

Hallo Eckhard,

Rätseln macht Spaß! Ansonsten, wenn du des Rätsels Fragen stellst, widme ich mich der Antworten ;-)

Über Rätseln gesprochen, vielleicht hast du einen guten Einfall:

[ewS] oder besser noch [ewSsmA] von Max Stockhaus
[ewS] oder besser noch [ewSsmA]nicht in Diskussion
Von
27.4.10, 22:50
6 Anmerkungen




Das Rätsel - auch eine Martix, die Ideen und Assoziation zu dienem Blid-Zyklus sprudeln nur so hervor.



Eckhard Meineke, 29.04.2010 um 19:58 Uhr

Lieber Eric, für das obige Bild gibt es zumindest eine mögliche Lösung ... allerdings mag der wilde Seemann seine Haare behalten. Meine "Rätsel" sind ja eigentlich keine, sondern Denk-Anstöße. Eckhard





Markus Novak, 29.04.2010 um 20:02 Uhr

ich denke mal wieder nur eindimensional - interessantes Bild, das ich eher in einem Museum für Computertechnik vermutet hätte.

Dein Bild
Enigma von Eckhard Meineke
Enigmanicht in Diskussion
Von
10.9.08, 16:40

finde ich total Klasse !!

Gruß von Markus



Stefan Adam, 29.04.2010 um 20:11 Uhr

Ich sollte mich mal mit Rilke befassen - Dein zitierter Text ist klasse und das, was thematisiert wird, erinnert mich tatsächlich an "Matrix" (Film), was aber sicherlich nicht Deine Absicht war, oder? Andererseits sollte man zumindest Teil 1 nicht unterschätzen. Eine befreundete Lehrerin behandelt den Film in der gymnasialen Oberstufe - im Religionsunterricht.
Gruß, Stefan
P.S.: die Serie lässt ja noch einiges erwarten!



Max Stockhaus, 29.04.2010 um 21:42 Uhr

Mir gefällt das Thema, der Text unter dem Foto und das Foto auch.
:)
-
Hier werd ich jetzt öfters schaun.
:)
gms



Eckhard Meineke, 29.04.2010 um 22:52 Uhr

@ Markus: Lieber Markus, es ist die Lochkartensteuerung einer Spinnmaschine, also Teil eines mechanischen "Computers". "Enigma" sollte in der Tat einmal veröffentlicht werden; es gehört ja auch in diesen Zusammenhang. Eckhard

Illuminati von Eckhard Meineke
Illuminatinicht in Diskussion
Von
18.7.08, 21:12




Eckhard Meineke, 29.04.2010 um 22:56 Uhr

@ Stefan: Lieber Stefan, der Film "Matrix" ist der Auslöser der ganzen Geschichte; ich habe ja einen Teil davon unter dem Bild verlinkt. Später habe ich dann Rilke mit "Matrix"-Augen gelesen. Das Thema lässt sich meinem Empfinden nach sehr gut im Religions- oder Ethikunterricht behandeln; ich werde einmal meine befreundete Lehrerin danach fragen ;-). Eckhard

Reisende von Eckhard Meineke
Reisendenicht in Diskussion
Von
26.10.10, 15:57




Eckhard Meineke, 29.04.2010 um 22:58 Uhr

@ Max: Mir geht es genauso wie Dir ;-). Eckhard





Andreas Denhoff, 30.04.2010 um 18:03 Uhr

Die Geburtsstunde eines Stoffes... Ob der dann auch so viele "Löcher" hat? ;-)) Ach, hier bedeutet ja das Loch wahrscheinlich eine bestimmte "Aktion"...
LG Andreas



Eckhard Meineke, 30.04.2010 um 20:20 Uhr

Lieber Andreas, so ist es. Und es ist doch merkwürdig, das etwas nach außen Geschlossenes und Perfektes über solche Wege entsteht. Aber Werkstatt und Produkt sind nun einmal a priori etwas Verschiedenes; das wirst Du ja von deinem Orchester kennen. Gut, das es jetzt diesen Förderverein gibt. Wie sieht's da mit Aufnahmen bei den Proben aus? ;-) Eckhard

Erwartungen von Eckhard Meineke
Erwartungennicht in Diskussion
Von
14.7.08, 21:07




Kerstin Stolzenburg, 2.05.2010 um 22:20 Uhr

Lieber Eckhard, die Komposition der Bilder und Texte im Kontext der Matrix-Thematik ist überaus interessant und gelungen.
Marionetten von Kerstin Stolzenburg
Marionetten
Von
26.9.07, 7:45
30 Anmerkungen
Die Besprechung ist bereits in Arbeit, wird mich aber noch etwas beschäftigen, kommt aber spätestens morgen abend ;-).

Kerstin



Voting-Center, 3.05.2010 um 12:17 Uhr

Dieses Foto wurde für die Galerie vorgeschlagen, aber leider mit 61 pro und 658 contra Stimmen abgelehnt.


 

Eckhard Meineke, 3.05.2010 um 14:27 Uhr

Liebe Kerstin, danke! Das hat Zeit. Das nächste Bild kommt erst in einigem Abstand. Eckhard

Am Draht von Eckhard Meineke
Am Drahtnicht in Diskussion
Von
25.7.08, 15:04




Kerstin Stolzenburg, 3.05.2010 um 20:05 Uhr

Lieber Eckhard,

betrachtet man den Begriff „Matrix“ in seiner ursprünglichen Übersetzung und Bedeutung als „Gebärmutter“ oder daraus ableitend sinnbildlich als ein Konstrukt, das etwas anderes umhüllt, auch und vor allem erst einmal schützend umhüllt, so ist damit zunächst nicht zwingend etwas Negatives verbunden. http://www.awb1.ch/dat/m/matrix.php

Auch im Alltag werden täglich Matrizen genutzt, sei es in der Mathematik, in der Buchhaltung oder – wenn man dies so verstehen möchte – auch in der Anordnung der Löcher bzw. Lochkarten, die vor noch gar nicht allzu langer Zeit den Ablauf der Arbeitsgänge einer Spinnmaschine und somit das Zusammenwirken der einzelnen Fäden und Farben steuerten, so dass letztlich tatsächlich der Stoff entstand, der benötigt wurde.

Bekannt ist das Lochkartensystem zudem von Spieluhren und Drehorgeln, wo sie auch heute z.T. noch Verwendung finden, obwohl über die Entwicklung lochkartengesteuerter Rechenmaschinen und deren Elektrifizierung der Weg längst in unsere digitale Computerwelt führte. http://www.plingplong.org/geschichte.html

Natürlich kann man das Motiv des zur Diskussion gestellten Bildes und auch die verlinkten Aufnahmen allein bereits aufgrund ihrer Strukturen und Verbindungen, die die einzelnen Elemente miteinander vernetzen, als Matrix sehen. Dabei passt auch die Einstellzeit in einer ersten Betrachtung als „Muster“ sehr schön zu den Lochstreifen, wobei man zur Bedeutung der „Löcher“, die hier aus Nullen und Punkten bestehen würden, und ihrer Übersetzung an anderer Stelle noch etwas sagen kann.

Grundsätzlich ist also all das, was wir in der realen Welt mit einer Matrix verbunden sehen, zunächst rein funktionaler Natur, d.h., die Matrizes verschiedener Art üben auf natürliche oder auf chemisch-technischem Weg entstandene Weise Schutzfunktionen aus bzw. dienen dem präzisen, sich wiederholenden Ablauf bestimmter Vorgänge. Daran ist nichts Geheimnisvolles; es lässt sich alles erklären, nachvollziehen und nach entsprechenden Vorgaben auch immer wieder neu gestalten. Der Mensch ist sich der Abläufe und Verbindungen bewusst, könnte sie jederzeit neu programmieren, unterbrechen, reparieren. Er hat die Dinge sozusagen „unter Kontrolle“, da die in der Regel in sich geschlossenen Systeme überschaubar und kaum unvorhersehbaren Einflüssen von außen unterworfen sind.

Jede Matrix dieser Art dürfte theoretisch jedoch immer in eine nächsthöhere Matrix eingebunden sein. Der einzelne Mensch in die Familie und in die Gesellschaft, in seine Zeit
, in die Natur, in Religionsgemeinschaften, die Spinnmaschine in den computergesteuerten Ablauf, in die Spinnerei und in die textilverarbeitende Industrie, diese wiederum in den nationalen und globalen Markt, aber auch in Vorgänge, die die Umwelt tangieren, da für das Betreiben der Maschinen Energie und Rohstoffe benötigt werden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Je größer und verzweigter diese Konstruktionen werden, desto weniger werden sie vom Menschen kontrollierbar und be-herrschbar sein. Verbindungen werden gekappt, andere neu angelegt; es entstehen immer neue kleine
in einer großen, die natürlich auch wieder in eine Galaxie, in ein Universum oder vielleicht in mehrere Universen münden; man könnte das Werk fast als etwas Organisches betrachten, als eine sich stetig verändernde Masse, die mehr oder weniger belastbar und reaktionsfähig ist.

Nun muss gerade deshalb bei diesem Zusammenwirken und den Abhängigkeiten auch das Prinzip Verantwortung beachtet werden. Diese darf nicht dort aufhören oder vernachlässigt werden, wo kein direkt messbarer Nutzen bzw. kein direkt spürbares Gefühl mehr mit der vertrauten Matrix verbunden ist. Wie schwer jedoch selbst vor diesem Wissen manche Einzelinteressen und Ansprüche unter einen Hut zu bekommen sind, zeigten nicht zuletzt die Ergebnisse des Klimagipfels in Kopenhagen. http://www.europarl.europa.eu/news/public/story_page/064-67384-01
8-01-04-911-20100115STO67372-2010-18-01-2010/default_de.htm
In der Einstellzeit des Bildes könnte man symbolisch auch wieder Gott und die Schöpfung sehen, eine unabhängig bzw. über jeder Matrix stehende unbegreifliche Macht. Leider ist wohl nicht mit dem Erscheinen eines neuen „Neo“ zu rechnen, der die Welt retten wird, wenn der Mensch irgendwann alles vergurkt hat, was hoffentlich nicht eintreten wird!

Eine Matrix mit dem Verstand zu betrachten, entstehen zu lassen, zu pflegen, ist also eine Sache, aber es gibt natürlich auch andere Erscheinungsformen solcher Netzwerke, die die menschliche Psyche, Vorstellungskraft und die Philosophie tangieren. Dies sind ja auch Gestaltungsmittel, die auf altbekannten Theorien basieren, die man ausführlich vertiefen könnte und die in großem Maße zum Erfolg der Matrix-Trilogie beitrugen und ihre Betrachter in ihren Bann zogen.

„Die drei Matrix-Filme waren nicht nur ein erheblicher kommerzieller Erfolg , sondern haben auch die Aufmerksamkeit von etablierten Intellektuellen auf sich gezogen. 2002 erschien das Buch ‚The Matrix and Philosophy’, in dem sich Profes-soren der Philosophie zum Thema äußern. Christian Beenfeldt beschreibt in dem Aufsatz ‚The Primacy of Consciousness ‘Reloaded’ – The Philosophy Behind The Matrix’ zum philosophischen Hintergrund von ‚The Matrix’: ‚Die zentrale Prä-misse von ‚The Matrix’, dass der Mensch einer metaphysischen Täuschung ausgesetzt sein könnte, ist nicht neu im westli-chen Denken. Sie wurde im 17. Jahrhundert in das Herz der westlichen Philosophie injiziert durch Rene Descartes.’ Descartes wurde der moderne Vater der ‚Vielleicht’-Schule der Epistemologie: ‚Die Schule , deren zentraler Inhalt ist, dass jede Art von Fantasieszenerio möglich ist, einzig deshalb, weil es vorstellbar ist.’ Die Matrix-Macher präsentieren uns in ihren Film die Ideen, dass die Menschen des Jahres 1999 von einer Computer-Simulation, eben der Matrix, kontrolliert werden, ohne sich dessen bewusst zu sein. Eine ähnliche Idee hat 1974 der deutsche Filmemacher Rainer Werner Fassbinder (1946 – 1982) in seinem TV-Film ‚Welt am Draht’ verarbeitet. Die in die Köpfen der Menschen projizierte Welt ist visuell erheblich attraktiver als die schmuddelige und vulgäre reale Welt. In der Unrealität werden auch die meisten wichtigen Konflikte gelöst. ‚Diese Elemente’, schreibt Christian Beenfeldt, betonen das Thema, dass die Realität unbedeutend ist.’ Die Matrix-Triologie propagiert eine Kombination von Skeptizismus und Mystizismus, die beide den Primat der Reali-tät verwerfen und das Bewusstsein als primär ansehen. Der religiöse Mystizismus von ‚The Matrix’ wird in einer Besprechung der Zeitschrift’ Christianity Today’ anerkannt, die den Film für einen der besten des Jahres 1999 hält. Der Film zeichnet deutliche Parallelen zwischen Jesus und Neo, dem Retter der Menschheit, der wundersam von den Toten aufersteht und Wunder sowohl in der Matrix wie auch in der realen Welt vollbringen kann. ‚The Matrix’ betont die Wahrheit von Ayn Rands Beobachtung: ‚Den Menschen ist beigebracht worden, dass das Wissen entweder unmöglich ist (Skepti-zismus) oder dass es ohne Anstrengungen verfügbar ist (Mystizismus). Diese beide Positionen erscheinen als Antagonisten, sind aber tatsächlich zwei Seiten des gleichen Themas, zwei Seiten der gleichen falschen Münze: Dem Versuch, der Verantwortlichkeit der rationalen Kognition und dem Absolutismus der Realität zu entkommen – dem Versuch, den Primat des Bewusstseins über die Existenz zu behaupten.’” http://objektivisten.wordpress.com/2007/05/31/die-philosophie-von
-the-matrix/

Analog zum Film stellt man sich die Matrix sinnbildlich ja gern auch als Theater vor, in dem mehr oder weniger sichtbare Kräfte Menschen wie
Marionetten von Kerstin Stolzenburg
Marionetten
Von
26.9.07, 7:45
30 Anmerkungen
tanzen lassen. Nicht immer werden sich das Individuum oder die Gruppe der Schnüre bewusst sein, mit denen sie bewegt werden; die Strategien und Methoden der Beeinflussung dürften auch nicht immer derart einfacher Natur sein, dass sie auch noch der langsamste Denker in der Supermarktwerbung erkennt. Was in diesem Bereich inzwischen alles möglich sein könnte, verrät bereits ein kurzer Blick ins Internet, wobei vieles sich gewiss im Reich der Utopie oder Phantasie bewegen dürfte und stark an Spielfilmszenarien erinnert ... aber man weiß es nicht. http://www.psychophysischer-terror.de.tl/Literatur-.htm

Andererseits ist sich der Mensch mancher Verbindungen, die er eingegangen bzw. in die er hineingeraten ist, auch klar bzw. könnte sich ihrer bewusst sein. Oft sind es ja ganz alltägliche Abläufe, in denen er sich bewegt. Vieles davon wird wichtig sein, ihn auch halten und tragen. Anderes könnte unglücklich machen, problembehaftet sein, möglicherweise auch das Ziel haben, ihn zu benutzen oder ihn auf einem bestimmten geistigen Niveau zu halten, um ihn besser lenken zu können. Trotzdem muss er sich dabei nicht fühlen wie in einem Gefängnis; den meisten Menschen in „Matrix“ fehlte scheinbar nichts, sie vermissten nichts und es war bequem und im Vergleich so ganz anders als die harte, schmutzige Welt der Realität, so anders, dass Cypher nach dieser Sicht „von außen“ wieder zurück wollte, und, fast einem Judas gleich, die Gefährten verriet und zum Mörder wurde.

Aber warum sollte man auch aus einem gut funktionierenden Gefüge ausbrechen wollen, selbst wenn sie negative Hintergründe hat und man sie kennt, solange die kleinen Annehmlichkeiten vorhanden sind, die das Leben doch mehr als erträglich machen.
Was ist schon die Wahrheit, was ist sie wert, weshalb sollte man nach ihr suchen, Dingen auf den Grund gehen oder mehr wissen wollen, als für diesen Alltag nötig ist?
Hat man dazu vielleicht eine Pflicht, sich selbst und anderen gegenüber?
Man hat die Pflicht, zumindest aus moralischer Sicht und soweit möglich, wenngleich die Fragen der Möglichkeiten und des Mutes gewiss nicht immer einfach zu beurteilen sind.
Worte von Kerstin Stolzenburg
Wortenicht in Diskussion
Von
9.11.09, 20:21

Mehr gelesen, mehr gesehen, mehr verstanden, hinter die Kulissen geschaut zu haben, macht möglicherweise nicht unbedingt glücklicher; das Gegenteil könnte der Fall sein. Denn auch das muss man erst einmal aushalten. Und wer sagt einem, dass sich das Gesehene, das dadurch vielleicht Erhoffte, auch umsetzen lässt, wer sagt, dass man - wie im Film - aufgrund einer Ahnung gerettet wird?
Das Alte, Vertraute zu verlassen, bedeutet zugleich auch, in etwas Ungewisses aufzubrechen. Lohnt das? Lohnte es für Neo?
Und den Menschen „das Heil“ bringen zu wollen, im positivsten Sinne, wie auch immer dieses aussehen mochte, hat sich in der Geschichte auch nicht immer als einfach erwiesen. Auch bezüglich des Guten mussten und müssen sie oft erst mühevoll überzeugt werden.

Wenn aber jemand die Matrix erkennen will, so muss er wahrscheinlich aus ihrem Inneren heraus, muss sie, sinnbildlich gesehen, von außen betrachten, um ihr ganzes Ausmaß abschätzen zu können. Er muss also seinen Geist befreien, wie wenn er einen Berg besteigt und ihn immer mehr frische Luft umgibt und er von dessen Spitze aus herabschauen kann auf die
unter ihm. Vielleicht ergeben sie ein Bild, das ihn weiterführt.

Diesen Berg zu besteigen, versuchte auch Malte Laurids Brigge, der sich „fünf Treppen hoch“ hinsetzen, reflektieren und schreiben wollte. Dabei lassen seine Aufzeichnungen dann aber doch „keine Zielorientierung erkennen. Ob Malte nach deren Beendigung weiterlebt, und wenn ja: wie er lebt, geht aus ihnen nicht hervor. Sie könnten früher enden, sie könnten umfänglicher sein, sie könnte ergänzt oder erweitert werden, - nichts würde sich ändern ... ‚es hätten immer noch Auf-zeichnungen hinzukommen können’, so Rilke selbst“. (Quelle: Jürgen H. Petersen „Der deutsche Roman der Moderne“, S. 72) Damit hat sich zumindest Rilke als Autor des Buches aus einer Matrix herausgenommen und mit einem „Montagero-man“, dessen Passagen ein „Geflecht bilden, das durch keinen fest umgrenzbaren Sinn geordnet scheint“ ... dessen Technik mit der Inhaltsanalyse korrespondiert, “welche Lebensentfremdung, Ich-Isolierung und Undarstellbarkeit der Welt als Zent-ralmotive erkennbar macht“ und den Leser zu einer offenen Rezeption zwingt, den Weg in die Moderne geöffnet.
Ob Malte sich durch das Schreiben aus seiner Denk-Matrix befreien kann, ob er „anfangen kann“, etwas von dem, was er erkannt und notiert hat, umzusetzen, bleibt dagegen völlig offen.

An anderer Stelle: „’Habe ich es schon gesagt? Ich lerne sehen.’ Sehen bedeutet hier, dass Malte sich nicht auf die Oberflä-che der Welt, sondern auf sein Inneres, auf die in ihm hervorgerufenen Gefühle zu konzentrieren beginnt. An die Stelle der Objekte rückt die subjektive Empfindung: ‚Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer in mich hinein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer zu ende war. Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wusste.’ Wie die Welt ist, weiß Malte nicht zu sagen, was es mit ihr auf sich hat, lässt sich nicht durchschauen. Sie bildet für das Subjekt lediglich einen Haufen beziehungsloser Elemente, die daher auch keineswegs ‚richtig’, d.h., wahrheitsgemäß wiedergegeben werden können. Das Chaos der Welt bleibt auf sich beruhen, Zutreffendes ist nur über das Innere des der Welt entfremdeten Subjekts zu sagen.“

Auch hier könnte man Ansätze der Erkenntnistheorie René Descartes (beispielsweise) erkennen, die die Aufzeichnungen Maltes mit Motiven des „Matrix“-Filmes verbinden. „Wer die Welt so beschreibt, wie er sie erlebt, scheint ihr Unrecht anzutun, scheint sie zu fälschen. Doch da wir immer nur sagen können, was wir mitbekommen, und nur mitbekommen, wofür uns das Verständnis nicht mangelt, entscheiden die subjektiven Bedingungen über das, was wir sehen und daher mitteilen können. Insofern bildet jede aufrichtige Darstellung der Welt zugleich eine Fälschung.“ (Jürgen H. Petersen „Der deutsche Roman der Moderne“)
Der Roman endet mit der Parabel vom verlorenen Sohn, „die Malte als ‚Legende dessen’ erzählt, ‚der nicht geliebt werden wollte.’ Die eisige Isolation allein gibt Sicherheit und Halt, denn über die res extra nos wissen wir nichts, und nicht einmal über diejenigen, die uns lieben, ist Gewissheit zu erlangen. ‚Schlecht leben die Geliebten und in Gefahr’, notiert Malte, ... ‚Ich will nichts von Dir erzählen, Abelone. Nicht deshalb, weil wir einander täuschten ..., sondern weil mit dem Sagen nur Unrecht geschieht.’ Selbst des geliebten Liebenden kann man nicht sicher sein, ein Wort über ihn ist ebenso eine Fälschung wie ein Wort über die Welt.“ Aus philosophischer Sicht betrachtet, ist das nachvollziehbar, in der Realität aber nicht lebbar, es sei denn, man wäre in der Tat an einem Ende angelangt, an dem es keine Worte mehr gibt.

Da finde ich die in Matrix gewählte Variante schon besser, wobei sie natürlich auch symbolisch wieder weit ausdeutbar wäre. Immerhin siegt dort die Liebe: „Trinity ist wegen einer Offenbarung des Orakels jedoch davon überzeugt, dass Neo lebt. Sie spricht zu ihm und gibt ihm einen Kuss, Neo erwacht.“ ... http://de.wikipedia.org/wiki/Matrix_(Film)

Wie im Märchen bei Dornröschen ;-)). Nur dass hier der „Auserwählte“ selbst durch die Liebe wieder zum Leben erweckt wird.

Nun sind meine Notizen zu deinem Bild natürlich auch nur als eine Aneinanderreihung verschiedener
zu sehen; die Thematik, der Film und Maltes Aufzeichnungen sind für sich genommen jeweils bereits so umfassend interpretierbar, dass dies hier nur ein Versuch einer Annäherung sein kann.

Kerstin



Eckhard Meineke, 3.05.2010 um 20:37 Uhr

Lieber Manfred, wie ich sehe, kommst Du gerade aus Berlin. Da bist Du ja für das Thema "Matrix" gut gerüstet ;-). Eckhard





Eckhard Meineke, 3.05.2010 um 20:40 Uhr

Liebe Kerstin, danke für die umfangreiche Besprechung! Mit der Entgegnung wird es wie immer etwas dauern. Aber die größte Qual war die Lektüre der "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge", und die habe ich bereits hinter mir ;-). Eckhard





Karl-Dieter Frost, 6.05.2010 um 12:58 Uhr

Lieber Eckhard,
>ist es möglich<, dass ich zu der Tiefe der hier angerissenen Thematik einen bescheiden passenden Beitrag leisten kann? :)
Neben ungeliebten mathematischen Ergüssen erinnert mich Titel und Bild an das zu meiner beruflichen Einstiegszeit schon sehr intelligente 7er-Code-Verfahren, das es ermöglichte, die im damaligen geschäftlichen Fernschreibverkehr (Telex, Telegramme) üblichen Zeichen (Buchstaben Zahlen, Sonderzeichen), die bereits mit einem 5er-Code komplett abbildbar waren, mit einer komfortablen Redundanz zu übertragen. Das heißt, dass die hohe Anzahl nicht erforderlicher Kombinationsmöglichkeiten es zuließ, dass man nur solchen Zeichen gültige Werte zuordnete, die ein Drei-Zu-Vier-Verhältnis (Loch oder kein Loch; Strom oder kein Strom) aufwiesen.
Somit wurde jedes Zeichen, das am Ende eines Übertragungsweges (z.B. durch einen Fehlimpuls) ein anderes Verhältnis hatte, als falsch erkannt. Rückfrageroutinen sorgten für ständige Wiederholung, bis das Zeichen korrekt angekommen war.

Derartige Fehlinformationskontrollen für das, was uns aus unserem geschichtlichen Rückblick überliefert wurde, sind uns leider nicht an die Hand gegeben worden (oder es fehlt uns der Schlüssel, sie zu nutzen?). Descartes leitet viele seine Überzeugungen und Schlussfolgerungen von der Tatsache ab, dass er denken kann. Sinneseindrücke können täuschen, aber können nicht auch die falschen Gedanken auf falsche Fährten locken? So kommt man wohl um ein wenig Glauben nicht herum, wenn man sich seine Vorstellung von dem machen will, was über unseren Horizont hinausragt. Und so sehr wir auch suchen, noch hat man >die Formel< noch nicht gefunden, mit der sich alles erklären lässt. Die Matrix-Trilogie lässt viele interessante Gedankengänge zu.
Vielleicht liegt die „Wahrheit“ ja auch sehr nahe – nur unsere Wahrnehmungsmöglichkeiten reichen für ein Erkennen nicht aus. Aber wahrscheinlich hat die schöpfende Macht ja gar nicht vorgehabt, uns die Erkenntnis über alle Ursprünglichkeit sozusagen genetisch (oder per Keilschrift, DVD oder Speicherstick) unzweifelhaft zu überliefern. Die uns vorliegenden Überlieferungen sind weder nach einem 3zu4-Verhältnis noch nach einer anderen Fehlinformationskontrolle in unserem wissenschaftlichen Maßstäben abprüfbar. Selbst die Tatsache, dass die Schöpfungsmacht uns zum Denken befähigt hat, muss ja noch nicht heißen, dass sie es auch haben will, dass wir uns so unsere Vorstellungen religiös, philosophisch oder kreativ unterhaltsam zusammenbasteln. Werden wir einmal danach bewertet werden, wie intensiv, anspruchsvoll oder zutreffend wir uns mit unserem Ursprung oder unserem Ursprungsgeber beschäftigt haben? Wissen wir, was sein Wille ist oder ahnen wir es oder glauben wir es nur – wenn wir denn glauben (und jeder mehr oder weniger anders)?
Manchmal denke ich, dass wir mit der Schöpfung einen großen Freiraum bekommen haben, den zu füllen wir aufgerufen sind. Dabei bleibt die Hoffnung, dass eine „gute Führung“ sicherlich ein gutes Ziel und ein guter Anspruch sein könnte oder sollte. Warum nur gilt um uns herum in der der Natur weitgehend das Gesetz des Stärkeren. Ist die Überwindung dieses Gesetzes das besonders Herausragende, was den Menschen über den Rest der Natur stellen könnte (falls ihm das denn wirklich mal gelänge)? Und wenn ja – über welche Natur? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir im kosmischen Sinne nicht mal die Bedeutung einer Wanze haben. Aber der, der die Wanzen erschaffen hat, mag sicher auch diese!
Gruß KD





Eckhard Meineke, 6.05.2010 um 13:33 Uhr

Lieber KD, danke für die Besprechung! Die Gedanken dazu werden mir wie üblich erst in den nächsten Tagen einfallen; Du musst vermutlich wieder ein Lesezeichen setzen! ;-) Eckhard



Karl-Dieter Frost, 6.05.2010 um 21:22 Uhr

Das war es ja schon, lieber Eckhard! :)
KD



Eckhard Meineke, 7.05.2010 um 7:44 Uhr

Lieber KD, des Wochenendes unendliche Weiten werden sicherlich auch Platz für diesbezügliche Überlegungen bieten ;-). Eckhard



Eckhard Meineke, 7.05.2010 um 12:37 Uhr

Lieber Manfred, die allermeisten Kommentare unter den Bildern der fc sind sachlich völlig belanglos. Und Du weißt ja selbst, dass es diese "Anmerkungskartelle" gibt, bei denen jemand sich 40 "Fotofreunde" sammelt, die sich dann gegenseitig "Anmerkungen" schreiben, ganz gleichgültig, ob das Bild etwas taugt oder nicht. Das kann doch nicht befriedigend sein ... jedenfalls nicht für mich.

Wenn ich nicht irre, ist gerade ein Knopf erfunden worden, mit dem man, ohne etwas schreiben zu müssen, die Zustimmung zu einem Bild kundgibt. Das gleicht dann dem Applaus, bei dem ja auch nicht argumentiert wird.

Ich finde es schön, wenn sich jemand um meine Bilder und die dort angesprochene Thematik Gedanken macht und diese in eine Diskussion einbringt. Darum lasse ich ja auch ein Bild ca. zwei Wochen zur Diskussion stehen. Natürlich wäre es keine Schwierigkeit, jeden Tag ein Bild einzustellen, aber weshalb und für wen?

Wie kurz oder lang sich aber jemand äußert, das ist seine eigene Sache; mir ist beides recht. Eckhard

Die Feder von Eckhard Meineke
Die Federnicht in Diskussion
Von
10.7.08, 16:06





Eckhard Meineke, 9.05.2010 um 20:12 Uhr

@ Kerstin (Besprechung): Liebe Kerstin, nochmals vielen herzlichen Dank dafür, dass Du dir um ein Bild wie dieses so viele Gedanken machst und deine kostbare Zeit dafür verwendest.

Allein von der Bildfolge her kann man das Thema „Matrix“ gewiss als durchaus positiv auffassen, denn die von Dir angesprochene Matrix im Sinne der Gebärmutter ist schließlich für unser Auf-die-Welt-Kommen und das Aufdieweltkommen so vieler wertvoller menschlicher Erzeugnisse schlichtweg unentbehrlich. So kann man die Bildfolge, wenn man vom Text absieht, erst einmal als eine dokumentarische Sequenz über die Textilherstellung auffassen. Angesichts des außerordentlichen Erfindergeistes und der kongenialen Ingenieurskunst, die in den gezeigten Maschinen steckt, fände ich das auch sehr berechtigt. Bis in die 60er Jahre war die Lochkartensteuerung ja sogar bei Computern in Gebrauch, wie überhaupt die Frühgeschichte des Computers ein ausgesprochen interessantes Feld ist; selbst das Nixdorf-Museum in Paderborn zeigt sie nur unvollständig.

Eine solche Matrix ist ein Beispiel für Matrices in fast allen wenn nicht überhaupt allen Gebieten der Natur und der Technik, wie Du völlig zu Recht ausgeführt hast, und auch der Gedanke, dass es über einer Ebene immer eine höhere gibt und so fort, ist gut nachvollziehbar. Im Unterschied zu der überschaubaren Welt einer Textilspinnerei sind sie aber sowohl im Mikrobereich und Nanobereich, also im Körper, und im Makrobereich, also etwa bei der Volkswirtschaft und globalen Prozessen, durch den Einzelnen kaum kontrollierbar, sofern sie überhaupt bewusst sind, was für den Nanobereich nicht und für den Mikrobereich kaum zutreffen dürfte. Und was den Makrobereich betrifft, ist uns mehr und mehr bewusst, dass man sie kaum oder wenn nur mit Mühe oder indirekt steuern kann. Das Wechselspiel zwischen egoistischen Interessen und dem Gefühl der Verantwortung für das Ganze wird in diesen Tagen besonders deutlich; Du erwähntest den Weltklimagipfel. Paradigma können auch die gegenwärtigen Ereignisse im Golf von Mexiko sein oder die erstaunliche Tatsache, dass möglicherweise eine fehlerhafte Zahleneingabe das ganze Börsensystem für einige Tage ins Wanken bringt.

Dass der Mensch in ihn tragenden Systemen lebt, war natürlich auch vor der „Matrix“-Trilogie bekannt; ich darf an dieser Stelle nur an die Systemtheorie Niklas Luhmanns erinnern oder an das Buch „Die Gruppe“ von Richter; wir waren auf das „Gruppe“-Thema bereits einmal anlässlich deines entsprechend betitelten Bildes eingegangen. Und eigentlich wurde, wie Du mit Recht bemerkst, der Filmplot bereits durch den Fernsehfilm „Welt am Draht“ vorweggenommen. Wie es immer so ist, wird dann das Eine weltbekannt, während die Kenntnis vom „Vorläufer“ – was für eine unpassende Vokabel! – auf die Kenner von „Welt am Draht“ begrenzt bleibt. „Welt am Draht“ ist freilich auch weit intellektueller und spröder als „Matrix“, wo ja mit Kampfszenen für die Popcornfraktion nicht gerade gespart wird.

Der Antagonismus von Skeptizismus und Mystizismus ergibt tatsächlich zwei Seiten einer falschen Münze. Denn wenn Wissen unmöglich wäre, könnte man sich gleich aller Anstrengung begeben, es zu erwerben. Und Wissenserwerb ohne Anstrengung gibt es natürlich nicht. Wenn aber Skeptizismus und Mystizismus beide falsche Wege sind, dann fragt sich natürlich, ob es einen dritten Weg gibt.

Dabei sind die subtilen Methoden der Bewusstseinslenkung, die bereits seit längerem diskutiert werden, gewiss keine Dinge aus dem Reich der Fabel, sondern Realität. Und in diesem Bereich gibt es doch gewiss viele falsche und unverantwortliche Matrices, die dem Bewusstsein Anderer übergestülpt werden sollen, und sei es nur, um Dinge zu verkaufen, die ernsthaft niemand braucht. Sie aufzuzählen, wäre im Rahmen einer solchen Erwiderung schier unmöglich; ich erwähne nur die Flugreise mit Strandurlaub in Übersee, einen Kraftwagen für 60.000 Euro oder eine Stereoanlage, deren Wiedergabequalität Haustiere erschreckt, aber vom Menschen gar nicht bemerkt werden kann ;-). Aber das Verrückte ist ja, dass gemäß der Marktheorie Mandevilles die Nachfrage nach unnötigen, ja verrückten Dingen gerade zur technischen und damit auch kulturellen Entwicklung beiträgt, während die „guten“ Bedürfnislosen auf Steinzeitniveau verharren.

Die Neigung, in schlechten und die Realität verkleisternden Matrices zu verharren, dürfte im Großen wie im Kleinen sehr ausgeprägt sein. Die Lebenslügen sind zahlreich, und nur wenn ein Modell wieder einmal völlig gegen die Wand gefahren wurde, erfolgt eine Abkehr. In diesen Tagen wurde der Film über den tapferen Menschen gezeigt, der mit der Veröffentlichung der „Pentagon-Papiere“ nachwies, dass der Eintritt der Vereinigten Staaten von Amerika in den Vietnam-Krieg nichts mit den vorgeschobenen Gründen zu tun hatte, die für ihn erfunden worden waren. Von ihm erfunden worden waren. Damit riskierte er erstens seine Karriere, wenn nicht mehr, und machte zweitens die schreckliche Erfahrung, dass seine Mitmenschen zwar diese Wahrheit kognitiv aufnahmen, aber ihr Verhalten in der Masse kaum änderten. Und man muss von Glück sagen, dass es diesen einen Menschen überhaupt gegeben hat; die meisten seiner Kollegen haben dieses Verhalten als Geheimnisverrat verurteilt.

So ist derjenige, der sich aus der Matrix herausnimmt, noch nicht ohne Weiteres der Glückliche, oft gerade das Gegenteil: für das Leben gebrandmarkt. Was nun Rilkes Roman betrifft, bemüht sich der Antiheld gewiss redlich, die wahre Vergangenheit seiner Familie aufzuschreiben. Aber abgesehen davon, dass diese Aufzeichnungen sterbenslangweilig sind und die handelnden Personen zumeist Tölpel: hat er es auch erreicht? Aber entscheidend war gewiss der Versuch, nicht dessen Glücken. Und darauf kommt es vielleicht an: es zu versuchen. Der Satz, dass jede aufrichtige Darstellung der Welt zugleich eine Fälschung ist, ist natürlich Unfug. Der Begriff „Fälschung“ setzt voraus, dass jemand etwas als wahr Erkanntes bewusst verschweigt und verdreht. Beim Erkenntnisproblem geht es aber vielmehr darum, dass man nicht sicher sein kann, ob das, was man erkannt hat, auch wahr ist. Die Isolation, die sich Rilkes Held auferlegt, ist gleichfalls Unfug und un-menschlich, zumal das Wunder der Zuneigung unserem Zugriff entzogen ist. Und wir wissen doch alle, dass wir ohne die geschenkte Liebe gar keine Menschen im vollen Sinn werden können. Eckhard



Eckhard Meineke, 9.05.2010 um 20:12 Uhr

@Karl-Dieter: Lieber Karl-Dieter, im Unterschied zu gewissen Bildern des realistisch auftretenden Symbolismus, deren Autor zumeist unverstanden in diesen Tagen sogar in zwei Großstädten zugleich gewürdigt wird, ist diese bescheidene Bildfolge gewiss kein Rätsel für denjenigen, der sich um sie ernsthaft Gedanken machen möchte. Wie für dich.

Danke für die Schilderung der technischen Hintergründe, zumal diese Technik ja nicht mehr im allgemeinen Bewusstsein ist, aber doch Anlass für prinzipielle Überlegungen darüber sein kann, wie Informationssysteme und technische Systeme aufgebaut sein könnten, nämlich redundant und fehlertolerant.

Was Descartes betrifft, beruht sein zentraler Satz schlicht auf einem Irrtum, weil er die subjektive Erfahrung des Denkens zum Beweis seiner objektiven Existenz nutzt, aber keinen absoluten Anhaltspunkt dafür hat, also einen außer ihm, dass das, was er denkt, überhaupt Realität ist. Das ist aber das Grundproblem der bewussten menschlichen Existenz, das in toto nicht lösbar ist. Freilich sprechen viele empirische Erfahrungen dafür, dass Teilannahmen über die Struktur der Welt richtig sein dürften.

Ob die schöpfende Macht ein Interesse daran gehabt haben kann, dass unsere Art zur völligen Erkenntnis der Welt kommen könne, können wir nicht wissen, zumal wir diese Macht nicht kennen und sie sich vermutlich als in einer Größenordnung existierend darstellt, von der wir uns keinen Begriff machen können. Indessen dürfte die Idee vom „Freiraum“, den wir kraft unserer wie immer qualitativ beschaffenen Möglichkeiten intellektueller Verarbeitung der Welt bekommen haben, durchaus tragfähig sein. Denn das Gesetz des Stärkeren und das des Fressens und Gefressenwerdens herrscht nur in der Natur um uns herum, bei Spezies, die außer Brutvorsorge und Nahrungsbeschaffung keine anderen Interessen haben. Nur wir sind kraft unserer Kultur aus dieser „Matrix“ herausgenommen, um unsere Existenz und unser Miteinander auf andere als auf tierische Grundsätze zu gründen. Das könnte doch, recht verstanden, eine große Chance für unsere Art sein, und es kann ja auch keine Rede davon sein, dass diese Chance nicht auch bereits in vielerlei Dingen genutzt wird. Aber das Verbesserungspotential ist genauso gewaltig. Unsere Chance könnte sein sich bewusst zu werden, dass uns die Schaffung unserer eigenen kulturellen Matrix in dem Augenblick aufgegeben wurde, als einer das erste Wort der ersten Sprache sagte. Rudi Keller nennt den Menschenaffen, der entscheidend dazu beitrug, in seinem Buch „Sprachwandel“ „Karlheinz“, aber ich nehme an, dass er anders hieß. Eckhard



Thomas vom See, 10.05.2010 um 14:03 Uhr

Hallo Eckhard,

zunächst einmal zu dem Bild. Ich finde es klasse ich mag es wenn man durch die FC blättert und nicht sofort erkennt was es ist. Man muss Dein Bild schon öffnen um zu sehen.

Ich finde es ist möglich ..... wir Menschen stecken voller Schwächen und einer gewissen Gleichgültigkeit. Voller falscher Ansätze, Ideen und Gedanken. Aber so ist der Mensch, zeichnet Ihn das nicht auch aus? Wären wir perfekt würden wie nicht nach Fehlern suchen. Und einige wissen, dass sie nicht perfekt sind und somit suchen wir nach Schwächen und Fehlern.

Ja und ich finde, dass wir die Menschheit und somit auch ich, an der Oberflächen des Lebens geblieben sind.

Wir müssten viel mehr aber können wir das auch?
Wir können, glaube ich, nur suchen und kleine Fehler beheben für das Große und Ganze benötigen wir noch Zeit ;-)

Gruß vom See

Thomas



Kerstin Stolzenburg, 10.05.2010 um 18:33 Uhr

@Lieber Eckhard, danke für die umfassende Erwiderung. Ich antworte darauf noch etwas eingehender.
Kerstin



Eckhard Meineke, 10.05.2010 um 19:52 Uhr

@ Thomas: Lieber Thomas, im Gegensatz zu dem, was die Bibel berichtet, ist der Mensch eine Kreatur, die die Eigenheiten seiner phylogenetischen Vorfahren immer mit sich schleppt. Das macht ihn auch so unvollkommen. Aber anders scheint es nicht zu gehen, und womöglich liegt im Kampf gegen diese Grundeigenschaft eine permanente Aufgabe für den Mensch als Kulturwesen. Eckhard



Karl-Dieter Frost, 10.05.2010 um 23:39 Uhr

Danke, lieber Eckhard, für Deine umfassende Erwiderung. Da ist durchaus in den vielen Matrices, in denen wir uns bewege,n reichliches Verbesserungpotenzial gegeben. So schien es ja z.Z. allen Verantwortlichen in unserer politischen Matrix bisher nicht bekannt gewesen zu sein, dass es in der Finanz-Matrix die Möglichkeit und das Bestreben gibt, ein als stabil geglaubtes politisches (und wirtschaftliches) Gebilde in Grund und Boden zu fahren, um dann anschließend selbst zu kollabieren. Aber die bedrohte Matrix rettet in edler Art die angreifende Matrix ... oder so ähnlich. - Egal - hilf mir mal bitte auf die Sprünge, welchen Symbolisten Du oben meintest?
KD



Eckhard Meineke, 11.05.2010 um 8:02 Uhr

Neo Rauch ;-) Eckhard



Thomas vom See, 11.05.2010 um 10:20 Uhr

Schöner hätte man unsere "Schwächen" nicht umschreiben / beschreiben können.

Besonders das "Kulturwesen" ..... finde ich klasse.

Ich danke Dir

Gruß Thomas



Brunello.Costa, 14.05.2010 um 14:19 Uhr

Bel particolare delle spazzole del motore ad anelli di Matrix(5)


Eckhard Meineke, 14.05.2010 um 14:52 Uhr

Lieber Bruno, danke! Die Welle war aufgrund des Metallglanzes natürlich nicht so ganz einfach zu fotografieren, und dann sollte neben der rein technischen Ansicht ja auch noch ein wenig das "Matrix"-Gefühl dabei herauskommen. Eckhard



Carsten Mundt, 15.05.2010 um 13:18 Uhr

Hier stehe ich nun, nicht im Tor.

Lieber Eckhard,

(die Einleitung nicht ganz klassich begonnen, aber ich lese die anderen Anmerkungen bewusst erst einmal etwas später .. ist doch recht spannend..)

Über Matrixen, so sollte der Plural logischerweise eigentlich heissen, ähnlich wie Kaktüsse :)
kann ich berichten, dass die Abzüge derselbigen in meiner Schulzeit blau waren, abgezogen auf etwas gelblichen Papier. Frisch abgezogen, hatten diese einen seltsamen, aber nicht unangenehmen Geruch.

Nun.. als Lehrer wirst Du mit dem Prinzip vertraut sein, auch der Begriff der Blaupause wird Dir bekannt sein.

Allerdings sind einige AZO-Farbstoffe mittlerweile verboten, da krebserregend.

Unter dem Schreiben dieser schlauen Zeilen, lieber Eckhard, stelle ich gerade fest, dass ich als "Textiler", arbeite, bin ich doch in einem Unternehmen, welches Kleidung importiert und vertreibt, seit mittlerweile 20 Jahren angestellt.

"Brotzeit" und Geschenkkörbe gab es, aber auch das Gefühl, welches anlässlich solcher Begebenheiten daher kommt.. wo sind die letzten zwanzig Jahre geblieben ??

Die Frage stellt sich in dem Zusammenhang der "Lebensmatrix", welche uns vor wenigen Jahren in den Filmen, Teil 1-3, so schön dargeboten wurde.

Es war in den 1970'gern, dass die westliche Welt erzitterte vor dem wirtschaftlichen Erfolg der Japaner, und ich erinnere mich noch recht gut daran, dass der Ausdruck
" Trevira-Ameisen" gebräuchlich war

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40615889.html


Gleichzeitig abwertend-spöttisch, aber auch ängstlich-respektvoll.

Diese Rolle fällt heute China zu, so wie man auch heute immer wieder gerne einmal behauptet, dass die Zukunft in Asien liegen soll.

Nun ist unser eigenes Verständnis von uns selbst gerne davon geprägt, dass "wir im Westen" auf unsere Individualität und die Vielfältigkeit der Gesellschaft pochen,
während uns die asiatischen Gesellschaften oft als Massengesellschaft vorkommen.

Interessanterweise erscheint uns ja auch der Islam mittlerweile als oft sehr bedrohlich, obwohl Christenum, Islam und Judentum mehr gemeinsam haben, als man
ohne nähere Betrachtung annehmen möchte.
Im Christentum kennen wir das Prinzip von Schuld, Sühne und Vergebung, damit wir dereinst ins Himmelreich eingehen werden. So einfach ist das natürlich nicht,
aber als tendenzielle Grundhaltung beeinflusst uns unsere Kultur mit Sicherheit, auch wenn diese, auch in Glaubensfragen, ja gar nicht homogen ist.

Auf was wollte ich eigentlich hinaus.. ach ja, die Matrix.

Es stellt sich die Frage, ob wir wirklich so individuell entscheiden können, wie wir uns das als Individuum einbilden.
Ja, solange wir das Gefühl haben, Einfluss nehmen zu können. In der Realität stellt sich das aber oftmals als schwierig heraus, wenn
die Dinge plötzlich einen anderen Verlauf nehmen, als angedacht.

Es ist allerdings auch recht bequem, und ich denke, dass es auch überlebensnotwenig ist, sich dem

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,692883,00.html


hinzugeben, denn ständig und immer über " die Welt " nachzudenken, würde in den Wahnsinn treiben.

Das Leben an einer

Poolposition von Carsten Mundt
Poolpositionnicht in Diskussion
Von
15.5.10, 14:15


ist daher durchaus recht angenehm, wenn auch seltenst von Dauer.

Insofern unterscheiden wir uns von den Ameisen nicht grundlegend :)









Eckhard Meineke, 15.05.2010 um 17:15 Uhr

Lieber Carsten, der süße Duft der Matrizen und der mit ihnen angefertigten Abzüge begleitete mich in der Schulzeit und in den ersten Studienjahren. Einer der berühmten Professoren, die ihre Arbeitskraft an mich verschwendeten, hatte auch bereits eine andere Matrizentechnik; die Matrizen waren aus dünner Metallfolie und die damit hergestellten Ausdruck von außerordentlich guter Qualität. Damals, in den frühen Siebzigern, hatte man ja noch diese fürchterlich riechenden Nasskopierer. Dieses ganze Unwesen aber war vorbei, als sich der Trockenkopierer durchsetzte. Na, und jetzt werden die Arbeitspapiere als elektronische Dateien verschickt, auf dass sie sich jeder selbst ausdrucke. Was gleich blieb, ist die Erfordernis, das Gelesene auch zu verstehen ;-). Zum Übrigen äußere ich mich noch (wenn ich die fünf DVDs über Luther gesehen habe ;-)). Eckhard

Lodern von Eckhard Meineke
Lodernnicht in Diskussion
Von
13.5.10, 11:27




Kerstin Stolzenburg, 16.05.2010 um 14:33 Uhr

Lieber Eckhard, danke noch einmal für deine ausführliche Erwiderung!
Ich möchte nur kurz noch einmal auf einige wenige Punkte eingehen, die dort angesprochen wurden.

1. Das Wechselspiel zwischen egoistischen Interessen und dem Gefühl der Verantwortung: Ich fürchte, dass es in manchen Bereichen mit der Verantwortung leider nicht weit her ist, insbesondere, wenn es darum geht, Geld in großem Maßstab verdienen zu können. Die Ereignisse im Golf von Mexiko, an denen die Medien auch bereits so langsam das Interesse zu verlieren scheinen, sind ein gutes Beispiel dafür. Dass der Bau der Bohrinsel möglicherweise einfach "abgenickt" wurde, ohne, dass die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld ausreichend geprüft wurden, ist eine Sache, die bereits verwerflich genug erscheint vor dem Hintergrund der möglichen Gefahren für Umwelt und Klima. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,694993,00.html
Dass aber nun noch in einem gigantischen "Feldversuch" eine als überaus bedenklich eingestufte Chemikalie, von der zumindest bereits klar ist, dass sie Schäden verursachen wird, einfach ins Meer gekippt wird, damit die nach außen hin sichtbaren Schäden der Ölkatastrophe möglichst überschaubar bleiben, da der Rest sich sozusagen "unsichtbar" und in einem nicht definierbaren Zeitraum abspielen wird, ist wie Schmutz unter einen Teppich kehren, um weiterhin als Saubermann agieren zu können! http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,693566,00.html
Betrachtet man dies vor dem Hintergrund der Meldungen zum Zustand des globalen Ökosystems in diesem Jahr, die man vor etwa einer Woche in den Nachrichten verfolgen konnte, könnte man meinen, dass es Menschen gibt, die das überhaupt nicht interessiert bzw. denen die Aktienkurse in ihrem Berufsleben eben deutlich wichtiger sind als der langfristige Erhalt und die Funktionalität der Matrix "Erde". http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-05/artenvielfalt-un-bericht

2. Das "Gruppen"-Thema nehme ich vielleicht mit einem meiner nächsten Bilder in anderem Zusammenhang noch einmal auf.
Meintest Du mit dem Buch von Richter die "Gruppe 47"?

3. Skeptizismus schließt Wissen ja nicht komplett aus, sondern lässt die Möglichkeit der Erkenntnis der "Wahrheit unterschiedlicher Grade" zu (so steht es zumindest geschrieben ;-). Das Ausschließen von Wissen scheint mir dann doch eher mit reinem Mystizismus verbunden zu sein, der mit dem Verstand wohl nicht so viel anfangen kann, wie kürzlich an anderer Stelle zu lesen war.
Ich bin - solange ich es nicht besser weiß - für einen ausgewogenen Mittelweg.

4. Markttheorie Mandevilles: Nun gut, die Bienenfabel ist auch schon etwas älter, trotzdem interessant und das darin Aufgeführte mag zu Forschritten technischer Art führen. Ich möchte den Ansatz jedoch nicht teilen, da er auch die Ethik aus der Marktwirtschaft eliminiert und wohin das führt, sehen wir! Außerdem gäbe es andere Wege bzw. sollte es sie in Anbetracht verschiedener Entwicklungen geben.

5. Was Rilkes Text und deine Sätze dazu betrifft, habe ich natürlich auch längst Überlegungen angestellt und mache das immer wieder einmal ;-). Aber nicht alles, was einem so im Kopf herumspukt, muss und kann man ja auch hier aufschreiben.

Kerstin



Eckhard Meineke, 18.05.2010 um 20:16 Uhr

Liebe Kerstin, des Dienstes Überlast verhindert eine rasche Antwort. Aber besser durchdacht als schnell. Bis Pfingsten wird es wohl etwas werden ;-). Eckhard



werner weis, 19.05.2010 um 8:58 Uhr


ich schreibe nur zur Fotografie:
diese Matrix könnte einen Webstuhl steuern

auf der Fotografie
fächert sie sich leicht auf und sie ruht noch

doch, wenn es
losgeht zeigt sie ihre Intelligenz,

die durchaus
begrenzt ist, aber dies ist relativ




Eckhard Meineke, 19.05.2010 um 23:21 Uhr

Lieber Werner, es war entweder die Steuerung eines Webstuhls oder die einer Spinnmaschine. Übrigens kann man sich in dieser Museumswerkstatt auch etwas Individuelles nach eigenem Entwurf herstellen lassen. Die "Matrix" sollte wie eine Schlange wirken, die vom Baum herabhängt, und damit an "Luz" im Comic "Prototyp" von Ralph König erinnern. Den kennt aber natürlich nicht jeder. Eckhard



Eckhard Meineke, 20.05.2010 um 14:22 Uhr

@ Carsten: Lieber Carsten, natürlich kann man nicht immer über die Welt nachdenken. Auch bei dem Problem, seine eigene Existenz bewusst zu leben, gilt es, Maß zu halten und eine Balance zu finden zwischen der Lebenspraxis und der Lebenstheorie. Niklas Luhmann und andere haben das Problem im Prinzip bereits ganz vernünftig beschrieben, wenn sie darauf hinweisen, dass die quasi-automatischen Strukturen unseres Daseins ja erst einmal Problemlösungsfunktion haben; sie haben sich bewährt und müssen nicht dauernd hinterfragt werden. Dadurch gewinnen wir den Freiraum, uns mit den Dingen zu befassen, bei denen eine automatische Steuerung nicht in Frage kommt. Allerdings kann es sein, dass auch und gerade die sozialen "Automatismen" von Zeit zu Zeit nicht mehr zeitgemäß sind und einer Neujustierung bedürfen. Eckhard



Eckhard Meineke, 20.05.2010 um 14:37 Uhr

@ Kerstin: Liebe Kerstin, deinen Ausführungen unter Punkt 1 ist natürlich vollkommen zuzustimmen. Als Nichttechniker wundere ich mich auch, warum es nicht möglich sein soll, das Öl mit dafür ausgerüsteten Schiffen abzusaugen, bevor das Bohrloch geschlossen werden kann. Punkt 2: Ich meinte Richters „Die Gruppe“. 3. Mystizismus: Auch der Verstand ist von Gott; das bloße Ahnden bringt niemanden weiter und endet im Borderline-Unwesen. 4. Die Bienenfabel beschreibt ja nur eine bestimmte Varietät der Marktwirtschaft, und da wird natürlich ein krasses Gegenbild zu der Gesellschaft der Bedürfnislosen gebraucht, und die Pointe deutlich zu machen. Dass es mit dieser Rigidität in einer wirklich menschlichen Gesellschaft nicht abgehen kann, ist offenkundig. Das Ganze grenzt ja an die Satire oder das Kabarett, das in der Überzeichnung etwas Wahres zeigt, aber zugleich immer auch übertreibt, damit die Karten für die Vorstellung verkauf werden können. Punkt 5: Es ist eine wichtige Erkenntnis der Pragmatik, dass das Meiste ungesagt bleibt ;-). Eckhard



Gert Rehn, 2.06.2010 um 10:10 Uhr

hier für Webstühle, aber auch dafür wurde diese Technik verwendet(zuerst von IBM), lieber Eckhard:

"Die professionelle Auszählung und Erfassung von per Lochkarten eingegebenen Daten erleichterte und optimierte die Datenverarbeitung in Industrie, Gewerbe und Büro. Hollerith-Maschinen hielten überall in Behörden und Firmen Einzug. Sie wurden bei der Buchhaltung eingesetzt, im Personalwesen, zur Erfassung von Kontobewegungen und spielten bei der statistischen Erfassung (Volkszählungen, Wahlen) eine unverzichtbare Rolle. Im Dritten Reich wurden die Hollerith-Automaten missbraucht, weil sich mit ihrer Hilfe die rassistischen Kriterien der Nürnberger Rassengesetze erfassen ließen.(und sonstige dem regime unliebsame leute ebenso schnell, indem man die Karten fallen ließ, G.R.) Lochkarten im Hollerith-Format finden sogar heute noch in US-amerikanischen Wahlautomaten Verwendung, deren - für heutige Begriffe - mangelnde Zuverlässigkeit jedoch bei den Präsidentschaftswahlen 2000 stark in die Kritik geraten ist.(!) aus: Planet-Wissen.

mfG Gert



Eckhard Meineke, 2.06.2010 um 12:00 Uhr

Lieber Gert, leider lässt sich alles, was guten Zwecken auf breiter Front dienen könnte, auch missbrauchen; das ist bei der gegenwärtigen elektronischen Welt der Kommunikation noch in viel größerem Ausmaß möglich als bereits seinerzeit, wobei aber die tödliche Effizienz der Maßnahmen im "Dritten Reich" bereits entsetzlich war ... ich erinnere mich an die Eingangsszene des Films "Schindlers Liste". Heute ist man ja mit eingeschaltetem Handy sogar lokalisierbar. Was die amerikanischen Wahlautomaten betrifft, so dürfte damals der demokratische Kandidat durch allfällige Manipulationen um seinen Wahlsieg gebracht worden sein. Eckhard





Max Stockhaus, 21.06.2010 um 19:52 Uhr

habs vor ein paar Tagen aufghängt in meiner Galerie.

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/extra/fav


Ein überaus interessantes Thema, welches die Menschheit zunehmend weiter beschäftigt, wird hier beleuchtet durch dein "Dinosaurier-Bild"

Gratulation

*



Eckhard Meineke, 21.06.2010 um 20:35 Uhr

Lieber Max, in wenigen Jahren wird die Informationstechnologie von heute der Dinosaurier von morgen sein. Was dann? Eckhard



Max Stockhaus, 21.06.2010 um 21:40 Uhr

Eine sehr philosophische Frage natürlich,
Solange wie mit der Web-Matrix (die zum Weben, (nicht die vom www) wirds nicht dauern, das ist klar.

Es vergeht noch ein Weilchen, bis der Mensch sich "künstlich" zu repruduzieren in der Lage ist.
Es gibt zwar genug Menschen, die glauben, das wird er nie tun können, aber vielleicht wollen sie das nur glauben, weil sie sich fürchten davor
-
Wenn er dann doch einmal dazu in der Lage sein sollte, kann man nur hoffen, dass er auch reif genug dafür geworden ist, was zur Zeit leider nicht absehbar ist.

lgm

*



Eckhard Meineke, 22.06.2010 um 18:01 Uhr

Ich denke, er wird nie reif dazu sein; dazu steckt der alte Adam zu tief in uns. Nun ja, vorderhand gibt es auch drängendere Probleme als wesentliche Fortschritte in der Informationstechnologie, solange etwa die Fragen des Umweltverbrauchs, der Überbevölkerung und des Klimawandels nicht gelöst sind. Eckhard



Antigone44, 29.03.2011 um 22:20 Uhr

Ist es möglich,dass ich "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" noch nie gelesen habe?
Ja,es ist möglich.
Ist es möglich,dass sich beim Betrachten des Fotos ein Kopfkino in Gang gesetzt hat?
Ja,es ist möglich.
Ist es möglich,dass ich beimLesen von Rilkes Text in innerer Aufruhr geraten bin?
Ja, es ist möglich.
Ich danke Dir!
Lieben Gruß,Siegrun



Eckhard Meineke, 30.03.2011 um 8:19 Uhr

Liebe Sigrun, leider ist das bereits der einzige Teil des Romans, der einen in Aufruhr versetzt; der Rest ist fürchterlich langweilig und am geplanten Thema vorbeigeschrieben. Aber immerhin: Dieser Teil ist schwerlich zu übertreffen. Eckhard





werner weis, 19.06.2011 um 23:30 Uhr





Ginger White: Zur Fotografie des Ablaufs


antik rollt hier ein Programm ab
das klassisch erzählt

verknüpft mit einem Baumwollfaden
reihen sich hier Platten aus

einem metallenem Material, die
Lochbotschaften aussenden

wir hören die Klänge aus Babylon,
wo aus der Masse doch Ordnung

schallt, doch diese Logiken so zahl-
reich gleichzeitig und asynchron,

dass man den Schrei der Bibel braucht,
um umzukehren in den Sinn von Matrix



Eckhard Meineke, 21.06.2011 um 21:47 Uhr

Lieber Werner, ich muss zugeben, dass ich den zweiten Teil deiner Anmerkung nicht recht verstehe. Die Babylon-Geschichte scheint mir hier nicht anwendbar zu sein. Eckhard



Wolf Schroedax, 23.08.2011 um 12:06 Uhr

Hallo Eckhard, ich brauche etwas Zeit, um bei dir durchzusteigen, bewürdige aber schon einmal deine Akribie. Bis später/die Tage/die Wochen ! LG Wolf


Eckhard Meineke, 23.08.2011 um 20:20 Uhr

Lieber Wolf, laß Dir Zeit. Die Bilder haben sie auch. Eckhard


Michael Jo., 24.08.2011 um 12:42 Uhr

das Beispiel mit der Web-Matrix
finde ich insofern besonders treffend,
weil hier nicht nur über das Wesen einer Matrix
nachgedacht (philosphiert ..) werden kann,
deren Funktion hinterfragt wird,
sondern weil der Webstuhl selber (ob hand- u. fußbetrieben oder vollmechanisch) wieder eine Matrix
produziert !
Trennen wir eine Masche daraus auf,
ist das Bild an dieser Stelle gestört, löst sich das Produkt allmählich auf.
Lösen wir eine Masche im Pullover,
dröselt sich das ganze Teil beim Tragen allmählich auf, sofern wir dem nicht Einhalt gebieten.

Die Matrix hier als Synonym der doch nicht wirklichen
Individualität des Einzelnen in einer Gesellschaft zu betrachten, würde ich einerseits verneinen,
andererseits muss ich dem zustimmen.
Verneinung: selbst eine totalitär bestimmte Masse
lässt sich nicht bis in den kleinsten Winkel überwachen, unterordnen, fremdbestimmen
(Beispiel: im ' Dritten Reich ' );
andererseits: auch die vermeintliche Individualität,
die freien Gedanken des Individuums, orientiert/ orientieren sich an Wünschen u. Ideen, die grösstenteils von anderen schon (vor)formuliert wurden,
von einer Sehnsucht nach Freiheit, die der Einzelne
(die meisten vermutlich ?) in seiner Vorstellung
mit bereits formulierten Ideen (Idealen, Meinungen) bekannter Philosophen verbindet u./od. sich an
Idealvorstellungen (Literaur, Filme, Erzählungen, Träume ..) orientiert.
Die Frage seiner Existenz, der Lebenswirklichkeit
(Broterwerb, Abhängigkeit .. ect) dagegen wird dabei
zunächst oft ausgeblendet (was die Idealvorstellung betrifft).
Selbst all die ' Hipster' u. ähnliche Möchtegern-Individualisten folgen einem ungeschriebenen Dresscode, der sie als als solche bitte ausweisen möge ...
Etliche Beispiele von bestimmten Gruppen,
die loszogen in eine neue, ' freie(re) ' Welt,
um sich von bestimmten Zwängen zu befreien
und ein selbstbestimmtes Leben zu führen
(krasses Beispiel - oder hier doch fehl am Platz ? -:
die Hutterer, die sich heute noch dem gängigen Raster verweigern), die frühen Beatniks, die Hippie-Bewegung, die Landkommunen ...., sind doch auch wieder an
eine bestimmte Matrix gebunden, wollen sie als
Gemeinschaft von ' Individuen' überleben.
Soeben las ich in einer Beilage der ' Zeit' Berichte
junger Oppositioneller aus dem Nach-Mubarak-Ägypten, aus Syrien u. Tunesien .. , die belegen,
dass nur eine enge Vernetzung Gleichgesinnter
die überkommenen Machtstrukturen aufbrechen kann.
Was danach kommen wird, darüber herrschen - trotz Hoffnung - noch grosse Zweifel ...
(Ohne ' Matrix' wären die Muslimbruderschaften,
die Salafisten ect. keine Gefahr !).

was uns früher an Mist (ob ernst gemeint, oder
' nur' als belächelte Weitergabe einer gewissen Volxmeinung) weitergegen wurde - Beispiel:
' ein (DER ::!) Mann muss in seinem Leben ein Kind zeugen (.. früher vermutlich möglichst einen ' Stammhalter '..), ein Haus bauen und einen Baum pflanzen ...;
mit solch ' Matrizen' wurden unsere Hirne verkleistert.
Bei all den künftigen ' Businessmen' (Berufswunsch Nr 1 im Ex-Ostblock), den Börsengurus, den globalen Casinoboys
der Banken, Versicherer und Rohstoffhändler ...
ist Geld DIE Matrix, die diesen Turbokapitalismus bestimmt.
Und ' die da oben' - wenn sie nicht längst als Lakaien
das Spiel dieser Casinos unterstützen - :
gerieren sich wie die Super-Alphas (Kaste !) in Aldous Huxleys ' Brave new World' ....;
auch sie allerdings Getriebene eines Systems !
Und wir hier unten: siehe Fritz Langs grossartiger Stummfilm ' Metropolis' .. oder auch Charly Chaplin in ' Modern Times' ...
' Matrix' , den (die) Film(e) habe ich nicht gesehen (!)
- hat mich bisher auch Null interessiert; allein wg.
des Riesen-Werberummels für dieses ' Projekt' (Sprachgebrauch jener Hipster) und tiefe Abneigung u. Vorbehalte gegenüber derlei Holywood-Produkten.

@ Karl-Dieter Frost, Kerstin Stolzenburg und Gert Rehn:
zustimmendes Kopfnicken !!!
Gert: Deiner kurzgefassten Beschreibung der Informationstechnik und deren Entwicklung (und Missbrauch !!) füge ich noch ergänzend hinzu:
die gute, alte Rechen-Schiebetafel, Konrad Zuses geniale Bastelei .. und die mathematischen Grundlagen eines Norbert Wiener (am MIT, USA).

Michael
" Traumboot der Liebe" gefällig ? von Michael Jo.
" Traumboot der Liebe" gefällig ?
Von
13.2.11, 22:01
16 Anmerkungen







Eckhard Meineke, 25.08.2011 um 9:52 Uhr

Lieber Michael, Du solltest doch mein neuestes Bild mit den scharfen Zähnen des Tigers zerreißen! ;-) Nun gut, Du willst einfach nicht; das tut unserer Fotofreundschaft keinen Abbruch. ;-)) Antworte heute abend. Eckhard


Eckhard Meineke, 25.08.2011 um 16:44 Uhr

Lieber Michael, den Gedanken einer Matrix, die wieder selbst eine Matrix produziert, finde ich sehr ansprechend. Allerdings halte ich das Geschaffene eher für etwas regelhaft Erstelltes, bei dem (im Fall der Texilien) das Ganze leidet, wenn es an einer Stelle beschädigt wird. Die Übertragung des Bildes von Matrix und regelhaft Geschaffenem auf das Spannungsfeld von Gemeinschaft und Individuum ist besonders spannend, kann doch letztlich das, was wir Individualität nennen, nur in Auseinandersetzung mit der vorliegenden gesellschaftlichen Matrix entstehen und wieder auf sie zurückwirken. Dabei ist die faktische Uniformiertheit gerade jeweils „progressiver“ Bewegungen vermutlich ein Element, das zur Formierung der Gruppenidentität gebraucht wird; diese progressive Gruppe gibt dem Einzelnen, der sich ihr anschließt, eine gewisse Sicherheit gegenüber den ihn umgebenden „regressiven“ Strukturen, dient also der Selbstvergewisserung.

Inwieweit politische Entscheidungen wirtschaftliche Entwicklungen globaler Art steuern können, ist ungewiß; vermutlich setzen solche Entscheidungen eine global vernetzte Politik voraus, wie wir sie nur ansatzweise besitzen. Die Matrix-Filme solltest Du dir ansehen ;-). Es gibt solche und solche Hollywood-Produkte. Eckhard



Michael Jo., 27.08.2011 um 12:57 Uhr

gut in Worte komprimiert, lieber Eckhard,
Deine Beschreibung des Spannungsfeldes
zwischen Gemeinschaft und Individuum,
der Gruppenidentität der (vermeintlch oder betont)
' progressiven' ..

Klar weiss ich, dass Hollywood nicht nur
Blockbuster-Commerz produziert;
aber: hat ein wirklich gutes Produkt
solch gezieltes Marketing nötig ?
Darüberhinaus sollten wir Europäer uns auf
unsere eigenen ' progressiven' Kräfte und unsere mindestens ebenso gute Film(kultur-)tradition besinnen,
und nicht alles bedenkenlos fressen und wiederkauen, was aus dem Mekka des Unterhaltungsbusines L. A.
rüberschwappt (oder in unsere heimische Medienlandschaft gepresst wird ..).
Kaum ein europaisches Filmfestival, dass sich traut,
Hollywood zweit- oder drittrangig einzuordnen.
Dagegen sind diese Oskar- und Golden-Globe-Glamour-Spektakel, diese (Selbst-)Beweihräucherungs-Hochämter all der Stars und Sternchen in L. A. tranige Eitelkeiten zum Gääääähnen (und wegzappen !).
Aber so ist es: der Prophet gilt im eigenen Land nichts,
fühlt seinen Marktwert erst durch mediale US-Präsens anerkannt ...
(negatives, beinahe blamables Beispiel:
der hochmögende, blasierte Herr H. von Donnersmark ..)

p.s.1.: jetzt erst Deine ausführliche AM
(Antwort, Auseinandersetzung mit /) auf Kerstin
gelesen ..., Zustimmung !,
- auch wenn ich - was Rilke u.a. betrifft -,
da kaum mithalten kann (kaum belesen bin)

p.s.2.: mit der Mandevillschen Markttheorie hast Du mich allerdings erwischt, ins Mark getroffen ... (Stichw.: D700 - duckundweg ...)

Michael



Eckhard Meineke, 27.08.2011 um 20:08 Uhr

Lieber Michael, gestern sah ich die deutsche Produktion „Die Lehrerin“, die selbst einen so alten Mann wie mich noch zu Tränen rührte. Es gibt also durchaus gute deutsche Filme. Was die D700 betrifft: Genieße einfach eine der besten Kameras der Welt; wir haben nur ein Leben! Eckhard



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